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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-01-01 · N° 1. (1.1.1892) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 1. (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Du 8ahalprognunm 170• berichtet von einer Bekehrung»- reechichte In der gen» in der Nähe von Hell gelegenen Steinbuh War e n jüdischer Lehrer, Namen« Eljakim Götx, gebürtig aaa Pnewi. Sohn einea Rabbiner». Dieeer »oll ihm Mine Einwinde gegen du Ckriateuthum Torgetragen haben, die eich hauptaiohlich anf den Polytheismus xaepititen. S argumentiert gegen ihn mit der Pluralform du Gottunamena im alten Teetament und mit prophetiachen Stellen, wo dem Measiu du Gottheitspridikat beigelegt wird. Du Ende der Geschichte iet die Bekehrung der Juden im Nov. 1706, und der Nettbekehrte tritt in einem ׳'*chulakte selber aut und erbant die Zuhörer mit seiner Geschichte Nicht dee gleichen Erfolgs treilich durfte sich S. 1711 rihmen Da suchte ihn ein Babbi Chajim auf .ein unter den Semen berühmte( Uann, aber acerrimas superatitionem »qarum vindex“ Du Gespräch drehte sich um du hartnäckige Warten der Juden auf ihren Messias. S. führte alle seine Beweise zu Felde, konnte den Rabbi aber nicht überwinden. S. wurde 1717 Hauptptarrer in Hall und wirkte hier noch bis 1725. Im Rektorat folgte ibm J. G. Mejer (1716—89), dessen Schulprogramme sich »um Theil auch als Nachhall der S.'schen Richtung darstellen; er hegte die gleiche Bewunderung für du Schulwesen der Juden, erwählt, mit welcher Freigebigkeit sie ihre Anstalten aasstatten, mit welchem Eiter sie die Sprachenkunde betreiben. Doch war er massvoller gegenüber den TJebertreibangen seines Vorgängers. B St. Aus der Jubiläums •Nummer des Jewish Chronicle“. Die vor Kurzem erschienene Jubiläums-Nummer des berühmten englischen Blattes hat sowo־hl heir in! England und in den englisohen Colonien, als auch in | vielen jüd. Kreisen des Continents und in Amerika viel Aufmerksamkeit wachgerufen. Dieselbe enthält ׳ nämlich eine längere Beschreibung der grossen Fortschritte, welche die englische Judenheit auf oultuellem! and socialem Gebiete während der letzten fünfzig . Jahre gemacht hat und führt somit den Lesern eine , höchst wichtige Periode aas der neaeren Geschichte j des englischen Jadenthams vor, die allgemeine Be- ■ achtung verdient. Es ist kaum möglich, hier in; diesem gesch. Bl. selbst nur ein annäherndes Bes um e von den betreffenden Fortschritten zu geben,־da ein solches weit mehr Baum beanspruchen würde, als der Bedakteur dies, gesch. Blätter für solche culturgeschichtliche Skizzen einznräamen in der Lage ■ein dürfte. Doch sollen zwei Gegenstände hier karz erwähnt werden, die sicherlich mehr als ein lokales i Interesse haben. Es sind dies die Fortschritte, welche I die jüd. Litteratur and der jüd.-Gottesdienst in den I letzten fünfzig ,Jahren in England gemacht haben, , im Vergleich mit dem Zustand, in der sie sich am Beginn der besagten Periode befanden. Die Ver- ן inner dieser beiden Artikel sind beziehungsweise: Herr; Sohechter, Dooent an der Universität Cambridge, { and Bev. Moritz Joseph. Ersterer weist in der Einleitung auf die charak- ' teri8tische Thatsache hin, dass vor ungefähr einem Jahrhundert der damalige Chief Babbi von England, Hirsch Berlin mit Namen, seinen wichtigen Posten aufgab und nach Halberstadt übersiedelte, weil wie er sagte, er in London keine talmudisch-gebildeteu Collegen oder wissbegierige Schüler in seiner Umgebang vorfand, wodurch seine eigene Fortbildung in jüdischen Fächern ernstlich gehemmt wurde. Wäre ein solcher kühner Schritt, fragt der Verfasser, in neuerer Zeit in London denkbar? Sioherlioh nicht, würde wohl Jeder antworten, der von der Existenz dee hies. Jew’s College and seine« litter. Vereins, vom Beth-ha-Midrasohj and, seiner reichhaltigen Bibliothek, and endlioh von dem regelmässigen Erscheinen der ,Jewish Qnarterly Beview“ mehr als eine blosse Ahnung hat — Von lebenden jüdischen Gelehrten sprioht der Verfasser, was nar an billigen ist, niqhts aber er giebt kurze aad charakteristische Feder»eiohaaogen von einigen, die nicht mehr unter ans wandeln, wie s. B. von Dr. Behnish, Dr. Asher, Zedner, Bev. A. L. Green and.