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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-01-22 · N° 4. (22.1.1892) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 4. (22.1.1892)
Date
1892-01-22
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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ihren Theatern and Cirkassea! aaftreten lassen, die da« Volk snm Lachen bringen; hierdoroh werden die Lente verhindert, Streitfragen! an veranlassen and heftigen Zank ca erregen.* Dies« vielleicht sarkastische Bemerkung ist die glänsendste Lobrede aaf das Theater, welohe die älteste hebjräisohe Litteratar aaiweist. Dooh gibt es aaoh Stellen in derselben, welche es entschieden verartheilen. Die heute mit Vorliebe verbreitete Ansicht, welohe in der Bühne einen Sammelplatz zur Verbreitung der Sittenlehre erblickt, reicht wenigstens bis zur Zeit Tertallians zurück Interessant ist auoh der Nachweis, dass im Jahre 4i9 von dem Ratbe za Carbhago die Aufführung r״n Schauspielen an Sonntagen verboten war, weil die Lente lieber in den Girkas als ln dieKirohe gingen. Ich weiss daher kaum, naoh weloher von diesen beiden Ansichten ioh die Prophezeiung des Rabbi tMegillah 6 a), dass die römisoben Theater in der bevorstehenden glücklichen Zeit in Schalen verwandelt werden würden, erklären soll. Auf alle Fälle zeigt dieser Aassprnoh, dass inan sich vom Theater mit der Zeit dooh Gutes versprach.1 Aach Hillel bedient tiah eines Ausspruohes, weicher zeigt, dass ihm die Theaterverhältnisse nicht fremd waren. ,Wie die Königsbilder (Stataen) in einem Theater oder Oirkas von denen, deren Obhut sie an vertraut sind, immer geputzt und sauber gehalten Werden müssen, 80 ist der im Ebenbilde des allmächtigen Königs gisohaffene Mensch verpflichtet, seinen Körper stets rein za halten.“ (Fortsetzung folgt.) Biblische Legenden. Mach eisern altes Maanseripte aas Temen. Von Dr. Alexander Ko hat, Rabbiner in New-York. Daroh die Qüte des Herrin Ephraim Deinard, weloher aaf seinen Reisen im Orient verschiedene Manuscripte aas Yemen erhielt., gelangte ioh in Be• sitz eines schätzbaren Midrasch, welohen Hr. Deinard, wahrscheinlich vom Hörensagen, als Midrasoh des Rabbi David Al-Adni (von Aden-Arabien), d. i. ein homiletisoher and exegetischer Pentateuoh-Oommentar, bezeichnet, welchen ioh dnroh Auszüge ans dem sogenannten Midrasch Hagadol, welohen der gelehrte Hebraist, Herr Soheohter in Cambridge, naoh Montefiore-Manasoripten heraasgiebt, mit dem Midrasoh Hagadol identifleirt habe. In Beeng aaf die besondiere Tendenz des Midrasch möchte ioh nar nooh anführen (da ioh nicht beabsichtige, eine gelehrte Abhandlung über einen Gegenstand za liefern, welcher eine erschöpfende Behandlung daroh den Herausgeber finden wird), dass er einen reiohen Schatz erläuternder Textes- Erklärungen enthält and überreich an scharfsinnigen Auslegungen ist. Als aaf einen charakteristischen and keineswegs zu unterschätzenden Orandzag dieses werthvollen Commentars sei qs ung nooh gestattet, die Aufmerksamkeit aaf die ihm ähnlichen klassisch hebräischen Dichtungen hinzulenken, bei welohen jedesmal der Inhalt durch eine Ueberschrif t angedeutet ist, welohe als Leitfaden des-!Ganzen dient. Jeder poetische Theil schliesst mit der angemessenen Nutzanwendung aus der im Anfänge des Kapitels ausgesprochenen Sentenz. j Die folgenden Legenden, obschon skizzenweise im Talmud enthalten, werden dazu dienen, den schönen Erzählerstil, dessen sich der Autor bedient, zu illustriren und hoffentlich dazu beitragen, das besondere Interesse der alttestumentliohen ,Gelehrten für den Gegenstand wachaarufon. 1. Moses bei Pharaoh. •w« Als Moses and Aaron vor Pharaoh erschienen, war zufällig Oalatag beim Könige Alle hohen Beamten des Reiches and die Herrsober fremder!Ander überbraohton Pharaoh Geschenke und sonstige Zeichen der Aufmerksamkeit. Derselbe war in königliche Gewänder gekleidet, mit Krone und Soepter gesohmbekt nnd von dem vollzähligen Stab seiner Würdenträger umgeben. Zwei Fremde, welohe Zutritt zum Könige begehrten, wurden sofort angemeldet nnd Pharaoh, weloher in denselben Hofleute ans irgend einem fremden Lande vermuthete, welche abgeschickt waren, ihm in reichen Geschenkes die Huldigungen ihre! Fönten darzabringen, befahl, sie sogleich vorzulassen Als nun Moses nnd Aaroa eintraten, ia Prieetergewänder