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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-02-19 · N° 8. (19.2.1892) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 8. (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
Seite 31 (sequence 5)
Language
German
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ו וי W 'l UIIIJM mmmmrn 3t&li1 — 31 — ״Derjenige, welcher in das St» lion (Rennbahn) geht, um den Weltkampf der Gladiatoren anxuseben, ist ein Mörder“ heisst es im jerusale machen Talmud, und diese Behauptung enthielt durchaus keine Uebertreibung. 1400 Missetliäter fanden unter den Augen des Königs Agri pp a in einem Tage hrenTod in der Arena zu Berytus. Viele unschuldig) 1 Juden verloren nach der Zerstörung Jerusalems ihr Leben auf den Kampfplätzen und es würde wunderba ־ sein, wenn dije Rabbiner solchen unmenschlichen Sohau Stellungen gegenüber ganz gleichgültig, oder (gar derselben gewogen geblieben wären. Es gab aber auoh noch andere moralische Bedenken gegen das Theater. Der Talmi d scheint wenig Werth auf die Musik zu legen, obsoho a die Bibel voll des Lobes auf diese herrliohe Kunst ist. Nur sehr wenige Rabbiner waren tüchtige Musiker, wenn et überhaupt deren gegeben bat. Dieses hatte jedenfalls seinen Grund in der Zerstörung des Tempals; nach diesen! National-Trauerereigniss enthielten die Juden läugere Zeit sich der Musik und des Gesanges 1 elbst bei Hoch* Zeiten. Hiermit war aber denJudeu ii 11 Ganzen nicht gedient und die Rabbiner sahen sich jenöthigt, denselben Conzessionen zu machen. Sie irlaubten daher gewissen Arbeiterklassen, sich die L1.st ihres Tagewerkes durch Singen zu erleichtern, und merkwürdigerweise waren diese begünstigten Klass!n Ackersleute und Matrosen, welche auch noch heute dem Gesänge bei der Arbeit am meisten zugethan sind. Im Allgemeinen wurde während des für die Juden 80 traurigen Mittelalters das Verbot gegen die. Mus k aufrecht erhalten. Eine Ausnahme machte man Veranlassungen, wie bei Hochzeiten und Hier verdient gleichzeitig bemerkt zu bei be80ndern am Purimfeste, werden, dass dieses auch die einzigen Gelegenheit 3n waren, bei zuerst hebräische Schausp eie aufgeführt welchen wurden. Seit dem 16. Jahrhunderte besassen jedoch mehrere Gemeinden jüdische Musikkapellen, die auch oft bei Festlichkeiten der Christen spielten. Besonders in Italien gab es sogar Rabbiner, welche tüchtige Musiker waren und die Juden assimilirten sich in dieser Kunst mit ihrer nichtjüdischen Umgebung, bis sie es durch ihre Vorliebe für die Musik zu ihrer heutigen Kunstfertigkeit gebracht hatten. Schon 1609 sehen wir in Venedig eine berühmte Sängerin, Rachel, welche die Kunst zu ihrem Berufe wählte und en Jahrhundert später erhielt Brentgen Marcus eiie Einladung nach Berlin, weil ihre Stimme und ihr Vortrag den Prinzen von Anhalt so sehr entzüokt halten. Während des vorigen Jahrhunderts finden wir riele jüdische Sängerinnen in Deutschland. Die erste j Udisohe Prima Donna aber, welche die öffentliche Bühne betrat, war die berühmte Caroline Stern, zu derei Ehre Heine seine erste Liedersammlung veröffentlichte. Sie erfreute sich einer aussergewöhnlichen Popularität, so dass man ihr in den grossen Opern stets die Hauptrollen übertrug. Der Raum gestattet nicht, hier t uch nur eine blosse Namenliste ihrer berühmten Nachfolgerinnen auf der Opernbühne aufzaführen. Es ist abor erstaunlich, zu weloh’ grossen Erfolgen es so viel«! Söhne und Töcher jüdischer Oantoren anf der Ofernbühne gebracht haben. Marie uud Henriette, Töchter Sulzers, Mathilde Rie s, RosaCsillag, <U9 schöne und talentvolle Lola Beth, Tochter eines Chasan, und Luise Heimann, Tochtet Gantors der Aschkenasim in Amsterdam, der klangvollsten Namen. (Fortsetzung folgt) ungarischen des Obersind einige Biblische Legenden. Nach einem altem ■aanserlpts aas lerne■. Von Dr. Alexander Kohat Rabbiner in New-York. UL Jethro’s Bekehrung. Als Illastration dazu, wie Jethro, Moeee Schwiegervater, sich nun wahren Glauben bekehrte, nachdem er die Ueberzeugang gewonnen hatte, dase die Abgötterei sinnlos «ei, möge folgende in Damaskus circulirende sage dienen. Hier staad, wie Rabbi Pi nchas erzählte, ein berühmtes Götzenbild in hohen Ehren and der Priester, dem die Htttang dieses Heiligthums anvertraat war, hieasAbba Galiaoh. Er hatte schon mehrere Jahre den Dienst bei dem heiligen Schrein versehen. Da