— last bat not least — von dem jüngst verstorbenen Leopold Dakes. (Dass Emanael Deutsch a. Professor Tneodores nioht erwähnt worden, ist wohl nar einem Versehen zazusohreiben.) Interessant ist besonders, was der Verfasser über den seligen Leopold Dakes mittheilt. Derselbe ׳lebte eine Beihe von Jahren in London in höohst ärmliohen Verhältnissen, doch diese hinderten ihn nicht, seine n wissenschaftlichen and litter. Stadien auf jüdisohem Gebiete mit unermüdlichem Eifer nachzagehen. Ihn kümmerte es wenig, ob sein Körper die riohtige Nahrang hatte, so lange sein Geist vollauf beschäftigt war. Der Vorsteher des Londoner Bethha-Midrasoh trat einst eine Ferienreise an, bei welcher Gelegenheit er den Sohlüssel eines daselbst sich befindenden Bücherschrankes mitnahm, worin seltene hebr. Manusoripte aufbewahrt waren. Darüber war Dnkee ganz untröstlich und beklagte sich in dem damals in Leipzig erschienenen ״Orient“, dass die Pforten der Wissenschaft für ihn zeitweise geschlossen seien. Einst gab er die letzten paar Pfennige, über die er zu disponiren hatte, auf ein Telegramm aus, das er an den seligen Zunz nach Berlin schickte, welches folgende Worte enthielt: ״Der Aba Gorion war so freundlich, sich von mir entdecken zu lassen“. Bev. Moritz Joseph entwirft seinerseits ein nioht sehr anziehendes Bild von der Art und Weise, wie der jüd. Gottesdienst vor fünfzig Jahren in den Synagogen Englands abgehalten wurde, und weist zagleich auohj auf die Fortschritte hin, den derselbe seitdem gemacht hat. ״Nur zweimal im Jahre, schreibt der Verfasser] nämlioh an den Sabbathen vor Pessaoh und vor Jom-Kippar, wurden religiöse Vorträge gehalten, deren Inhalt aber nar von sehr Wenigen verstanden wurde“. Der Chasan (Vorsänger) spielte die Hauptrolle in der Gemeinde, und besass er eine gate Stimme, so verdeckte diese alle seine sonstige Unwissenheit in jüd. und in nioht-jüd. Gelehrsamkeit. Die ״Mischeberach“-Comp)imente waren damals im höchsten Schwung, und die ganze Zeit, während welcher diese nioht endenwollenden Complimente laut ausgerafen wurden, wurde von den meisten Anwesenden in der Synagoge mit Plaudern and Geschwätz aasgefällt. Dasselbe geschah auoh während der öffentlichen V ersteigerung der ״Mizwobh“ durch den Sohaldiener, der seine Auktion 80 lange als möglich aasdehnte. Die aas gelassene Heiterkeit herrschte in den englisohen Synagogen, während des 8״imohasthora“ — and Parimfestes, and selbst am Fasttage des ״Tisohoh-Ow“ spielten sich daselbst lästige Szenen ab, die keineswegs geeignet waren, die Feierlichkeit des Tages zu erhöhen. Obschon au einem gewöhnlichen Sabbath der Gottesdienst ziemlich früh anfing, so dauerte er dessen ungeachtet doch meist bis ein Uhr Nachmittags, so dass die Gemeindemitglieder, statt einen דונג שכת zn geniessen, genöthigt waren, einen grossen Theil des Tages zu fasten. Fast alle diese Aaswüchse des jüd. Gottesdienstes, schreibt der Verfasser, sind seitdem glücklicherweise hier zn Lande beseitigt worden, and er sprioht zngleich die Hoffnung aus, dass der moderne Zeitgeist auoh alle jene Ueberbleibsel aas dem Wege des jüd.- englischen oultaellea Lebens wegsohaffen werde, die dasselbe in manoher Beziehung noch jetzt veranstalten. ' Möge dieses piam desideriam in näohster Zukunft in Erfüllung gehen. Harrow (bei London), Ende Dezember 1801. Ohotzner.

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