Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 49. (4.12.1890)
- Date
- 1890-12-04
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 192 — die herrschenden mohammedanischen Mophulen mit den unterworfenen brahmanischen Hindus und der Buddhisten an vereinigen. Während der von dem Hindu Todar-Mal und dem freidenkenden Abul Fazl berathene Baiser Schiit war, der Philosophie des Seufismus sich suneigte und eine pantheistisoh-philo• •ophische Sekte Dini-Ilahi gründete, vereinigte er staatsmännischer Weisheit die verschiedenen Beligionen in einem Tempel cu Sikri. Christlichen Bek»h rungsversuchen unzugänglich, machte er sich selbst zum geistigen Führer seines Reichs, bekämpfte diu fanatischen mohammedanischen Priester, Ulema's, hob die Sittlichkeit durch Einführung der Monogamie bei den Moghulen und das Verbot der Wittwen- Verbrennung bei den Hindus. 1593 erliess er dann ־' ml» hervorragende That seines Lebens sein Toleranzedikt. In Agfa beschloss der mässige, einfache, _ liebenswürdige Herrscher sein segensreiches Leben. Hoch schon unter seinem Sohne Selim wurde die Feindschaft zwischen Moghulen und Hindus erneuert, und das Culturwerk Akbars zerstört. Diese wenigen Andeutungen mögen genügen, das jüngste Werk des berühmten Verfassers auch denjenigen zu empfehlen, die mit dem religiösen Standpunkt und der wissenschaftlichen Ueberzeugung Prof. Büchners nicht ganz ubereinzustimmen sioh entschliessen können. A. W. W!r4 die Seslaldemekretle siegest V on Landgerichts• prtaident von Knnowski. Verlag von Velhagen <fc Klasing, Bielefeld nnd Leipzig. 1890. Es lige gar keine Veranlasanng vor, dieses Baches im jftd. LitteratarbUtt Erwthnnng za than, wenn nicht in demselben euch die ״Jndenfrage“ vom Vert geetreilt worden wäre. Seite 97 der obigen Schrift heisst es: ״'Wir haben bisher dis nicht berührt, was man in unserer heutigen Kulturbewegung und Verwirrung ״die Jndentrage“ nennt. Wir können der Behauptung nicht beistimmen, dass die social demokratiaahe־Bewegung salbet, welche beute die sociale Revofutiou wül, hauptsächlich oder zum grossen Theile von Juden gefördert nnd geleitet werde, wenn gleich 2 Hauptlehrer, Marx nnr Lassalle — der letztere nicht der thärichteste — jüdischer Religion, oder sagen wir von jüdischer Gebart waren, so sind doch die heutigen Lehrer und Fahrer zum grössten Theile Christen, odervielmehr solche, welche es in ihrer Jugend waren.“ Soweit bemtlht sich der Verfasser objektiv zu ortheilen, aber jetzt kommt der Fierdefuss: ״Dagegen ist nicht au leugnen, dass zu einem bedeutenden Theile diejenigen, welche im Laote der letzten Janrzehnte in den Parlamenten nnd städtischen Behörden, in der Presse, der Litteratnr nnd dem gewöhnlichen Verkehr des Lebens die Opposition bildeten gegen die bisherigen politischen nnd socialen Grundlagen unserer Gesellschaft“ — (mit dieser Behauptung stellt sich der Verfasser völlig auf den Boden des Antisemitismus und negirt damit den zuerst angeführten Satz) gegen ein persönlich kräftiges Regiment der Monarchen und -gegen die Annahme, dam dasselbe auf einer Fügung Gottes beruhe, gegen die Aufrcchtarhaltang fester Autoritäten und den Zusammenhang der obersten Principien des Staates mit denen der Religion, überhaupt gegen den bisherigen christlichgermanischen Charakter unsere« Volkslebens, in. der That der israelitischen Religion angehört haben" (also das winzige Häuflein Juden soll ene Attaque gegen den chrietlich-germamedian Geist machen, eine Zersetzung des christlichen Volks- 1 ebene herbe tühren — bekannte billige Hetzphrasen!)״ ןund aus dem Niedergänge dieses Charakters (der denn doch auf einer schwachen Grundlage ruhen muss, wenn das geringwerthige Jadenthumi diesen Prozess bewirkt) ״Ut der ״freie und leere" Boden entstammt, auf welchem die Gedanken der Socialdemokratie entwachsen. In diesem Sinne ist nun allerdings eia grosser Theil unserer israelitischen Bevölkerung — deren religiöses Leben unsererseits von niemand (so!!) angegriffen wird ein Beförderer der socialdemokratischen Bewegung.