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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1982-03-18 · N° 12. (18.3.1982) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 12. (18.3.1982)
Date
1982-03-18
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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Affecten oder Leidenschaften beherrschte Mensch kann sich nur auf .eine Weise aus dieser Knechtschaft befreien: durch die Erkenntniss, dass die Afifecte aus verworrenen Ideen der Seele entspringen, duroh die Aufdeokung des Irrthums, in welchem unsere Seele befangen ist, wenn sie die Dinge beherrschen an. können glaubt. Nur duroh die in 1 teter Zunahme begriffene Einsicht in den Zusammen! alfg des Weltalls und in die Nothwendigkeit aller ausschliesslich :n der einen Form von Ursaohe und Wirkung sioh vollsiehenden Erscheinungen können w r uns von den Leidenschaften befreien, vermögen wir den Schmerz in Lust umzuwandeln. Erkenntniss ist die oberste, ja die eincige Tagend; mit der Erkenntniss erlangen wir äeelenstärke, Seelenruhe und Liebe :;u Gott.*) In dieser intellec.tuellen Liebe zn Gott besteht unser Heil, unsere Glückseligkeit, unsere Freiheit; die intelleotuelle Liebe ist die Sonne, vor welcher alle Affeote wie Nebelstreifen zerfliessen und verschwinden. (F. f.) Noch einmal כונה (Andacht). Von Dr. E. Landau, Zürich Im Litteraturblatte Nr. 21 des vorigen Jahrgangs 1m Artikel כונה suchte ich nachzuweison, dass Rabbi Akiba der erste Tannaite gewesen ist, der sich dieses his zu seiner Zeit noch nicht in Gebrai ch gewesenen Terminus für den Begriff ,Andaoht“ bedient hatte, und folgerte daraus, dass er auoh a s eigentlicher' Schöpfer dieses Kunstwortes zu betraühten ist; ioh stützte meine Behauptung damit, dass R Akiba besonders za denjenigen Misohnalehrern g< hört, die neu concipierte Begriffe mit prägnanten Nai nen belegten; iabei habe ich auf meine Abhandlung (״Die dem Raume entnommenen Synonyma für Gott in der neuhebr. Litteratur*, Zürich 1888, 8. 48—49) verwiesen; dort nämlich stellte ioh dieVermuthnng auf, dass R. Akiba auch der Vater des nengebildeten Ausdrucks für Gott: עוכינד sei. Nnn kommt Herr Dr. Ziemlich-Nürnberg im Litteratarblatt Nr. 10 dieses Jahrgangs und lehnt meine Annahme ab; er meint: 1. es sei irrig, das R. Akiba der erste Tanaite gewesen wäre, der sich des Wortes כונה bediente, da es dessen Lehr er, R. Elieser benHyrkanos, geläufig sei; dieser nämlich 8011 in der von mir zum Beweis für R, Akiba angeführten Stelle, (Ber. 13a), dessen Disputant sein; 2. 1 eswegeu sei meine Annahme, B. Akiba als Präger det Wortes כינה für ,Andacht* zu betraohten, unhaltbar. — So weit Dr. Ziemlich. Ich fühlte mich daher veranlasst, die se scheinbar begründete Kritik genauer zn prüfen. Das (Ergebnis der weitern Untersuchung dieses Thema’s ist n in folgendes: 1. Was Frankel, auf welohen Herr Di . Z. sioh be•' ruft, bewogen Haben mag (Darke ba-Misohna S. 79 and-in seiner Monatssohr. VL S. 165), in der citirten Stelle den R. Elieser als ben Hyrkanos inzanehmen, weiss ich nicht, da mir seine Schriften nicht zugänglieh sind; nach meinem Dafürhalten isi dies nicht wahrscheinlich, aus nachstehenden Gründen: a. Nach dem bekannten talmudisuhen Grundsatz: בכל מקום אי ההלכה כתלמיד במקום הרב überall, wo zwischen Lehrern t nd Schülern Meinungsverschiedenheit beste 1t, ist die \ * Dass die Erkenntniss Gottes die Liebe i;u Gott invol• ioht blos ״erza selbst ורעת tias araorem. virt, liegt in den! hebr. Wort; denn ידע heisst kennen*, sondern auch ״lieben“. So übersetzt Spinc אלהים (Spr. Salom. ü, 6): et Dei scientiam vel Tr. thsol.