Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 41. (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ii9 . bewiesen als systematisch and folgerichtig behauptete. Mehr als iwanzig Jahre naoh seinem: Tode, im Jahre 1670, ist denn anoh diese philosophische Begründung von Spinoza im vierzehnten Kapitel;des theologischpolitischen Traktates gegeben worden. Da heisst es inmitten der sohlichten, unbefangenen Deduktion ganz im Sinne Verständiger Bibelkritik: ,Moses wollte die Israeliten nioht durch Gründe überzeugen, sondern dnroh einen Vertrag, durch Eide und Wohlthateü verpflichten. Die evangelisohe Lehre aber enthält niobts als den einfachen Glauben, nämlioh dass man Gott glauben und ihn verehren, oder, was dasselbe ist, ihm gehorchen 8011.“ Es ist das Unglück Acosta's, dass er in seinen Gegnern das rein Menschliche, Geistig-sinnliche angreift. Dadurch hat er ihnen gewiss ebenso sehr Unrecht gethan, wie sie ihm. Als Idealist hätte er Liebe gefunden, wie er sie nothwendig auch selbst empfanden baben würde, als Verehrer der Natarlehre lie8s er dem Hasse, der seine leidenschaftliche Natur bewegte, auch bei seinen Gegnern freien Baum. Daher ist es kaum wunderbar, dass Aoosta gehasst wurde und hasste, wie es von südlicher Glath genährte Naturen nur können. Ebenso naturgemäss ist es, dass er von anderer Seite Mitleid fand. Ihn zu lieben fanden sich ־Wenige. Von dem Standpunkt der geschiehtliehen Betrachtung aber gebührt ihm gewiss diejenige Theilnahme, welohe die leidenschaftslose Betrachtung jeder hervorragenden individuellen Erscheinung der Menschheit gewähren muss. Waren die Ophiten eine jüdische Sekte.*) Herr Honig hat sich in seiner Schrift, die Aufgäbe gestellt, die Behauptung Mosheims, dass die ältesten Gnostiker, die Ophiten, eine jüdische Sekte gewesen, zu beweisen, ist aber zumeist bei Mosheim stehen geblieben, er wiederholt dessen Beweise und hat sioh derselben Fehler, dieman an Mosheim getadelt, wie Herr H. (Seite 12) selbst mittheild: ,Mangel einer strengen Beweisführung, Willkührliekkeit und Un- Wissenschaftlichkeit“ schuldig gemacht. Er wiederholt von Neuem die ganz unwissenschaftliche Behauptung, Tertullian habe de praesoript. haeres. cap. 7 entschieden darauf hingswiesen, dass die uraltqualivolle Frage: unde malum? der Quellpunkt der Gnosis sei, während Tertullian ln dem fragliohen Capitel übereinstimmend mit Celsus, Origines, Plotiu und Porphyrius (vgl. Joel, Blioke in die Religionsgeschichte S. 137 u. 145) den Gnostikern den Vorwurf macht, dass sie mit einem hohem, liefern Wissen prahlen, während sie doch nur die Lehren und Meinungen der alten heidnischen .Philosophen sioh angeeignet. Wie streng die Beweisführung des Herrn H. sei, kann man schon daraus ersehen, dass er noch immer zum Beweise von der Existenz einer speziellen jüdischen Sekte auf Origines contra: Gelsum VI,28*) sich bernft, obschon Lipsius (Gnosticismus, Separatabdr. S. 107) mit Becht behauptet, dass die Ansicht Mosheims, es habe lange vor der Entstehung dea Cbristenthum8 eine jüdisch-gnostische Sekte von ״ Sohlangenbrüdern “ gegeben, die tnan vergeblich durch Orig. c. Cels. VI,28 belegen wollte, jedes gesohiohtliohen Anhaltes entbehre.**) ]]Herr *) Obwohl wir eine Besprechung der Dr. Hönig’schen Schrift: , ,Die Ophiten. — Ein Beitrag zur Geschichte des jüdischen Gnosticiamaa“, bereits in dies. BL (No. 7) gebracht, geben wir nech ans der z. Z. ans ebenfalls angegangenen Becension des Hm. Babbiners Dr. Goldtahn die wichtigsten Punkte. (Red.) *) Nicht IV,28 wie H. zweimal (8. 461and S. 71») citirt. **) Er hat diese seine Behauptung in der Hilgenfeld’echen Zeitschrift für w. TheoL, in. der von Hdnig 8. 