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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-02-21 · N° 7. (21.2.1892) · p. Seite 26

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 7. (21.2.1892)
Date
1892-02-21
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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י יי■ יי — 2# — für die Chnrnkterisirung Aschmodai’» massgebenden 1 Hanptatelle in bab. Oittin 68 wird ergeben, dass der- | selbe mit einer Verkörperung dee Bösen, mit einem diese : Welt beherrschenden bösen Prinoip, mit dem Teafel , im Neatestamentlichen Sinne, niohts gemein hat. Schon Bapoport im Ereoh Millin (a. a. 0.) hat die edleren Zöge Asmodnf 8 im Gegensatz za Mephisto, der ja im Grande eine volkethfimlich aasgebildete Vorsteilang des Teafels ist, hervorgehoben. Wir werden nan diese Gegenüberstellung darch den Hinweis auf noch weitere bezeichnende Merkmale indem Wesen des talmadischen Aschmodai vervollständigen, and dabei ' Gelegenheit haben, den letzteren von manchem Makel sa reinigen, den ihm Kohat, fortgerissen von der Aehnliohkeit, die er zwischen ihm and dem persischen A&schma entdeckte, angeheftet ha‘. Diese Aehnliohkeit ist allerdings erheblioh genug, am über den Ursprung der talmadischen Sage aas dem Par8i8mas im Klaren za sein, aber sie betrifft doch hauptsächlich nar, wenn man näher zasieht, die begleitenden äasse ren Umstände, nicht das inn e re Wesen der beiderseitigen Geisterfürsten. (F. f.) Die Richter in Sodom. I Else kaltzrgesehlehtliehe Ustersuekasg von Bernhard K&nigsberger. Die grausamen ״blntsaugenden“ Sodomiter haben ihre Heimat zwar dem Untergange geweiht, aber dennoch hat sich, selbst trotz des über ihre Stadt hereingebrochenen Salzregens, der sie vom Erdboden vertilgte, der Name der Stadt erhalten, and so führe ich ihn auch heut den geehrten Lesern zu einer kurzen Bej trachtang vor Augen. , Wie ans der Midrasch Bereschith rabbah (zu Genes. 19, 1) erzählt, standen za jener Zeit fünf Ober-! häupter dem dortigen Bichterkollegiam vor, deren Vor. sitzender Lot war. Wir wollen die Namen derselbe!! nicht verschweigen und zunächst eine wörtliche Ueber- | Setzung derselben versuchen. Sie lauten: 1) 7 שקרp oder (nach der Lesart Baschi’s) ״ קן שקרRichtschnur des Truges, trügerisches Gesetz“. 2) ■רב שקף * *Herr der Lüge.“ 3) ״ רב סססידיןHerr der Rechtsbeuger ‘ — 80 ist nach Aschkenasi (מתנות כהונה) zu übersetzen'). 4) ■533 רב niederträchtiger Herr. 0) קלא פנדר nach Araoh: ״Seelenverkäufer, Menschenräuber“’). — Es liegt auf der Hand, dass die ohnehin gezwungene Ausdrucksweise der Formen nicht wirkliche Namen jener Räuber, sondern nur ihr Treiben veranschaulichen soll, dessen Werthschätznng die übrigen Sodomiten durch aufrichtigste Nachahmung bekundeten. Jedenfalls klingt aus allen Beinamen der schärfste Tadel jener rohen Gewalttätigkeit heraus, welche nach den Worten der Heiligen Schrift (Gen 18, 20, 21) den gepeinigten Unglücklichen bittre Seufzer und Klagen entlockten. — Noch schwieriger wird die hier angegebene Zahl der •odomitüchen ״Sjnedrialbäupter“, da man nicht weiss, ob Lot, welcher doch z. Z. den Vorsitz geführt haben soll, zu den fünf charakterisirten gehört oder nicht *) Man möchte mit Einhorn 0'TVE), ed. Wilna,מסטירין lesen nnd hierin den summus mysterii (vgl. Midrasch Tanchuma z St., ed. Bnber 49 b 5 21), nnd in רב שקר vielleicht den iadex sicani sehen. Indessen ist das talmudische Wort tür eicarine מקריקיס) so bekannt gewesen, dass es anffallen musste, wenn man etwa den betr. Anadrnck nach dem comformen Ausdruck in Synh geändert hatte. Vgl. noch Le vy, Neahebr. Wtb. IV., 805 s (s. v. קלאפנדר). ’) Mnsssfi« giebt griechischen Ursprung an, also xXLtm)- Avöpa^. YgL noch die Schreibung der 5 Namen im Aruch s v. הרפנח־!Hier findet sich die Zerlegung dee Wortes ם0טידמ tu ״ מסטר. רקAblenker dee Beohts “) A. giebt Ber. r! oap. 61 ab Quelle an; in der ed. Wilna ist