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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-02-05 · N° 6. (5.2.1892) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 6. (5.2.1892)
Date
1892-02-05
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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welligen Commentar von nioht weniger als 87 Quart* Seiten folgen, wo er vom Hundertsten ins Tausendste kommt nnd mit bewunderswertl^er Geduld über die gegen die Echtheit vorgebraohten Gründe and die einzelnen Worte des Sendschreibens pilpnlirt. Bei der Leotüre dieser mit orientalischer Breite angelegten commentirenden Disoussionen, die schwerlich jemand za Ende durohlesen wird, mass man unwillkürlich ao Kobel 7,29 denken: ״Gott bat die Menschen schlicht geschaffen, sie aber suohen viele Berechnungen“. Indessen müssen jene weitschweifigen Auseinander- Setzungen doch nioht ganz unijdtz sein, wenn ein Gelehrter ersten Banges, wie A. Harkavy, imstande ist, 6 Seiten der Einleitung zii seiner treffHohen Besponsen-Edition ') mit kaum heilbaren, zum Theil gegenstandslosen Argumenten gegen die Echtheit des Sendeohreibens auszufüllen) LJoel Müller') trifft gewiss das Bichtige, wenn er jannimmt,. dass der Rumpf der Teschuba unanfechtbar echt und nur einige Zusätze in der Ausdruoksweise von Späteren herstammen.•) Bei meinen Arbeiten über die Geonim’) kam ich, wie oben angedeutet, |zu einem ähnlichen Besultate, nnd zur näheren Erklärung möchte ich hier eine. Uebersetzung unseres Besponsums nebst einigen kurzen Erläuterungen folgen lassen. Luzzato’s nnd Harkavy’s Einwände werden dann leicht aufgelöet werden. Das Besp. ״Von der Opposition gegen die Geonim“ lautet: ״Und was ibrgefragthabt. Es sind unter euoh Schüler, kleine Füchse*), die ganz ohne Bedeutung sind und sioh heraustaehmen, gegen die Geonim, die Säulen der Welt, aufzutreten, indem sie fragen: ״Woher wissen das Jene?^ und ihre Bücher veröffentlichen9) ohne Gottes Thatan und seiner Hände Werk zu begreifen "); sie erfassen!nicht das Geringste von dem, was selbst der unbedeutendste Schüler des kleinsten der Geonim erfasst hat. So finden wir bei einem der Geonim, dass ihm bei seinem Tode naohgerühmt wurde: ״Ruhmvoll sei s^in Andenken; alle Verhandlungen der ehemaligen Baljibiaar1'), die sechs Ordnungen der Misohna, Alles Was seit Hillel und Sohammai verborgen war11) and viele andere uner- *) Stadien uni. Mittheilungen aus der Kaiserl. öfi. Biblioth. zu St. Petersburgs IV. Berl.!«87 (Mekize Nirdamim), Einl. S. X-XVI. ( *) מפתח (Einleitung in die Responisen der babyl. Geonen, Berl. 1891) S. 182, Anm. 18. •) וקצת מלשונה נוסף דליה מיד האחרונים ״ (’Die Litteratur der geonäischen Zeit“, gegen wärtig in Winter u. Wünsche’s ״Jüd. Litteratur“ erscheinend Das besprochene Sendschreiben wird dort (Bd. II, S. 47) unter ״acherira“ angeführt. •) Hobel. 2,15. ’) Sollte das etwa gegen Karäer gerichtet gewesen sein, so werden diese Worte in dem Sinne za verstehen sein, wie Natronal’s entrüstete Verdammung der willkürlichen ״Bücher der Gebote“, welche die Anti-Talmadiateb veröffentlichen (Amram's Siddur, Anfang der Pessach-Hakgada). Indessen kann das ומוציאים ספריהם auoh, nach der Anm. des Heratug. der Resp.-Edit. Livorno (toi. 75 b), auch auf die Geonim bezogen werden: n. beseitigen oder verwerfen ihre Schriften. 1») Jes. 5.12. .הורי דרבנן קדמאי דא עם דא (״ דאתנניזו* (״. wurde von S. D. L. ünd von Harkavy auf שית סדרי משנה bezogen nnd beide wunderten ■ich, wie das möglich sei, dass die Misohna, deren Abfassung von Seherin so klar im bekannten Sendschreiben כיצר נכתבה ה0שנק dargee teilt worden, hier als ״seit Hillel ul Schammai verborgen“ bezeichnet werde. Es ist für mich kein!Zweitel, dass לא תעיזו dem 3inne nach selbständig, der Foijm nach ein Wort wie ,ועניני“ vor sich ursprünglich gehabt haben muss. Oder vielleioht mnsa die ganze Stelle ao heissen: שית סדרי משנו*״ ובל הורי דרבנן קדמאי דא עם דא וכמה ענייני דלית לק שיעורא דאיתנניזו מיומי הלל ושמאי Damit t&nt Lu*zato׳s stärkstes Ar-' gament, da# auch von Hark, breit besprochen wird, in sieh zusammen. י gründliche Kenntnisse (wären ihm