Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 3. (14.1.1892)
- Date
- 1892-01-14
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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•in■ulegen. Bu dieser )Gelegenheit wurde der Dith« manche ron einem ozeahisohen Blstto direkt als Jade angeredet and vorwurfsvoll gefragt: ״Ob er deun vergeesen, dass seine Vätqr Sklaven im Lande Egypten gewesen?“ Aaoh in einer in Bayern am dieselbe Zeit erschienenen antisemitischen Broschüre wurde der Dichter den ״Juden“ beigezählt, allein er hielt es unter seiner Würde, aaf derlei Angriffe an reagiren. Er hasste die Leute ״die hin and wieder sa ihrer Gemüthsergötzang ein Dutzend Jaden absohlaohtea.“ Nenn Jahre nach!der ersten Offenbarung des himmeistärmenden Titanen, der ״Judith“, wagte sich Hebbel wieder an einen jüdischen Stoff Diesmal war’s die Heldengestalt der ״letzten Hasmonäerin“, die ״so viel {gelitten and verziehen, als sie leiden and veraeihea kannte“, welche er ia ״Herodes «jid Mariamne“ verherrlichte. Hit der ganzen Kraft ׳!eines dichterischen Talentes, schildert er Mariamne’s | »Verhältnis* sa ihrem Gejnahl, den sie als ״idamäisohen 1 Knecht“ verabscheute, in erschütternder Weise weiss! er ihr anseliges EhelebeD und das blatige Gebahren des Wütherioh8 zu schildern, dem nacheinander alle Verwandten seiner Fran and endlioh diese selbst in der Blnthe ihrer Jahre zam Opfer fielen. Hebbel wollte auch ״Abraham’s Opfer*‘, ״Saal’s j letzte Tage“ and, ״König David“ dramatisch ver- \ werthen, diese Entwürfe gelangten jedooh nie zur! Ausführung. Dagegen1 flocht er in seine ״Genovefh“ 1 eine Scene ein, die in beredten, zu Herzen dringenj den Worten ans die Verfolgung vor Aagen bringt, der die Jaden in den finstern Zeiten des Mittelalters aufgesetzt waren; die Qualen, welche ihuen der von Pfaffen und alten Weibern ianatisirte Pöbel za Tneil werden liees.! Ein alter Jade wird der Brunnenvergiftung gej ziehen and 8011 gesteinigt werden. Golo, der Held j des Drama’s, bietet ihn seine Hülfe an and will ihn den Händen der Basenden entreissen. Mit gräsaliebem Hohne weist dar gepeinigte Greis des Christen Hülfe zurück. -Lechzt doch meine Brost nach Schimpf Und Schmach and anverdienter Qaal! Sie sind mein Schatz, mein einz’ger, letzter Schatz Sie sind mein Schatz, mein einz’ger, letzter Schatz ן Und meines Volkes Schatz, wodurch es einst | ZurOcherkauft, Was es an Born verlor, : Die heil’ge Stadl, das hochgelobte Land! Für jeden Stein an Zion will der Herr { Ein Herz, das brach, und eine Wände, Die nichtheilt and nicht verharscht!“ Dem Vorwarfe, diese äoeae ״sei ein willkürliches j Einschiebsel, dass sich aas dem Gange der Handlang; nicht erklären lasse,“!trat der Dichter mit dem Be- { merken entgegen: ״Wer die Idee des Stückes voll and ganz erfasst, der wird nicht fragen: ״Was soll der Jade?“ Um in seinem ״Demetrius“ das Lokalkolorit uioht za verfehlen, bereiste Hebbel die ehemals polnischen Lande and besuchte aaoh das Krakauer Judenviertel, den Kazimierz, von dessen bunt wogenden Getriebe und eigenartig-interessanten Bewohnern er eine färbeni prächtige- Schilderung entwirft. Kurz vor seinem Tode verfasste er aut Ansuchen; Anton Bubinsteia’s das Libretto zu einer Oper: ״Der! Steinwurf oder Opfer am Opfer“. Im Mittel- ' punkte der Handlung, welche die Prager Lokalsage : vom ״Blillen Jüdel“, :das sich um seine Glaubeusge- 1 nossen za retten dem Tode weiht, paraphrasirt, steht die gehe1mni88volle Gestalt des ״hohen Babbi Lob“. Die jüngst von Felix Bamberg, dem langjährigen Freunde und