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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-11-13 · N° 46. (13.11.1890) · p. Seite 178

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 46. (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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— Mi — X.H. Glaube* mm Gott, <ft0 (Unsterblichkeit der Seele, aadt dat Tod« etc.), ge« Matka■ ward« kei■!wenden habe■. ׳ •1 de■ Jndenthnms d. L za dem rot kktnhinadan ewigen dam Weltalls, und an Grundwahrheiten and Bestrafung .Wickelung im deakeader llenich *11 aasserhalb der Religionegesehiehte irgend eine feste Grandlage für da■ Gatteaglaaben exis tirte. Ina Tätige■ Jahrhundert aOadizgi ■einte die heraehende Philosophie in Dentechlend, der sog. Deismus, der gaoflenberte■ ädaabeaeand Sittenlehren, dar bestehenden, monothsiaHarhan Religionen nicht zn bedürfen, da diese geaffinlartu Lehren natürliche and abeolate Wahrheiten wären, weiche darch die maneehliehe Dewkkraft ohne eine Offenbanmg Gottes sieh faden leasen and gedaadaa worden wären. Der Glaube an einen persönlichen Gott, an die Dasterb״ liehkeit dar Seele, an die sittliche Freiheit, an die Vergeltung bedürften keiner Offenberung, hinsichtlich dieaer ewigen Grand wahrhafte■ wäre die Offenbsruag überflftesig. Der Deiaasas glaabte in ■ich einen ▼ollen Ersetz ftir die geschichtlichen Religionen des Monotheismns bieten za können. M. H. Diesen philosophische System ist längst za Grabe getragen, heat za Tage ist jeder philosophisch gebildete Mensch davon durchdrungen, dass die Existenz Gottes and der sittlich-reiigiöe30 Grundwahrheiten sich nicht wissenschaftlich fest steile■ lässt, and dass der Gotteaglaabe allein in dem geschichtlichen monotheistischen Religio niystem aeine Grandlege haben kann. Für die Bekenner des Jadenthams bildet die moeaiech-penteteochische Darstellung der Offenbanmg Gottes die alleinige Grandlege des Gotteeglaabens and die Hegirang de■ göttlichen Ursprungs der pentateacüisehen Lehre hebt such den Gottesglaaben selbst auf. Deshalb ist seit Jahr״!aasenden die mosaische Offen barungslehre, wie sie im Pentateuch beschrieben ist, als die unwaםdelbare Grandlage des Jadenthams betrachtet worden. Dieser Auflassung des Jadenthams werden häafig zwei Einwände entgegengehalten, weiche nur deshalb Beachtung verdisnen, weil sie fortgesetzt als Parole für die moderne Entwickelang des Jadenthams . ansgegeben und als allgemein gebilligte Scblagwoste gelten. Der eine Ein wand besteht in der Behauptung, dasa das Judenthum keine Dogmen kennt and dass soweit *ach der Glaube an die göttliche Offenbarung, wie ne in der Thora beschrieben ist, keinen essentiellen Theil des Jadenthams bilde, and der andere Ein wand ist, .dass der Glaabe an die Offenbarung einen, der modern-liberalen Lebensanscbanang nicht entsprechenden Gewissenszwang bilde and deshalb aas der jüdischen Religion, am sie für alle Bekenner zugänglich zn erhalten, aasgeschieden werden könne. M. H. Die Behauptung, dass das Jadentham keine Dogmen kennt, ist an richtig, sie ist im Lauf* der Zeit aas der richtigen Behauptung hervorgegangen, dass die Grundlage des Jadenthams kein Mvsterium bilde, welches vom gemeinen manschliehen Verstände nicht erfasst werden kann. Das Jadentham hat allerdings keine geheiiqnissvollen, dem Leien unverständlichen Glaubenssätze, wohl aber hat es einen Glaubenssatz, der von Jedem, Jang and Alt, begriffen werden kann. Es ist dies der Glaube an einen