Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 6. (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
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28 uioht gefunden. 2. Durch Zufall sind wir entstanden. . . . Denn Banah ist der Hauch in unserer Nase, und die Vernunft ist ein Funke ... 3. Erlischt dieser, dann zerfällt der Leib in Asche, und der Geist verflieget, wie dünne Luft. ... 5. Ein vorübergehender j Schatten ist unser Leben, und es giebt keine Büok• kehr von unserem Ende; denn es ist versiegelt und j Niemand kehret nm. 6. Kommet also her, lasset uns die vorhandenen Güter gemessen. ... 7. Wir wollen uns anfüllen mit köstlichem Weine. ... 8. Wir wollen uns mit Bosenkelohen bekränzen. ... 9. Keiner von uns werde ausgeschlossen von dem üppigen Leben. ... 10. Lasset nns den Gerechten unter• drücken, die Wittwe nioht schonen. ... 11. Unsere Stärke sei das Gesetz der Gerechtigkeit, denn der Schwache wird als unnütz verachtet. ... 12. Lasset uns dem Gerechten nachstellen, weil er uns besohwerliehist und unseren Werken entgegenarbeitet, weil er uns die Uebertretungen des Gesetzes vorrüokt. . . . 13. Er rühmt sich, die Erkenntniss Gottes zu besitzen, nnd ein Kind des Herrn nennt er sioh selbst. Er ist zum Tadel unserer Gesinnungen geboren. 15. Er ist uns zuwider, wenn wir ihn nur ansebauen, weil sein Leben verschieden von dem der übrigen.*! und seine Wege eine andere Bichtung nehmen. 16. Wie Schlacken werden wir von ihm geaohtet, nnd er hält sich fern von unseren Wegen, als wären wir unrein; er preiset das Ende der Gerechten und prahlet mit Gott, als mit seinem Vater. 17. Wir-wollen sehen, ob seine Reden wahr sind, und prüfen, wie es ihm zuletzt ergehet. 18. Denn, wenn der Gerechte ein Sohn Gottes ist, so wird Er sich seiner annehmen und ihn aus den Händen seiner Gegner erretten. 19. Durch Gewaltthat und Marter lasst nns ihn prüfen, damit wir seine Sanftmnth erkennen und seine Standhaftigkeit erproben.*! , 20. Zu einem schmachvollen Tode lasst uns I ihn verdammen; es ist ja einer, der auf ihn sieht, wie I er spricht.**) 21. Dieses sind ihre Gedanken, die sie 1 in die Irre führen, denn ihre Bosheit hat sie blind ' gemacht. 22. Sie erkennen Gottes Geheimnisse nicht, anf den Lohn der Heiligkeit hoffen sie nicht, und die I Herrlichkeit der unsträflichen Seelen achten sie nicht, j 23. Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglich-! keit geschaffen und ihn zum Bilde seines eigenen! Wesens gemacht. 24. Aber durch den Neid des Tenj fels kam der Tod in die Welt; diejenigen erfahren I es, welche seines Theiles sind.“ Das Capitel zeigt allerdings, wie man sieht, noch einen ursprüngliohenKern echt jüdisoherAnschauung,***) aber es ist mit einer christologischen Umhüllung ver-! sehen worden, und zwar 80, dass es ohristologisch sehr gut verwerthbar schien. Der erste Vers sprioht vom Erlöser aus der Unterwelt, der letzte vom Tenfei, dem Urheber des Todes — die augenfälligste Antithese des Christ and Antichrist, and dazwischen der Gottessohn. (VgL Bretschneider Dogmatik 3. Aufl. S. 490, ferner Matthl 1, 21, Joh. 5, 24, Börner 5, 18, 19, 1. Cor. 15, 26, Coloss. 1, 13 ff, 1. Joh. 3, 8. ״Wer Bünde that, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottea, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“) Wir denken, die Absicht, eine Grundansohaaung der neuen Lehre in einer vorchristlichen Schrift von dem Ansahen des Baches der Weisheit bestätigt erscheinen zu lassen, sei za deutlich, als dass wir die fragliche *) Man vgL Jes. 52, 14 and 53, 2 3. **) Mas.denke wieder an Jee. 58, 3, 4, 5, 7. ***> Wie er etwa in 1, 13—16 and noch anderswo sich zeigt. Stelle nooh ferner im Ernst 818 Beweis für die dämonologischen Ansichten der damaligen Juden könnten gelten lassen.