litterarisohen Berather Hebbel’s, au's -Tageslicht geförderte^ Tagebücher des Verewigten, : an welchen dieser de! 1 Leser ״das Alierheiligste seiner , Seele, das er selbst k tum so oft wie der israelitische : Hohepriester das Allerheiligste seines Tempels zu betreten wagte,“ eröffnst, enthalten eine Fülle von Bemerkaugen über Juden and Jadenthum, von denen wir nur zwei hervorheben wollen: ״Die Juden im Mittelalter hätten ja erst an die Göttlichkeit Christi glauben müssen, bevor sie, wie ihnen Sohald gegeben, Hostien darohbohrea konnten.“ ״Im Jaden liegt eine höohst eigenthümlioho Misohang von kaustischem Verstau d und von symbolisohallegorisoher Phantasie, er musste darum gross im ־Beligionstiften sein, denn sein Verstand gestattete ihm nicht, au dem Graudgeheimaisse der Welt mit zugedrüokten Aagen vorüberzugehea ua 1 seine Phantasie war besser geeignet, als die eines andern Volkes, das Bäthsel za lösen.“ Nicht viel mehr als ein Vierteljahrhandert ist verflossen, seit Friedrioh Hebbel im Grabe ruht und dooh .. ., erstände er heute von den Todten, er müsste aagesiohts des Geistes der Unduldsamkeit uni des Hasses, der allüberall 8eia Wesen treibt, mit einer seiner gelungensten Gestalten, dem ״Meister Anton“ in ״Maria Magdalena“, ausraten: ״loh verstehe die Welt nioht mehr!“ Ueber den ״Jwein“ Hartman’s von Aue. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner and Prediger zu Prag. Jwein ist das letzte Werk Uartman’s von Aue. Während seine zwei vorangegangeneu geistliche Themen behandeln, so kehrt er ia ersterem zu der Gattung zurück, welcher der ״Erec“ angehört: zam Ritterrom&a. Unter den Abenteaern Jwein's ist es sein Zweikampf mit dem Biesen Harpin, welober einige ähnliche Zuge mit dem Kampfe David’s mit Goliat aufweist. Wie Goliat aaf seine Kraft vertraut, so verlässt sich der Biese auf seiue übermenschliche Leibeskraft. Wie David, obwohl er schon rühmliche Proben seiner Unerschrockenheit und Stärke wahrend seines Bingens mit den Löwen and Bären gegeben, nioht seine körperliche Stärke rühmt, sondern seinen Erfolg aaf göttliche Hülfe zarüokführt, indem er sagt: - ״Gott der mioh von dem Löwen and dem Bären errettet hat, der wird mich auoh erretten von diesem Philister“ (1. Sam. 17,37), so ruft aaoh Jwein, obwohl er den Kampf mit dem Drachen, der den Löwen verniohten wollte, heldenmüthig bestand, aus: ״Gott wird den Unhold niedersohmettern“ (Jwein 4930). Als Goliat den David erbliokte, da erscheint er ihm wegen seiner Jugendlichkeit verächtlich, ״denn er war ein Knabe röthlioh und sohön von Gestalt“ (das. 42). Als der Biese den Jwein kommen sah, da verspottete er ihn ebenfalls. Goliat giebt seiner Geringschätzung Ausdruck duroh deu Ausruf: ״Komme her, ich will dein Fleisch den Vögeln unter den Himmel and den Thieren des Feldes preisgeben“ (das. 44). Harpin raft dem Biesen zu: ״Wehe Euch, Ihr dummer Mann, sagt mir, was veranlasst Euch, dass Ihr 80 ungern lebt und selbst Euern Tod erstrebt?“ (Jwein 4993—96j. David erwidert dem Philister: ״Da kommst zu mir mit Schwert, Spiess und Schild, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaot“ (das. 45). Jweiu ruft dem Biesen zu: ״Bitter, was soll das Droben? Wenn Gott naoh Recht unsere Sache entscheidet, 80 werdet Ihr bald unterliegen“ (Jwein 5008, 5014 und 5015). Wie endlioh David den Goliat erschlägt, 80 tödtet Jwein den Harpin. Dass ein Bitter einen ungeschlachten Riesen überwältigt, ist zwar in den Ritterromanen niohts Seltenes. Der Ritter ist im Besitze geistiger Ueberlegenheit, während der Riese blind auf seine körper-