Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 4. (22.1.1892)
- Date
- 1892-01-22
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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areprüngl ich natürliche Schlange der Genesis ^zam Repräsentanten oder wenigstens Werkseng des Bösen um gemodelt, der Neid als Beweggrund sar Verfflhrnng snm Bösen. hingestellt and der Tod von der Sünde abgeleitet.“ Mit der gleiohen Klarheit and Nüchternheit weist Roskoff nach, dass ebensowenig in anderen gemeiniglich dafür angeführten Stellen desA. T. der Teufels begriff, als gottfeiudliches Prinoip des Bösen in der Welt enthalten sei. ״Die Vorstellung vom Asasel“ — sagt er I. S. 186 — ״bringt es in der Tbat auch nicht zu einem entschiedenen Dualismu8, denn er ist weder Ursache der Uebel noch Urheber der menschlichen Sünde, weil er beim Versöhnungsteste überhaupt nicht als Macht dargestellt ist, deshalb ihm anch der Bock nicht als Sühnopfer wird, wie Diestel richtig bemerkt: . . Denn keines der Merkmale, welche ein israelitisches Opfer bildeten, findet sich bei dem Wüstenbocke, nur der Jehovabock ist ein rechtes und eigentliches Opfer.“ ״Der Dualismus“ — so beschliesst Roskofl seine Untersuohung über Asasel — ״der durch ihn (Asasel) sich hereasstellt, ist eben nur ein schattenhafter. Er ist nur die Personification der abstraoten Unreinheit gegenüber der absoluten Reinheit Jahve’s, er ist nur •in Schattenbild ohne Realität gegenüber der allein realen Macht Jahve’s. Wie gar wenig der Satan im Hiob mit dem persischen Angramainju oder dem christlichen StdßoXo( gemein hat, geht schon daraus hervor, dass er, obgleich hier schon eine bestimmte Function verrichtend, doch in der Mitte der ״Göttersöbne“ erscheint, ״nicht als Widersacher des göttlichen Willens, denn sonst durfte er nicht mit den übrigen Engeln vor Gott erscheinen, er ist ein an sioh ohnmächtiges Werkzeug des göttlichen Rathschlusses, da es ausser Jahve keine wirkliche Macht geben kann. Er zeigt nioht geradezu Freude am Bösen, sondern er stellt die Reinheit der Frömmigkeit Hiob’s in Zweifel . . . Von einem Zu- ■ammenhange mit der Sünde oder von einer Freude am Bosen ist keine Spur vorhanden.“ (Roskoff I S. 187 f. und.Kohnt ״Jüdische Angeeologie.“ S. 64.) (Fortsetzung folgt.) Oie Juden und das Theater. Von Israel Abrahams in London.*) Vor ungefähr 30 Jahren erriohtete ein gewisser Salomon Benoliel ein Theater in Gibraltar, nm in demselben dramatische Vorstellungen zur Auf• filhrung bringen zn lassen. Wie es scheint, hatte aber ein Bedenken wegen der religiösen Zulässigkeit seines Unternehmens ihm Gewissensbisse gemacht. Er wendete sich nämlich an den Verfasser des ״Kerach schel Romi *,nm dessen [Ansicht darüber zu hören. Der Rabbiner erwiderte ihm, dass sein Unternehmen durchaus keinen Tadel verdiene, erstens weil der grösste Theil der Theaterbeaaoher nioht Juden sein würden, and zweitens, weil die heutige Bühne sioh wesentlich von der alten Bühne unterscheide, welohe theilweise dem Götzendienste geweiht war. Manobe berühmte Männer fügte der Rabbiner noch hiuza, gshen anch heate noob in’a Theater, am sioh ein tündchen die Zeit za vertreiben. Der Fragesteller war jedoch nicht der einzige Jade der Jetztzeit, der au der Zulässigkeit des Theaterbesuches zweifelte, ln einigen Gebetbüchern (ich habe dieses besonders im römischen und italienischen Ritual bemerkt) befindet sich noch die Vorschrift, jeden Morgen beim Eintritt in die Synagoge folgende Worte der R. Nechunjah ben Hakanah aus dem 1. Jahrhundert unserer Zeit- *) •Aas dar J uoiuiuma-A Ummer des ״Jewc.il Coronicle". (Deutsch von L. Cohen.) reoluiang za sprechen: ,loh danke Dir, Ewiger, mein Gott and Gott meiner Väter, dass Da meine Aufgabe bei denen mir hast werden lassen, welohe in den Lehrand Bethäasem, and nioht bei denen, welohe in den Theatern und Cirkussen weilen; ich eile dem ewigen Leben zn, sie aber dem Untergänge." Die puritanische Gesinnung, welohe noch viele Tansende englisoher Christen von den Sohanspielhänsem zurüokhält, theilen aaoh nooh Tansende von Jaden unserer Zeit. Dieses verdient neben der unbestreitbaren Thatsaohe, dass die hentigen Juden im Allgemeinen zn den grössten Liebhabern des Theaters gehören, wohl erwogen za werden. Man darf jedoch nicht meinen, dass die in der älteren jüdisoben Litteratar geäusserte heftige Antipathie gegen das Theater so ganz allgemein war. Agrippa fand seiueu Tod bekanntlich 1m Theater za Caesarea Dass aber die späteren unter griechischem und römischem Einflüsse stehenden jüdisoben Könige dahin gestrebt haben sollen, den Cirkus und das Theater in Jadaea einzatühren, dürfte schwerlich zutreffen. Dieses Bestreben zeigte Her ödes uud seine Gesinnungsgenossen gegenüber einer starken uatioaalen Opposition. Einige Juden unterlagen jedoch der Verführung und besuchten Herodes’ verschwenderische und glänzende Schaustellungen. Der nachmalige berühmte Talmudlehrer R. Simon ben Lakisob, war in seinen jüngeren Jahren Ringkämpfer von Beruf. Auch war er nicht der einzige jüdische Jüngling, der mit Erfolg die Bühne betrat. Josephae führt einen Ali tyroa als einen beim Kaiser Nero sehr beliebten jüdischen Schauspieler an. ״Gestohlene Wasser sind süss“, and wenn Juden sich vom Theaterbesuche fern hielten, 80 gesohah dieses keineswegs in! Folge des zu strengen rabbinisohen Verbots. Bei den Christen ist gerade das Gegentheil der Fall. Hierfür fehlt es ganz and gar nioht an direkten Beweisen. In einer bisher unbeachteten Stelle bei Pater Papias Statins geschieht der Anwesenheit von Jaden bei den von Domitian dem Senat der römisohen Bevölkerung veranstalteten Schauspielen und Belustigangen deatlioh Erwähnung. Auch Mommsen behauptet, dass Julias Cäsar den Juden nicht nur in der Hauptstadt des Reiohes freie Uebung ihrer religiösen Gebräuche gestattete, sondern bei den Volksfesten in Rom anch dramatische Spiele auäühren liess, welohe nioht bloss in lateinischer und grieohisolier, sondern aaoh in andern, also wahrsoheinlioh in phönizisoher, hebräisoher and syrischer Sprache geschrieben waren. Der jüdisohe Dramatiker Ezekiel aas Alexandrien scheint ein grieoh isohes Schauspiel, welches den Exodus zum Vorwurf hatte, geschrieben za haben. Es existiren auch nooh einige Bruchstücke von demselben, die wegen des ausgedehnten Gebrauches, den Euripides von denselben maohte, gewöhnlich als Anhang den Werken dieses Dramatikers beigedraokt sind. — Ezekiel fand während mehrerer Jahrhunderte keinen Nachfolger. Da ein jüdisohes Drama anf dem Boden Judäa’8 nicht entstehen konnte, so war es anmöglich, dass dieses anderswo hätte der Fall sein können. Ein nationales Drama erfordert vor allen Dingen einen nationalen Mittelpunkt. Was Athen für Griechenland, Rom für Italien und in einem beschränktern Sinne London für England war, das ist keine Stadt für die Jadeu in der Zerstreuung gewesen. In der talmudischen Zeit hörte man über das Drama nur wenige und schwache Stimmen; es wurden deren aber immerhin vernommen. Im Midrasoh I (Genesis R. § 80) sagt Rabbi, welcher im 2. Jahr• 1 hundert lebte: ״Wir sollten den Heiden dankbar dar I für sein, dass sie Schauspieler und Possenmaoher in