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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-02-26 · N° 9. (26.2.1892) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 9. (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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in der sktliohen wie physischen Welt hier und da Zweifel — welcher Denkende vermöchte sich der vorb»jA*nen Welträthsel gans an erwehren? Aber eie ernqagten höchstens hin und wieder pessimistische wie im Kohelelh oder Hiob, die je• kann man sagen, nieder• geschlagen wurden. Herrschend dagegen worden und blieben Sätze, wie: מכרכים *p בשם שמברכינד על הטובה דל ׳דילדה, oder הכל צפוי והרשות נתונה ובטוב הדולם נדח, oder נם זו לטובה — ein mäohtiger, edler, durch Nichts au erschütternde Optimismus, ein durch Nichts zu trübendes Vertrauen in die Gerechtigkeit, Güte und Weisheit Gottes, deren Bewährung man entweder sehoB in dieser, jedenfalls aber in der künftigen W^lt aufs sicherste erwartete. So darf man denn behaupten, dass die Juden eigentlich vollständig un• nöthiger Weise die Idee von bösen Geistern von den Persern oder den Grieohen angenommen haben. .Ihre Dogmen, ihre ganze Weltanschauung be- _ güsstigten eine solcheAnnahme nicht nur nicht, sondern widerstrebte ihr vielmehr aufs allerentschiedenste.*) Indess, entzogen sie sich auch nicht gänzlich dem ihnen so fremden, inadaeqaaten Elemente, aber es blieb doch pur 'begreiflicherweise eine leichte, oberflächliche Angestecktheit, der sie anheimfielen. Der Organismus war zu gesund, als dass er ihr nicht aufs kräftigste widerstand. Die gesunden Säfte obBiegten über die eingedrungenen und machten sie vollkommen unschädlich. Asöhmödai,. Samael, Lilith und das ganze He9r der Schedim —"sie mussten ihren Nacken unter d** BoMpässigk'eit' des allmächtigen und allerheiligen Gottes־ beugen, damit‘ hörte ihre eigentliche, waRensiehtlichfl. Bedeutung im Grunde auf. — Ganz andere ־ Voraussetzungen forderte geradezu die Teufelsidee. im Christenthum.Hier bestand das Dogiha: ״Dazu ist erschienen der'Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.'* 1.'(I. Joh. 3, 8.) . ״Wir wissen, dass wir vonGött’iind^unä die ganze Wfth liegt im Argen.* (ib. 5,,1'IDJ).: Christus ist erschienen, um diese Welt aus ,dem Argen, aus den Weltübeln za erlösen: hat er äheh'die Erlösung jwirklieh vollendet? Ist das messiaifische Reich ■ier׳ vollkoromenen Seligkeit schon.einget rollen? Nein! Das kann also seinen Grand nur haben,'in' der noch immer nicht vertilgten Gewalt des Teufels, des AnticHrist, dessen Besiegung durch die' Erscheinung des Messias wohl principiell schon entschieden, aber that- ־fachlich nur allmählich sich vollzieht. ' Darin scheint mir die dogmatische Empfänglichkeit, für' düs Aufd^bme. und Weiterentwicklung der Teafehidee in den Aenfesfamen fliehen Schriften gelegen za haben. Ein dem Gott feindlicher Gegengott, ein Teufe), muss noch sein Wesen' treiben, da trotz Christas’ Erscheinen die Weltübel noch .immer bestehen ׳■— eine Ansicht, dis ich übrigens auch in der Dogmatik pfiefderer’s ausgesprochen finde. Er sagt nämlich׳ S. 1: ״ Im JN. T. bildet der Völksthümliche Dämonehglaabe die jtesfstebände Voraussetzung, die auch für die Vor- Stellung von der Heilswirksamkeit 'Cnristi von Bedeutung ist.“ F£rper das. S. 112:';,Aber Christi Heil werk ist der pritfcipielle Sieg Über Satau’s Afaeht.