Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 5. (29.1.1892)
- Date
- 1892-01-29
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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welche den fragliohen Lehrbegriff im N. Tee tarn, als eine ▲ocomodation an herrschende Zeitvorstellangen bezeichnen. Unter Bemfang aut I Chronik, 21, 1, Buoh der Weisheit 2, 24 nnd Tobi 6 meint Ptleiderer, (Dogmatik § 142 S. 11.) das nachexilische Jaden• tham begreife anter Teufeln gottfeind liehe Wesen, and die neatestamentliche Auffassung reflectire nur vorgefandene Ideen. Ebenso Zeller, Vorträge nnd Abbandlangen S. 260 ,Schon in dem späteren Jadentham hatte dieser Glaube (an böse Geister), ursprünglich aus der persischen Beligion stammend, in solchem Maasse am sich gegriffen, dass man alle möglichen Uebel nnd Krankheiten von dem Einfluss der Dämonen, selbst von wirklicher Beschaffenheit, alles Böse in der Welt von der Eingebung des Teufels herleitete. Der gleiche Glaube ging in voller Stärke in das Christenthum über etc . . Gleicherweise heisst es im Meier’scben Lexicon, (s. v.) Jesas habe sich nur den herrschenden jädischeu Anschauungen aubequemt. Der Dämonenglaube ist auch — so wird irrthämlicli hin zugefügt. — von Paulas mit den christlichen Ideen in klare oder gar nothwendige Verbindung gesetzt. Desgleichen ausser(e sich auch (in der ,Gegenwart“ Bd־. XXV No. 3) Joh. Scherr: ,Von einer förmlichen Gegengottschaft Satans ist im ganzen Umfange des ganzen allen Testaments keine Bede, and erst das spätere Jadenthum hat nach dem alltestamentlichen Codex seinen Satan vollständig im Ahriman’schen Sinne zam Widersacher Gottes, zam Gegengott gemacht. Der strenge Monotheismas des echten Judenthams sträubte sich eben so lange als möglich gegen die Aufnahme der Daraliatischen Weltanscbauuang. Noch der im J. 37 naoh Christi geb. Josephas wollte als rechter Jude nichts von dem TeufeL wissen. Dagegen gebt dieser im Neaen Testament überall mehr oder minder brüllend um . . . .“ Scherr scheint also das, was er von dem ,späteren Judenthum“ aussagt, aus dem Neaen Testament erweisen za wollen, indem er wohl gleichfalls annimmt, dass die Teufelsidee im N. T. nur einfach, wie sie damals im Jadenthum gang and gäbe war, herübergenommen worden. In ähnlicher, aber doch viel vorsichtigerer Weise, drückt sich — wie bereits oben erwähnt — Boskoff aas, indem er, gestützt auf die bekannte Stelle im Bache derWeisheit 2, 23 ,24, von dem alexandrinischen Jadentham aassagt, es habe sich ,das Theoretisiren der Griechen angeeignet, die persische Theorie über den Ursprung der Sünde and die ursprünglich natärliehe Schlange der Genesis zum Bepräsenlanten oder wenigstens zam Werkzeug des Bösen amgemodelt. “ Dieae Auffassung sei za Jesu Zeit die allgemein gangbare gewesen, wie aas den neutestamentliehen Schriftstellern hervorgehe; sie sei von den älteren׳ jüdischen Lehrern festgehalten and durch die christl Kirchenväter übermittelt worden. (Bosk. I S. 193.) Ist nun diese, wie man sieht, landläufige Ansicht, dass das N. T. den Begriff eines die irdische Welt, beherrschenden bösen, gottesfeindlichen Princips, eines Gegengottes, eines Teufels vom naohbiblischen Jadentham aberkommen habe, gerechtfertigt? Wir antworten mit einem entschiedenen: Nein! Das Schriltham, aus welchem die Bichtigkeit solcher Annahme hervorgehen musste, wäre vor allem die Misohna, welche am Ende des 2. nachohristl. Jahrhunderts redigirt, die Summe der geistigen Thätigheit enthält, mit welcher die palästinischen Jaden den