Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-03-04 · N° 10. (4.3.1892) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 10. (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6492408-6575068-8757962--2457-4857413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

einigen A nt heil an dieser Schöpfungen gestehen müsse□.. Allein eine Bibers Betreobtnng jener Stellen lehrt, dass dasWort ,3גד in engerem religiösem Sinne an- *gewendet wird auf die Besiehnng Israels in seiner Oesemmtbeit, oder des einzelnen Menschen >a Gott.!Dies zeigt besonders die Stelle im Hiob 22, 23 -TÜ2D תשוב עד שדי CK, die zam volleji Verständnisse bis V. 29 gelesen werden mass. Hier wird das Wesen der Erbannng in einer Weise geschildert, dass sie dem Sinne nach mit der oben angeführten Kant'echen Definition übereinstimmt: Entfernung vom Unrecht, Verachtung irdischer Güter, Setzen des höchsten Gutes in Gott, freudiges Auibliokm zu ihm, das Bewusstsein von ihm erhört zn werden and die daraus hervorgehende Erhellung der Lebenswege, mit einem Worte, die Besserung nnd Erneuerung des ganzen Menschen. Eine solche Erbauung kann freilich nicht das Werk eines Augenblickes sein, 8011 es aber auch nioht sein, wie Kant im Ansohlasse an di s oben citirte Stelle sagt: ״Man sieht leioht, dass dieser Bau nur langsam fortrüoken könne; aber es m1.8s wenigstens doch za sehen sein, dass etwas verrichtet worden. So aber glauben Bich Menschen (duroh Anhören oder Lesen und Singen) recht sehr erb an t, indessen dass schlechterdings nichts gebaut, ja nicht einmal Hand ans Werk gelegt worden: vermathlioh v eil sie hoffen, dass jenes moralisobe Gebäude, wie dip Mauern von Theben dnreh die Musik der Seufzer tigen Wünsche von selbst emporsteigen (Sohluss folgt.) und sehn stichwerde.“ Oie Juden und das Theater. Von Israel Abrahams in London. Herr 1m 16. Jahr• die Jaden in (Fortsetzung.) In England waren wir nicht so glücklioh. Lee hat zwar nachgewiesen, dass sogar hundert einige englische Dramatisten einem günstigen Lichte dargeatellt hitten. Aber ״Shylok“ hat die englische Bühne 80 beherrscht, dass seit!Shakespeare kein grosser Bühnendionter den Ver• such gewagt hat, jüdisohe Charaotere vorzuführen. Gleichwohl wirkten die in der ganzen Welt durch das Freand80haft8verhältni8s Moses Mendtilssohn’a nnd Leesizig’s her vorgerufene Sensation so wuz derbar, dass sogar in England ein enger Band wohlgesinnter 80hrift8teller enfing, den Juden auf der Bühne Gerechtigkeit widerfahren za lassen. Das geschah ungef ähr zu Beginn unseres Jahrhundert t. Bichard Cumberland schrieb au diesem Zweöke uwei Stüoke: 1. ״Der Jade“ nnd 2. ״Der Jade von Mogador.“ Beide sind von geringer Bedentang, obre Interesse, andramatisch nnd ohne jegliohen poetischen Konstwerth. Cumberland’8 guter Wille übe! ־stieg seine Kraft, denselben zam Ausdruck za bricgen. Doch sind seine Helden brave Jaden, and z rac in dem ersten Stück ein wohltbätiger Geldverleihe r von gana anderer Gestalt als der des gewöhnlichen 1 llutsaagers. In ״Der Jade von Mogador“ ist der Hanptoharaoter der Jnde Nadab, weloher Beiohthümer an häuft, am mittels derselben christliche Gefangene aas den Händen ihrer feindlichen Verfolger loskauieii zn können. '״ Booney “ war nicht die einzige Person in dem Stücke, welche, wie, er dankbar hätte aasrnfen können: ״Aber jetzt hat mioh der Jade za einem nenen Menschen gemacht!