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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-02-26 · N° 9. (26.2.1892) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 9. (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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Diese Behandlung der Juden dauerte das ganze Mittelalter hinduroh ununterbrochen fort. In den Fastnaohtspielen wurden Juden dargestellt, über deren unglückliche Lage und | Religion man sich lustig machte; dabei waren dii Witze oft äusserst schal und plump. Später wurdei. alle diese gemeinen Spässe von den Scbauspieldichte n aller Länder ernst genommen, hlan kam 60gar darin überein, Juden *uf der Bühne nur als lächerliche und widerliohe ■Charaktere darzustellen. Der frt nzösische Dramatiker Adolphe d’Ennery wurde neulich gefragt, ob er selbst auch Schauspiele geschrieben habe, in weloheu Juden auitreten. ״Nein“, sagte er, ״auf der Bühne kann man nicht gegen die öffentliche Meinung kämpfen. Wenn ich Juden dariitelle, so müssen es Wucherer, Schwindler,Verräther-jkurzum Schurken sein. Dies wäre mir aber höchst unangenehm, da ioh selbst jüdischer Abstammung bin. Was musste ioh also thnn? loh habe die Juden aus meinen Stücken ganz fortgelassen.“ Der französische Dramatiker steht mit dieser An• sicht nicht allein da, denn sie wird von einem hervorragenden englischen Schriftsteller aus dem Anfänge unseres Jahrhunderts vollauf getbeilt. ״Juden“, sagt derselbe, ״wurden auf der englischen Bühne wohl selten anders denn als blutdürstige Schurken, hartherzige Wucherer oder schlaue Spitzbuben dargestellt.“ Offenbar spielt dieser Autor auf Marlowe’s ״Der Jude von Malta“ und Shakesp«are’s ״Shylok“ an, so wie auf die zahlreichen litterarischen Erzeugnisse geringeren Kalibers, in welchen der Jude nichts Schlechteres ist als ein verschmitzter Schurke. Der Jude als blutdürstiges Ungeheuer hat nun hoffentlich für immer die Bretter die verlast en; er ersohien als solcher zuletzt im 17. Jahrhundert. Im Jahre 1616 wurde ein Stück verfasst unter de m Titel ״Die Juden von Endingen“. In diesem ist ״Jude* * gleichbedeutend mit ״feiger Mörder“. Im Berliner Theater wurde dasselbe wegen des gerechten Unwillens der Juden, dieYeranlassung zu ernsten Tumulten. Als im folgenden Jahre ein ähnliches Stück in Frankfurt aufgeführt wurde, nahmen die Juden vernünftigerweise keine Notiz von demselben; es hatte daher durchaus keinen Erfolg und wurde rasch zurückgezogen. Einer der Hauptunterschiede zwischen der heutigen carrikirten Darstellung der Juden ist jedoch dieser. Während man in älteren Z!titen die jüdisohe Religion lächerlioh machte, such; man heute hauptsächlich die Juden zu schmähe 1 — ihre Religion lässt man wohlweislich aus dem Spiele. Es fehlt aber den Juden durchaus nicht an Vertheidigern. Ich las neulich in der vornehmsten Wiener Zeitung, dass, wenn ״Nathan der Weise“ heute geschrieben worden wäre, man das Stück auf der Bühne auszischen würde. Der grossdeutsche Dichter Lessing -stellte in der vorantisemitischen Zeit das edlä Bild' eines seelengrossen, hochherziger Ideal des jüdisohen Charakters dar. nicht bloss ein Ideal, denn und Blut verkörpert in der Perl bestem Freunde, Moses Mende der Weise“ ist die Lieblingsrolle einiger der hervorragendsten modernen Schauspieler < ,ut dem Continent, und es ist gewiss nicht rühmlich, Mannes als ein Dieses blieb aber es hatte sich in Fleisch on von Leasings ssohn. ״Nathan dass weder dieses Stück, nooh das sohöne Drama ״Uriel Acosta“ je über die englisohe Bühne gegangen sich in