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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-12-04 · N° 49. (4.12.1890) · p. Seite 191

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 49. (4.12.1890)
Date
1890-12-04
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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weist“ (das. S. 10 £). Religion and Philosophie sollen einander ergänzen und nicht bekämpfen. ״Eine Meta• physik, dip das religiöse Bedürfniss nioht befriedigt, ist keine nnd eine Religion, die 8ioh bei der Meta• physik nicht aasweisen kann, entzieht sich dem einzigen Richterstuhle, den Oott auf Erden für solche Dinge erriohtet hat, der Vernunft“ (das. S. 4. Auf dem Boden dieses Glaubens, der Wissen- Schaft und Philosophie nicht missachtet, sondern hochscbätzt, hat Joel gestanden; ihm entsprang die nie gestörte Heiterkeit seines Wesens, die Kraft seines Wirkens, die teste, einheitliche Haltung seines Lebens. Weil er die Wurzel dieses Glaubens im Judenthume erbliokte, hielt er treu zur Religion seiner Väter, lehrte und bekannte er sie in Wort und Sahrift und That. Und weil er diesen Glauben so hoch hielt, darum verwundeten ihn die gehässigen Angriffe, die vor wenigen Jahren gegen Jaden und Judenthum gerichtet worden sind, aufs tiefste. Zur Abwehr der unwürdigen Beschuldigungen, der zum Theil geradezu sinnlosen Anfeindungen, die seinen Glauben und seine Glaubensgenossen mit Schmutz bewarfen, die dem Judenthume Sittlichkeit und Religiosität, den deutschen Juden das theuerste aller neu errungenen Güter, die Zugehörigkeit zum Vaterlaade, absprechen, trat Joel mit dem heiligen Ernste des für Religion und Vater- )and begeisterten Priesters in die Schranken. Er hat mehrere Streitschriften veröffentlicht, auf deren Inhalt hier nicht eingegangen werden soll. Die übellautenden Stimmen seiner Gegner sind allgemach verstummt und sollen nicht von Neuem geweckt, der Friede des zur ewigen Ruhe eingegangenen Menschenfreundes durch keine widrige Erinnerung gestört werden. Besser als durch seine Streitschriften hat Joel jene Angriffe durch seine von wahrer Frömmigkeit eingegebenen religiösen Schriften, durch seine von lauterer Vaterlandsliebe durchwehten patriotischen Reden*), duroh sein ganzes edles Leben und Wirken widerlegt. Sein Andenken wird nicht untergehen! Litteraturbericht. Recen.8iou.en. Zwei gekrönte Freidenker. Ein Bild aus der Vergangenheit als Spiegel für die Gegenwart. Dem •deutschen Volke gewidmet* von Prof. Dr. Ludwig Büchner. Leipzig, Th. Thomas, 1890. 110 S• , Goethe’s schöne Worte: ״Wer sich selbst and and’re kennt, Wird auch hier erkennen, Orient nnd Occident Sind nicht mehr zu trennen“ ■treffen nicht am wenigsten zu aut dem Gebiete des , geistigen Ringens der Mensohennatar nach Freiheit, R90ht und Wahrheit. FriedriohT der Grosse, der freidenkerische Preussenkönig, und A-kbar, der auf• geklärte Kaiser des mohamedanisohen Inderreiches .am Ganges, (lebte 1542—1605, regierte 1556—1605) eine anffden ersten Blick auffällige Zusammenpaarang, sind Gegenstand dieser modernen, interessanten, im -Geiste Plutarohs abgefassten Monographie des berühmten Verfassers von ,Kraft und Stoff“. Als Denker nimmt Friedrioh unser Interesse vornehmlich daroh seine, wie bekannt, durohaas Aufgeklärten. An• •sohauaugen von dem Staate, der Religion, der Wissen- .schaft, dam Leben in Anspruch. per Verfasser be* *) Ausser einst 8ammlaag von Fei I .1867) hat J0U unter anderen eine grosse die an vaterländischen Festen gehalten 4ftantUeht. > itpredigten (Breslau Zahl von Vorträgen, worden nind, verlehrt ui 8 darüber, dasr Friedrich der