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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-01-22 · N° 4. (22.1.1892) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 4. (22.1.1892)
Date
1892-01-22
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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— 16 Recensionexu Back, Dr. Sam■«!. Elisoba ben Abuja-Aoher. Frankfurt a. M. 1801. J. Kanffmaun, Prag. J. B. Brandeis. 37 Seiten gr. 8. Der Herr Autor möchte mit vorliegender Schrift aeinen, daroh achtcehn Jahrhunderte ▼erurtheilten, Helden (E. lebte 65—140 n. Chr.) ״dem Könige im Beiche des Midrasch (Hrn. Dr. Jellinek) an seinem Jubeltage aur Amnestie wärmsten* empfehlen*. Ob der Erfolg der Empfehlung entsprochen hat, möchte ich bei dem durchaus ethischen Streben des Verfassers, welcher in seiner gesobichtlischea Studie auf die Sympathie feinfühliger Leser rechnen kann, wohl nicht bezweifelu. Gleiohwohl bleibt in der mehr homiletisch als historisoh angelegten Abhandlang, welche ans einem in Prag, im Jahre 1873 gehaltenen Voitrage entstanden ist, Manohes au erörtern übrig. Möchte auch dem Verf. beigepfliohtet werden, dass in klar präzisirter und fixirter dogmatischer Anschauung oder im praktischen Leben auffällige Abtrünnigkeit vom Judenthnme dem Zweifler Aoher nicht vorgeworfen werdeu kaun; das Brandmal, welohes seinem Namen anfgeprägt worden war, mehr der Uaduldsamkeit and Lieblosigkeit der Zeitgenossen, als der eigenen Schuld zuausobreiben sei: von einem Vorwurfeist Elisoba ben Abuja nicht mit ausreichender I Motivirung durch den Autor entlastet worden, vom Verrath gegen das Leben seiner der göttlichen Lehre ergebenen Glaubensgenossen in der hadrtanisohea Verfolgungszeit. (vgL S 27). Die Fassung nämlioli, welche die Tossafoth zu Chagigah 15a dem Texte des jerus. Talmud, der die Anklage erhebt, geben, würde nur au deutlich für die Wahrheit des gegen Aoher in Bezug auf die Gefährdung der jüdischen Gottesgelehrten erhobenen Beschuldigung sprechen, die nioht so ohne Weiteres in's Gebiet des Sagenhaften verwiesen werden könnte. — Es würde sioh auch nnr sodas schroffe Urtheil des babyl Talmud (Chagigah 15a) erklären, welches in dem Satze wurzelt: שובו בניב I *TM& שובבים חוץ a Kehret zurück Ihr Abtrünnigen, mit Ausnahme von Acher, dem jede Besserung unmöglich ist.* Gleichwohl möohte die Kritik anoh in dieser Bichtung dem anerkennenswerthen Streben des Autors gegenüber sich nicht ablehnend verhalten. Za diesem Zwecke aber ist Beachtung und Betrachtung der Natur des Lehrers des grossen Schült-rs B. Meir nothwendig. Aoher ist weder mit ,Faust* zu ver- 'gleichen, dem zwischen innerer und äusserer Natur das Gleichgewicht der Beligion verloren gegangen war, noch mit ,Uriel Acosta*, der als Märtyrer der Gewissensfreiheit unter den Trümmern des alten Glaubensbaues sich selbst begräbt*). — Unser Held war vielmehr der in der römischen Zeit vorherrschend gewesenen epikureischen Anschauung ergeben, deren Folge der Zweifel an den religiösen Beilswahrheiteu besonders an der Verhaltung im ewigen Leben ge* wesen ist. (vgl. Cb ulin 142a Kidaschin 39b.) Wie die vom Autor mit Geeohiok ausgelegten Gleiohnisse aus Aboth di B. Nathan (Abscbn. 24) vom Pferde mit dem Zügel, vom Becher mit den Würfeln beweisen, war Acher, der vom Haute aus reich war, vom Anfänge an dem irdischen Lebensgenüsse zugethan, in welohem er geboren und erzöge u war. Der Lebensgenuss, in dem er durch die hedonistisohe Lektüre griechischer Dichter und Denker (Chagigah 15b) nur bestärkt war, musst• in einer Zeit, in weloher die hadriauische *j Lettens hatte nAmlich ■einen in's Hebräische übersetzten ״Fanst“ den Namen ,,Eiiacha ben Abaiah‘* gegeben; Gutzkow 111 aeinen Drama ״Uriel Acoeta׳' vergleicht bekanntlich den Helden des siebzehnten Jahrhunderts mit Acher. Verfolgung ihn vor die Wahl gestellt hatte, entweder auf alle Lebensgüter und Freuden za Gunsten des göttlichen Ideals au verzichten, oder da« himmlisobe Wohl dem irdischen hintan zu setzen, ihn das Letztere ergreifen and za oonsequenter Lebensansohauung ausprägen lassen. Aoher war also kein eigentlicher Verräther, sondern, wie er selbst kein Märtyrer sein wollte, moehte er die Selbstaufopferung Anderer für den Glauben and die Lehre für eine historische Thorheit oder gar Versündigung gegen den Staat Hadrian's gehalten haben. So nur erklärt es sich einerseits, warum alle Bekebrungsvorsuche seines Sohülers B. Möir bei ihm furchtlos waren, und andererseits, dass der Talmud mit Erbitterung von den Mann sprach ״ ,אחר ר!