Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-01-14 · N° 3. (14.1.1892) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 3. (14.1.1892)
Date
1892-01-14
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/6492408-6575068-8757954--2422-4857383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

liehe Gewalt •ioh verlässt. So besiegt aaoh in der Sage der winzige aber klage Zwerg den plampen geistig beschränkten Becken. G)s 8011 dadurch' erhärtet werden, das» der Geist die physische Kraft überwindet. Im Kumpfe Jwein’s mit Harpin wird der Sieg nicht der geistigen Vorzüglichkeit des Erstem, sondern dem Beistände Gottes aupdrüoklioh vindisirt, wie dieses in der biblisohen Ersäjhlang der Fall ist. Es dürfte ans demnaoh nioht wandern, wenn wir anoh andern biblischen Anklängec in dem Gedichte begegnen. Anf diese wie auoh auf einige Aehnliohkeiten mit rabbinisohen Sentenzen wollen wir in dieser Studie hinweisen. Derselben liegt der Text der Baah’sohen Ausgabe zu Grande. 1 9— 11. 8wer an rehte güete wendet sin gem&ete, dem folget saelde and äre. Denselben Gedanken enthält!der Vers 21 des 21. Kapitels der Sprüche Salomou’s: ״Wer der Barmherzigkeit und der Güte naohgeht, der findet Leben, Tugend uud Ehre.“ 2. 12— 17. Des habend die wihent. sine lantliate: si jehent er lebe aoeh hiute er hat den 10p erworben, ist im der lip erstorben sä lebt doch iemer sin name. Dass Köuig Arthur noch lebt{ beriohtet der Ghronist Gervasius von Tilburg, weloher am Anfang deB 13. Jahrhunderts lebte. Die Fassung Hartman’s und die Bemerkung: ״wenn ihm | auch der Leib erstarb, so lebt doch sein Name immer fort,“ erinnern an die talmudisohe Behauptung : .‘pl יעקב אבינו לא מת ״ מקיש הוא לזרעו מה זרעו בחיים אף הוא בחיים.Der Fatriarch Jacob ist nioht gestorben eto.“ ״Wie sein Stamm am Leben ist, so ist auch buch er am Leben.“ (Taanit 5.) 8. 144—145. Der boeste ist dir der beste und der boeste der beste Diesem Wortspiel liegt ein in den Psalmen mehrmala vorkommender Ausdruck gegen den Sünder za Grunde. Vergl. Ps. 51,15 und Ps. 52,4. ״Du liebst das Böse mehr als das Gate, die Lüge mehr als die aufrichtige Bede.“ 4. 155—157. Wand’ wir daz wizzen yil wol daz da bist bittere eitert vol da din herze inne ewebet Vergleiche Sprüche Salamonfs 14,30: ״Und der Neid ist ein Eiter in den Gebeinen.“ 5. 181—184. Min laater wil ich vertijagen daz ir r&ochet gedagen; ich käme noch näch miaen schulden gerne einen holden. Ein in der Bibel häufig wiederkehrender Ausruf. VergL 2. Samuel 24,10: ״Ich habe schwer gesündigt, dass ioh das gethan habe und nqn Herr entferne die Fehler deines Knechtes.“ 1 6. 194—195. Ez’n spricht niemannes mant man als in sin herzet läret. Dass der Mund die innerste] Beschaffenheit des Menschen verrätb? sagen die Sprüohe Öalom. 15,14 und 13,16: ״Die Lippen der Weisen verbreiten Weisheit, der Thor sprioht Thorheit.“ ’ 7. .06—209. Der humbel der sul stechen: ouch ist reht daz der mist stinke wand der ist: der harn&z 801 dietzeu. Dass vom Schlechten kein Gütes entstehen kann, sagt auoh Hiob 14,4: ״Wie 8011 denn Beines aus dem Unreinen entstehen? Kein einziges Mal.“ 8. 483 Ich sprah: bist ilbel ode guot Nach der Schilderung Kälogi eants, dass er nioht wusste, ob der Waldmann, den er plötzlioh erblickte, ihm leindlioh oder freundlioh ges.nnnt war, (״Weder wider mich sie muost waere üb«! oder gnot, des’n weste ioh miht die wärheit“, 475—77), erinnert diese Frage an die Frage Josua’8 an den plötzlioh erblickten Engel: ״Gehörst da za uns oder zu unseren Feinden?