Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 8. (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 30 — f•bilde, die er mit aoloher Hülfe au Stande bringt, er Teufel bleibt Teufel und Fuaat mag froh sein, wann er am Ende seine wert he Peraon vor der Hölle rettet.- Anders Aschmodai. Nicht Bosheit, sondern ge- * waltige Triebe nnd Kräfte, die in ihrer Erregung! allerdings sehr zerstörend wirken können, bilden den; Kern seines Wesens. Darum muss der gute Mensch j nioht böse werden, wann, er sich ihm ansohliesst, | sondern umgekehrt, Aschmodai muss gut werden, wie ' der Mensch, der ihn wie Benajs, der Minister Salomo’s, j dprch Klugheit bewältigt. Als Faust von Mephisto ( wahre Beantwortung seiner •Fragen gefordert, steht; ihm dieser über die Hölle Bede, aber über die himm- ׳ lieche Seeligkeit verweigert er jede Auskunft. (Düntcer’s; Beferat über die Faust-Vorstellungen nach Pfitzer u. : Puppenspiel a.) Aschmodai dagegen zeigt Salomo den Sohamir, 1 durch den der Tempel zur Verherrlichung des einzigen Gottes kann erbaut werden. Auf dem Wege zu Salomo heisst es ferner, ¬טטא דקלא חף ביה שדייד, מטא לבית־ שדי• Dies legt Kohut durchaus zu Ungunsten Aschmodai's aus, indem er sagt:! (Angel. S. 7 9) ״Auf dem Wege zu Salomo entwurzelte er aus Zorn einen Baum; vorübergehend bei einem Hause stürzte er es um.“ Dies ist Kohut ein Beleg dafür, dass Aschmodai gleich Aeschma ein Sched (שד) des schrankenlosen Zorns sei. Allein abgesehen da- | von, dass שדייה nicht ״entwurzeln“, sondern nur ״umweifen“ heisst, wo steht hi«־ etwas von Zorn? חףביה heisst nichts anderes als im Vorbeigehen an etwas, entweder mit Absicht, zum Vergnügen, sich reiben, kratzen (wie Baschi es erklärt: z. St נתחבץ מ^, oder*auch ohne dass man gerade die Absicht dazu hat, z. B. | wegen Enge des Weges, daran streifen, wodurch unwill- , kürlich ein Schaden zu geschehen pflegt*)- Aschmodai ' wird nun im Weitern als sehr gross und mächtig g0־ schildert, — verschlingt er doch Salomo und kann mit dem einem Flügel die Erde, mit dem anderen de» Himmel berühren — was Wunder, dass er im Vorbei- 1 gehen einen Baum und ein HauS streift nnd durch die : Wucht seines Körpers beide so erschüttert, dass sie Umstürzen, ohne dass eine Schädigung von ihm beab- > sichtigt war? Wie er so gar nicht an eine Schädigung 1 denkt, beweist er ja gleich darauf! da er zu der Hütte ׳ einer Wittwe kommt und auf deren Bitte, jene zu ver-! sohonen, sogleich mit seiner ganzen Höhe abbiegt und ' selber dabei' einen Knochen bricht Man denke an die! Erbarmungslosigkeit, mit der Mephisto die friedliche | Hütte des alten, edlen Ehepaares Phüemon u. Baacis | vernichtet und dieses dabei elend umkommen lässt! , (Faust II. ThL) Er sieht dann einen irregegangeneu : Blinden, er führt ihn mitleidig anf den richtigen Pfad zurück und zwar, weil er über ihn im Himmel habe verkünden gehört, dass er ein ״vollkommen Gerechter“ sei und wer ihm׳ wohlthue, der künftigen Welt werde theilkaft werden (יזבי לע05א דאתי• — Also weit entfernt, dass Aschmodai der Fürst der Hölle wäre, hofft; er im Gegentheil selber auf einen Anthefl am Beiche ׳ der Seligkeit. Der Teufel des Christenthums dagegen j *, ln dieser Bedeutung kommt das Wort etliche Mal hn Talmud vor, so Kethab. 24 ,חיפופי ד״ד OWU siehe Baschi das , ferner Joma 84, ושלח .TZ הוה קאים בשוקא חף und auf demselben Blatte Gittin 68 חיית jyrj וכי JTZ דכי עייל חייף vgL auch Berach. 6a vm הני מאני דרבק דכלו מחופיא, wo durchaus nicht von Zorn die Rede ist. Die ]13יקי sind so zahlreich dass durch das von ihnen verursachte Gedränge die Kleider der ו"3נן Schaden nehmen. ist zu ewigen Strafen verdammt (S. Bretschn. Dogt». 