Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 48. (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- Seite 187 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— m jener wunderbaren Vereinigung occidentalieohen and -orientalischen Geistes, an# der unsere moderne Onltur hervorgegangenen ist. Es ist' die Zeit,1 in der Griechen, Körner, Egypter, Babyionier and Inder miteinander in Berührung traten, ihre Anschauungen, Religionen und Pbil08ophetne einander mittheilten; die Zeit, in der auch das Jadenthum aus seiner starren Abgeschlossenheit heraustrat, für die Hoheit grieohisoher Kunst und Litteratur sich begeisterte uni mit friechisohen Anschauungen sich erfüllte: die!eit, in der das Christenthum als gewaltigste geistige Macht zugleioh dem Jadenthum und dem Heidenthum sich gegenübersteilte. In d;e9e Zeit der Völkerverbindnng und der Qlaabenstrennung, des Kampfes und der Versöhnung, der religiösen, politischen und socialen Oährung führen ans Schriften J06I8 über Philon, ein Vortrag über die Angriffe des Heidenthums gegen Jaden nnd Christen und die Blicke in die Religionsgeschichte.*) In den Philon nnd seiner Philosophie ge" widmeten Arbeiten entwirft Joel wohlabgerundete, lebhaft gezeichnete Bilder der merkwürdigen Zeit, die biblische und griechische Elemente za folgenreichem Bunde vereinigt hat, und des Mannes, dessen Lebensanfgabe diese Vereinigung war, und der den Höhepunkt der jüdisch-bellenistiscben Religionsphilosophie bezeichnet. — Der Vortrag über die Angriffe des Heidentbums gegen Jaden nnd Christen, der im zweiten Bande der ״ Blicke“ eine weitere Aasführang gefunden hat, kann als eine Geschichte des Juden- und Christenhasses in den ersten Jahrhunderten der römischen Kaiserzeit betrachtet werden. Joel weist nach, wie die Fabeln, die Unwissenheit nnd Bosheit in alexandriniscber Zeit ersonnen batten, von bedeutenden, aber gar zu vertrauensvollen Sohriftstellem nacbgesprooheu und durch ihre Autorität bekräftigt, der späteren Zeit als geschichtliche Thatsachen überliefert wurden. Er weist auf die Leichtfertigkeit, die Herzlosigkeit und Ruchlosigkeit hin, mit der das Heidenthum in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung die Christen anfeindete und Besohuldigungen auf sie häufte, die auch nur nachzuerzählen die Feder sich sträubt. Es sind freilich zum Theil dieselben Beschuldigungen, die in viel späterer Zeit mit gleicher Bestimmtheit und gleioher Leichtfertigkeit von orthodoxen Christen gegen ketzerische christliche Secten und gegen Juden geschleudert wurden und noch heute nicht ganz verstummt sind. Tief in die Entstehungszeit der grössten religiösen Bewegung, welche die Geschichte kennt, in die Geburtszeit des Cbristenthums, führen die Blicke in dieReligonsgesohichte uns ein. Hier werden zahlreiche Fäden aufgewiesen, die Heidenthum, Judenthum und Christenthum an einander binden; Christliehe Urkunden werden duroh Hinweisung auf altgriechische, hellenistische, talmudiache Schriften erläutert, schwierige Stellen des Talmuds und der Midraschim durch Vergleichung der Evangelien und der Kircbenschriftsteller erklärt, und manche dunkle *) lieber Philon. Zwei Vortrage aos dem Jahre 1862. Abgedruckt in den Beiträgen zur Geschichte der Philosophie. Bd. II., Anh. S. 12 f. — Ueber einige geschichtliche Beziehnngen des Philoniscben Systems (aus dem ,Jahre 1863). ln Beitr. Bd. I., Anh. S. 53 1. — Die Angrifte des Ifeidenthums gegen Juden und Christen in den ersteh Jahrhunderten der römisshen Cäsaren. Bresl. 