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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-11-05 · N° 45. (5.11.1890) · p. Seite 174

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 45. (5.11.1890)
Date
1890-11-05
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 — der Praxi* das täglichen Lebens'gYrsdsza unleidlich ward•■ musste.“ 80 schrieb Kopp im Jahn 1886 mit der abwiganden Genauigkeit eines Advokaten. Aber das hindert Hamaok nicht, im J. 1890 den Talmndisten ״monströse* Feilschen am die Sittlichen Principien “ anr Lest an legen and ihn Moni mit der Moral Onry’* *nt eine and dieselbe Stofe an stellen. Diese Behauptung ist selbst das Monströseste was es geben kann. Würde .Einer in gleich unrichtiger Weise über irgend •inen griechischen Schmöker artneilen, er Win schier unmöglich. Aber gegen' den Talmud ist alles erlaubt. Er steht unter einem wissenschaftlichen Aas• nahmegeaets, demsufolge man über ihn ortheilen kann, ohne ihn so kennen, es geht ihm wie der See- »oh lange, die Hunderte beschrieben haben, and die noch keiner eingefangen hat. Dergleichen ist Köhlerglaube and keine Wissenschaft. Man wird von mir nicht ▼erlangen, dass ich die Moral sä tse des Talmud ansschreibe and alten Kohl aufwtrme. Ich verweise statt dessen auf Weiss, Ossch. der Tradition III S. 302 ff. Man wird auch nicht ▼on mir erwarten, dass ich verein selbe, verfänglioh scheinende Aenssernngen, die in der Zwangslage and dem Zustande der Nothwehr begründet sind, hier rechtfertige. Das alles ist ■hnnderimal -aufgestöbert and hundertmal ins Oleiohe gebracht worden. Eher möchte hier darauf hinan weisen sein, dass die durchaus unverklausalirte, strenge, ▼on jeder Srobabilittisahen Anwandlang freie Sittkchkeitslehre es Talmud die Moral aafa Höchste aasgebildet and auf diesem Gebiete Kunstausdrücke geschaffen hat, die in anderen Morallehren so wenig aa finden sind, wie die Begriffe, an deren Bezeichnung sie dienen. Ich erinnere nur an das schöne, umfassende Verbot der גביבת דעת, des Meinungsdiebstahls1), ein Verbot, das man erst weitläufig erklären muss, am na ▼erstehen zn geben, was damit gemeint ist, das aber der Talmud mit zwei Worten ansdrüokt und das fpr sioh allein hinreioht, allen Proba- 1)־,Um diese blosse Verbalübersetsung nicht wie ein Rithsel dsstahsn sa lsssisi, will ich sie erklären. Des Meinung»- diebetahls oder der Erschleichung der guten Meinung macht sieh x B derjenige schuldig, darnach dem Preise einer Sachs fzsgt und ia dem Händler die Ho&nung auf Verdienst erweckt, wenn er nicht die wirkliche Absicht hat, einen Kauf zu machen, oder derjenige, dar Einen sa Gaste bittet in der Erwartung, er werde dis Rialadimg ablehnen a. s. w. Gerade bei diesem Verbot wird dis AUgsaaaingftltigkeit ansdrOeklich vermerkt, dann der vollständige Mimetansdrnek lautet: 3ניבת דלת הבריות Ueber כריות ». meine ״Nächstenliebe׳‘, S. 35. Man begreift, dass die Ausdrücke Lüge, Betrug, Falschheit, Ttnsrhnng ml♦■ H^rm ff. wähnten Begriff sich nicht decken. Eher konnte man an Phrasen, wie ״sich in Jemande» Vertrauen »tehl en“, denken, aber auch dieser Ausdruck trifit den. Sinn des talmudiachen Begriüs nicht, da ״stehlen“ hier, wie auch sonst, nicht durch- •ns eine gehässige Bedeutung haben muss, sondern nur je nach den Umständen, unter welchen die Phrase gebraucht wird, haben kann. (Vergl. Sanders Wörtarb. der deutschen Sprache mrter ״Stehlen“, c). Deswegen darf man anch zöcht aa das in dar Bibel bei Jakob und Laban (and nur hier) vorkommende 3313 ל (L B. M. 81, 20. 26. 