Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 12. (18.3.1982)
- Date
- 1982-03-18
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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^Ss»־* — 48 — ben Hyrkanoe erst gehört und im. Dispute mit ihm es auch ,einmal* angewendet. Mit dem Wegfall der Prämisse fällt auch der kategorische Schluss des Dr. Ziemlich, dass das Wort כמה bereits kurz nach Schluss des Kanon im Gebrauch gewesen sei. Auch seine Behauptung, dass schon die Mischna sich dieses Wortes bediene, hat er nicht bewiesen; die zwei Belege, Ber. 18a und 80b, die er an führt, sind nicht riohtig. Wohl kommen in diesen beiden Mischna’s Verbalformen des Zeitwortes 3ון vor und zwar Ber. 13 a, d. h. U, 1 das Perf. des Piel, כיין und Ber. 30b, d. b. V. 1 das Part, dieser Conj. מכותים•, an beiden Stellen aber immer mit dem Object 27 (Herz) ergänzt; nicht aber כתה. d*8 Sabstantiv, auf welches es doch hier allein ankommt. Zürich, den 7. März 1892. LitteraturDericht. Recensionen* Levln Dr. Adelf, ]Rabbiner in Freiburg i. B. Das Judenthum und die Niohtjuden. Eine Darstellung der Entwicklung und des Lehrinhaltes des Judenthums in seiner universellen Bedeutung. Trier 1891. Sigmund Mayer. 168 S. 8. Eine Religion; deren Kirche die Aufschrift trägt: ein Hans 8011 eine Andachtsstättesein für alle Völker" (Jesaj. II, 56, 7), eine Lehre, deren Inhalt ,Weisheit und Vernünftigkeit in Augen der Völker" (Deut. 4, 6), deren Ziel ,die Erkenntuiss des einigeinzigen, ewigen Gottes für alle Völker der Erde ist" (I, Begum VIII, 66) — die Religion des Judenthums ist gewiss eine universelle. Der Herr Autor hat es nun unternommen, in vorliegendem aus acht Absohnitten bestehenden Buche die Entwickelung und den Lehrinhalt des Judenthums in seiner universellen Bedeutung za behandeln. Die aoht Abschnitte enthalten folgende Themata: I Gott der Weltenherr, II. der Gott Israels, III. der Bund Gottes, mit Israel‘ IV. Israel das Priestervolk, V. Israel’« Lehrberuf, VI. Religion oder Nation, VII. das Gesetz in seinen Be- Ziehungen za den Nichtisraeliten, VIII. die rabbinisohe Entwickelung. Der Form nach ist die Behandlung eine populär-wissenschaftliche, welche stets aut die Quellen ninweist, die der Anhang des Baches in zahlreichen Noten vorführt. Der Bequemlichkeit und der Uebersichtlichkeit wegen wäre es vielleicht besser angebracht gewesen die Quellen gleich unter dem Texte zu vermerken. Doch das ist nur etwas Aeusserliches; die inneren Vorzüge des sehr zedtgemässen Buches machen dasselbe zu einem hochbedentsamen. Insbesondere bildet das VL Kapitel in welchem derVerfasser es betont, das Israel’« Religion und ReligionsgemeinscLaft gsnz ausschliesslich seine Nationalität ausmaohe, da doch Israel’« Sittenwahrheiten die der ganzen Menschheit' sind, und der Heilige Israel’s der Erlöser der ganzen Welt ist, den besten Theil der Schrift. Zwei Momente sollten darin noch erörtert werden, welche die zusammenfassenden Gesichtspunkte sämmt- Hoher Ei Örterungen hätten bieten können: dieE t h i k und diePolitik. Israel’s Sittenweisheit ist gottgefälliges and menschenwürdiges־ Leben. Israel’s Staatsweisheit ist die Einheit der Glieder mit der Gesammtheit durch die Gotteseinbeit, mit einem Worte die befreiende and erlösende Gottheit. Die Gesetze Israel’s sind fiir's Leben