Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 2. (7.1.1892)
- Date
- 1892-01-07
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Sein« Judith hat «tvu von einer jüdisahsn Jsa&ne d’Ara. Aehnlioh wie in dieser erwaoht auch in Hebbel’• Heldin im entscheidenden Momente das Weib, sie er* flht in heisser, sträflicher Liebe für den Erbfeind res Stammes, den zu tödten sie aasgemogen.! Das von Gutzkow mit Recht getadelte su krasse j Hervortreten des Sexuellen in Jadith's Charakter ge• ן dachte der Diohter in einer späteren Bearbeitung su : mildern, dagegen sollte das religiöse und nationale , Motiv mehr in den Vordergrund treten. 1 Die hebräi80hen Volksscenen sind mit unfiber• trofiener Meisterschaft gezeichnet, der Auftritt swisehen dem greisen Sünder Samuel und seinem Enkel ergreift den Leser auf’s Mächtigste. Für den markigen, gedrängenen Stil des Drama’s ist die Schildernngjcharakteristisoh, die der Moabiterhauptmann Aohior von dem Tempel entwirft: ״Er hat aal Erden seines Gleichen nicht!“ ״Mir war’s, wie ich bewundernd vor ihm stand, als ob sieh mir etwas aal den Nacken legte and mich za Boden drückte. Ich lag mit einem Male auf den Knie'n, and waaste salbet nicht, wie das kam __ Seine Judith soll, obgleich eine soharf aasge-; prägte Individualität, zugleich auch Repräsentantin j ihres Volkes, der ״schwindelnde Gipfelpunkt des Ja- I denthum’s“ sein, inwiefern dies dem Dichter gelangen, | wollen wir hier anerörtert lassen. Die gewaltige Composition des Werkes, seine kraftvolle Ausdruoksweise, der Uaaoh gewaltiger Leij denschaft, der durch das Drama geht, erregten die ן Gemüther. Die Meinungen waren getheilt, namentlich; worden Zweifel darüber laut, ob es denn Hebbel | wirklich geglückt sei, in diesem Werke ״das Weib I symbolisch in den ihr von der Natar vorgesohriebenen { Kreis“ zurückzu weisen, wie es eingestandenermassen in j seiner Absicht gelegen. ' Gewissenhaft notirte der Diohter jede Bemerkung,! jedes Urtheil über das Werk, das seinen Rahm be- ן gründet, gleichviel ob abfällig oder anerkennend, voll! mündlichen Lobes oder hämischen Tadels, in sein; Tagebuch. Von Heinrich Heine, den Hebbel in Paris kennen lernte, heisst es hier, ״er hätte dem Verfasser mehr Tiefes und Wichtiges über die ״Judith“ gesagt, als alle Andern zusammengenommen“. Die beiden Poeten traten einander näher. Heine bewundert die Gestaltungskraft des jungen Dramatikers und weist ihm eine Stelle in der grossen Litteratarepoche der Vergangenheit an, wo das Tendenziöse noch nicht seine Schatten auf die Dichtung warf; indes dieser die Gemüthsinnigkeit in Heine'8 Liedern und dessen Witz preist, ״das launige Veto, das sein Geist gegenüber seinem Herzen einlegt.“ Das gute Einvernehmen beider, ihrer innersten Wesenheit nach grundverschiedenen Diohter, war nicht von langer Dauer. Um’s Jahr 1843 ging ihre Freundschaft in die Brüche, und Hebbel war ehrlioh genug, sich selbst als den schuldigen Theil zu bekennen. (Schluss folgt.) 0er Ausdruck בשכבר bei den talandiaehen Schriftateileni des Mittelalter■• Herr Dt. Güdemann hat in seiner ״Geaehiohte des Erziehung«weeens and der Caltar dar Jaden in Frankreich und Deutschland“ (X.