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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-12-25 · N° 52. (25.12.1890) · p. Seite 202

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 52. (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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^:;fr ■ fest oder »18 Unheil bringender Zauber. Nach dem Vorgang anderer liege der Freibarger Rath alle Jaden gefangen nehmen and verhören, weil eie ausnahmslos aee Blutgebraucbs beschuldigt worden In üeberein- •timmung mit der Bürgerschaft beschlossen endlioh die Boten des Hersogs am 4. Jnni 1401, dass weder ortsangehörige noch andere Jaden ,bis in Ewigkeit“ in Freibarg wohnen dürften. Obwohl diese Massregel von den Kanzeln herab verkündigt wurde, erschien sie als anüberlegt and warde nur zehn Jahre lang beibehalten. Bald nahm die Stadt den Scbntz ihrer Jaden wieder anf sich, der nar gegenüber dem Könige, damals Sigismund, ohne Geltung war. Letzterer gab denn anch als Verwalter für den geächteten Herzog Friedrich den Städten Freiburg und Breisach Eflsnbniss znr Vertreibung der Juden, doch ohne Schädigung an Leib and Gut; wieder waTen Hostien- Schändung• and Kindesmord die crimina, die an die Stelle der vergessenen Brunnenvergiftung traten. Neue Verwendungsarten des Blates kamen auf, Erweckung der Liebe, Stopfung des Monatsflusses, endlieb, wie unten ausgefuhrt, Ausübung eines alten geheimen Dekrets. Wenn drei moderne Schriftsteller, Pawlikowsky, Bader und Janssen, dem gegenüber noch den mittelalterlichen Standpunkt vertreten, so bemüht sich Dr. Lewin, ihre Ansichten zu widerlegen und beruft sich anf K. vou Amira’s in der ״ Vorrede zum Endicger Judenspiel* gemachten Bemerkung, die Justiz der früheren Jahrhunderte sei ein völlig ungenügender Rückhalt für Schriftsteller. Hinsichtlich des geheimen Dekrets behauptete Radenhausen, bei der geringen Menge des verfügbaren Blutes müsse man annehmec, dasselbe sei nicht für die Osterfladen des gemeinen Volkes verwendet worden, sondern nur für die Schaubrote als Priesterspeise und sei ein heiliges Geheimniss der Kohanim Vom Verfasser wird dies aufGrund von Schriften und Ueberlitferung energisch bestritten. Auch belehrt er uds darüber, dass das angebliche Hostienblut wissenschaftlich als rotber Pilz nachgewiesen sei. Wenn Neuere die Ursache zu den Mordtbaten iu dem wirklichen Aberglauben einzelner .Juden sehen wollen, so nennt Dr. Lewin dies Verfahren eine dem Gegner gebaute goldene Brücke. Wie gegen dieses geheime Dekret, riohtet er seine Polemik auch gegen deu vou Ulrich Jahn behandelten Blutzauber bei deu Juden und die Zauberkraft der Asche einer rothen Kuh. Die Mordbeschuldigung war eine Folge des Aberglaubens vou Nicht-Juden, Hostienschändang vollends eine gauz unjüdische Vorstellung. Der Blutgenuss war ehedem den Christen vorgeworfen worden, die sich nach Justin dnreh das Zeugniss vou Juden freisprechen iiessen. Auch der deutschen Sage und Dichtung lag der Glaube an die Wunderkraft unschuldigen Blutes, wie in Hartmann’s ,Armem 'Heinrich“, nicht fern. Dagegen fand selbst Eisenmenger bei den Juden nichts Gravierendes nach dieser Richtung. Jahrhunderte lang durfte nun wegen derartiger Beschuldigungen kein Jade in Freiburg wohnen, nur in der Umgegend gab es einige. Um 1470 traf die Juden in Undingen der Vardacht des'Christenmordes. Es fand sogar ein diese Sache behandelndes Judenspiel, das von K. von Amira heraasgegeben ist, Aufführung. Im Herbst 1461 waren nämlich bei einem gewissen Elias mehrere fremde Juden zusam mengekommen und sollten dort in der