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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1982-03-18 · N° 12. (18.3.1982) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 12. (18.3.1982)
Date
1982-03-18
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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llipipwpipiiypu.■ ־ Lj.üupn — .4« — יייימיי״והמי und kühnen Denkers. Er ist thatsächlich weder ein Pantheist noch ein Monotheist im gewöhnliohen Sinne de8W0rtes, und wenn man seine in ihrer Conoeption einzig dastehende Weltanschauung dennooh auf den kürzesten Ausdruck bringen will, so muss man sagen: Spinoza ist ein Monotheist in der höchsten Potenz gewesen; denn ihm galt der Dualismus zwischen Gott und der Welt als Etwas, das sich mit der Eiubeit Gottes nicht vereinbaren lässt, deshalb zertrümmerte er diesen Dualismus, damit nur Gott als die eine Substanz übrig bleibe. Mit dem WortSubstanz habe ich einen der drei Grundbegriffe genannt, auf welchen das Spinoza’sche System ruht; denn wenn auoh die Substanz das Princip bildet, aus welchem das Ganze herausentwickelt wird, so bleiben doch die zwei Begriffe des Attributs und des Aooidens,oder Modus, gleichfalls von grundlegender Bedeutung. Aber wie verhalten sich die genannten drei Grundbegriffe zueinander? Auch diese Frage ist in mannigfach verschiedener Weise beantwortet worden, und eben deshalb hat die Lehre Sp.’s eine ganze Reihe von einander wesentlich abweichender Darstellungen gefunden. Man hat bald die Philosophie Kant’e, bald die Fichte’s, bald die Sehelling’s in ihn hineingetragen, nnd wenn das auoh als 8chl agender Beweis dafür gelten könnte, dass der Spinozismus die Keime zu den Systemen der grossen deutschen Denker in sich birgt, so ist es doch unzweifelhaft richtiger, bei dem Studium der Werke Sp.’s nicht den Zusammenhang mit seinen Nachfolgern, sondern vielmehr den mit seinen Vorgängern unverrückbar im Auge za behalten. Formell knüpft Sp. an Cartesius an. Cartesius, der den Gottesbegriff als einen dem Menschen angeborenen hinstellt, ma< ht einen Unterschied zwischen der unendlichen und der endlichen Substanz. Ihm ist Gott die eine unendliche Substanz, aber zugleich auoh der Schöpfer zweier endlicher Substanzen, des Geistes, dessen Attribut das Denken, und des Körpers, dessen Attribut die Ausdehnung ist. Hier setzt Sp. den Hebel an, um die ganze Welt des Cartesius aus den Angeln zu heben, und eine Weltanschauung za begründen, die, man mag nooh 80 ablehnend and noch so abwehrend sich za ihr verhalten, eine grandiose genannt werden muss. Wenn ioh, sagt Spinoza, unter Substanz Etwas verstehe, das zu seiner Existenz keines Anderen bedarf, Etwas, das weil es die Ursache keines Seins in sich selber tragt, in Zeit und Raum unbegrenzt, also anendlich und ewig ist, 80 kann nnd darf man nioht von einer erschaffenen Substanz reden. Darum giebt es nur eine einzige Substanz, Gott, oder das ewige Sein, und die Attribute des Denkens und der Ausdehnung sind nioht Attribute des Geistes uud des Körpers, sondern Attribute der einen ewigen Substanz. Und was sind Geist und Körper, wenn sie nioht als Substanzen gelten dürfen? Was sollten sie sonst sein, antwortet Sp., als Aocidencien, Modi, endliche Daseinsformen des unendliohen Seins. Mein Denken ist blos eine zufällige Form des unendlichen Denkvermögens und mein Körper wieder blos eine vorübergehende Form des unendlichen Ausdehnungsvermögens. Man kann sich eben, meint Sp., das ewige Sein nicht anders denken-, ־ als in der unendliohen Reihe dieser in zwei parallelen Linien nebeneinander herlaafenden endlichen Erscheinungsformen, deshalb muss was wir Welt nennen von Ewigkeit gewesen sein, denn das ewige Sein offenbart sich blos im ewigen Werden und