da, die Ehe ist die höchste Weihe sittUohen Lebens, die Ehrfaroht vor Vater und Mutter lohnt das Leben, das Leben in Gott ist ewiges Leben, Inbegriff der Unsterblichkeit. Diesem Gedanken ist das Haus der Familie und das Haus der Gemeinde Israel’s geweiht. Denn ohne Gott giebt es kein Sein und kein Leben. Die Religion hat den Zweok, das irdische Dasein zu verklären za himmlischem Ideale. Wo dieser Zwack, welcher die Krone der Mensohheit ausmacht, fehlt, oder verfehlt ist, ist das menschliche Dasein ohne Inhalt und Werth. Nur so sind die vom Talmad (Pessaohim 49a) gegen jenen Gesinnungspöbel (עם הארז) ausgesprochenen Aeusserangen zu verstehen, dessen ganzer Gesichtskreis die Erde ist, um deren willen er den Himmel und alle himmlischen Güter preisgiebt und die diesem Letzteren ergebenen Personliohkeiten hasst. Darum braucht man auoh nicht alle diese Verartheilungen, wie der Autor (S. 122) meint, als hyperboHsohe, nicht ernst za nehmende Rciensarten aufzatassen. In gleicher Weise hat auoh der ausserhalb der jüd. Religionsgemeinschaft Stehende ein Recht darauf! das auch sein Leib heilig gehalten werde, weloher im irdischen Dasein mit den idealen und sittlichen Aufgaben der Religion sioh geweiht hat. Ein hoher Priester ist jeder Mensch, der dem. Göttlichen auf Erden lebt. Sonst aber ist der Mensch ein Staubgeborener (אדם) and kein Gottbegnadeter der Erde (הזרם), kein Mensch, im edelsten Sinn•- desWortes. (VgL Tosafoth Abodah Sarah 3a). Hierin liegt der Schlüssel zur Lösung der vom Verfasser hinsiohtlich der Gesetze der Unreinheit bei Nioht-Israeliten (S. 123) aufgeworfenen Fragen. — Aach ist di•• Schutzlosigkeit der Götzendiener, nicht wie der Autor (S. 121) meint, in jegliobem Fallp, sondern nach der Ansicht der Tosafoth (Abodah Sarah 26) nur im Fall•• des Krieges, also der Gefahr fiir’s eigene Leben, gestattet׳ — Denn Gottes Herrlichkeit offenbart >ich in der ganzen Menschheit (Jesaj. II, 40, 5). Neben diesen allgemeinen Bemerkungen möchte ioh noch zwei Punkte hervorzuheben mir gestatten. Der Herr Verfasser meint auf Seite 108, dass derjenige schon ein Jade ist, welcher die Götzen verleugnet. Auf die Quelle (babyl. Talmad hlegillah 13 a) geprüft, ist indess diese negative Bestimmung eines Juden nicht ausreichend, sondern ist mit dieser nur aus der Lage der geschichtlichen Verhältnisse heraus motivirt, weshalb Niohtangehörigc des Stammes Juda sohon Jaden hie^sen (נקרא) in der Z6it der Königin Esther: eben weil sie Götzen verläugnet hatten. — Auch sei mir zu bemerken erlaubt, dass nach Maimonides (Hilohoth Melachim, 8, 11) die Erfüllung der sieben noachidischen Gesetze nur dann Nichtisraeliten zu ״Frommen der Völker“ erhebt, wenn diese die allgemeinen Religionsand Sittengesetze aus reinem Gottesbewusst sein und im Glauben an die göttliche Offenbarung geübt werden. (Vgl. S. 83). Die Schrift ist in hohem Maasse anregend belehrend und empfohlen«- werth. Dr. N. Soeben erschien im Verlage von Mayer k Müller, Berlin: Aas Hasorah and Talmodkritik. Exegetische Stadien von Bernhard Koewlgaberger. Heft 1: Vorwort. — § 1. Pie ״punktirten“ Stellen. — $ 2. Etwas von den ״umgekehrten“ Nuin. — § 3. Die ״schwebenden“ Buchstaben (64 Selten) Verantwortl. Redactenr Dr. Bah m er, Magdeburg Druck: Bendix & Hahn (fr. D.L. Woift) Magdobarg. Verlag: Bob F r ie se, Leipzig