*)!Forts, folgt.) Scherirars Responsum Uber die^ Opposition gegen die 6eonim. Von Dr. A. Kaminka-Berlin. An der Spitze der Responsum-Sammluug ״Sohaare Zedek“ (Salonichi 1792), sowie in der Sammlung ״Chemda Genuas“ (1863) und in der mehrmals erschienen ״Schaare Teschuba* befindet sich bekanntlieh eine höchst interessante Teschuba, die den Namen Scherira’8 trägt und in welcher der Gaon sich in sehr energischer Weise gegen die pietätlose Art ausspricht, in der manche unreife Schüler an den Worten der Geonim zu zweifeln und von ihnen abfällig zu sprechen sich erdreisten. Manche Ausdrücke in diesem Schrittstücke klingen als Uebertreibungen, einige Wendungen sind nicht ganz klar; aber Unebenheiten des Stils und unklare, schwülstige Wendungen sind für jeden, der mit der Responsenlitteratur einigermasse n vertraut ist, nichts Ungewohntes und werden theils auf Rechnung der Eigenthümlichkeit der gemischten, von Citatendurch webten aramäisch-neuhebräischenSprache, theils auf Rechnung der gedankenlosen Kopisten gesetzt. Da das in Rede stehende Reep, späteren strenggläubigen Mystikern besonders werthvoll erschienen sein muss, so ist es ganz natürlich, dass es am meisten durch sinnlose ״Verbesserungen“ und Verschärfnngen seitens der Abschreiber gelitten haben dürfte; der Unbefangene gewinnt aber den Eindruck, dass das Sendschreiben sonst inhaltlich mindestens ebenso zweifellos von Scherira stammt, wie alle anderen, die in den Mas. den Namen jenes Gaons als Ueberschrift tragen. Nichtsdestoweniger besteht bereits eine ganze Litteratur über die Authenticität dieses Sendschreibens. S. J. Rapoport 8. A., dessen kritischer Blick und feiner Takt namentlich bei der Beurtheilang älterer rabbinischer Schriften gewiss massgebend sind, zweifelt nicht daran'), dass das Responsum vollständig von Scherira ist, und schliesst daraus auf das Bestreben jenes weithin berühmten nnd hochangesehenen Gaons, die Autorität der Schulhäupter in den Augen der Menge zu heben. Der sei. S. D. Luzzato’) erachtet die Teschuba als uneoht, aber sein Hauptargument ist, wie wir sehen werden, ganz bedeutungslos und seitens eines verständnissvollen, ernsten Kritikers wie S. D. L. merkwürdig sohlecht herausgesucht. Dass das Stück in der von ihm herauegegebenen handschriftlichen Sammlung (von J. Müller, in תשובי נמו*ם Berl. 1888 veröffentlicht) zufällig nicht vorhanden war, will gar nichts sagen. R. Israel Moses Chasan lässt nun in seiner Ausgabe der שדרי תשוכד*■ (Livorno 1889> dem kurzen Scherira’sohen Responsum, das er mit besonderer Freude als eoht hervDrhebt und anpreist*!, einen langen und lang- *) Nachdem dies geschrieben war, entnahm ioh ans Notel* der aasgezeichneten Schrift Prof Freuden thal’s. ״Die Flavias Josephns beigelegte Schrift etc “, dass auch dieser scharfblickende Gelehrte die fragliche Stelle Sap 2. 24 als eine spätere Christliehe Interpolation verdächtigt, ähnlich den späteren Zathaten, die er daselbst in Ps.-Josephns mehrfach nachgewiesen hat Frendentbal bemerkt daselbst feiner, dass eine wirkliche Gleich- Stellung der Schlange mit dem Satan sich bloss hier (Pe-Joseph.) nnd in den angeführten N. Teetamentl. Schriften sich finde. ') Bikknre Haittim 1330 (XL Jahrg.) S. 81. .8.66-56 בית האוצר ר דל דא ודאי בחכי מברכינן ברוך פוקח עורים! שהיא ר התשובה בדמותה כצלמה אשר תבאר, בריש ש*צ...