Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-01-14 · N° 3. (14.1.1892) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 3. (14.1.1892)
Date
1892-01-14
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6492408-6575068-8757954--2423-4857384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sammlungen einzuberufen, Reden za halten, za resümiren etc. Auch die Ansicht der späteren Erklärer, dass Koheleth eine Arbeit spehrerer Personen, einer ההדת חבסים sei, za der Sich n. A. Döderlein bekennt, weist er, wenn anoh mit Bescheidenheit, zarüok. Der belesene Verfasser geht eben selbstständig and mit Oläck seinen eigenen Weg, stellt sich ebenfalls aaf die Schaltern von Graetz, was den Werth der Arbeit nar erhöht, zumal er anch dieser Autorität nnr bedingt folgt. So beispielsweise . in der besonders gelungenen Ausführung, dass Koheleth an Unsterblichkeit wohl geglaubt, eine Ansicht die er, obwohl Grätz’s Begründung (dass die Worte והרוח תשוב אל האלרדם als späterer Za-atz anzusehen seien) für die Annahme der Gegner spricht, siegreich durah führt. Hand in Hand mit der erwähnten Tendenz der Arbeit, geht nebenher der Nachmeis, dass Sirach ein älteres Werk sei, welches Simon ben Setah citirc, also gekannt hat und ihn sogar mitveranlasst haben mag, seine Erfahrungen unter dem Namen Salomo’■s — des Weisen xoa izpfjp — zu Nutz aud Frommen der Nachwelt zu überliefern, and ihrer Aufnahme in den hl. Schriften sicher za sein, ״denn die höchste Weisheit kommt oft nicht zur Geltung, wenn sie sich nicht sonnt in dem erborgteu Lichtscheine einer altberühmieu Autorität*. Eine bittere Wahrheit, eines Koheleth wohl würdig, die aber auch, wie jede : menschliche Wahrheit eine Lücke hat, denn das apokryphische Büchlein ״Weisheit Salomo’8“ konnte seinem Schicksale trotzdem nicht entgehen. Koheleth sorgt auch dafür, das seine Lehren in j das Volk eindringen, es ist anch nicht anders möglieh — zeigt der Verfasser — denn sie sind aus dem Volksleben geschöpft; er kennt — wie Leimdörfer beweist — die. Tuge&djen und Schwächen der verschiedenen Parteien, lernt ohne Voreingenommenheit aas den ersteren, und geisselt die Thorheiten, aber nicht mit Strenge, and; was noch verletzender wirkt, mit ätzender Satire, sondern ״väterlich and rathend!“ Schont er ja sogar die Empfindlichkeit der Essäer,. indem er die Nennung des שם המפורש in seinem ganzen Buche vermeidet, während seine Standesand Gesinnaugsgenossen jene Seete als ״närrisch“ stigmatisirt. Diese von L. ausführlich vertretene Ausiaht, dass Simon ben Setah 80 sehr vorsichtig gewesen sei — vielleicht um seinen Nachruhm nicht in Frage zu steilen — könnte wohl iu Zweifel gezogen werden. Diese Leisetreterei stimmt nämlich nicht ganz mit der den Ben Setah sonst kennzeichnenden Gradbeit überein, welcher selbst seinem Könige gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt und ihn sogar (a. a. St.) als Thor bezeichnet, aneingedenk seiner Lehre: 1נם במרק־ אל תסדל םל, and selbst durch seine Erbitternng nicht entschuldigt werden kann. Allerdings veranlassen u. A. die heissenden j Bemerkungen Koheleth’8 über denKönig denVerf.zu der j Ansicht, dass das Bach erst nach dem Tode des Königs niedergeschrieben worden sei — aber waram j denn? Gedenkt ja der auf Veranlassung der perBi- ן sehen and parthischen Fürsten aas der Verbannung zaräckberafene Ben Setah in seiner Zwiesprache mit dem Könige des Baches Koheleth als etwas Bekannte«? Furcht kannte Ben Setah nicht — and Ehrfurcht? S. 18. wird diese allerdings in den Vordergrund gerückt, durch die Behauptang, dass man es rahig zaliess, dass Alexander Jannai als Hoherpriester seine verwittwete Schwägerin heirathete, nar am ihm das Verletzende