zwar so, dass die Erscheinungsformen des Denkens jener der Ausdehnung auf jedem einzelnen Punkte der unendlichen Reihe vollkommen entsprechen. Ohne dass also die parallel neben eidander laufenden Erscheinungen des Denkens und der Ausdehnung irgendwie auf einander wirkten, sind sie doch durchgängig in vollkommener Uebereinstimmung, denn hier wie dort ist es die Substanz, welohe als die den Erscheinungen innewohnende Ursache gedacht wird, einmal in der Form des ewigen Denkens, das andere Mal in der Form der ewigen Ausdehnung. Das System Spinoza’s ist demnach weder Idealismus nooh Materialismus, sondern Monismus; naoh ihm ist der Geist keine Blüthe der Materie und die Materie keine Verdichtung des Geistes, nach ihm sind Geist und Materie zwei verschiedene Erscheinungsformen einer und derselben Ursache, der ewigen 8ubstanz. Wohl hat diese ewige Substanz unendlich viele Attribute, aber für ans Menschen sind dooh nur deren zwei, das Denken and die Ausdehnung, erkennbar, und es ist nioht überflüssig im Vorübergehen daran zu erinnern, dass der Spinozismus eigentlich in Widersprach mit sich selbst geräth, wenn er das Monopol der Gotteserkenntniss für sich in Anspruch nimmt und dennoch von den unendlich vielen Attributen der einen ewigen Substanz im Ganzen blos zwei aufzudeoken vermag. Indess darf es nioht geleugnet werden, dass unsere Erkenntniss trotz alledem eine viel klarere und weit tiefere wird; es i6t eben eine angemein frische und reine Luft, die uns aus dem System Spinoza’s wie aas einem in den Himmel ragenden Zedernwald entgegen weht; Alles um uns her ist hell and durchsichtig, aber es durchrieselt uns dooh nur allzubald ein frostiger Sohauer bei dem Gedanken, dass unser Geist blos ein Modus, dass der Mensoh ein Ding wie alle anderen Dinge in der Natar ist, bedingt von einer endlosen Reihe der Ursachen, genau so wie das von der hohen Zeder zur Erde fallende Nadelblatt. In einer von Ewigkeit her existirenden und ausschliesslieh vom Gesetz der Nothwendigkeit beherrschten Welt, kann natürlich von einer Freiheit des Willens ebensowenig wie von einem Zwecke die Rede sein. Die Willensfreiheit und der Zweckbegriff sind• Phantasmagorien des sich überhebenden Menschen, dem es darum gezeigt werden muss, dass die Frage woza bei einer echtphilosophisohenWeltbetrachtung, die naoh Sp. keine andere als eine reine mathemathisohe sein kann, demnach auoh nioht die allergeringste Berechtigang hat. Wird es Jemandem einfallen za fragen, wozu 2x2>4 sind oder wozu die Diagonale im Viereck grösser als jede seiner Seiten ist? Gewiss nioht; nun ebeu-sowenig darf man in einer von Ewigkeit her seienden Welt bei irgend Etwas fragen, wozu es dient. Nein nicht wozu, sondern warum, das ist die einzige Frage, die von Anfang bis Ende eine Antwort heischt. Es giebt Nichts als eine wirkende und eine bewirkte Natar, also niohts als Ursachen und Wirkungen. Was geschieht, geschieht mit Naturnothwendigkeit, mithin sind auch gut und böse leere und nichtige Begriffe. Sogar unsere Gemüthserregungen und -Zustände sind ohne alle Einmischangen sittlicher und religiöser Beziehungen als einfache oder richtiger als verwickelte Naturprozesse aufzufassen. Die Affeote gehören zu unserem menschlichen Wesen genau in demselben Sinne, wie Hitze und Kälte, Sturm und Gewitter zur Natur gehören. Freude und Trauer, Last und Schmerz, Liebe und Hass stellen sich mit Naturnothwendigkeit in uns ein. Aus der Freude muss unbedingt Liebe, aus der Trauer Hass folgen; denn Liebe ist nichts Anderes als Freude, mit der die Vorstellung ihrer äusseren Ursache, und Hass wieder nichts Anderes als Trauer, mit der die Vorstellung ihrer äusseren Ursache verbunden ist. Der von den

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