1879. — Blickte in die Beügionsgeschieht« zu Antang des zweiten christlichen Jahrhunderts. Bd. I.: Der Talmud and die griechische Sprache nebst zwei Excursen Uber Ariatobal nnd die Gnosis. Brest 18980. Bd. II.: Der Conflict des Heidenthame mit dem Chriatenthnln in seinen Folgen ihr das Juden thum Bresl. 1883. —! Sine Erg Inaung *am zweiten TheUe erschien in der Jubalschri ft;am '0. Gehörtetage des Professors Dr. H. Graets S. 172 f. Bresl. Ersobeinui g dar Gegenwart duroh analoge Th der Verga igenheit aufgehellt. “׳'•׳ 1 י״5׳■'!*äf. Beaon10» ־ Förderung ist der- Gäsohiohta da*1. Hellenismt s and der ReiigionaphOosopbia darob־ die•*׳' zwei Bänd ihea za theil geworden. Sie geben wichtige Aufschlüsse über die Beziehungen der Telmadlehrer zur griech sehen Spreche, die Stellung des jung aufstrebenden Ohristenthams zur Mutterreligion, über Deutung d 3s Bibel Wortes and die Apokryphen. Lange Zeit war die in Brnobstücken erhaltene äohrüt eines angeblich« a Peripatetikers Ariatobal, die von ton- ' denziösen Fälschungen altgrieohisoher Diohtangen wimmelt, len Forschern ein 80h wer lö jbares Problem, den Juden eia stehender Vorwarf: denn als Zeichen eines ihnei angeborenen Hanges cum Betrage sahen - Viele diese Bruchstücke an. Nach dem Vorgänge älterer Geehrten, aber mit neuen Gründen Und in meisterhaf »r Beweisführung wird das Problem gelöst nnd die Sibrift eis pia frans einee im!weiten Jahr• hundert lesenden Christen)erwiesen. — Nioht minder werthvoll sind Joels Nacnweisangea über die alte mystische Lehre des Christenthams, die Gnosis. Die rein oriet talischen Elemente werden bedeutend ein* geschränk;, reich fliessende griechische Qaellen auf- 1 gedeokt und der Einfluss griechischer Anschauungen; auf gewisse der Gnosis verwaudte jüdisohe Lehren j nachgewjesen. ■ Dooh verhältaissmässig gering sind die Ein- Wirkungen des Grieohenthams and des Hellenismus! auf die fitere jüdisohe Litteratur geblieben; um 80 I bedeutender aber ist der Einfluss, den griehiaohe! Philosophie and Wissenschaft auf die jüdisohe j Litteratur des Mittelalters aasgeübt hat: die jüdisoh• i mittelalte ׳liehe Religionsphilosophie ist aus dem I Bande b irvorgegangeu, den die Religion der Bibel J mit der Philosophie Griechenlands geschlossen hat. (Schluss folgt) Litteraturbericht WB■ Recensionen.. 1SS7.J-* liehe, Aug., Dr. theol. et phiL Der baby- Ionische 1 'almud in seinen haggadisohen Bestandthailen wortgetre u übersetzt und duroh Noten erläutert. Zweiter laibband, dritte Abtheilang, Leipzig, Otto Schulze, 1889. X. 470 S. (Schluss.) No. 13: aDie Israeliten haben das goldene Kalb nur in 1er Absioht gefertigt, um ־,die Bassfertigen anfzumui item.“ Statt der hervorgshobenen Worte_, muss es in Parenthese heissen: Nach Gotte« Fügung: i — No. 14: ילפחן ist im Sinne dieser Aggada za ■ übersetzen: Sie sind umwickelt, umgarnt von der Sünde. -- No. 15: Unter רעיך Pa. 139,17 versteht die Aggada nicht ,deine Gedanken“, sondern ,deine Freunde '. — Das. im Verse Jes. 56,16 ist יעמף wie יכלו >n ier Aggada za übersetzen: Nioht ewig werde ioh zürnen, sondern die Erlösung bringen, wenn der Geist vc r mir za Ende sein wird and die Seelen, die iob gesc aaffen habe, d. h. wenn die Gesammteamme der pra sexistirenden Seelen, die aur Beseelung dar men8ahl eher Körper bestimmte Gaiateafülle ihre Verwendan;; gefunden haben wird. Auch die Angabe S. 366 i 1 den Verbesserungen nnd Zusätzen zu diesem Traktat, dass Rasa hi diese Stelle so erkläre: Denn der Geilt, der noch vor mir ist, verkörpert es u 8. w, ist nioht nioht richtig. Rase hi erklärt das Wort d irch המאחר KY1 ,er verzögert, hält (die Erlösung) auf״. . Dieselbe Erklärung gibt Besohl, and zwar fr «fhhriinber, Nidda 13a. — In No. 17 Z. 3 ist 11