-pol.r cap. IV. p >1 Halaoha nach der Ansioht des Lehrers fest• Inhalten, müsste hier die Halaöba naoh R- Elieser angenommen werden; dieses ist aber nioht der Fall, denn Ber. 13 b nimmt die Gemara die Ansioht des R. Akiba an: אם׳ רכ״כ׳ח איר יוחנן הלכה כר־ עקיבא י , b. Z. könnte zwar einwenden, p ר* אליעזר הורקנם שמותי הוא י,. El. b. Hyrk. mache von ' dieser Regel eine Ausnahme, weil er der Sohale Schammai’s angehörte, oder weil über ihn der Bann verhängt worden; darauf aber za entgegnen ist, dass wir nioht selten die Halacha naoh ihm feetgestellt finden; so ן Mischnah Ber. V. 2. (8. 33a>, wo sie von der Gemara S. 33 b naoh R. Elieser und ן nicht naoh Rab. Akita angenommen wird; ן oder Neg. 13, 6, wo die Späteren, namentlioh Maimoni es, erklären: ־׳ אליעזרD הלכה• ,! Ber. V. 2, ist es ferner auffallend, dass die Meinung des R Akiba zuerst gebraoht wird und dann erst die des R. Elieser, was gegen den rabbinisohen Usus, die Ansioht des 1. Lehrers derjenigen des Sohülers vorangehen zu lassen, ist. 2. Zugegeben aber auoh, dass in der in Frage komtuenden Stelle wirklich E. Elieser ,ben Hyrkanos* es iBt, der das Wort כונה gebraucht, 80 erschüttert dies meine Ansicht noch nioht. Da wir bis za Ende des ersten Jahrhunderts dieses Wort gar nioht antreffen and es wahrscheinlich in der Stelle Ber. 13a zum ersten Male sohrifUioh ftdrt worden ist, so liegt die Folgerung nahe, dass es ent um diese Zeit für den Begriff ״ Andacht* geprägt worden ist. Dr. Ziemlioh freilich behauptet, das כונה .dem R. Elieser schon geläufig wäre; er hat aber unterlassen, dies zu beweisen; er hätte mehrere Stellen oder wenigstens eine einzige anführen sollen, wo seinR Elieser ben Hyrkanos dies Wort sonst noch gebraucht, dann wäre er im Rechte, von einer Geläufigkeit zu sprechen. Thatsächlioh war es jener Generation nooh gar nioht geläufig. R. Meier, der Schüler des R Akiba, gebraaoht nooh Ber. 13 a הלב DTQ; demnach scheint es, dass כונה allein ohne nähere Bestimmung nooh nioht ganz allgemein für den Begriff ,Andacht* feststand, oder ganz verständlich war. Es müsste also von den beiden Taunaiten einer der Schöpfer dieser Bennrng sein. War es nun R Elieser ben Hyrkanos? Dies ist unmöglich. Er, dem stärksten Conservatismus huldigend, der nur das tradirte, was ihm überliefert worden war; —« Saoo. 28a, Neg. 9, 8, Jom. 67; er, der/den Ausspruch that: ,Wer etwas aussprioht, was er nickt von seinem Lehrer vernommen, vertreibt die Soheohina aas Israel*; Ber. 27 b; er, der jedes selbstständige Forschen und Erfinden verbietet; — Ber. 25a; — naoh Raschi soll seine Aeusserung daselbst: מנעו בניכם מ} החניק sogar aut das Lesen der Bibel sioh beziehen; — ein solcher Charakter wird wahrlioh das Denken nioht daroh neue )Begriffe, wie das äpraohgut nioht daroh neuerfandene Bezeichnungen bereichern wollen. Wie anders R Akiba! ln der-dialectischen Ca- 8uistik begründet er neue Normen; anf seinen weiten Reuen bietet sioh ihm Gelegenheit, Sprachvergleichung zu treiben (Rosoh. hasch. 26 a, Sch. 4 b, Min. 32 b, Jalkat. I. § 222, 8. 65 b), womit er seltene Wörter der Muttersprache erklärt; liegt es nnn nioht nahe, denselben auch als den Schöpfer des za seiner Zeit first auftauchenden und von ihm selbst gebrauchten Namens zu betrachten? Von ihm hätte es Elieser

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