Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-11-27 · N° 48. (27.11.1890) · p. Seite 186

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 48. (27.11.1890)
Date
1890-11-27
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492408-6575064-8757877--2116-4857134
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vermöge 11, besonder« Krankheiten. *n erzeugen, beobadÄete. Pa er diese uavet4nd)«rfioh oonform fand, erbislb er Während einee Zeitraumes von 9 Jahren gas sc Reihen von Gebilden •— ohne sie während dieser Zeit uf einen lebenden Körper an abertragen — Sie sich in Besag auf ihre Eigentümlichkeiten, ab• gesehen von einer gans geringen Abnahme ihres bös• artigen Charaktere darobaas unverändert erhielten. Kar in Besag anf die Tabercalose beim Geflügel konnte er nicht an dem gewünschten Besaitete ge• langen,-weil es ihm snr Zeit nicht möglioh war, von diesem frische ״Materie an erhalten, am aas derselben reine Gebilde an Süchten. Da aber alle anderen Arten in jeder Beeiehang identische Baocillen eraeagt hatten and die Geflagel-Bacoillen ihnen dem Anacheine naob gleich waren, so glaubte er sich za der Annahme berechtigt, sie trotz des Nichtvorhanden• «eins eines wichtigen Gliedes in der Kette seiner Beweismittel mit den übrigen identifioiren za dürfen. Später traf es sich, dass Koch -von verschiedenen Seiten reine Gebilde erhielt, welche angeblich Tabercle-Baccillen erzeugen sollten nnd nichts destoweniger in Besag anf ihre Wirkung in mancherlei Hinsicht von denselben variirteu, besonders aber dadurch, dass siebei dem Versaohe, Thiere darch sie za inficiren, abweichende Resultate hervorbrachten. Dies wusste er sich nicht zn erklären und ver• sachte daher von Zeit za Zeit aas diesen mathmassliehen Varietäten die gewöhnlichen Tabercle-Baccillen za züchten and nun darch mehrere Bildangs-Generationen die gewöhnliche inficirende Wirkung hervorsubringen. Trotz aller seiner Bemühungen aber brachten die Eigentümlichkeiten dieser mikroskopi8chen Organismen nicht die Wirkang hervor, die sich bei den andern Bacoillen fortwährend gezeigt hatten. ־Nachdem alle Versuche, anf den Grand dieses Widerspruchs za kommen, fehl geschlagen waren, brachte endlich ein besonderes Ereigniss die Lösang. Vor einen! Jahre erhielt er darch Zufall Geflügel, welches mit der Tabercalosis behaftet war. Er machte sieh diese Gelegenheit za Nutze, etwas zu unternehmen, was ihm früher za than nicht möglich gewesen, nämlich d i r e o t aas den erkrankten Organen Gebilde za züchten. ״Als diese zar Beite gediehen,“ sagte er, ״sah ich za meinpn^ Erstaunen, dass sie genau dasselbe Aussehen and''alle andern Eigenthäm• iichkeiten der räthselhaften, den Tabercle-Baccillen ähnlichen Gebilde zeigten. Hieraus erhellte also, dass diese mysteriösen Geblilde aach aas der Geflügel- Tnberoaloae entstanden waren and bei dem Vorhandensein der Formenidentität als echte Tabercle- Baccillen betrachtet werden mussten. Eine Bestätigung meiner Beobachtungen finde ich in den Experimenten, welche Professor Maffacci bei der Geflügel-Taberoaloee angestellt and deren Ergebnisse er in jüngster Zeit veröffentlicht hat. Die Folgerang, welohe Koch aas dieser Versohiedenheit der Ansteckungsfähigkeit herleitet, ist, dass er ohne Bedenken die Behauptung aufstellt: ,Die Bacoillen der Geflügel-Tabercalose »sind eine besondere Speoies, obschon in mancher Beziehung den andern Bacoillenformen nahe verwandt.