gekleidet, len Stab in der Hand, ohne auf die der Majestät gebührender Begritssnngsformela Rücksioht an nehmen, und s_>gar verschmäheten, eich irgendwelche Be artheilang diese* Auftretens gefallen an lassen, ward der gewaltige Herrschst von einem mächtigen Schamgefühl erfüllt Nachdem er naoh dieser ersten Aufregung kaum das Selbstbewusstsein wieder erlangt hatte, herrschte er die Beiden mit folgenden Worten an: ״Bin ich denn ein Hand, dass ihr mit einem Stecken an mir kommt? Wessen Untsrthanen seid ihr? Wer hat eaoh za mir gesendet? — ״Der Gott der Hebräer" antworteten sie. ״Haben die denn aaoh einen Gott?" fragte der König in höhnischem Tone. ״Warum betreite er sie denn nioht schon vor vielen Jahren aas meiner Gewalt?" ״So wisse denn", laatet* die feierliche Antwort, ״dass die Hebräer einen Gott haben and Da nar desshalb bis heute eines ungestörten Friedens genostest, weil Dein Sündenmsss noch nicht voll war; je tat ist aber di* Zeitder Strafe gekommen." — ״Eigeathümlioh", rechtete Pharaoh, ״hat dehn euer irott mehr Macht and Stärke als ich? Besitzt er grössere Staaten als ich? lieber wie viele Nationen erstreckt sich die Herrschaft seines Scepters? Wie viele Länder hat er schon erobert? In wie vielen Schlachten hat er bereits gesiegt? Wie gross ist die Zahl seinsr Trappen and welch* hervorragenden Führer stehen ihm an Gebote, wenn er *am Kriege aaszieht?" Hierauf antworteten sie: ״Unser Gott gehört nioht sflr Klasse derer, welohe Da beschreibst, denn seine Allmacht beherrscht die ganze Welt. Seine Stimme dringt durch die Feuerflammen; sein Wort durchbohrt die Berge; sein Bogen ist Fetter; seine Speere sind leuchtende Blitse; seine Schilde sind die Wolken; sein Schwert ist funkelndes Feaar; er erobert nicht durch menschliche Mittel and schafft nicht mit Anstreagnng. Sein Reich erstreckt sich über alle Herrscher nnd Reiohe; seine Herrschaft hat nimmer sin Ende.“ ״Wenn dieses der Fall ist“, erklärte Pharaoh, ״dann wartet eine Zeitlang, bis wir die geheimen Beriohte unserer Archive durchs acht haben; denn es gibt keinen König, weloher nicht mit mir in Briefverkehr steht and mir nicht Geschenke schickt. Wenn daher eure Behauptung wahr ist, so werde iah euren Gott in meinen Papieren schon finden.“ Hierauf lieas er sofort alle Berichte, Schriften and Bücher, welche sich über die Geschichte seines Reiches, von dessen Gründung an, in seinen Archiven befanden, Zusammentragen, vertheilte sie an!0 Schreiber, welohe mit den damal* bekannten 70 Sprachen vertrant waren and welche naoh einer sorgfältigen and gründlichen Forachang die Erklärung abgaben, dass kein* annehmbare Bestätigung für ihre Angaben an finden sei. Als Pharaoh zieh hierauf für gründlich überzeagt hielt, entliess ar die < Abgesandten der göttlichen Gerechtigkeit mit barten Worten nnd apraoh: ,.Den Adonaj kenne ioh nicht, habe nie von ihm gehört!" Nach ihrer Abreise versammelte er , alle seine weisen Räthe nnd fragte sie: ״Habt Ihr je von dem Gott der Hebräer gehört and hatten sie überhaupt je einen Gott?“ Sie erwiderten: ״Wir hörten in der Tnat etwas derartige*, nämlich dass ihr Go:t der Sohn eines weisen Königs von eaemals ist." Hierauf entgegqete Gott: ״Ihr Narren, die Ihr eaoh für weise haltet nnd mich als den Sohn eines Weisen bezeichnet! Wo soll es mit Eurer Weisheit-hin, wenn ich Mizraim zerstöre und Eure Weisheit zu Schanden mache, wie es geschrieben steht: ״Die Fürsten Zoana sind za Narren geworden" Alt Moses das zweite Mal erschien, fragte ihn Pharaoh ״Womit beschäftigt sich euer Gott, in dessen Namen Da erscheinst?“ ״Er schuf Himmel and Erde", antwortete Masse, er schafft das Kind im Schoosse der Mutter, er bringt Thaa and Regen herab and speist die ganze Welt" ״Dann habe ioh ihn ment nöthig", lautete die spöttische Antwort, ״denn ich schuf mich selbst, bin selbst ein Gott, Herr meines Flusses, des Nil, welcher mein Land bewässert, wie es geschrieben steht: ״Mir gehört der Flass und ich haue ihn für mich selbst gemachtI“ — Aus diesem Grunde wurde auch der Nil zu allererst von der göttlichen Strafe betroffen. Wurde die erste Strafe an Pnaraoh geübt, so würde dieser sagen: ״Mein Gott ist mir nicht gut gesinnt“ Wird aber der Nil selbst in Strafe verfallen, so wurde Pharaoh des een eigene HnfiosigaSit gar bald erkennen. (Fortsetzung folgt.)

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