ihm nun ein körperliches Misehgeschick zaetiess, betete er mehrere Tage in tiefster Andacht an dem Götzen, ohne eine Linderung srines Leidens za versp&ren Endlich gab er alle Hoffnung auf, lief bei Nacht aaf die Streaae und betete in inbrünstiger Andacht: .Herr der Welt, höre doch aaf meine Bitten und sende Genesang and Heil für meine Wanden 1* Und siehe, er wurde erhört und völlig hergeetellt Er machte sich nun heimlieh nach Tiberiaa aaf and bekehrte sich zum Jadenthum. Er bestrebte sich, seine religiösen Pflichten pünktlich za erlullen and all» Gesetz» genau zu beobachten. Er warde zum Verwalter der Armenkasse gewählt und wenn die für diese Kasse bestimmten Gelder seiner Obhut Ubergeben _ worden, streckte er seine (bis dahin nur zum profanen, jetzt aber zum heiligen Dienste geweihte) Hand nach ihnen aas, sie fdr sich m Empfang za nehmen nnd sjebe da, er -wurde blind aaf einem Auge. Während er anch fernerhin seiner ״tnensobeafreundlichen“ Beschäftigung nachgihg, wurde er ganz blind. Zufällig kamen mehrere seiner Landsleute nach Tiberiaa und als sie den blind in Mann erblickten, riefen sie aus:- ,0 Abbah GulisCh, glaubtest Du denn, dass Deine Verspottung unseres Götzen und Dein Abfall von, uns unbestraft bleiben wttrden?“ Za diesem gesellten sich auch andere bittere Vorwürfe. Von scheinbarer Heue ergriffen, wünschte er, dass seine Frau ihn an ■einen Geburtsort Damasou* begleite. Als sie sich daa Vorstädten näherten, sammelte sich eine grosse Volksmenge um sie, welche Lat schrie: ״ A bbah Gälisch, es geschah Dir Recht, dass der Götze Dich geblendet hat!* .Nun wohl*, sprach der Coovertit, ״eine Ahnung fährt mich hierher zurück; vielleicht wird mein Augenlicht wieder hergestellt werden “ Und er fand sich ganz glücklich in diesem Gedanken Als aie sich eadlioh mitten in der Stadt befanden, wurden si9 wieder von einer grossen Volksmenge amgeben, welobe ihn anredete: ״O unter Lehrer Abbah Gnusch, was ist Dir denn geschehen?“ .Wie Ihr sehet“ war seine Antwort. ״GLabtest Da denn wirklich“, schrie der Heafe, .dass Dein Hohn und Spott ׳ unsere Götzen nicht beleidigen? Du erleidest die Strafe für Dein Verbreohan?“ Höhnisch entgegnete er hieraut: .Ich bin entschlossen, für mein Fehl Baase zu thun So gehet denn hin und versammelt alle Einwohner der Stsdt nnd aer Vorstädte!‘ Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich in dem Götzenteinpel eingetunden nnd sogar das Dach war überfüllt von neugierigen Gaffern. AL die Erwartung auf’s Höchste gestiegen war, bat dar Coovertit seine Frau, ihn an einen Pfeiler za stellen, wo ihn alle sehen konnten und er hielt dann folgende Anrede: ״Bürger von Damaacus! Als ich noch Priester und Diener dieses Heiligthama wer, brachte mir das Volk Geld für den heiligen Dienet, welche« ich aber unterschlug, da ich wohl wusste, dass dieser Götse weier Augen za sehen, noch Ohren za hören bat. loh Verliese dann meine amtliche Stellung en diesem Tempel und trat in den Dienet Eines, dessen Augen die ganze Welt überschauen und den Niemand betrügen kann. Nachdem ich in angemessener Weise in mein neues Amt, ähnlieh demjenigen, welches ich hier mit so sichtlichem Erfolg bekleidete, eingeführt worden war, fasste ich den. Entschloss, za meiner gew hüten Handlungsweise sarückaagteiiea, wurde aber sofort von di—am ellmäehtigon Gott mit Blindheit ges oh lagen‘1 Nach diesem Bekenntniss und nooh ehe er versucht hatte, von seinem von ihm eingenommenen Platze herahaasteigen, hatte er plötslich ■ein Augenlicht wiedergewonnen, welches Wunder die Folge hatte, dass Taaaeude una abermaL Tausende sich zum Jadenthum bekehrten. Ebenso geschah es bei Jethro. Nachdem er das Thörichte des Götzendienstes erkannt hatte, versammelte er, von Baue ergriffen, seine Gemeinde und redete sie in folgender Weise, en: ״Bis heute habe ich Euch und meinem Götzen treu gedient Jetat, da ich alt bin, bitte ich Euch, einen andern Hohen- ׳ priester an wählen.“ Demgemäss entsagte er den Ansprüchen auf alle heiligen Geräthe, worauf ihn die Leute in den Bann thaten und jeden Verkehr mit einem solchen Ketser verboten. Keiner durfte ihm noch einen Dienst leüten. Seine Heerdaa, die non jeder Aufsicht entbehrten, worden daher der Obhnfc seiner sieben Töchter anvertraat, welche Moeee gelegentlich, der Ausübung ihres Berufes kennen lernte. (Forts talgt)

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