nachexiliscben Zeitraum von etwa 500 Jahren so za sagen vor den Aagen des heranwaohsenden Christenthams ausfüllten. In der 6 amfang• reiche Abt h eilangen umfassenden Misohna findet sioh von Dämonologisohem kaum eine Spar. Wir verweisen hierbei besonders anf die sehr gewissenhafte nnd gründliche Arbeit des sei. Seminar- Rabbiners Dr. D. Joäl (Der Aberglaube S. 55 fl). Er macht u A. darauf aufmerksam, dass die Misohna selbst dem Asasel, der doch gegenüber Adonai bei vorhandener Disposition z u damonologischen An• schaunngen am ehesten noch als ein dämonischer Gegeogott ausgegeben werden konnte, von der Misohna ausdrücklich als ein felsiger, steiler Berg, von dem der Bock hinabgestürzt wurde, aufgefasst wird. (Das. S. 63.) Erwägt man, dass die Miscbna, ein hervorragendes, weithin massgebendes National- Werk ist, bei dem unter keinem Umstande der Reflex einer herrschenden Anschauungen fehlen dürfte, so ist es klar, dass wenigstens für den genannten Zeitraum, von einem herrschenden Dämoaenglaaben, 01er gar einer gangbaren Ansicht von einem bösen, gottfeindlichen Principe nicht die Bede sein kann. Ja, man kann sogar eine gegen den in Christliehen Kreisen tiberhandnehmenden Geisterglauben energische Gegenströmung bemerken. So erklärt es B. Ismael (blühte im Anfang des 2. nachohristl. Jahrhunderts) (Aboda sarah 27.) aufs entschiedenste für unstatthaft, dass sein Schwestersohn von dem alsSchüler Jesu bezeichneten עקב איש כפר □בניא eine Wunderheilung an sich vornehmen lasse. (Vergl. besonders Tosefta Chullin 2.) Es ist das unzweifelhaft eine Beaction gegen die anter den Miain Ju.lenchristen eingerissenen Geisteraustreibungen, gegen die nea autgekommene Ansioht, als ob gewisse Krankheiten aut Besessenheit durch böse Geister, die durch Besprechung zu bannen sind, beruhten. (Vgl. Ev. Marci 16, 17, 18.) Wir verweisen ferner auf eine gewiss älterer Ueberlieferang entnommene Erzählung des Bemidbar Babbah (Abschnitt Chukkaih Cap. 19) über eine Unterredung, welche B. Jochanan ben Sakkai (blühte in der zweiten Hälfte des 1. nachohristl. Jahrhunderts) mit einem Nichtjaden über das Gesetz von der rothen Kuh gehabt. 13er letztere findet in dieser Vorschrift Aehnlichkeit mit Zaaberwesen. Der Babbi bringt ihn zum Soitweigeu, indem er ihn an das Verfahren erinnert, welches in der niohtjüdisohen Welt, mit dem von einem bösen Geist (רוח תזיזית) Besessenen beobaohtet wird. Die Jünger, anbefriedigt über diese nothbehttlfliche Analogie, bitten den Meister um dessen wahre Meinang, die er ihnen denn mit den Worten giebt: ״Bei eurem Leben! nioht der Leichnam verunreinigt, noch vermag das Wasser wieder rein za machen, aber Gott sprach: ״ein Gesetz habe ioh verordnet, eine Satzung autgestellt, Du aber darfst mein Gebot nioht überschreiten . . .“ Denselben jede mystische Auffassung abweisenden Ausspraoh referirt eine Boraitha (Joma 67 b) im Namen des Tanna d’be Ismael in Bezog aaf ähnliehe Satzungen, die man als מעשה תוהו za betrachten geneigt sein könnte. Wir sehen also die ganze Misohnaitische Epoohe nicht nar fast frei von dämonologisohen Ansohauangen, sondern sogar theilweise im bewussten and beabsichtigten Gegensatz. gegen dieselben, nnd zwar im Gegensatz nicht etwa gegen Vorsteilangen, welohe in dem trea gebliebenen jüdischen Volke lebten, sondem gegen solohe, denen diejenigen anheimgefallen waren, welche der neaen Lehre sich zugewandt. Die neue Lehre hatte nämlich den vom Jadenthum anf das Geringste herabgedrückten Dämonenglaaben gerade in seiner vollsten Ausbildung, wie ihn der