“ Im Judenthum1 dagegen ctrkchiehen Gott «egepfiber alle WefttlbeJ, hie aje gktt^i WÄt überrniimf,gering, zu versihwindend, ''als8'־dais der GedSpi^^ ML sie zur Prägung* der ubgSifiieaeriichen Idee ,eipesTeafpIs' (GegengottCs/häfffe nÖthig^h Bolldfi’. Selb'st d^T־S0Ä erschien im Lfeh£0; ähä Gottgiinbehä äfs heilsames Mittel zu späten^ Güten. Dietem überwältigenden Sonnenglanze konnte kein W es^n sich völlig entziehen. Es giebt kein absolut Böses — in Jedem ist wenigstens etwas Gates, wenigstens ein GottesstrahL — vv ׳ *;Vgt. Lotze, Mikrökesmos III, 8. 352 f. ■ 1:•ל Die Juden und das Theater. Von Israel Abrahams in London. (Fortsetzung) Das meiste jedoch von dem, was hinter aas liegt, gekört nur noch der alten Geschiohte an. Wir können heute nicht mehr behaupten, dass die Bühne der Sohaapl&tz der Abgötterei ist. Im Mittelalter war die Saohe nioht so ganz arglos. Die Bühne war aber auch nioht mehr heidnisch, sondern die Schau- Spieler stellten religiöse Gegenstände dar and, was noch wichtiger ist, die Sittenspiele, die Vorläufer des modernen Drama’s, wurden hauptsächlich in den Kirchen aafgeführt. Wir aber haben, ob mit Rächt oder Unrecht, den Schrei, dass das Theater uamoralisch sei, endlioh verstummen lassen. Ohne Zweifel ist es im Grossen und Ganzen anoh viel reiner, eis es war. Sogar Rabbiner, wie Dr. Philipp8on (Magdeburg), nnd der orthodoxe Mainzer Rabbiner .Lehmann haben keinen Anstand genommen, Bühnenspiele za verfassen, während der berühmte Gelehrte and Rabbiner Rappoport Racine’s ,Esther“ für Purim übersetzte. Viele Schauspiele sind während des verflossenen und gegenwärtigen Jahrhunderts in hebräischer Sprache geschrieben worden; über die in einem besonderen Artikel gesprochen werden soll. Die moralischen und religiösen Vorartheile gegen das Theater sind also beinahe gesohwundea. Aber ein schwer in die Wage fallendes Vorurtheil besteht noch fort bis auf unsere Tage, wenn auch in etwas abgesohWächter Form. Dieser rein humane Widerwillen der Jaden an Cirkus und Theater wurde darob den Spott und Hohn hervorgerufen, mit welchem man die Juden auf der Bühne behandelte. Noch heute spielen, nach Mittheilungen des Herrn "Wills, in einigen Gegenden Persiens bei den Festlichkeiten, welche der Gouverneur einer Provinz veranstaltet, Feuerwerke und Juden eine Hauptrolle. Die Juden werden in sumpfige Teiche geworfen und ihre Anstrengungen, sich aus denselben emporzahelfen, bilden für die Zuschauer die Haupibelnsügung. . 1 Nach der Zerstörung des Tempels liess Titus Tausende gefangener Jaden den wilden Tbieren in der Arena vorwerfeu. Hierbei zwang man sie sogar, vor den Augen ihrer frühem Herrscher sich in gegenseifigem. Kampfe einander zerfleischen zu müssen — eine .passende Augenweide für die blutgierige Mente! Diese Marter war aber noch Uichter za ertragen, als die Verh.ÖkriPng.von Seiten des unwissenden Pöbels. Ein Held.kann sterben; aber es gehörte mehr dazu, als ein blosser Held zu seiD, alle die ärgerlichen Plackereien zu ertragen, welche die Juden sich mussten gefallen lassen. Das Martyrium macht ein kurzes, hartes und aufregendes Ende und ein tapferer Manu weise zu sterben. .Aber ein entehrendes äusseres Kennzeichen tragen^ von jedem Strassenlümmel sich 'jjedaldig'ajbrBBTte züpfem Iaweh -au rnüsseD, während beschimpfende Spottlieder auf den Strassen herumgetragen* ־,auf den Mauern aafgepflanzt und aaf der öchasbühne׳ daroh Possenreisser und Hanswurste dargesteljt "werden׳'■^- dass heisst doch den Math auf eine^yiel härter^ Probe stellen.״.J3$wiss konnten die JddjBtJreine besonderVorliebe für die Bühne haben, so lange solohe Zus^nde dauerten.

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