—XIV. Jahrh.), & 171, Anm. 2, folgenden Passus: ״Ad vooem כשכבר möchte ich den Forschern die Frage vorlegen: ״Was bedeutet dsa in Or sar.II, ti. 116 a. 117, dreimal vorkommende, mit Strichen gleioh einer Abkürzung versehene זבשכבר"^ Auf diese Frage sei im Folgenden liier die Antwort gegeben. In der Bibel findet sioh sioh der Ausdruok בשכבר nur Koheleth II, 16. Dort beisst ee: כי אי] וברק וכר בשכבר הימים הבאים הכל נשכח, in den mitteiaiterliohen t&lmudisohen Schriften finden wir es darum mit Vorliebe überall dort gebraucht, wo man sioh auf etwas einer sohon halb dem Vergessen anheimgefallenen Vergangenheit- Angehörendes beruft oder besieht; mit offenbarer Hiasieluug auf das biblisohe בשכבו• הימים הבאים הכל נשכח. Wollte .man aber diesen Umstand ganz besonders hervorheben, um damit za sagen, dass seit jenem verflossenen Zeitunkte Manches subjectiv oder objeo tiv sioh geändert abe, Manches seither nach Inne n oder nach Aasaen anders geworden sei, so versah man hie und da — wie dies auch bei anderen stärker za betonenden Ansdrüoken üblich war — das כשככר mit Striohen, die dem Worte nur einen besonderen Nachdruck verleihen sollten; wie die massoretischen Punkte in den biblisohen Büohern und der Unterstrioh in unseren Handschriften dies besweoken. Nun kam es aber in jenen, an äusseren Stürmen so reiohen Zeiten, häufig vor, dass <1 ia gelehrtesten Männer gerade durch ihr immenses Wissen, ihre aasgebreitetete vielfache Belesenheit, bezüglich maaaher aafgetaaohten Frage eine nicht getroffene Entsoheidang wohl in Erinnerang behalten, aber doch vergessen hatten, wo, wann and oft aaoh von Wem sie sie gehört oder gelesen hatten. So finden wir z. B. im Or sarua selbs t II״ S 177: ככר כברו ימים שראיתי כהוב כשם נאון אחד וכמדומה אני בשם רנס־־ה זציל שבערב הפסח מותר לרחחן משעת שחיטת הפסח ודבר ברור לי שכך ראיתי כתוב אך שכחתי העני] כל בוריו ונתתי לכי כל הדבר אני יצחק בר־ משה המחבר,) Was nun hier 1 sak ben Mose aus Wien; der Verfasser des Or Sarua, ia vielen Worten dem Leser sagt, das und nichts Anderes will an jenen, von Güdemann vorgebraohten drei Stellen, das eine, mit Striohen versehene kurze Wörtchen כשכ״כר besagen. Vorangesohiokt muss nooh werden, dass die Erklärungen (פירושים) und Entscheidungen (פפקים> im Or Sarua vow' Seite 114—120 aaoh der Ueber- Schrift Samuel ben Salomo. (Sir Morel) aus Falaise angeboren, der nach der Talmud Verbrennung in Frankreich in seinem Responsum bei Meir Rotenbarg, ed. Prag, Nr. 250, über Büohermangel wehmüthig klagt, dass er alles aus dem Gedäohtnizs schöpfen muss.1) Sein Gedäohtniss erinnert ihn aber oft nur ungenau, dass er da und dort vor langer Zeit etwas hierüber gefunden, gesehen, gelesen oder gehört habe, ohne mehr die Stelle genau angeben, ja oft ohne mehr die Stätten nennen an können, deren Bräaohe er zar Unterstützung seiner Entscheidung erwähnt. Diese Bedeutang hat das כשכ״כר an allen drei Stellen. Seite 116 heisst es: ועוד נ־ל שמצאתי בשכ׳־בר כרב אלפס דאפי׳ מר עוקבא לא קאמר אלא למיכליה, er habe es einst vor langer Zeit ia Alfassi gefunden, aber an weloher Stelle, daran erinnere er sioh nioht mehr. 8.117 heisst es zuerst: וראיתי כשכ״כר כשם הקדוש רבי׳ יעקב דאורליינש באפיה ישראל לא ינהנון היה מפרש, er hat nicht vor langer Zeit irgendwo eine im Namen des R. Jakob aus Orleans mitgetheilte Erklärung gesehen! ף Auf derselben Saite unten findet sich folgender Passus mit Strichen versahen: ל!7'ם .T׳TW לדמו־ מאח״ר ד־־נן ומשימע הת׳ם• Hier ist aber überhaupt der Sinn dnakel, wie schon die Ranfigloese tagt: [•אולי חסר כא אזל רוחי ותש כחי ואור עיר אין אתי מחמת המציק אשי־ ר נברה ידו עלינו ומחמד עינינולקח ואין כידינו ספר להשכיל ולהבין.