eineigen,. ansserweltlichen, »ewigen Gott. (Schlau folgt) 1 Randglossen zu Maybaum’s ״Homiletik". IIL Die Betrachtangen, die wir im Sommer d. J. in , diesen Blättern*) über Maybaam's.ststtliches Werk bej gönnen haben, wollen wir jetzt zum Abschlags bringen. ן Inzwischen ist eine Predigt von Maybaam erschienen, die sonach als ein Beispiel fdr die Theorien das hervomgenden Berliner Predigers gelten kann. Diese Predigt ist am zweiten Tage des Neujahrsfestes in der neuen grossen Synagoge auf der Oranieabargerstrasse gehalten worden and hat — dies em vorweg bemerkt — einen grossen Eindruck hervorgebracht. Referent war zufällig kurze Zeit darauf in Berlin und hatte Gelegenheit zu beobachten, wie mächtig die Wirkung gewesen, wie die Rede in vielen Kreisen den Gegenstand der Unterhaltung bildete; sie hatte offenbar wie ein Blitz eingeschlagea und gezündet. Wenn sie nun gedruckt iu’s Laad geht, aus* 1 gerüstet gleichsam mit der Empfehlung der Tausende, ' die sie gehört haben, wenige Monate, nachdem der j Verfasser eine Homiletik veröff <ntlioht hat, 80 denkt sich jeder, der diese Thatsiohen Zusammenhalt, ohne weiteres, diese Predigt zeige an einem konkreten ן Falle die Anwendung der im Buche gegebenen Regeln. Unsere Kanzelredner thuen vielleicht nioht Uarecht daraD, wenn sie die Disposition der Predigt mit 1, 2, 3, den Zuhörern vorlegen, indem sie sich nicht auf die innere Logik, auf den gedanklichen Zusammenhang verlassen, sondern die eiuzelneu Theile recht scharf markiren. Aber so nothwendig auch diese , Krücken fnr die Zuhörer sein mögen, schön sind sie . nicht. Die Predigten bekommen dadurch einea schülerhaften Charakter; wir werden an die Aafsätse | erinnert, die wir als Primaner aufertigten und die wir 1 von Kameraden anhören mussten. Da bietet ans May-; baam ein aasgezeichnetes Beispiel, wie er die9e . Schwierigkeit überwiudet. Die Disposition wird gageben, die Hörer gewinnen diese Handhabe, am die; Gedanken besser festzahaltea, aber die Disposition wächst aas der Einleitung heraus, wie die Zweige aas dem Stamme. ״Dahin ist nnn die Zagniss; ,daroh die Stammesseele. Israels bebt die frohe Kunde: Israel geht nioht unter zum Lohu fdr sein Wirken, Israel blüht eine Zakanft in der Rückkehr seinerKinder.“ Sohon aas diesem kurzem Citat ergiebt sich, dass May bäum gern aparte Ansdrüoke wählt and darin keinen Verstoss gegen die Forderung seiner Homiletik“ findet: ,Natürlichkeit des Stils ist eine anerlässliche Forderung in der Predigt.“ ,Zagniss“, es ,bebt“ die frohe Kande, sind gewiss nicht falsch, aber angewöhnlich. So lesen wir auch am Eingang der Rede: ,Warum soll die Gedrücktheit nioht von ans weichen.“ Gedrücktheit, ein gedrücktes, gepresstes, hässliches Wort, vielleicht hätte die ״Gedrücktheit“ dem schlichten ״Druck“ weiohen können. S. 7 heisst es: ״Der Mensch 8011 sich au dem Urbilde göttlicher Heiligkeit hinaafläatern.“ Hinauflintern ist ein Wort ganz eigenen Fabrikats and eine Vermengung zweier Bilder, man wäre bei- \ nahe versaoht, parodistisch an ״hinanfleitern“ za denken. Wie pretiös und wie schlecht klingt das Wort: ״Bekennergemeinde“. Ein sechssilbiges Wort, in dem fünf Silben ein karzes ״e“ haben. Vielleicht ist es erlaabt, gerade bei einem Lehrer der Homiletik noch auf eine andere Aeasserliohkeit - hinzu weiten. Maybaam spricht bald vom Propheten Jirmija bald vom Propheten Jeremia, er erwähnt unsere Stammmutter ״Riohel“. Wir glauben, der■ •1 Cfr. Nr. 27 u. 28.

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