geistige Erbe seiner 1 }rossmutter, Sophie Charlotte, war, das» er nach e ner unglücklichen Jagend während teilte* Rheinst Brger Aufenthalts eine vollständige innere Umwan Hang im Regierangswesen anbahnte, Voltainfo' PrincipiBn huldigte and schon in seinem ersten Regierang irescript zur Geltang braohte, dass in seinen Staaten jede Religion toleriert werden mü89e. Seine eigenth imliohe Denkart, ehrlioh nnd bis za den letzten K008eq lenzen darchgeführt, offenbart sich in manohen, von Büchner herbeigesogenen Stellen der Werke des Philosophen von Sanssouoi, s. B.: ,Unser Leben ist ein flüchtiger Uebergang vom Augenblicke unserer Geburt bis za dem unseres Todes. Während diese* kurzen Zeitraumes ist der Mensoh bestimmt, za arbeiten lir das Wohl der Gemeinschaft, der er angehört.r (S. 28) Noch realistischer klingt folgende•, mit Lulkrez, Gassendi und anderen Philosophen übereinstim tuende Bekenntniss: ,loh weise, dass ich ein materi:ll belebtes Geschöpf bin, das Organe hat and denkt, woraus ich sohliesse, dass die belebte Materi* denket kann.“ (S. 33) Hinsichtlich seines Gatte•- glaube 1s durohmass Friedrioh drei Stadien; zuerst war er, wie viele Zeitgenossen, Theist, dann Skeptiker nnd huldigte zuletzt dem Atheismus. Der Willenstreibe!! begegneter mit dem Satze: ,Der Mensch hat die Freiheit eines Pendels, anf beschränktem Raume hin und her zn schwingen.“ Der Sohlaohtenhdd glaubts auffälliger Weise nioht an ein Fortleben naoh dem 1 'ode, ja er verherrlichte sogar den Selbstmord? Um si 1 erfreulicher ist das, was er vom Pflichtgefühl sagt: ,Es ist nicht nöthjg, dass ich lebe, wohl aber, dass ch meine Pffioht thue.“ Gegen di• Priesterschaft hegte er ungemeinen Groll, sodass er sich sogar za Angriffen auf die positive Religion verstieg. Fast im Sinne moderner Schriften ist sein Wort an d’Alenbert: ״Erlauben Sie mir Ihnen au. sagen, dass unsere jetzigen Religionen der Religion Christi 80 wenig gleiohen, wie de r i rokesisohen. Jesus war ein Judo; und wir verbrennen die Jaden. Jeans predigte eine gute Sittenlehre, and wir über sie nioht ans. Jesus hat keine Lehrsätz) aufgestellt und wir. haben reiohlioh dafür gesorgt.“ (S. 50) So bekämpft Friedrioh begreiflicherweise die Dogmen. Aber obgleich er nibht blos'^8b* Papst, das Mönohtham, die Jesuiten, die < r übrigens wegen ihres Sohalmeistergeaohiok* dulde t$, gegeisselt hat, sondern aaoh proteatantiaohe Sätze hart mitnehmen musste, blieb er trotsdem der Vork impfer des Protestantismus. Seine Toleranz erstre skte siob, wie wir erfahren, soweit, dass er moha nedahische Tartaren, also Niohtohristen, zur Bezie lelang •eines sohwaah bevölkerten Lande• ▼aranlas: an wollte. Ebenso einfach and gross schildert ihb I äohner rals~ Gelehrten, der jede Einseitigkeit hasst י, als Menschen, der! vor dem schlichten Bürger Rfspikt hatte, seiner Pflichten ■iah voll bewusst war, Liebhabereien wie Jagd nnd Duell gründlich verabscheu .6. Für die Sohale wollte Friedrioh naae Formen eihfül ren, die mehr auf dem g eia tig e n Gehalt als dar mechi inisohea Aufnahme des Lehrmaterials beruht•».! } Feber Akbar können wir ans kan fassen. Prof. Bloh 1er findet es merkwürdig genug, dass sar Zeit^ dar £ exenproaesse, Jaden Verfolgungen and Ketzers vdrbrInnungen mitten in Asien ein Despot im Sinn* där ׳ orgesohrittensten Aufklärung nnd Freigeister•! über eia dem römisohen kaum nachstehend•• Reich gi bol. Erfinderisch im Kriegswesen, im Hendel, L du trie uad Gewerbe, that eich der ruhmvoll• Na k >m< 1<י Tamarlans als Freidenker nnd Pr<_ w ihr io Meneohenthama hervor, indem er££| v*

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