29 and 31 selbst citirten Arbeit ״über die ophitischen Systeme“ durch Erklärung der fraglichen Stelle des Origines genauer pegrändet H. beruft sioh aber 2 mal auf Origen»«, alz ob dar Letztere deutlich' ausgesprochen, dass die Ophiten eine speoiell jüdische Sekte gewesen und als ob Niemand gegen diesen Beweis Zweifel gehegt. Nioht besser ist der Beweis, aas■ die Ophiten eine vorohristliohe speziell jüdisohe 8ekte gewesen, weil sie ihren Ursprung auf Jakobus zurüokführen. Das geschah blos nm Proselyten za machen, wie di» Berufungen auf alttestamen tliohe ״mysteria veritatis“, t welche die jüdischen Propheten in Folge der ihnen ' innewohnenden 07״tfpjia“ ״ignorante Demiurgo“ anbewusst verkündigt haben sollten. Die alte Mos-' heimische Willkür ist es, wenn aas der Darstellung des Irenäas, welohe als die richtigste Darstellung der ursprünglichen Lehre der Ophiten angenommen wird, die störenden christologisohen Momente aasgeschieden werden, um auf diese Weise eine speoiell jüdisohe Sekte zu gewinnen, denn angenommen — aber nicht angegeben —; der Qaellpunkt der Gnosis sei die uralte ■ qualvolle Frage: unde malum? so muss zagestanden werden, dass die Gnostiker ihre höhere Weisbeit nioht nur auf die Beantwortung dea Woher? beschränkt, sondern auch zeigen wollten, wie man aus dem Uebel errettet werden könne? Es ist ferner pure Willkür'״vom Doketismas abzustehen“, naohdem ״dieser ip sämmtliohen Systemen wiederzafindan. י und daher einTcharaoteristisches Merkmal des Gnosticismas bildet.“ Die ursprünglichen Gnostiker, könnten keine Heiden gewesen sein, weil für diese, da sie eine ewige Materie anerkannten, die Frage ״ande malum?“ nioht existirte. ״Wohl beschäftigten sioh die Stoiker mit diesem Probleme“, fügt Herr H. in der Anmerkung hinzu; dooh meint er, dies thue seiner Annähme keinen Abbruch, weil diese, die Stoiker,. ״thatsächlioh Monotheisten and Apostaten des Heidenthums sind.“ Soll das die über Mosheim' hinan»- gehende strengere Beweisführung sein? Haben denn die Gnostiker behauptet, rechtgläubige Polytheisten zu sein? Wirft Tertullian in dem oben oitirten Capitel der Präscriptionen denn nioht den Gnostikern ihren Stoioismns vor? ' Strenger ist auch der Beweis nioht, dass die י. ursprünglichen Gnostiker keine. Christen gewesen, ״weil das Chritsentham, selbst wenn die Entstehungen zeit des Gnosticismus ia die Grenzsoheide des 1. und 2. christlichen Jahrhunderts gesetzt wird, nooh׳ viel zu jung war, um den Gnostioismus aas sioh heraus zu entwiokela“. Herr H. hat sioh da eine Behauptung Baurs zu eigen gemacht, auf die Joel (Blioke in die Beligionsg. Band I, Seite 144) bereits treffend geantwortet, nur das H. nooh christlioher ׳ ist, als Baur. Der verdienstvolle Kirohenhistoriker hat das ▼olle Bewusstste in, dass eben die Gährang, die das eben sieb entwickelnde Christenthum erfüllt, die treibende Kraft ist, welohe zur Entstehung des Gnostioismus führt, wie denn überhaupt die ersten Jahrhunderte des Christenthums erfüllt sind von den Bildungen and Streitigkeiten der einzelnen Sekten and Häresien, während der jüdisohe Babbiner Hönig, dea Gnosticismus für einen Spätling des altersschwachen, kraftlosen Jadenthams hält. Der einzige soheinbare Beweis dafür, dass die Ophiten eine ursprünglich jüdisohe Sekte gewesen, wäre der angeb lioh hebräische Name: Naassener, dessen Beweiskraft aber Herr H. selbst als blosse Aeusserliahkeit nioht ״za hoch ansahlagen“ will. Dooh ist auch dieser Beweis nur, wie gesagt, ein scheinbarer; denn erstens liebten es die Gnostiker, wie. die Ketzerbestreiter bereits bemerkten, sioh fremdartige, mystisch klingende Namen beizalegen; dann aber glaabe ich nioht, dass ״fr, der Näme vom hebräischen נהש abzu'.eueo, also - gleioh רנהשים» sondern genau das atamiisohe ןך,ןןךא -