Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 12. (18.3.1982)
- Date
- 1982-03-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 12. Jüdisehes Mr*. HL Litteitatur-Blatt. lu K«lw«ktuc all« l>4«tkn ul Jäte■ MnfMi• UtHrulMk«■ trmIWm«!■ aaf Um e«kl«t« dir VkU•- MfU* «dMUcktd, tlkk«t<»>kld, Tk•»• Heransgegeben . von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. IM• dar a ■Kklisl■«. UttaraUr, walrki dar MutM iifiidl wardaa. dada■ la dlaaaai BUtta alarakaada Baapraak■•( Bai 11aaad»»r m a « a I 11(11 OrlaatalU• 111(«, ■«■(MH, LHuHk a. PlkdlU. 2JU V"' ׳ *■•■■isr« «IM(t •taasll«• kam aaoevuzy, den 18. SllCazz1892 ׳. arsiis-iuatUM. -' ■II..- — , , . . I. . ■ ... ■i Das ״JMlflefce Litter*tur-Bl*ll“ « (ia Leipiig bei Bobert Friese) pro Jab allen Poatanatalten nnd Bueahandlimgen 1] 2ä Pf. für die gespaltene Petitxeile^Beüagi Bnobbändler u. Lehrer, welche ai scheint w&cbeatliob in einem halben Bogen. Preis bei allen Baohhandlangen rgang 8 Bark. 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Diese kursen Bemerkungen konnte ich nicht amhin vorauszusohioken, am klar zu zeigen, einmal, dass wir von der Philosophie eines Mannes wohl eine annähernd klare Vorstellung, nimmermehr aber für Uebsfagtsr Naabdrask aua dleaaw Blatts ist ilskt gestattet Baruch Spinoza.*) Von Dr. A, Schwarz, Stadt-u Conferenz-Rabb Hochverehrte Anwesende 1---'- iaer in Karlsruhe. 1 langen, wenn wir sein Leben nioht näher kennen, und zweitens, dass es etwas Anderes ist, dieses Leben zam Rahmen des phil. Systems, and wieder etwas Anderes, das System des Philosophen zam Rahmen seines Lebensbildes zu m&ohen. Aus verschiedenen Gründen, deren Die Philosphie nnd die Theologie mlögen nach der Annahme**) des Mannes, aber welchen ich heute ▼or Ihnen an sprechen die Ehre habe, hineiohtlioh ihres Zweckes and ihrer Orandlage himmelweit von einander veraohieden sein, der Philosoph and der Theologe haben dennooh zam mindesten den einen Beri ־ dass sie beide ihrer Lehre nicht blos sondern auch mit Thaten Aasdrack geben, dass sie beide für ihre Weltanschauung mit dem eugenen Leben Zeagniss ablegen müssen. Ein Theologe, gleichviel welchem Bekenntniss er angehört, welcher aat der Kanaelseinen Zuhörern die sohönstenand 1 eeeligendsten Wahrheiten vorpredigt, es aber verschmäht, seiner Gemeinde im Leben als Vorbild zu dien! n, ein Theolöge, welcher sich selber Lügen straft, in< em er anders redet and anders handelt, darf siah nicht darüber beklagen, wenn er mit dem stachelige a Spitsworte ״Jesait“ gebraadmarkt wird, und ei! Philosoj ' weloher, ohne ein Anhänger Plato’s za 8e a, dieWal iph, .hrheit blos platonisch liebt, oder auch ia morganatischer Ehe mit ihr lebt, ein Philosoph, der weise denkt aber unweise handelt, kann gewiss als scharfsinniger Denker, niemals jedoch als Welt weiser, als Weiser [für die Welt bewundert werden Der Philosoph und der Theologe, sie müssen beide nooh in einem ganz andern Sinne des Wortes als ein Vertreter der Hechts-, der Sprach- und Naturwissenschaft unantastbare Charaktere sein. Sohopenhauer hat einmal den Ausspruch gethan, das Leben eines Philosophen bilde den Rahmen für sein philos. System. Diesen Ausspruch könnet wir gelten lassen, wenn wir unter Leben äussere Erhbnisse verstehen, keineswegs aber wenn das Wor; Leben ein Heraustreten aus sich selbst, eine Bethätigung unsrer *J Vortrag im Verein für j&d. Geschichte in Karlsruhe am 1. Februar 1892. **) Tr theol -pol. cap 14. nd Litteratur Würdigung ich ruhig Ihnen überlassen kann, habe ioh es vorgezogen, iu dieser Abendstunde das Lebensbild Barach Spinoza’* in einem allerdings nicht sehr breiten Rahmen seiner philos. Lehre Ihnen voranführen. Die Eigenart der Weltanschauung Spinoza’• zeigt sich am klarsten und deutlichsten daran, dass man anf die Frage über da*Verhältnis seines Grandprincips zur Gottesidee selbst naoh langem und tiefem Nach-! denken nur mit sohwerer Mühe eine Antwort au geben vermag. Ist Sp. nioht ein Atheist gewesen? fragen die Einen. Nichts weniger als das, antwortete schon Hegel,41) nioht das Dasein Gottes, im Gegentheil das Dasein der Welt leugnet Spinoza. Nun genau dasselbe hat lauge vor Hegel der geniale Salomon Maimon**J ausgesprochen, der es instinktiv herausgefühlt hat, dass Spinoza trotz des über ihn verhängten grossen Bannes viel za viel Jade gewesen und geblieben, um in Atheismus za verfallen. Also wenn nioht Acheist, 80 ist er dooh Pantheist gewesen? fragen die Anderen. Das nooh viel weniger, muss man ant- Worten, wenn man den Pantheismus als Identität des Alls und der Einheit anffasst. Sp. betont es viel zu oft mit besonderem N&ohdruck, es könne nur einen und zwar einen ewigen Gott geben, als das er das Manigfaltige, das Endliche andVergäaglicbe vergöttert hätte. Aber, wenn er weder Atheist nooh Pantheist gewesen, so hat er gar wohl am Ende mm Monotheismus sich bekannt? Nun, auch diese Frage muss Jeder, der.Sp. kennt, mit Entschiedenheit verneinen, and gerade diese grosse Verlegenheit, in der wir ans befinden, um den Gottesbegrifl, wie Sp. ihn gefasst hat, in das riohtige Verhältnis* za der Gottesidee des Judenthums und des Christenthums zu bringen, ist. der glänzendste Beweis für dis Originalität des gro ssen *) Einleitung z. Eneyclopftdie. **) LsbousgeschichteI p. 15t.