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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-12-11 · N° 50. (11.12.1890) · p. Seite 194

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 50. (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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1S4 — Solch« kleine Dinge können den Erfolg einer guten Bede nicht ▼erniohten, aber wenn sohon eine Homiletik existirt, ג־ ist dort der Plate diese und viele .ihnliohe Klei keiten 1a besprechen. Wichtiger noc scheint Folgendes. Das Wärtohen i c h ist in der Predigt mögUohst an vermeiden. In gana bestimmten Fällen hat der Redner das Recht und die Pflicht von sich an sprechen, aber diese Fälle sind selten; snmeist 8011 der Prediger zam Ausdruck bringen, was Alle bewegt, die nm ihn sich echteren, was ihren Oeist nnd ihr Gemäth erfüllt, oder er soll es ihnen zum Bewusstsein bringen, dass sie davon alle in gleicher Weise wie er erfüllt werden. Darum 8011 er keine Scheidewand aufrichten zwischen 8ioh und der Gemeinde, sondern nur gleiohsam als das Organ derselben reden. Zu diesem Behufs muss alles Betonen dessen, was den Redner persönlich angeht, möglichst vermieden werden; es wird ihm nicht als Verwegenheit ausgelqgt werden, wenn er dem, was er persönlich denkt und empfindet, den Ausdruok eines allgemeinen Denkens und Empfindens giebt. Nicht der Prediger kommt zum Wort, sondern das geläuterte religiöse Bewusstsein der Gemeinde. Der Referent hat zum Schluss noch einen reoht materiellen Wunsch an den Herausgeber und Verleger. Das Bach kostet über acht Mark: wer diese Aus• gäbe macht, wird sie nicht bereuen. Der Schreiber dieser Zeilen wenigstens bereut sie nioht. Aber für wen ist dieses Buch hauptsächlich geschrieben? Für junge Kandidaten der Theologie; unter diesen ist der Reiphthum eine unbekannte Grösse. Sollte es nun nicht möglich sein, den Preis billiger zu stellen? Bei einer neuen Auflage könnte der nahezu zweihundert Seiten lange ,Anhang“ dann etwas gekürzt werden. ,Nur die besten Erzeugnisse der Litteratnr wurden bei der Auswahl berücksichtigt“, heisst es in der Vorrede. Vielleicht entschliesst sich der Verfasser dazu, aus dem Besten nur das Allerbeste auszusuchen. Denn der Leser bekommt offenbar in dem Anhang zuviel des Guten.*) Dem Verfasser der ersten jüdischen Homiletik ist der Beifall aller Kundigen gewiss. Der Braderkrieg der Hasmonäer. Von M. S. Goldb&um. Es ist der Geschichtsforschung bis jetzt noch nioht gelungen einen anderen Beweggrund für den Bruderkrieg zwischen Hyrkan II. und Aristobul II. ausfindig zu machen, als denjenigen, dass Hyrkan II., der älteste Sohn König Janai Alexanders, regierungsunfähig, sein jüngerer Bruder Aristobul aber kriegstüchtig war. Wie unzureichend dieses Motiv für einen Erbfolgeetreit ist, ist einleuchtend. Es müssen doch wohl staatsrechtlich begründetere Ursachen diesen Bruderzwisthervorgerafen haben, der den so unheilvollen Bürgerkrieg anfachte, die Römer ins Land rief und die erste Ursache des Unterganges des jüdischen Staates war. Sohon der Umstand, dass nach Janai Alexanders Tode (79 v. Ch.) sein ältester Sohn, der mehr als volljährig war, die Regierung nicht übernahm, sondern der in der Geschichte der Jaden doch seltene Fall eintrat, dass eine Regentin in der Person der Königswittwe Salome Alexandra eingesetzt wurde,—die nicht etwa im Namen ihres schwachsinnigen Sohnes als dessen Vormünderin, sondern als Königin 9 Jahre lang, *) ־Wir ^-1*— dieswi. zrOseten Theil des Baches (von 8.188—386) tollenden and dieses um Ober die Hälfte verthenernden ״Anhang*• für ganz überflüssig; dar Herr Verfasser sollte SS «asm famdigi BnrJiharviiWflhri■—»nn, «inan derartigem Pmdigt-Katalog nach das Verf.'s