צץ בנטיעותder die Wurzel des Göttliohen im ParadiesederGedanken weit unter wah lte“(Chagig6!114b). Gleiohwohl hat der Tod gesühnt, an seinem Grabe flammt die Liebe des begeisterten Schülers zu seinem Lehre», welchen der Verf. als Helden der Zeit- und Schicksals-Tragödie aus den Quellen heraus ergreifend zu schildern Tersiaudeu hat. Die Schrift ist sehr beachten*• und le-euswerth f) Dr. N. Litterarische Notix. Eiaeetgenthüssllcli abgekürzte Kaphemle*)-Formel rar?er- ■terbeaS. Zunz .,Zar Geschieht« und Litte ratur‘׳ stellt ia zwölf Capiteln von Seite •117—151 alle tür Verstorbene gebrauchliehen Eaphemien zusammen, da! unter auch die abbrevirten, und unter diesen auch jene die durch ״Umstellung* selbst ia ihrer abbrevirten Gestalt eine gewisse euphemistische Nebenbedeutang haben. So Z B. ausser [",יע״י עבד für יבוא שלום ינוח על בשכבו הלך נבחו und 1 ס יד יעי םer יעודים tur di# ersten י fünf der angetührten Worte, auch die promatirtea Formeln ע״□ יש״י und ע״־ם יש-ו für על כעכבו יבוא עלום mm, ebenso ינע׳־ם für ״ ינודז ער ב ע כבוad עב,־עי für על משכבו ינוח; Unter den von Z. gesammelten abgekürzten Euphemiea für Lebende ist diesbezüglich besonders interessant die Kürzang אי*ש ח״יל für אך ימי שנות חיים יוסיפו לו■ Eigentümlich interessant aber ist folgende von Z nicht erwähnte Kürzung. In den Besponsen des B Möir Rothenbarg cd. Lemberg, lautet m No. 491 die Unterschrift: אביגדור בר מנחם זק׳ין שמיי das für זכר לדוש נצח שלוב בשכבו ינוח, mit Weglassang des 'S für ער stebt Die Abbreviatur-Formel שכדי J"pT »eil offenbar anspielea auf 'שמא, palästinensische Schreibart neben 'שמי auoh שבי ptn- Diese Formel mag der Respondent □אביגדור 3ר כנך auch darum gewählt haben, wed nach der Mischna, Caagiga Babli 16 a**) in dem Amte des Synhedrial-Gerichtspräsidenten aal Menachem Schammai folgte. Jedenfalls aber liegt darin eine gewisse Pietät für Schammai. Eine in gewissem Sinne ähnliche Pietät für Schammai schwebte mir schon anderweitig als schwache Vermuthang vor. In meiner Abhandlung ״Ueber die drei dunklen talmndi sehen Ausdrücke: שבאי, □בי VT1D ,57( אשמאי ״ דבהתאLitteraturblalt der Ifeaora11, No. 9—7, dessen Lebenslicht so bald and so plötzlich erloschen ist, sage ioh No. 3, S. 13, dass es nach Jenen, die אשמאי, gleich פתחי שבאי, vom Stamm שמם ableiten, eigentlich richtig heissen müsste זקן שבאי, analog dem פתחי שמאי• und nicht אשמאי. Al« vermathliohen Grand aber, warum es nach dieser Herleitang nicht in Wirklichkeit heisse שמאי |pl, ■ege ioh L c. Anmerkung 1: ״Vielleicht vermied man 'שמא jpl eaa Pietät“, weil es za sehr anklingen würde an שמאי הזקן• Wir hätten in dieser, im Verzeichniss bei Z L c. 466 bis 468 fehlenden Abbreviatur - Formel also nnr ein zweites Beispiel von einer beobachteten Pietät gegen Schammai. Dr. Samuel Back. ־" t) Es sei hier noch auf die denselben Gegenstand beh״njl«lnd«n Schriften verwiesen: ״Toldoth Elisoha ben Abaja“ (Wien 1889; von M. D. Hoffmann,; «Der Optimismus and Pessimismus in der jüd. Religionsphilosophie“ (S. 96—28) von H. Goitein and W. Bacher1« ״Agada der Tannaiten“ I 5 17 (S. 412—6), woselbst auf S. 432 Anmerk. 4 werthvolle Hinweise gegeben sind. — Za S. 8 der obigen Schrift ist Bachers geistreiche Conjektar S. 130 za vergleichen — Für die Be- Stimmung der Lebenszeit E. b. A.’s ist die verbürgte Nachrioht von der Anwesenheit des P. B. Elieser b. Hyrkanos nad B. Jos. b. Chananja’s bei Elischa’s Besobaeid.ungstsier wohl miss - gebend. —*•. *) Wir gebrauchen diese keinesfalls entsprechende Be- Zeichnung nnr, weil sie Zunz eingebürgert hat. **)יצא מנחב נכנם שמאי Misobua Jeraschaimi hat: ונכנם• Verantwort. Bedactenr Dr. Babmer, Magdeburg. Druck:B endizA Huhn(lr.D.L.Wolft) Magdeburg. Verlag : Bob.Friese, Leipzig.

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