Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 41. (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Zauberer, Goeten, eigentlich Sohlangenbesoinrörer, daraus dann Schlangen Verehrer, sei. Jn diesem Sinne würde dann der Berioht des Hippölytos, dass von den Naassenem alle fibrigen Häresien abstanunen mit den anderweitigen Berichten der übrigen Hetserbestreiter übereinstimmen, dass die gnostische Häresis von den Gotten Simon Magus und Menander abstammen. Der Name mag denselben von ,anderen beigelegt worden sein, weshalb sie selbst sioh den Namen Gnostiker beigelegt. Ich kann ferner nicht glauben, dass die Ophiten als solche die ältesten Gnostiker gewesen, denn wie Harnack ״zar Quellenkritik der Gesohichte des Gnosticismns“ S. 78 richtig bemerkt, ״kennt Justin die ophitischen Sekten, wie sie Irenäns schildert, iedenfs8״ noch nicht, da er sons., Apol. 1 c. 27 nicht so unbefangen über den Schlangenknlt der Heiden gesprochen hätte. Ich glaube dem noch hinznfügen zu dürfen, dass Jnstin im Diel, mit Tryphon Cap. 94 und 113, wo er gegen den angebliehen Unverstand und die Unfähigkeit de! Rabbinen, die Errichtung der ehern Schlange durch Moses (IV M. 21,8 ff.) gehörig zn deuten, polemisirt, sioh wohl nicht die Gelegenheit hätte entgehen lassen, aach den ophitischen Häretikern einen Hieb za versetzen. (Schloss folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. 1. Unverfälschte Wsrte von einem Theologen. Wien, 1889. 8*. £6 Seiten. Verlag von D. Loewv. 2. Die Jadeafrage and Ihre Lösaag von Philagathos. Verlag von H. Bcnpach in Neustadt 0.-9. 8*. 25 Seiten. 1830■ Beide Bacher verfolgen denselben Zweck: sie wollen die Jadentrage lösen. Beide sagen: ״Gebet den Jaden alle .Rechte auch in facto, nnd die Frage ist gelöst.“ Ja freilich ist sie dann gelöst! Aber die Jadenfrage besteht ja gerade darin, dass man nns diese Rechte vorenthalt nnd noch mehr schmälern wilL Weder dem Theologen noch dem Philagathos kann man den gnten Willen absprechen. Beide widerlegen, fast möchte man schon sagen, ״nach althergebrachter Weise“, die bekannten Tiraden der Antisemiten. Der Theologe stellt im ersten Kapitel 39 Stellen des N» ׳en Testaments zusammen, die die Verwertlichkeit der iad'!feindlichen BassenverhetznDg -recht scharf beleuchten. ־Ob er aber selber an die Wirksamkeit derselben glaubt? Es ist leider die traurige Erfahrung ans schon zur Gewissheit geworden, dass man sehr gut mit dem 100jährigen Greise Johannes sagen ״Kindlein liebet each unter einander!“ nnd doch im Herzen Hase gegen seinen Mitbruder tragen kann! Solche Christen, auf die diese Bibelstellen Eindruck machen könnten, wird der Theologas unter seinen Antisemiten nur sehr wenig finden. Dass jedoch das berühmte 13. Capitel im ersten Briete Pauli an die Korinther über die Liebe vom Theologen vergessen ist, muss jedem leid thun, der der Brochüre Erfolg wünscht Im Eifer redet der Verf. die Gegner mit ״Satansbrat“ an. Das Schimpfen müsste man ganz den Antisemiten überlassen. Wie lange der ״Theologe“ vom Gymnasium schon weg is, wissen wir nieht. Aber das wissen wir, dass Xptati; nicht Erlöser sondern ״Gesalbter״ (von XP■“*) bedeutet. Daher heissen die Christen aacb nicht die ״Erlösten“ sondern Xp9TC!avo£ heissen rdie ״Anhänger des Gesalbten", wie aach II0(JL7rrjiav0£ die ״Anhänger des Pompeias“ sind. Ob die Buddhisten so ohne Weiteres ״Heide■“ genannt werden dürfen, mag dahin gestellt bleiben. Bei Philagathos treffen wir auf Seite 7 die beliebte Phrase, dass Schmähungen gegen eine grosse Gesammtheit geschlendert von vornherein den Stempel des Unwahren an sich tragen. Das ist aber nichts als Redensart. Wenn dem so wäre, so dürften wir ja nicht einmal der antisemitischen GesMpmtheit Vorwürfe machen Sagen wir z. B. die antiseindische Gesammtheit kenne die Liebe nicht, sondern nur den Haas, so ist gleich die Antwort da: ,,Die Beschuldigungen gegen eine Gesammtheit sind vod vorn herein an wahr. ‘ Wir müssen eben, wie es aach Philagathos thnt, jede