es eap. 50, 3. Entere8' müsste man sogar nach den Ausiunrungen des Midrasch annehmen. — Bei Weitem gefälliger erscheint daher der Bericht des babylonischen Talmuds (Synhe. drin 109b). Dort heisst es:ארבע דייני ודו בסדום שהראי ״ ושקי״וראידיפי ומצלי דינאV ie rRichter waren in Sodom: Betrüger, Aufhetzer, Fälscher und Rechtsbenger“'). — Man ist versucht, unter die vierfache talmudische Gharakteristik die fünftheilige des Midrasch zu rubraciren. Doch ist dies nicht nöthig, da den Bezeichnungen im letzteren ganz andere Begriffe zu Grunde liegen, als es bei oberflächlicher Betrachtung scheinen mag. Dabei muss man unbedingt annehmen, dass der Talmud in seiner leichter verständlichen Lesart nur eine Umbildung der unverstandenen Woite des Midraschs enthält*). Mich leitete bei der folgenden Untersuchung der Gedanke an die berüchtigte Menschenquälerei, welohe uns Midrasch und Talmud in drastischer Schilderung vorführen. Der Vollständigkeit halber gebe ich hier die nach beiden Quellen (Ber. r. 49, 5 und Synh. a a. O.) zusammengesetzte Darstellung — die Berichte ergänzen sich augenscheinlich — in der Uebersetzung wieder: ״Es erzählte R. Lewi: [Gott sprach]*): Wenn loh auch schweigen wollte, so würde mich dennoch das Verfahren gegen jenes Mädchen*) nicht schweigen lassen. E.nst gingen zwei Jungfrauen zur Quelle, um Wasser zu schöpfen und zu trinken. Da sprach die eine zur andern: Warum bliokst Du 80 verstört?’) — Zu sich aber sagte sie: Ihre Nahrung ist wohl zu Ende und sie fühlt sich dem Hungertode nabe! — Was that sie? Sie füllte ihren Krug mit Mehl und vertauschte ihn mit dem ihrer Genossin und nahm sich den ihren. — Als dies die Sodomiten erfuhren, ergriffen sie die Wohlthäterin, bestriohen sie mit Honig*) und legten sie auf das Dach der Stadtmauer, worauf die Bienen kamen und sie verzehrten. — Da sprach der Heilige, gepriesen sei Er: Wenn ich auch schweigen wollte, so könnte ich es doch nicht um dieses Mädchens willen! Das ist es, was geschrieben steht: ,״ הכצעקתדob wie ihr Geschrei“ (Gen. 18, 21). — Die Annahme liegt also nahe, dass uns hier Midrasch rabbah eine drastische Schilderung des grausamen Verfahrens der Sodomiten aufbewahrt hat,indem er all’ die heissenden, gefährlichen Insekten namhaft macht, welche der Rohheit jener Richter Vorschub leisteten. Da tritt uns zunächst in dem קרא פנדרא, auch in einem Worte קלפנדרא geschrieben, der Tausendfüssler soolopendra entgegen, dessen Beissen, wie die Naturgeschichtsbücher lehren, ein besonders empfindliches ist und in die Kategorie der hier in Frage kommenden Insekten sehr wohl hineinpasst. Bei der Besprechung des 8yr. Lex. v. Michaelis bemerkt M. S ac h 8 im 2. Bande ') Damit stimmt auch der Bericht im Tanchuma a. a. 0״ wo es heuet: היו בסדום (nicht חמשה דיינים (ראשי דיינים ולוט רע מכולם והושיבוהו ביניהם שכך כת׳ ולוט. ישב בשער סדום (Man beachte die geistreiche Bemerkung Heidenbeim’s zu Basch i (im Pen tat), dass 1m Sinne des Midrasch bei dem Defektäven ישב ■u lesen ist יישב• Es bleibe dahingestellt, ob die Fünfsahl der Richter aus dem zwiefachen Plural (Gen. 19 4):ו א נש י העיר) א גש י (סדום)), wozu die Person de• Vorsitzenden Lot hinzuzurechnen wäre, oder aus Jee. 1, 10 absuleiten ist. *) Vgl meine demnächst erscheinende Schrift: ,Aus Masorah und Talmadkritik“, Einleitung. *) So ist nach dem Refrain im Midr. zu ergänzen. •) Nach der ausführlichen Schilderung in Pirke R. Elieeer, XXV, war es Plethith, Lot's Tochter, die an einen vornehmen Sodomiten verheiratet war und aus Mitleid einen armen Mann unterstützte, den sie in gedrückter Stimmung auf der Strasse umhergehen sah. Die Sodomiten hatten bald herausgebracht, wer die Wohl thäterin sei und wollten sie verbrennen. Da rief sie zu Gott. (Hierauf beziehe sich nun Gen. 18, 21;. ') Wörtlich: .Warum ist Dein Antlitz krank? *) Nach dem Midrasch verbrannten sie die Jungfrau. . ,A...

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