“ Das Schauspiel ״Der Jude“ machte trotz seiner Mängel als Kunstwerk ungeheure Sensation Jand wurde es oft gespielt; auch wurde es in Engast in alle europäisoheiv Sprächen fibersetzt and in* den־ Städten des Conti1\enta zar Aufführung gdbraohfc ״Der Jade and der Arzt* von Thomas Dibdta (1800) gehört za derselben Classe von Desman. Ka war eia Tendenzstüek zar Verteidigung des jätfcsehen Charakters and obsohon darohaas kein Mai-derwerk, so überragte es dooh Camberlaad’s Erzeug eine, denn es ist wenigstens witzig and unterhaltend. Dar Jade in dieeem Stttok ist eia gewisser ״Abednego“, welcher immer wiederholt, ״dass er niohts lieber tkna, als für die Haaptsaohe (Geld) sorg«.“ Absr seine Worte strafen seine Theten Lügen, denn er ist in jeder Besiehnng ein vortrefflicher and selbstloser Mensch. Er adoptirt eia Christeamädohsn, welches er vor der Strasse bewahrt aad ersieht es als Christin. Er sagt ihr im Qesohäftsatyl: ״Der Bankier, auf den ioh siehe, ist die Vorsehung; sie hat Dioh in mein• Hände gegeben־ als ein Unterpfand ihrer Gnade and ein• Hypothek auf ihr ist sicher genug. “ Das Stüok ist rsiofet an launigen BtjichWorten. Als man Abednego stichelt•״ dass er der Nachfolger eines .־Geriohtsdieners würde, sagt er: ״Es ist besser, dass ioh dem Gerichtsdiener folge, als dass der Geriohtsdiener mioh verfolgt.“ Wenn man ihn ▼eräohtliob ״Jade“ sohilt, erwidert er seinem ohristliohen Angreifer: ״Sonst niohts Weiteres, womit Da mioh schimpfen kannst? Kannst Da mir niohts vorwerfen, als meine Religion? Ioh wünscht• sehnliohst, Dir das Complimeat erwidern za können.“ ״Abednego“ ist natürlich nioht gebührend gewürdigt worden. Wenn ״Bromley“ seine Uhr aas der Tasche zieht, sagt ״Abednego“, dass er ihm wohl eine bessere verkaufen könnte, and seine Bemerkungen, wenn sie auoh noch so fein sind, verrathen nar zn sehr den 1 Geschäftsmann. ״Liebe,“ sagte er, ״ist das einzig• I Gat, welohes man ohne Zinsen geben mass,“ em I Wortspiel, welches später häufiger Verwendung fand. : Nachdem ״Abednego“, seine wohlwollende und edl» > Gesinnung in ihrem hellsen Lichte gezeigt hat, sagt er nooh: ״Wenn das Christentham lehrt, Beleidigung•» zn vergeben, so ▼ersteht das Jndentham diese Lehre za üben.“ . . . ״Ihr wollt mir irgendwie vergelten, was ich gethan habe? Ioh will Eaoh sagen, Wie Ihr dieses könnt. Wenn Ihr je einem Menschen begegnet, der Eurer Hülfe bedarf, so helfet ihm am mmnetwegen.“ Ee ist hooherfrealioh, za sehen, welchen• Erfolg dieses Schauspiel hatte and das am so mehr, als es die erste Compositum Dibdin’s war, daroh welch« er sioh für die Dauer einen ehrenvollen Raf verschafft hat. _;_ (Sohlass folgt) ״Eti8chab8!1 Abuja-Acher.“ Von Rabbiner Dr. Goldfehn, II. Pie Lsfcee—slt äse Aeher’a. Ioh kann her bisherigen Annahme, das• Eliaoha bea Abuja noch vor der Zerstörung Jerusalems geboren worden war and in der hadiianiaehen Zeit bereits im hohen Greisen« her standen haben soll, anf welchem Umstande _ Dr. Back Bachtfertigaag des Aohers E b A. entbeut, nioht bei*־־ Ans derErzählaag deeE.b. A^ dass •einVater za den״ Jernsalems“ gehört nnd die. ״G.־ossen Jernsalems“ an-— Beschneidengsmahle theilgenomman hatten, folgt darohaaa nicht, daas er, E. b. A., nooh vor der Zerstörung Jerusalem• geboren wurden war. ״Jerusalem war von Titas nioht g*■“־ lieb zerstört Worden. Allmählich ward es aaeh wieder «iemhch bevölkert,׳ wenn es auch nioht wieder der Vorort PalärtfoaV geworden war. Dafür sprechen so manche Anzaiohen. Nach den Berichten, welche der christliche Kirchenhistoriker Ense bin•*) autbawahrt hat, habe es aach nach der Z *störang Jer*- aaiems bis za der1 gänzlichen ächleilang der Stadt daroh •m Kaiser Hadrian nna dam Aaibaa Aeiia's in Jerusalem eine christliche GempinJ« gegeben, deren Btscbüte IndenohnsSen oder wie •s Easeoitu nennt ״ans der Beschneidug“ waren. *) Kirchebgeschichte Bach 4 cap. 6 ul *?,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.