Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 7. (21.2.1892)
- Date
- 1892-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 7. Jüdisches Jato*. XXL Litteratur-Blatt. Sv B«l«1ehtug tllu Ji4«bUw ■ad Jatfca Ntreffad» iftUrarlMhaa Fr• achdaiagaa •af 4tm Gtfclet• dar PfcU•־ M!kl• fiacklfbU, ItkiORraphl•, TkM* lacfc OrieaUlia, iugm, BoalUtlk, Ut11|tt a. PXdifOfU. Heraasgegeben TOD Rabbiner Ur. Moriti Rahmer, 9Tto^3e6ut<j, den 12. 3^-614+01׳ ■M* Iv ■rtll»1|l UltanUt, w•Jefei Ml IMMtiM —ymilt «HM■! lalü 1• IImm Blatt« ■lantMli Ivinilm M BumI■■( tm ■«•I ImiM—i- Zx«■*■•?•■ KlU1< •ia■•!!«• kam 18^2, S r a «1 UaerttM. Das ״Jfldfaeke Lltteratur-BUU“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift1‘, die vierteljährlich bei * allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 Hark zahlen, erhalten das ״Jildiache Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit tt Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Hart« berechnet and sind an die Expedition dieees Blattes za senden.״ Buchhändler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 X Rabatt Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Die Teufelsidee und das Judenthum. Von Dr. H. S teckel m ache r-Mannheim. (Fortsetzung.) — Die Richter in Sodom Eine kultnrgeschichtliche Untersuchung v. Bernhard Königs berger. Receneion: Schwarzfeld, 11 Anuar pentru Israeliti, ca un supliment calendaristic pe anul 5652 (1891—1892). L i 11 er ar ische Notizen. — Zur geonäischen Chronologie, von Dr Kaminka. Ushelitfter Naskdraok aus diesrsi Blatte ist n i k t gestattet Die Teufelsidee und dais Judenthum. Von Dr. M. Steckelms c hie r-Mannheim. (Fortsetzung)[ Und wie verhalt es sioh mit dem Baohe To bi? Lasst ans sehen! Asmod&i, der böse Geist, im baby- Ionischen Talmad ״König der Sohedim“ genannt, Sielt in dem Baohe allerdings dine erhebliche Rolle. wird da, ganz wie aach im Talmud (Gittin 68), als ein wolllä8tiger Dämon gezeiohnet, der die sieben Männer der Sara in der Braatnaoht tödtet und endlieh mit Hälfe des Engels Raphael durch Beräucherung gebannt wird. Bevor wir auf die nähere Charakterisirung Asmodai’s eingehen, der, wie es auf den ersten Bliok scheint, mit dem Teufel des N. Testaments die grösste Aehnlichkeit bat, stellen wir die!Frage: Refleotirt die Asmodaisage in der That dämonologisohe Ansohauungen, wie sie zur Zeit des entstehenden Christenthams, also etwa in den ersten 2 nachohristliohen Jahrhunderten,die Jaden,undzwa^diep&lästinensisohen, beherrscht haben? Oder nooh bestimmter: Stammt das Baoh Tobi aus der Zeit, in weloher das Neue Testament entstand? Aaoh diese Frage muss ▼eijneint werden. Nicht nur die Misohna, sondern auch der ganie jernsalemisohe Talmud (abgeschlossen im 4. Jahrhundert) und die älteren Midralsohim wissen Niohts von Asmodai. Ber. Rab. 36 u. Wajikra. Rab. 5, wo Asmodai, oder jedenfalls ein Forst der Geister, vorkommt, gehören ja dem 6. and 7J Jahrh. an. (S. Zunz Gott. Vortr. S. 176 and 182. Vgl. aaoh Rapoport, Frech MUlin p. 212.) Die vom Exil zurückgebliebenen Sparen persischbabylonisohen Einflasses, die sioh hin und wieder bemerkbar machen, wie im Jerusalem. Talmud;Rosoh Hasohana, Cap. 1: ״R. Simon b Lakisoh sagte: Die Exulanten brachten aus Babel die Eageluameu mit in die alte Heimath“, hatten sich bei den palästinensisohen Jaden bald wieder verwischt. (Joel, der Aberglaube I, S. 106. Vgl aaoh Frankel, Mebo Hajerusohalmi S. 49 f.) Dagegen zeigt sioh gerade bei den babylonisohen Amora’s, und zwar denen aas der Zeit des 3. and 4. Jahrhunderts, besonders zar Zeit Abaji’s und Raba’s, ein mächtiger Einfluss der wiederaaflebenden Liohtreligion. (Joöl das. S. 96.) Der babylonisohe Talmad (Gittin 68) und sonst unter jenem Einfluss entstandene Schriften kannten daher aach allein eine Ausbildung der Dämonologie bis au einem König der Dämonen, Asmodai. (Rapop. a. a. 0. a. ערך אנדה S. 10 § 5, wonach alle Zaubergesohiohten auch des babylonisohen Talmad erst unter Rabina u. Rab Asobi, also im 5. Jahrhundert in denselben eingedrangen. VergL die Naohweise das.) loh gestehe, dass mioh diese Thatsaohen allein sohon za der Vermathung veranlasaten, dass das Baoh Tobi sohwerlioh einem palästinensischen Jaden und zwar etwa einem za Hadrian’s Zeit lebenden, wie Graetz (IV. S. 180) meint, angehören könnte. Vollkommen überzeugt jedooh wurde ich von dar späteren Abfassangszeit sowohl als dem babylonisohen Ursprung dieses Baohes duroh die mir später au Gesioht gelangte treffliohe Abhandlung Kohat's über das Baoh Tobias (in Geiger’s ״jüdisobe Zeitschrift für Wissensoh. a. Leben“ X. p. 49 ft), welche im Ansohluss an dessen frühere Ausführungen über Asmodai (in: ״Ueber die jüdische Angelologie eto.“ Leipzig 1866) aufs einleuchtendste darthut, dass ״das Baoh Tobias auf persischem Boden und böchstwahrsoheinlieh unter Adsohir (im 3. naohohristl. Jahrhandert) abgetanst sei." Es ist also hinsiohtlioh der Annahme eines Einflusses, welohen die alexandrinisohen oder palästinensisohen Juden auf die Entwicklung der christlichen Teufesllehre aasgeübt hätten, soviel wie nichts, ja eher das Gegentheil erwiesen. Uebrig bleibt höobsteag _dje Vermuthang, dass vielleicht bei dem doch immerhin regen Verkehr zwischen den babylonisohen and palästinensischen Jaden*) die vielleicht im Volks munde sohon lange vor ihrer schriftlichen Fixurang lebende Asmodaisage za den palästinensischen Christen gelangt sei and daroh dieselben ihre weitere Ausbildung erhalten habe, t Doch was ist damit gewonnen? Es wird sioh zeigen: blutwenig. Denn eine nähere Prüfung ' der *) Frankel, Mebo Hajeraaohalmi 6. b.