“ (Eine jammervolle Logik; eine socialdemokratische Bewegung wäre überhaupt nicht entstanden, wenn Adam vor seiner Verheirathung sich ins Wasser gestürzt hätte). ״Auch muss bei offenem Auge zu gegeben werden, dass ein grosser Theil dieser Bevölkerung neben einem meistentheils (köstlioh!) frommen Festhalten an ihrer Religion und manchen achtbaren Tagenden, zu denen wir namentlich eine musterhafte Hochachlung der Kinder vor ihren Eltern und eine tiefe Scheu vor dem Meineide zählen — von der Neigung beherrscht wird, Gewinnung von Vermögen and äusserer Ehren über alles za stellen, und auch dieses Beispiel ist auf die übrige Bevölkerung nicht ohne Einfluss.‘• ,Aber der Verfasser, heisst es weiter, ״kann gleichwohl nie h t denjenigen beistimmen, welche die Haaptschald an dieser der heutigen Gesellschaftsordnung nachtheihgen Wirksamkeit dea Jaden beimessen.“ — Alle! lose Behauptungen, die sich der Herr Landgerichtspräsident leitet, ohne auch nur den Schatten eines Beweises anzatühren. Es ist bedauerlich, dass ein in so hervorragender Stellung sich befindender Jurist aus unbestimmten Gefühlen und nicht aus objectivea Thatsachea sein Urtheil schöpft. M. Sp. Litterarisclie Notizen. Der Xsme ,,Jerusalem“. Der ursprüglicho Name der Stadt Jerusalem (ירושלים) war J e bu 8 (יבום); dies war Orts- und Volksname. Der 01t liat aber schon früh als heilig gegölten; als heiligen Ort wählte ihn Abraham, und zwar wegen der Opterhöhe Moria. Dies war auch wohl die Opferstätte des Atuod oder Aravna, und dies bestimmte auch David, sie als Tempelberg zu weihen (2. Sam. 24). Aus diesen heiligen und gottesdienstlichen Beziehungen erklären sich die Benennungen יעיר צדק ,מלכי צדק) צרק d. i. ״Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Religion“ und שלם d. 1. ״vollkommen, religiös.“ Dass □של eine religiöse Beziehung hat, beweist dar Name Islam d. b. die vollkommene, vollkommen machende Religion. Was bedeutet non die Vor״ nnd Zus&tzsvlbe ירו? Die Ableitung von ידוש in Bezug aut die Eroberung durch David rechtfertigt sich weder sprachlich noch sachlich, sprachlich stimmt die Wortform nnd Vocalisation nicht nnd sachlich spricht dagegen, dass nicht שלב die Stadt im Thal, sondern Zion, Berg und Barg, Davids urapr ünglicher Besitz war. ירו hat ursprünglich ארן gelautet. Aru-salim ist die alte Benennung, wie sie sich in Urkunden aus der Zeit der alten Pharaonen findet. Auch spricht dafür der alte. Name אריאל (Jes. 29,1). Diese Benennung stammt von dem Opferberge (Ezechiel 43,15 schreibt הראל), denn ארו heisst ״hervorragend“. Man vgl. Ararat, Aram, Armenien, Arier, Eran, Iran (Hochland) 8 ,הרpo;, ip'.OZOi, Arminias, Herman, Herr, Erster, First, Fürst (engl, first); also: .,hoch, erhaben“ dem Raam and Range nach. Dio Umwandlung von ארק, Name des Besitzers von der Opferstätte bei Jerusalem, (1. Chr. 21,25) in 2) ארונה■ Sam. 24) hängt wohl auch damit zusammen. Aas ארך wurde später ירן, am die nahe Beziehung zur ״Gottesstadt•‘ deutlicher za machen, denn ירו ist gleich ירא, wie שחן gleich שחה VWIVWnr, beide Worte haben religiöse Beziehungen (vgl. Prov. 1,7, Job 1,1). Aach das griechische Btpoj ist auf diesen Namen zarückzaführen, daher auch Hierosolyma. Die Ableitung von יראה nach Gen. 22 ist für Moria (מוריה) gegeben, and hierfür selbst scheint die Beziehung za ירן und ראה) ארו') näher za liegen• Der Daal ירושלים bezieht sich auf Jerusalem als Doppelstadt (Ober• nnd Unterstadt); auch hierin liegt, wieder eine Rechtfertigang des ארו• R.-A. Literarischer Anzeiger. In actinakeaburg’s Verlag za Riga erschien: [4577 Dr. Ekrileh’s jüdisch. dentseke Versckrlftea I, u. 2. Heft 111 Pt. (10 Kop.) In meinem Verlage erschien soeben: «»׳«stete, *. a. ההפרה והאנזנה, Gehet ■»4 6u«bt, Ein Beitrag zur Erklärung des Gottesdienstes u. dessen Gebrtocbe. Nebst der in de■ Qehstetackon enthaftenden BfdjSfanslilw■ Mk.*-. Satteeklk B., Beitrüge rar reehtl lehesfit ells sg 4e rJn4 es, namentlich im Gebiet des heutigen Oesterreich-Ungarn vom X—XVL Jahrhundert. Mk. J. JCautTmnnn, Frxnktert a X. Die Chanaka• W ander Festspiel in 3 Akten für Israel, Scknlen n. Fanriliea. (Zur Aufführung geeignet) Von Dr. Xi. Juaauf. Freie 75 Ptg. haar. Zn beziehen darob die Exp, d. BL Ale schönstes lestgeschmE empfehlen wir: Sach’■ 841■ ■es ve■ Jerdaa m. Eaphrat. 1 Ad, 4. Kai (ataan, Frankfurt a. M Dr. Kahmes; Magdeburg, Draek von D. L. tfolfi Magdeburg. Verlag ven Robert Friese, Leipsif-