Qoschano-rabboh• Nacht einen Mann, eine Frau und zwei Kinder ermordet haben, deren frische Leichen man nach acht Jahren noch entdeckt. haben wollte. Andere Beschaldignngen kamen hinzu. .Am 9. April 1470 fand daraufhin die Verbrennung des Eliau und Miner Brüder Äberly and Merckly statt. Zar selben Zeit 202 — i .74״! legte ein gewisser Leoman ein umständliches Zeugnis# über ähnliohe Vorgänge in Pforsheim ab. Trotzdem" 80hlie8slioh vom Kaiser Friedrich 1474 das Vorgehen der Endinger gemissbilligt und Entlassung der gefangenen Juden befohlen warde, behauptete Eadingeu sein Vorreoht, die Juden von ihrer Stadt fern zu halten, bis zur Zeit Kaiser Josephs II. Ebenso verhielt es sich Jahrhunderte laDg mit Waldburg. Anlänglich war sogar der Durchzug durch die Stadt verboten Nach 1504 mussten gefangene Juden Urfehde schwören, unter ihnen einer, der deutsch] schreiben konnte und auf Maximilians Befehl nach( Güjzburg entlassen wurde. Ueber das Schicksal Uebrigen wurde nichts bekannt. — Die Vermehrungl der Juden war ganz minimal, 1540 gab es in dem! Ensisheimer Bezirk nur 70 jüdische Familien, anf einzelnen Orten nur zwei oder drei. Freiburg hatte ewige Plackereien mit diesen ihren Nachbaren. Sc fielen urkundlich 1534, 1543, lüOS Collisionen wegtr unerlaubten Betretens der Stadt vor Dr. Lewir weist aber zugleich anf die auffä lige Thatsache hin^ dass 1583 und später iu Freiburg hebräische Werke״ gedruckt wurden. Klagen wegen Bedrückung des Handels nützten den Juden nichts, da man engherzig genug war, gegen den flüchtigsten Aufenthalt die Strenge des Gesetzes anzarufen. Gleichwohl musste die Stadt in den Jahren 1700, 1722 und 17S1 Juden, welche Armeelieferanten waren, den Aufenthalt gestatten. Alsdann verschwanden die alteu Anschauungen mit der französischen Revolution. 1805 wurde die Stadt dem Grossberzogthum Baden zugetheilt, doch war der Zutritt den Juden noch ver.-agt. 1808j< wurde die erste rituelle Wirthschaft in Freiburg er richtet, trotz des Widerstandes der Gewerkmeiste ” Schmoll hiess der erste Wirth, sein Nachfolger Weil״ Des letzteren 1810 geborene Tochter ist, wie^-fa . Verfasser berichtet, seit 1424 die erste jüdische . burgerin gewesen. 1849 erfolgte die Ertheilung Ldfi 1 Bürgerrechts, und dieser Schritt für Schritt, besouMg 1 nach Einführung der Freizügigkeit, das EmjMÖ 41 blühen der Gemeinde bis zu ihrem heutigen Bestaunt' Essei hier nochmals bemerkt, dass das LewiafliB Werk seinem anspruchslosen Titel zum T10׳.a*«Sji J5 allgemeine Bedeutung hat und denjenigen, w«ü|| S*'׳' eine wissenschaftliche und gründliche Einsicht״in• « V' mittelalterlichen Verhältnisse der deutschen;Ju» , , gewinnen wollen, nicht warm genug empfohleaSgH? r■ kann. _____ A/W."׳ . ssä’rtk׳' Litteratur bericht. Receusionen, Bacher, Prof., Dr. W. Die Agada der Tanna iten. Zweiter Band: Von Akiba’s Tod bis zum Abschluss der Mischna. (Fortsetzung.) Die Darstellung Bacheris zeigt uns auschaufloh: 1. dass die sämmtlicheu tanuaitischen K< phäen oder ״Säulen“ der Halacha auch die Agada zahlreichen Sätzen bereichert und erweitert ha 2. dass, was Bacher iu der Vorrede ausdrücklich! betonen sollen, die Antipathie der HalachistenJ Agadisten gegen einander eine blosse ErfincT Rönans ist und 3) dass die Weitherzigkeit des! und die Schroffheit des andern T&nnaiten mit Richtung auf die Agada und Halacha nichts hatte, sondern rein individueller Natur meistens bedingt durch zeitliche Umstände sönliohe Verhältnisse. Hierin stimme ich */ Auf die Stelle SabD| jur, 15c. komme [ich Nummer *arück.

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