Anlefamg kazanssugebeo, der iha im wohlverstandenen eigenen Interesse bereitwilligst jedem Prediger gratis vn»enden wird. (Bed.) - bis"’zn ihrem Tode, regierte, — weist darauf his, dass eine sohwer zu entscheidende Streitfrage den regelmässigen Gang der Thronfolge unterbrach nnd ein Interregnum erneisohte. Josephas lässt zwar den sterbenden Janai selbst diese seine letzte Verfügung damit begründen, dass Salome’s Regierungsantritt zur Versöhnung der von ihm bedrängten Pharisäer nothwendig sei. Diese Ursache ist aber unznreiohend. Denn, wären damals die Pharisäer auch das übermächtige politische Element im Staate (nnd sie waren es nicht, sondern erstarkten erst unter Salome’s Begierang in Folge des grossen Einflusses ihres Bruders Simon ben Sohetach), so würde das Interregnum erst recht überflüssig gewesen sein; we 1 Janai’s rechtmässiger Erbe Hyrkan II bekanntlich Pharisäer war und damals sohon im Alter von 32 Jahren stand, wo die Gesinnang eines Kronprinzen weder nnaasgesprechen noch unbekannt zu sein pflegt. Der Mangel an Energie in Hyrkan’s II. Charakter konnte am allerwenigsten von ihm die Pharisäer abwendig machen, da gerade ihren Führern zu jener Zeit nachgesagt wurde, dass sie willenssohwaohe Könige zn beherrschen und ihrer Partei zweckdienlich za machen liebteD. Ist aber Salome Alexandra’s Interregnum au uüd für sich auffällig, so ist ihr Benehmen als Königin ihren Söhnen gegenüber gradeza verblüffend. Den Parteigängern Aristobul’s vertrauete sie die wichtigsten Festungen, ausdrücklich zu deren Schutze gegen die Pharisäer, an, und legte alle diese Schätze jast in diesen Festungen nieder, und dem öffentlich gegen die Pharisäer und seinen Bruder Stellung nehmenden Aristobul überträgt sie die oberste Führung ihres aus fremden Soldlingen bestehenden Heeres (Ant. XIII—24). Diese Königin mnsste es am besten wissen, was Schätze und Fremdenlegionen zu jener Zeit zu leisten vermochten, da sie sich selbst dieser beiden Faotoren mit Erfolg bediente. Wäre es also bei einer Matter vom Schlage der frommen Salome denkbar, dass sie ihren Zweitgeborenen zur etwaigen usurpatorisohen Unter* nehmung gegen ihren Erstgeborenen und seinen reohtmäseigen König, mit Festungen, Schätzen und Legionen ausrüstete? Ferner darf nicht übersehen werden, dass späterhin sowohl Hyrkan II. als Aristobul II. ihre Streitfrage der römischen Justiz vorlegten, Zeugen oitirten und durch berühmte Rechtsgelehrte ihre Rechte vertheidigen Hessen. Wäre also anzunehmen, dass Aristobul es wagen durfte, vor den berühmten Gesetzgebern Rom’s einen Erbprozess uu führen, wobei er keine anderen Motive anzageben hätte, als die Friedfertigkeit des gegnerischen Kronbereohtigten? Wenn wir aber mit kritischem Blicke Josephas Geschichtswerke lesen, so finden wir grade in Betreff Hyrkan’s IL bei demselben einen Widerspruch, der vermathen lässt, dass Josephas entweder ungenaue Quellen benützte, oder als Abkömmling der Hasmonäer vielleicht den wahren Rechtsstreit der Söhne Janai’s zu vertusohen ein Interesse hatte. Josephas führt uns (Jüd. Kr. 1. 5 1.) Hyrkan und Aristobul als 2 Sohne Salome’s vor, die sie dem Alexander Janai geboren hatte. Vergleicht man aber chronologisch mehrere andere Stellen desselben Geschiohts Werkes, so ersoheint es als unmöglioh, dass Hyrkan IL Salome’s leiblioher Sohn geweeen sei. Denn naoh eben demselben Geschichtsschreiber 8t*rb Hyrkan IL am 30 v. Ch. im 80ten Lebensjahre, also fällt sein Geburtsjahr auf 100 v. Ch.; wogegen Salome von Jänai erst 105 v. Ch., als,Wittwe seines eben verstorbenen Bruders and Königs Aristobul L heimgeführt wurde, (Jüd. Kr. L 4 L) zu einer Zeh, wo Hyrkan IL sohon im 6. Lebensjahre stehen musste.

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