* Da sie also in den für meine Beweisführung wichtigsten Punkten eine solche Verschiedenheit von den übrigen auf weisen, glaube ich, dass dieser Umstand berechtigt, aas demselben eine genügende Erklärnng für die scheinbare Anomalie in den Gesetsesvorachriften, welche eine genaue Untersuchung dar innernOrgane beim Vieh vorsohreiben, diese aber beim Geflügel, welches naohweislioh ebenfalls )der Tabercalose unterworfen ist, erlassen, herleiten Hla können. Der Hauptzweck einer derartigen Unt*fsaohung beim Grossvieh ist ja die Beseitigung iftr Ansteckungsgefahr, welohe erwiesenermissen beim Geflügel nioht existirt. Jene Schlussfolgerung aber wird darch die Ersoheinung unterstützt, dass bis heute dieGeflügel-Tuberoalose-Bacoiile sich in dem menschliohen Körper nooh nioht vorgefunden hat Ich braaohe wohl nicht za bemerken, dass ioh diese Frage nur vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus erörtert habe, ohne die rituellen Erwägungen, welshe hierbei nicht ia Betracht kommen, irgendwie zu berücksichtigen. Hier wie anoh in andern ähnlichen Fällen bietet uns den sichersten praktischen Führer das Sprichwort: ״Qiilibet in arte 8ua credendum est.“ (Jeder verdient nar Glauben in seinem Fache) Dr. M. Joels wissenschaftliche Thätigkeit. (Von Prot. Dr. J. Freudenthal.), Wenn man jetzt voll Trauer an Alles sioh erinnert, was Joel war und was nun für immer verloren ist, so ziemt es sich, auch dessen eingedenk za sein, was von ihm nie verloren gehen wird. In einer grossen Anzahl von Schritten hat Joel der Gegenwart und kommenden Gesohlechtern ein Erbe hinterlassen, das ihn überdauern wird. Es ersoheint als Pflicht gegen dem Heimgegangenen, dieses geistigen Erbes za gedenken und za zeigen, wie viel vom Geiste Joels seinen Freuuden und Verehrern geblieben ist. Freilich, nicht leicht ist der zu finden, der Joels schriftstellerische Wirksamkeit in ihrem ganzen Umtauge würdigen könnte. Ueber Gebiets des biblischen, talmadisohen and jüdischmittelalterlichen Sohriftthums, des Hellenismus and der Sohol&stik, der Theologie und Philosophie, erstrecken sioh die Arbeiten Joels. Er hat ausserdem eine grosse Zahl ged&nkenreiclier Predigten veröffentlicht and in mehreren kleineren Schriften über sooiale und religiöse Fragen, welche die Gegenwart bewegen, sich ausgesprochen. Selten wird man einem Gelehrten begegnen, der wie Joel Philologe and Theologe, Philosoph und Orientalist za sein sich rühmen dürfte. Der Unterzeichnete, dem tiefe Verehrung für den heimgegangenen Lehrer and Freund die Feder in die Hand drüokt, darf nur über einen Theil seiner Schriften einUrtheil sioh gestatten; doch ist es der Theil, der demVerewigten selbst als ein Mittelpunkt seines Denkens und Schaffens erschienen ist und von dem aus Licht auf die gesammte verdienstvolle Thätigkeit eines weitumfassenden Geistes fällt: es sinddie hellenistischen, religionsphilosophisohen und philosophiegeschichtliohen Werke Joels. Im Jahre 1805 begann Joel seine schriftstellerische Thätigkeit mit einigen trefflich geschriebenen Biographien jüdischer Weisen aus der Zeit des Talmuds. Sehr bald aber erkannte er, dass die t&lmudisohe Litteratur, wie kuudig er ihrer auch seiu moohte, nicht das Feld war, zn dem Neigung und Begabung ihn führten, dass er berufen sei, auf Gebieten, die zugleich der Geschichte, der Theologie uni Philosophie angehören, Bedeutenderes za leisten. Er wendete sich dem jüdischen. Hellenismus, der Philosophiegesohichte, der Beligionsphilosophie za, und eine lange Reihe ausgezeichneter Arbeiten, die seinen Namen bekennt und berühmt gemaoht haben, ist die Fraoht dieser Beschäftigung gewesen. ( Die interessanteste, aber auoh vielleicht die dunkelste Periode der Weltgesohiohte ist die Zeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.