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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-10-22 · N° 43. (22.10.1890) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 43. (22.10.1890)
Date
1890-10-22
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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v. 166 — '«גל Zweifel festxustellen, — beiläufig bemerkt waren dieae die eigentlichen Gründer unserer Gemeinde — sondern es meigt ans auch die Begeisterung für das Judenthum, welche ihnen innewonnte. Carvajal de Caceres und De Brito hatten für ihre Bekennang zum Judenthum keinen materiellen Vortheil zu erwarten. Sie waren schon jahrelang in London etablirt und hatten bereits grosse Beichthümer erworben. Unter ihrer Maske batten sie jeden nur erwünschten Schutz für ihre Person und ihr Eigenthum zu erwarten, während sie durch ihre öffentliche Verbindung mit Menasseh ben Israel mancher Gefahr durch den mniichern Zustand der Gesetzgebung, die Lüsternheit der DenUncianten und die Vorurtheile der fanatischen Menge ausgesetzt waren. Um jedoch ungehindert und ohne Verstellung zum Gotte Israels beten za können und sich ein jüdisches Begräbniss za sichern, trotzten sie allen diesen Gefahren. Es könnte nun die Frage aufgeworfen werden: ״Weshalb unterschrieben sie die Petitionen mit ihren jüdischen Namen, da der Verdacht einer Ver- Stellung einem doch zuwider sein musste?“ Die Erklärung für diese Handlungsweise ist jedoch ganz einfach. Eis bestand nämlich über ihre Zugehörigkeit zum Judenthum schon lange ein Zweifel, da man sie öffentlich sich zum Christenthume bekennen sah. Capitän Willoughby bezieht eich auf dieses eigenthümliche Verfahren in einem unter den öffentlichen Papieren gefundenen Briefe (Dom. Ser. 1653—56, p. 53), indem er sagt: ״Es mögen triftige Gründe für die Trage, ob sie Juden wareD, vorhanden sein, denn es muss bemerkt werden, dass j einige von . ihnen wegen ihrer Beligionsgrunds&tze j sich nur wenig Gewissen machten.“ Aus diesem I Grunde war es zu wünschen, dass 3ie auch den Schein einer Verstellung vermieden. Ausserdem waren durch den Krieg mit Portugal Namen wie Antonio und Domingo beim Publikum 80 verhasst und hatte dieses ohnehin eine besondere Vorliebe für b i b - lische Namen. Die Jaden glaubten natürlich, dass sie wenigstens ebenso jüdisch scheinen müssten, wie die bibelfreandlichen Puritaner und daher rührt die plötzliche Annahme hebräischer Namen. Es scheint jedoch, dass sie von dieser Art Unterschritt nur einmal^Gebrauch gemacht baten. Von Carvajal and De Brito könnte dies schon daraus bewiesen werden, dass bei deren Tode ihre Frennde nicht wussten, dass sie schon bei ihrem Leben hebräische Namen geführt hatten. Es bleibt nun noch eine nicht unwichtige Frage zu beantworten. Jedenfalls waren die Vorgenannten nioht die einzigen Jaden, welche damals in England lebten; wie kommt es nun, dass die übrigen es unterlassen hatten, eine 80 wichtige Petition mit zu unterschreiben? Der Grund ist folgender: So klein die Gemeinde auch war, waren ihre Mitglieder in drei Parteien getheilt: ״Cromwellianer, Royalisten und Indifferentesten.* Unter den Unterschriften vermissen wir die Namen von Henrique Jorges Mendes, Bento da Costa, Augnstin Coronel, Domingo E'ranoia, Domingo de In Sella, Antonio de Robles, Daarte Alvares, Diego Aries und Antonio de Porto. Die ersten vier von diesen können als Anhänger oder in gewissem Sinne als Agenten der Stuarts nachgewiesen werden, obschon Mendes za jener Zeit von England abwesend war nnd also nicht unterschreiben konnte, wenn er auch gewollt hätte. Da Costa und Coronel waren Finanzcommissionäre des Königs in partibas, und 'die politische Farbe Franoia’s schhessen wir aus dem Umstande, dass im Jahre ' 716 einGl ed seiner Familie als Anhänger des Kronprätendenten genannt wird. Die übrigen waren Männer, welche sioh mit ihren eigenen Aagelegenheiten beschäftigten und sich nioht um die grosse Frage kümmerte!