bei dem Acte der Ghalizah za ersparen. Die Gelehrten damaliger Zeit scheinen doch sonst nicht so rücksichtsvoll gewesen za sein, wie der Vor wart eines Gelehrten an. Johann Hyrkan zeigt, den er anffordert, die Hohenprieaterwürde als ״Sohn• einer früheren Sol&vin“ niedersalegen and ■ich mit der weltliohen Herrschaft za begnügen. Ja selbst Alexander Jannai erhält aaf seine Frage naob den Bedingungen des Friedens von den unerbittlichen Pharisäern die Antwort: Dein Tod! Die Ehrfaroht. gegen den willkürlichen und grausamen König scheint also sehr getheilt' gewesen za sein — hat sie dooh den Hohenpriester nioht einmal geschützt gegen das Beworfen werden mit Paradiesäpfeln trotz seiner gleiohzeitigen königlichen Würde!? In den Parallelstellen zwischen den Proverb. and Koheleth scheint der Verfasser übersehen za haben, dass der Vergleich zwischen Prov. 14״ mit Koheleth 2*׳ nicht ganz stichhaltig ist. Erster« Stelle lautet: ״Auch im Sohmerz sohweigt das Herz, and da 8 Ende der Freude ist Gewinn“. Hier spricht sieb eine ungeteiltere Lebensfreude aas als in dem Satze Koheleih’s: ״Zum Sohmerze sage ich: wie thörioht! and zur Freude, was schafft sie“. — Ja, das Herz, welches im Schmerze־ selbst ergeben schweigt, ist doch auoh viel besser daran, als dasjenige, welches mit irrem Läoheln des vorhandenen Sohmerzes selbstquälerisch spottet! Dooh diese Parallelstelle wird von zahlreichen anderen so reichlich anfgewogen, dass sie kaum ins Gewicht fällt. Alles in Allem hat ans derVerfasser eine schöne abgerundete Arbeit geliefert, welche der Wissenschaft auf diesem Felde eiae neue Bahn eröffaet, um dem alten Streit über Zeit und Aator des Baches Koheleth ein Ende za machen, wenn dies nioht daroh vorliegendes Werk bereits geschehen sein sollte Und so dürfen wir Leimiörfer’s Sohrift als eine wohlgelungene begrüssen. Jedermann wird dieses Bach, welches so viel bietet, mit grosser Befriedigung lesen, denn dem Muthe der kühnen Beweisführung heftete sich das Glück des Erfolges an die Fersen. Aadentes fortuua javat! Coblenz. Dr. 3inger. Litterarische Notiz. ״Die Schmach des Jahrhaaderts“ eine äalbmonataschrift zur Bekämpfung des Antisemitismus. Berlin. Moderner Verlag. Postzeitungspreisliste Nachtrag I No. &i3ba. Vierteljahrlicher Abonnementspreis M. 2.50. Die ans vorliegende No. 1 dieser Zeitschrift, als deren Heraasgeber der Schriftsteller Karl Scbneidt zeichnet, enthält folgende Beiträge: Zar Einführung — Der falsche Weg — Aas der Zeit (Immoristische satyrisebe Plauderei;. — Die germanische Racenreinheit. — Im Bann des Vornrtheils. (Novelle.) — Die Antisemiten an der Arbeit. — Den Antisemiten ins Stammbuch. — Bücher and Zeitangsschau. — Briefkasten. Berichtigungen. Im vor. Litte ra tarblatt S. 7 b, Z. 2 v. u. ist ״hatten“ (st. ״hatte“) zu lesen: Z. 6 v. u. lese man״Verstanden“ (st״Verkannten“); S 8a, Z. 1 v. o ״eine“ (st. ״einen“) uad Z. 2 v. o. ״Einwirkung“ (st ״Entwickelang■‘). Im Artikel ״Der Ausdruck 3שככר“ u. s. w. (in vor. Nr. d. BL) ist wieder zweimal ׳Ci. 6, Z. 27 v o. and Z. 2 v. n.) ״einst“ (st. ,glicht“) za lesep... Km« Vtaflage! fär Mratl. grauem oon SchcUa!Bell geh. Dclntmamt ättynt, burdj 100 Slejehtt Mrmehrte «ab herbefterte «ujla-je. fldey. |änk> Preis ■. •AV. «Id er} ft 11(4 amrrfanmt. chanlfart a. 3». [6166 J. lämnftf■»»■•, gering. * tielliel-Venasdg S Ueeehttt. £ » J.C•«•,TreffernMDthr. S 2 empfiehlt al« £ Metelttät: & gtlma-Saare k gib. M gfg. 2 # in SoftcoBi( franco 3üubaaknte. 3 “ Sei geftetbmg bitte ftf gefl. g auf biefcd glatt )u begieeen. VerenawsrLRedaetanr Dr. Bahmar, Magdabarg. Druck: BsndieA üahn(tr. D.L. Wolfi) Magdebarg. Verlaj: Bob. Frie•s, Isifsig

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.