der That grosse Verdienste Seine Gerechtigkeit, welche er den ist. Lessing hat _ד Ohk11 ÜflrVOTbetf.1,* »den Widerfahren | heit mit einem Manne. Schon 6 Jahre vor seiner Bekanntschaft mit Mendelssohn hatte er das Lus - 1 spiel ״Die Juden“ geschrieben, dessen Held ein jüdi-; scher Reisender vom edelsten und bewanderangs- 1 würdigsten Charakter ist. Dieses Stüok rief einen, wenn auoh unbedeutenden Sturm hervor.' Mäa er• . klärte Lessing für einen Narren und seine Schilderung > des Juden wurde von der Kritik als etwas Unmögliches hingestellt. Moses Mendelssohn vertheidigte an einem herrliohen, überzeugenden Artikel Lessings Ansichten und wurde, wie wir bereits gesehen haben, später der Held des berühmten Lessing’sohen Schau— __ (Forts, folgt.) liesq, war nicht bloss!das Ergebnis^ seiner'Vertraut^1 ״Elischa ben Abuja-Acher.“') Von Babbiner Dr. Goldfahn, I. Bedeut»(; des Naaaeas!.eher. Ascher ist kein besonderer Apostatenname Elischa ben Abuja’s, wie Graetz (B. IV. S. 65) behauptet, sondern bedeutet einfach Apostat, eigentlich: der Entfnemdete, der Feind, derVerrftther des Judenthums. Acher in diesem Sinne ist gleich dem griechischen: dXXo; bezw. iXk&zp 10;; (vgl. die Lexika 8. vv.) Darum wird auch R. Meir, nachdem er vom * Lehrhause fern geblieben war, mit: אחרים bezeiohet, weil er als ח1ץ, als ctXXöxptoc den olxetotj, den Genossen des Lehrhanses entgegengesetzt wird, oder aber, wie aus der Erklärung Rabbi’s (Horajoth 13 und 14) zu folgen scheint, weil: Acherim iu dem Sinne des griechischen äXXot und aXXöxptoi, die Feinde bedeutet, nicht aber, wie Tossaphoth (ibid. 12a) T«r* muthen, weil R. Meir ein Schüler Aohers gewesen war. ln diesem Sinne: Entfremdete, Feinde, wird auch אחרים in 5 M. 11,16 von den Sifrä zur Stelle und auch von der Mechilta 2 אחרים M. 20,2 gedeutet.2) Das von Hönig in der Anmerkung SL 97 für seine Erklärung der Bezeichnung Acher herbei gezogene: דרך אחרת *) bedeutet •auch niohts anderes als das griechische: dXXQxpto; xpo7to; bezw. äkXzp’.orpcmof. Diese meine Erklärung des Ausdruckes ״Acher“ stimmt 80 ziemlioh mit der Erklärung R. Mose Przemysl, des Verfassers des Ritualwerkes: Matte Mosche, des Schülers R. Salomo Luria’s, worauf bereits Hönig a. a. O. hingewiesen. Hönig hat jedoch die betreffende Erklärung niohtganz genau wiedergegeben.*) (Fortsetzung folgt.) ') Von den zahlreichen Arbeiten über E. b. A. stehen mir bloss die nachstehenden Artikel za Gebote: Grit», Gnosticiam. S 62 -71 nud Geschichte IV1 S. 65 and 102; Bacher’s Agada. der Tannaiten I, S. 432—36 and Höaig’s die Ophitea, S. 97 —96. Chalaz V. Hoffmann and Smolenskin, welche Bacher oitirt; Jet— linek and Rabin, welche ilünig citirt, and Braanschweiger Lehrer der Mischna, das Deutsch in dies. Bl (1889, S. 183 £) bespricht, kenne ich bloes aas den genannten Citaten. *) Vergl. meia ״Justin Martyr und die Agada“ Seite 16 (Frankel-Grätz, Monatsschrift 1873, S. 110), wo anstatt ״fremden“־ za lesen ist: Fremden. *) Jeraschalmi. Berachpth 9, 1 ed. Krotoachin, iolio 124C.־ *) Wie es scheint hat Herr H. den Matte Mosche selbst : eingesehen, wes ans der ungenauen Weise, in dpr ejfc'J■’' Matte Moscbe citirt, eich ergiebt Ein Abachri. ״Hilcn findet sich nicht im M. M.,1' sondern HoSsr 'Dfgb i■« Die fragliche Erklärung steht aber aqch nfefee In <jw1:־ Pesseäh •obdenk! in• dem Abschnitte1:. DiA' *fbtre''Kbikb § 603 («d. Wakrschaä*1876. 'S.‘’ld&b)׳and besteht sio£ I Passus der PtesaaHbÄgifflii ־-.־! 3אגי»»“Otb* Vergl. aW Mielten1 Passe« dessen •weite HäMter■ v

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