geläufig); selbst in den Berathungen des Himmels wird die Enteoheidang naoh seinem Spruoh geschehen 1' Wie unterstehen sioh nun Füohse, die das helle Lioht nioht gesohant, Verwertliohes gegen Gott und sein Erbtheil zn sinnen, gegen einen Mann, der mR dreizehnfaohem Siebe") den ganzen Talmad geprüft nnd alles erforscht, was seit Josna, Sohn Nun’s, als sinaitisohes Gesetz von Mose von Gesohleoht za Geschlecht überliefert worden t Was können dieVerkehrten selbst gegen den kleinsten Sohüler der Geonim Vorbringen, deren Worte Gottes Worte sind, die selbst im Lehrhause von Mose, dem Meister aller Propheten, nioht hätten umgestürzt werden können! — Ihre Weisheit und ihre Verhandlungen bilden die göttliche mosaische Ueberlieferang nnd selbst wenn sie sagen: ״So ist es!" ohne nachzn weisen, woher sie es entnommen, darf an ihrem Sprach nicht das Geringste verdächtigt werden. Wer sich gegen ihre Worte aaflehnt, der widersetzt sioh gleiohsam Gott und seiner Lehre.“ Erläuterungen. Den Anlass zn diesem Sendschreiben scheint die Auflehnung gegen einen bestimmten Mann, einen Schüler der Geonim, gegeben zn haben (was ans der nschdrnckavollen Hin- Weisung hervorgeht, dass man sich selbst dem bedeutendsten | Schüler des Gaona nicht wiedersetzen dürfet Dass der Respondirende strengen Gehorsam für eine geonäiache Persönlichkeit fordert, die offenbar nioht mit ihm selbet identisch ist nnd der Protection bedarf, an n׳cht als ,.Schüler“ mit Gering- Schätzung betrachtet zn werden, lässt die Vermathang zu, dass das Reaponsnm gegen Ende der Function Schuirs’» (968—998) erlassen wurde, als, nachdem gegen ihn persönlich Opposition nnd Verlänmdnng autgetreten waren,u) sein Sohn and Sohüler Hai Mitarbeiter im Gaonat und dadurch wegen seiner Jugend״) eine bequeme Zielscheibe des Spottes für die Gegner der talmodisch - geonäischen Ueberlieferang wurde, welche sich an den ehrwürdigen Greis nicht mit derselben beleidigenden Offenheit herangewagt hatten. Aas dem Schreiben spricht eine gereizte nnd erbitterte Stimme, welche erstens an der Hand eines Beispieles von einem verstorbenen Gaon Ehrfnrebt vor der Institation überhaupt verlangt, die solche Männer zu ihren Vertretern gezählt, zweitens hervorbebt, dass selbst gegen den jaDgen Schüler (Hai), der so wunderbar bewandert auf allen Gebieten des Talmuds ist (wie vom frühreifen Sohn Scherira’a bekannt) ״nichts Abfälliges und Verkehrtes“ gesprochen werden darf, denn als Gaon seit er Vertreter des einzig wahren mosaischen, göttlichen Wortes. Im Einzelnen nnd za den Einwänden gegen die Echtheit ist noch Folgendes zu bemerken: 1. Harkavy fiadet, dass die Sprache des Reep, gewunden und unklar ist. Als wenn sonst Scnerira’s Responsen oder die irgend eines Gaona überall einen klaren Stil and grammatisch unanfechtbare Formen darböten! Im Uebrigen aber wüsste ich nicht, was bei ans. obigen Uebertragung and Erklärung noch als ernste Schwierigkeit übrig bleiben würde. 2. H. citirt (S. X ) aas Schaars Zodek “1 חששאיTD ״דלית nnd berichtigt צ“ל ם ש ש א יבש״ת ממשא — Abm wenigstens in dem von mir benutzten Exemplar ist deutlich 'K00O za lesen, und da es nur eine Edition gibt, so massbeiH. zufällig das ם entstellt sein. *•) בתליסר נפי izt talmud Redewendung. ••) Vergl Sefer. Ha-Kabela des ס לאבד• Weise’ ״Der Dor“ IV, 173. ’*) Naoh der früheren Annahme (3. J. Rapoport, Biogr.) die auch von Graetz festgehalten wird, soll Hai 989 geboren worden sein und bei der definitiven ״Thronbesteigung“ (naoh• dem er bereits lange vosfcer mit Soherira gemeinsam gewirkt) ein Jüngling von 18 Säen gewesen sein. Nash der wohlbegründeten and auf- 8,X)h. Halberstamm’s Ms. des 0' הקבלה sioh stützenden neuen Berechnung von Weias (IV, 174, Anm. 1) muss er er jedoch 910 geboren sein. Immerhin war er während seiner Wirksamkeit als Oberriohter verhi Imiaamäasig jang, obwohl mit reichen talm. Kenntnissen aasgestattet and ltänhM seinem Vater nnd Lehrer die erste Autorität. Die enthasiastiache Begrüaeung seines Eintritts ins Gaenat, dis berichtet wird, echliesat nicht anderweitige missfällige Aenaaerungwt von Gegnern aus.

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