Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 39-40. (25.9.1890)
- Date
- 1890-09-25
- Page
- Seite 152 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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152 — «r als" Epikaxäer daraus teilen bemüht war. Acosta, *ugleich den Anfeindungen der Babbinen und der Gemeinde ausgesetst, unterlises nicht, sein Manuskript in apologetischem Sinne umsuformen und "heraus*ugeben. Dieses Hai fanden seine Feinde bei den Obristen Unterstützung, nnd Aoosta basste seine Freimfithigkeit mit Geld und Gefängniss. Nach dieser ersten Massregelung verhielt sich Acosta, mm Manne gereift, mehr ״als ein Jahnsehnt ruhig. In seinem Innern vollzog sich indessen eine, offenbar durch naturwissenschaftlich! oder besser naturphiloeophische Erkenntnisse herbeigeführte Treunnng von seinen bisherigen Anschauungen, sogar von dem H08aismu8, seiner ersten Liebe. ״Endlich war ich überaeugt“, sagt er, ״dass das Gesetz nicht von Moses sei, sondern nur menschliche Erfindung, gleich• J wie es anderes Unzähliges in der Welt gewesen ist“ Trotzdem entschliesst sich der unstete, haltlose Mann, I in dem die jahrelange Vereinsamung den Geselligkeitstrieb mächtig geweckt hat, sich der Gemeinschaft, die ihn aasgeschlossen, wieder ztunwenden, nnd kehrt unter Vermittelung seines Neffen zum Judenthum zurück. De Barrios, nach dessen Urtheil Acosta ״in die Eitelkeit des Irdischen verstrikt war, zu viel Werth auf falschen Schein, Selbsterhebnng, Ehren• beweise von Seiten der Ungläubigen legte und durch Launenhaftigkeit nnd Leichtsinn verleitet wurde, sich ׳ an ausserordentliche Gegenstände za wagen, ohne : sich leicht in die Gedanken anderer finden za können,“ giebt andere Gründe für seine Umkehr an, ob mit Becht, muss freilich dahingestellt bleiben. ״Als ein in allen Beziehungen gottloser, wahnwitziger Mann“, schreibt er, ״der überzeugt war, dass Mensch und 1 Thier nur ein und dieselbe Bestimmung haben und 1 dass es darum das Verständigste ist, sich das Leben; so erträglich und angenehm wie'möglich za machen, 1 strebte er wiederum danach, sich mit uns auszusöhnen, am so mehr, da es auch mit seinen Handelsgeschäften; nicht gut von ־Statten gehen wollte, Niemand ihm j hilfreiche Hand bot nnd er sich mH der übrigen Welt ׳ nicht verständigen konnte, da er kein Wort hollän•! disch verstand.-“ Wie dem auch sein mochte, es sind | selbst nach Acosta’8 Zeagniss nicht höhere, ideelle j Motive, die ihn zu der israelitischen Gemeinschaft zurückgeführt haben. Diese letzte, sieben Jahre umfassende Periode nun ist die traurigste seines Lebens und führt das Martyrium Acoeta’s bis zum höchsten Punkt und zum tragischen Schloss. Die Nichtbeachtung der Speisegesetzeruft einen neuen, schweren Zwist herbei. Durch den unvorsichtigen Versuch, zwei Christen von ihrem Vorhaben, zam Judenthum überzatreten, hiervon abzabringen, steigert er die Erbitterang der Gegner auf's Aeusserste. So spitzt sich denn der Konflikt dahin za, dass eine Synagogeabasse. anvermeidlich wird. Vor den hohen Bath gerufen, erfährt Acosta, dass er zam zweiten Male aasgeetossen werde, wenn er nicht seine Irrthämer widerlege nnd sich im Trauer• gewand in der 8ynagoge einer vorgeschriebenen Basse unterziehe, die vornehmlich in öffentlichem Sünden■ bekenntniss, Geisselang and persönlicher Erniedrigung bestehen 801L Acoeta weist dieses Ansinnen unwillig zurück, erträgt