einzelne Bescbuldigang einzeln widerlegen. Eine ähnliche Redensart ohne Bedeutung ist (Seite 91: Die Jaden haben denselben Stammes- Charakter wie die Germanen“. Zagegeben — aber was nützt ans das? Ist es denn die Stammescharakterverschiedenheit, die den Antisemitismus erzeugt, oder vielmehr der Neid? Die zünftige Theologie, sagt Vert. S. 10, wird nie zngeben, dass der Talmadjade ein sittlicher Mensch ist, denn der Talmud lehre Unsittlichkeit. Wir denken besser von den zünftigen Theologie und glauben jenes nur von der unvernünftigen Theologie. Wenn wir auch dieses und jenes auszasetzea*) hätten, so ist es dennoch unser Wunsch, dass beide Bücher möglichst weite Verbreitung finden. Q Litte rarische Notizen. 1. Zu dem Artikel über שושנה n. חבצלת, ob es mit Rose oder Lilie zu übersetzen sei, möchte ich aut den השב״ץ שכ״ב fed. Warschau S 51) hinweisen, wo נרקום לגנוניתא in Ber. 43: bekanntlich das targ. Wort für חבצלת, mit Lilie (י ‘ליליא£) erklärt wird. Der י'; in 218 ש״ל א״ח 'Cj"5D hat anstatt des talm. נרקוס (eigenth. Narcisse) das Wort נרגים und sagt: ויייא שהוא ליריייו Nach Vergleichung mit dem תשב״ץ a. a St. scheint dies für ליליא verschrieben zu sein. Der Wilnaer Gaon führt das י״א auf das jer. Targum zurück. 2. Bei der jüngsten Ueberschwemmnng in Prag haben auch mehre:e Synagogen, so die Pinkas-, die Zigeuner-Syn3goge nad die Altneu-Schule, schweren Schaden erlitten. Ich möchie hier daran erinnern, dass vor huudert Jahren auch eine solche Ueberschwemmung die versammelte Prager Gemeinde an einem Sabbath überraschte, so dass die Vorlesung inhibirt werden musste. Der damalige Rabbiner R. Jecheskiel Landau entschied, dass man am folgenden Sabbath auch die בלדא de3 verflossenea vorzulesen habe. (לשו! הבמ'ם vou Brandeis, Prag 1815, Bd. I, S. 3, col. 4). 1 Königsberg. Cantor B irnbaum. *) So wissen wir nicht recht, wie Philagathos dazu kommt die Fortschrittspartei nicht zn den staatserhaltenden Parteien zu rechnen. Q Litterarischer Anzeiger; Verlag von G>eorg Reisner in Berlin, za bezieh, durch jede Bachhandl Zu f Bibel 1. KeÜ£ioa8pki]es«phie. Vorträge nna Abhandlangen von H. Strfmthal, Dr. Professor für allgemeine Sprach- Wissenschaft an der Universität Berlin. [4501 4 Mk. 80 Pf. Zu> äcaestenveehsel bringen wir die bewährten and in vielen handelten von jüdischen Schulen eingeführten hehr. Schilbficher von Rahmbr in empfehlende Eriaaenug: 1. Die hebt. Schreib-]Lese•; Fibel mit lithographirten jüd.־ deutschen Vorschriften. Siebente vermehrte Auflage, geh. 50 Pfg. S. Tefllla kemara, hebräisch. Gebetbüchlei■, für die israeL J ugendzumerstenUebersetzangs- ~ zi errieb!6 methodisch singerichtet and mit ״Vokabularium“ nebst leichten ״gramatischen Regeln“ versehen L Corsas, lebte, mit einemAnhange :Leichte Uebfarsetzangsetüeke aas dem Pentateuch, versehene Auflage Geb. 65 Pt 3• Dasselbe,!weiter Carsas: V*lIitI11li(M hebr. Ge• betbaeh für die isr. Jugend. Zum Uebersetzen eingerichtet,!mit Vocabnlarlum nnd hebr. Grammatik (Paradigmen des regelm. u. anregelm. Zeitwortes) versehen. Sechste stark vermehrte Anflage. 144 Seiten. 1890. Geb.1 Mark Bei Einführung in Schulen oder Partheibezag besondere Vergünstigung. [4502 J. Rauttmann, Fraskfurt a. M. ich ■ache da■ מעשה־בוך (Haaase-Bach) beldeKditlonea, j&diach-dentsche Paraphrasen^• wiefiberhaaptWerkederj&diach• deataehen 1,1 tteratar de■ 16., 17., and 18. Jahrh. Offert, mit Preisangabe wolle man gefl. an die F.xped. d. Bl. einsenden. Urackfehlerberlehttgasg. Im vor. Litteratarblatt ist S. 153, Z. 22 v. u. statt ״recht philosophischen“ zu lesen: ״recht 8 -philosophischen“) S. 154, Z. 1 v. u. ״des Erbrechts“ st. ״das Erbrecht“, Z. 29. v. n. ״volksgeweihten“ st. ״volksgewöhnten“; S. 154, Z. 11 v. o. ״vortrefflichen“ st. ״ttbertronenen“._ Briefkaste■ der Bedactloa. W. in B. Wenn möglich zu Freitag. L. in G. Wir bitten um Rücksendung d. Baches. Twsatwortlisher Redaetoar Dr. Rahmet, Magdeburg. Draok von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig I I.