27) denken, welches vielmehr der erwähnten deutschen Phrase sa vergleichen ist und nur durch die begleitenden Umstände ein# gehässige Bisdectnng erhall So rann ja auch am ״Herzdieb“ (wofür die Jaun wohl ״Herzgannef“ sagen) der beste and lieben*־ werth ssts Mansch sein and ist es gewöhnlich. Das talmudische עב ד7ת ist also unstreitig eia asnss Wort für einen neuen moralischen Begriff, wobei dar Gebrauch de» Worte» ד3ת (statt 3ל) hssoaisrs. baachtenswarth ist Usbtigsns •mag daran erinnert ■sin, dass bei den Alisa, wis bsi Homer uns Hseiod, das -Stehilm“ noch keineswegs als schlechthin rarwerflich •nehsfaä. So ist es ursprünglich bei allsa alten Völkern gswssra woran» sieh erklärt, wie dar Wort ^tahlm״‘ überhaupt oha* verwerflich» Webaabadsntuag in Vsrwsndang Usfbsn Imnats. Man vergleich• Phrasen wis ״ein Ysrstohlsner Mick*, ״ss.stishlt •ish ein Ssafssr aas dar Brost*, -ss stiehlt sich •in Strahl ins Hafflgtkam“ ä. dgl. st, wohin bilismas über den Haufen za stossen. Dooh kann ioh mich auf diese Dinge jetzt nioht einlassen. Dagegen möchte ioh mir eine andere Bemerkung erlauben. Die Dialektik des Talmud beschränkt •ioh aaf das Gebiet der Jarispradenz und — dee Bituellen. Ein Tropfen Miloh, der in einen Fleisohtopf fällt, bildet für die Talmndisten einen grossen Gegenstand and giebt ihnen'Anlass za den scharfsinnigsten Distinktionen and den versohlungenaten Schlussfolgerangen. Darüber kann man denken wie man will. Dem Einen erscheinen diese and ähnliche Dinge von der höchsten religiösen Wichtigkeit, der Anders bezeichnet sie als Spinngewebe, das die Beligion überkleidet and verdunkelt hat. Aber es ist für dis Moralität jedenfalls unaohädlioher, am einen Tropfen Miloh and seine ohemisohe Einwirkung anf einen Fleisohtopf, als ״am dis sittliohen Principien sa fei 18oh en.“ Nooh mehr. Das mensohliohe Gemüth kann nioht leioht eines Gegenstandes entbehren, aaf welohen es sein religiöses Bedarfni 88 entladet. Wird ihm ein soloher Gegenstand im Bereiche des Irdischen nioht geboten, so fällt es über den geistigen [Mittelpunkt der Beligion, über Gott selbst, .her 'und überkleidet diesen ' mit-einem ' Spinngewebe,' aas welohem man ihn and er sioh selbst sohwer wieder herausfindet. Ans der Gesohiohte des Jadenthams and der Dogmengesehiohte des Christeathams kann man über diesen Gegenstand viel lernen and sioh aaoh ein Urtbeil darüber bilden, bei welohem Spinngewebe, da es ohne ein solches, wie dis Mensohen nun einmal sind, nioht abgeht, die Beligion sioh besser'steht. Für jetzt nur diese Bemerkung: die Talmndisten sind davor bewahrt geblieben, die sittliohen Prinoipien and den Gottesbegriff zn verkleiden and za verkleistern — vielleicht wegen des Spinngewebes des Bitaalgesetzes. Iitteraturbericht Receneioneru Zar Bibeland Beligionsphilosophie. Vorträge ׳ and Abhandlungen von H. SteinthaL Berlin. 1890. Georg Beimer. 237 S’ Professor Steinthal in Berlin ist nioht nar ein sehr gelehrter Mann, er ist saoh ein feiner ' Kopfj ein Mann ▼on Geist, der die guten Einfälle, wie man za sagen pflegt, nar so aa* dem Aermel schüttelt and er wäre aaoh einer unserer besten Stilisten, wenn er nioht Jahrzehnte hindurch fast einschliesslich für ein gelehrtes Pablikam geschrieben hätte, das jeden Stil ▼ersteht and in Deutschland an den schlechtesten gewöhnt ist. auch der schon erwähnte Aasdraok ״Herzdieb“, oder ander» wis ״herzstehlend# Anmnth“ gehören. Dieser Erscheinung gegenüber ist ebenso von spraehgeachichtliaher wie von *ittengeschichtlicher Bedeutung das schlicht• and strenge Verbot לא תנגב im Dekalog, wie andererseits der Umstand, dass 333 oha e verwerfliche Nebenbedeutung in der alttestamsntliehsa Litteratur nur eia einziges Mal, Hiob 4J2 3ואלי דבר י3ת» vorkommt. In weiterer Verfolgtag die■•■ Hinweises erscheint such das susnahmswei»» Vorkommen des 3333 ל in dar Geschichte des Laban and Jakob bedeutsam and wäre näher *u erwägen. Ich meine, ee wirs sa untersuchen, ob dieser Aas- , druck damals, als er gebraucht ward•, •n •iek nooh harmlos war und nar, wis iah oben sagte, durch dis begl•itendea Umatänds •ins varvrsrfliche Bedeutung eriielt, oder ob er bereit* aessnhli—Hob zur Bnraichnang für •ins. verwerflich• Sechs. dieata. Aber dies aassiaanlerzasetzea würde sa wsit führen. Uebiigsos wäre aaoh im letztem Feüs 333 ל} mäht identisch mit ילל ל7ת• ■e.

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