8. 490.) Ebenso, heisst es weiter, hat er einen herumirrenden Betrunkenen auf den rechten Weg gebracht, denn, giebt er an, er habe über ihn im Himmel verkünden hören, dass er ein ״vollkommener Bösewicht“ sei, also der künftigen Seligkeit nicht theilbaft sein werde, so möge er wenigstens diese Welt noch geniessen. Bei dem Anblick einer freudigen Hochzeitsgesellschaft weinte er, weil, wie er erklärt, er vorhergewusst, der Bräutigam werde innerhalb 30 Tagen sterben. Sein Lachen ferner über jenen Mann, der sich Sandalen bestellte, die er 7 Jahre solle gebrauchen können, da er doch nicht sicher sei, ob er auch nur sieben Tage werde leben, ,ist durchaus kein mephistophelisches, schadenfrohes Lachen, es ist das halbmitleidige Lachen des Weiseren über den Thoren. — (Schluss folgt) Oie Juden und das Theater Von Israel Abrahams in London. (Fortsetzung von Nr. 4.) Es ist überflüssig, die in der älteren hebräischen Litteratur gegen Theater und Cirkus vorgebrachten zerstreuten Ansichten wörtlich auzuführen. Aus 4 Gründen trug man Bedenken gegen das Theater: 1. Es ist unmoralisch und abgöttisch. 2. Es ist der Schauplatz des Spottes und Hohnes. 3. Es veranlasst muthwilliges Blutvergiessen. 4. Der Besuch der Vorsteilungen ist ein unnützer Zeitvertreib. — Das letzte Argnment kann natürlich noch bestritten werden, die 3 andern Gründe aber fanden in unbestrittenen That- Sachen ihre Rechtfertigung. Das alte Drama entwickeltfich natürlich aus dem heidnischen Götterkaltus und viele Vorstellungen im Cirkus waren uisprünglich un verkennbar götzendienerisch. Die Frage, ob die Rabbiner und ob Tertullian, welcher ihren Ansichten huldigte, berechtigt wareD, das Theater unmoralisch zu neunen, muss daher entschieden bejaht werdeD. Zur Zeit des Augustus waren, wie dieses bestimmt nachgewiesen ist, die Lieblingsstücke der Massen nicht die Meisterwerke des Sophokles, Aeschylus und Euripides, ja nicht einmal die Komöcien des Menander und Plautus; dagegen kamen wirkliche Scenen der Immoralität zur Aufführung: die Liebschaften Jupiters und Danae’8, Leda’s und Ganymedes' worden durch die Schauspieler ganz amständlioh in ihrer abschreckendsten Natürlichkeit dargestellt Auch als Born bereits christlich geworden war, blieb es hier in der ersten Zeit noch beim Alten und wir finden heidnische Schriftsteiler, welche die christlichen Schauspieler, der Un- Züchtigkeit beschuldigten.*) *) Die Geschichte des Pentekaka, wie sie der Talmud erzählt, zeigt auch wie man in der t&lmudischen Zeit über das Theater dachte. Im 4. Jahrhundert war Begeumaogel in Juaäa. Es sollte der Würdigstes au Israel anegewälilt werden, Gott um Hegen zu bitten Man wählte Pentekaka, d«*n fünlfachen Sünder, welcher zu diesem Zwecke dem H. Abaha vorgestellt wurde Diesem e1öft..ete er aut seine diesbezüglichen Fragen Folgendes: ״Ich nabe das Theater zu reinigen, die Kleider in ue Bäder zu tragen und verstehe, durch meine Possen und mein Flötenspiel die Menge zu belustigen “ Anf die Frage, ob er nie etwas Gutes verübt habe, sprach er weiter: ״Bei der Thesterreinigung erblickte ich eines Tages eine bekümmerte, in tiefen Schmerz versunkene Frau, gelehnt an eine Säule Ich frag sie nach der Ursa he ihres Kummers und sie erzählte mir, dass ihr Mann als Gefangener im Kerker schmachte and ihr zur Aufbringung des geforderten Lösegeldee kein anderes Mittel übrig bleibe, als ihre Ehr•• preiszageben. Das rührte mich so sehr, dass ich mein Hab und Gut verkaufte und ihr durch den Ertrag das Lösegeld verschaffte“ Da rief Abahu ihm za: ״Du. allein bist würdig für ans zn beten!“ Ski -- au