׳, welche Menasseh ben Israel und Carvajal so sehr interessirte, obsohon die hierdurch ihren Glaubensgenossen gewährten Privilegien auch ihnen natürlich zugute kamen. Es ist iudess nioht unwahrscheinlich, dass den royalistisch gesinnten Juden die Frage der ״ Wiederaufnahme “ eben so sehr am Herzen lag als Carvajal und seinen Freunden und leisteten sie in der That derselben auoh Vorschub dadurch, dass sie sich nicht mit ihr identifioirten. Sie waren nicht nur Ränkeschmiede gegen den Staat, sondern dieser Gesinnung auch verdächtig und ihr Zusammengehen mit Carvajal würde schliesslich die Juden um die Gunst des Protectors gebracht haben. Die Haltung der royalistisch gesinnten Juien ist überdies durch ein Memorandum (add. MS3 4106, F. 253) gerechtfertigt, als welchem hervorgebt, dass die jüdischen Cavaliere, während sie die Sache der Stuarts vertraten, ׳loch die Frage der Wiederaufnähme ihrer Brüder in England nicht aus dem Gesiohte verloren. Es sei mir nun schliesslich noch za bemerken gestattet, dass, obschon dieses Document die That- Sache bestätigt, dass Carvajal mit Menasseh ben» Israel Hand in Hand ging, dieses keinen der übrigen Schlüsse entkräftet, zu welchen ich in meinem Vortrage ״über die Wiederaufnahme“ gelangte. Meine Ansicht, dass Menasseh mit der Londoner Gemeinde in Streit gelebt haben muss, wird thatsächlich durch diesen Beweis unterstützt, dass er sich ihrer Sympathie in so fern erfreute, als sie geneigt War, ihm dieselbe zuzuwendea. loh glaube auch, dass das Document nebenbei auf die wichtige Steilung, welche ich für Carvajal zu beauspruchen gewagt habe, einiges Licht wirft. Es ist die einzige jüdische Petition, unter welcher wir seinen Namen finden uni bezieht sich auf eine Frage — die Erwerbung eines Begräbnisplatzes — welche, wie bekannt, ihm so sehr am Herzen lag. Sie scheint auch der besonderen Berücksichtigung würdig erachtet worden za sein, da der Protector sich die Mühe gab, sie dem Rathe mit seiner eigenhändigen begleitenden Bemerkung zur Berücksichtigung zu empfehlen — die ganze Fussbemerkang des Memorandums ist nämlioh Cromwell’ s Autograph. Einer solchen Auszeichnung hatte sich keine andere Judenpetition za erfreuen. Die Juden des Mittel Alters. Herr Emil Corra stellt in seiner im ״Evenement“ veröffentlichten Kritik über Renans ״Histoire d’ Israel“ folgende Behauptung auf: ״Den Juden des Mittelalters verdanken wir eben so wie den Arabern die Erhaltung, Fortpflanzung und Entwicklung aller Wissenszweige des Alterthums, der Mathematik, Astronomie, Naturwissenschaft und Medizin'. Wiederum sind es auch die Juden, welche sioh als die fruobtbarsten Förderer bei der Eutwickeiung des Aokerbaues, der Grossiudustrie des internationalen Welt- Verkehrs und des Finanzwesen hervorgethan haben. Und in der That sind sie es auch, welche während jener Periode mit dem segensreichsten Erfolge das Studium der alten Sprachen gepflegt und uns die ältesten Denkmäler menschlicher Denkthätigkeit in ihrer vollen Integrität erhalten haben.“ Herr Corra ist ein Gesohiohtschreiber; er blickt auf die Vergangenheit zurück. Aber auoh diejenigen, welche die Erscheinungen der Gegenwart zu würdigen verstehen, müssten not.hwendigerweise bei Erwägung der Thätigkeit der Jaden auf dem

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