* (Josua 5,13.) (Forta. folgt.) Litterattirbericht Recen.tji.onen. Leimdörfer, David: Kohelet im Liohte der Gesohiohte,“ nebst Text, Uebersetznng und Kommentar. (Hamburg 1892, G. Fritssohe’s Buohhandlung.) Eine dankenswerthe Aufgabe, welche des edlen Scbweisses bedeutender Männer wie Graetz u. A. wohl werth war, ist die Erforschung des eigentlichen Verfassers und Ursprungs des Buohes Koheleth, sowie seiner Abfassung. Den zahlreichen Arbeiten hierüber reiht sich obige Sohrift würdig an, sowohl was dis scharfsinnige, wissenschaftliche Behandlung, als aaoh das emsige Zusammenlesen des im alten uud neuen Schrifttham vorhandenen reichen Materials betrifft, wenn auch die Sprache zuweilen die an dem geehrten ׳ Verfasser gewohute Eleganz vermissen lässt. Sohon die übersichtliche Eintheilang der Schrift über das ״Historische in Koheleth* and ״über dis Bestimmung der Zeit der Abfassung des Eoclesiasbes* spannt die Erwartung hoch and diese erfüllt sich glänzend daroh die erschöpfende Beweisführung in den Unterabtheilangen ״überden Verfasser*, .Erlebnisse im Staate*, ״über den König und seine •Umgebung*, ״Materialismus uud sein Gefolge* a. s. w. Wenn aaoh die Uebersetznng den Eindraok macht, als habe der geschätzte Verfasser sie auf Gruad seiner historischen Forschungen aufgestellt und nicht umgekehrt, so führt er dieselbe dooh mit einer verblüffenden Ungezwungenheit duroh, sodaas man sioh bei der Uebersetznng mit eingeklammerten Einschaltungen an das Ei des Columbas erinnert! nicht minder bewährt sioh Leimdörfer als gründlicher Sprachkenner und veretändnissvoller Sprachforscher auf dem Gebiete orientalischer Lingaistik, sowie als Beherrscher der Sprechweise der פירושים, denn als solohe kennzeichnen sich die im Style des כיאור gehalteoen Commentarieu zu Koheleth, die dem Werke als Anhang beigegeben sind. Anerkennens werth ist auoh die Inhaltserklärung, welche der Uebersetzer den einzelnen Kapiteln voransohiokt and in der Methode an die Prologe der alten Dramendichter sioh anlehat. Ueber den Inhalt der Sohrift ist za bemerken, dass L. ans Sohritt für Sohritt systematisch bis zu dem Ziele führt, an welohem er ans haben will — bis er bewiesen hat, dass der Verfasser Koheleth’s zur Zeit Alexander Jannai’s gelebt and kein anderer als der Bruder oder Anverwandte der Königin, Simon ben Setab, sei, in dessen Zeiten ein König ans dem Kerker — eben Jannai — anf den Thron gestiegen, and welch3r — nach'Graetz — um seiner seltenen Eigenschaften and seiner grossen Weisheit willen mit der grössten Verehrung aasgezeiohnet wurde. Bei der Beweisführung verschmäht der Verfasser irgendwelche Jonglearkauststüokohen — ja er eliminirt sogar die für seine Annahme sprechende und so naheliegende etymologische Erklärung der Babbiner and Kirohenväter des Namens Koheleth als den eines Mannes, der Versam mlungen hält, also ״sin öffentlicher Bedner“ ist, was dooh sehr gat anf Ben Setah passt, weloher Anfangs Präsident des Gerioht*- hofes und nach dem Justizmorde, dessen sich Jada ben Tabbai schuldig gemacht, aaoh Nassi des Synhedrions wird, also eine Function übernimmt, bei der er wohl befngt ja sogar verpflichtet ist, Var-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.