jedoch zum Entgelt dafür sieben Jahre lang alle Gemeinheiten einer verbissenen, rücksiohtslosen Gegnerschaft. . Aach, dieses Mal ist er, wie während der ersten Konflikt» zeit, völlig verlassen. Ja er hat nach seinen eigenen'Worten einen doppelten Krieg zu führen, einerseits gegen seine' Verwandten, die die Schliessung einer neuen Ehe durph ihn hintertreiben and ihn in seinen wirtschaftlichen Verhälthältnissen nach jeder Bichtung schädigen, andererseits gegen die Babbinen und das Volk, die vereint gegen ihn vorgehen nnd aaf seine Unterwerfung hinstreben. Er vertrant der Zusage, dass ihm niohts Unehrenhaftes geschehen werde, und untersieht rieh jener Basse, die aaf den Leser einen ähnüohen Eindruck des Widerwillens hervorruft wie die Kirohenbusse des Kaisers Ludwig des Frommen,- wie sie Thegan und andere Zeitgenossen schildern. Aach Acosta liest ein Sändenbekenntniss ab, trägt ein Sünderkleid, wird sogar gegeisselt und schliesslich in schimpflioher Weise misshandelt. ־ Die Wirkung dieses unwürdigen Verfahrens aaf den Unglücklichen geben jene Sohmerzeas- Worte des ״Exemplum vitae hamanae“ wieder, ein rechtes Beispiel-dessen, was Schillers Verse: I ״Wenn der Menschheit Leiden euch umfangen, Wenn Laokoou der Schlangen Sich erwehrt mit namenlosem Schmerz, Da empöre sich der Mensch! Es schlage An des Himmels Wölbung seine Klage Und zerreisse euer iUhlena Herz! Der Natur furchtbare Stimme siege, Und der Freude Wange werdo bleich, Und der heil'gen Sympathie erliege Das Unsterbliche in euch! enthalten. Die Acosta’achen Exclam&tioneu sind 80 derb realistisch, seine Sohmähungeu thriiweisa so cynisch und masslos, dass schon dadurch da3 Bedauern und Mitgefühl der Nachwelt hervorgerafen werden muss. Wesentlicher jedoch ist die einen Appell an die Nachlebenden bildende Stelle: ״Urtbeile jetzt wer dieses gehört hat, was es für ein Schauspiel war, einen greisen Mann zu sehen, von nicht gemeiner Herkunft, wie er in öffentlicher Versammlung, vor Männern, Frauen und Kindern, entbiösst und aut das Gebot der Bichter mit der Geissei geschlagen wird. Denke er hierbei daran, dass es die leiblichen Brüder waren, die, die erwiesene Liebe vergessend, alle Mühe anfgewaadt haben, um za diesem Ende za gelangen.“ Ueber das Lebensende des so sehr entehrten Mannes giebt de Barrios folgenden Bericht: ״So verachtet, mit Staub und Schmutz besudelt, flüchtete er nach seiner Wohnung, wo er, von einem plötzliehen, grenzenlosen, teufelsmässigen' Wathanfall ergriffen, den Neffen, der ihn dieser Behandlung blosgestellt, ermorden wollte. Da er diesen aber nicht fand, so machte er durch Selbstmord seinem, eigenen Leben ein Ende.“ (Schluss folgt.) Die Gebirgsjuden. Folgenden Brief des Herrn Eduard Cattley entnehmen wir dem ״Englisch Churchtnann“: ״In einer der frühem Nummern Ihres Blattes erwähnen Sie die Gebirgsjuden, mit denen ich während eines längeren Aufenthalts in der Krim vor dem Ausbruche des Krieges manchen angenehmen Verkehr hatte nnd denen ich in den Hafenstädten am schwarzen and Asow’schea Meere oft begegnete. Ihr ehrenhafter Charakter erweckte meine Neugierde und mein Interesse und ich machte bald die Entdeckung, dass die sogenannten in Ihrem Blatte erwähnten Gebirgsjuden aus einer Colonie der von Salmanassar in die Gefangenschaft getriebenen Israeliten bestehen, welche man irrthümlich für die verlorenen 10 Stämme hält. Ln 2. Buche der Könige, Kap. 17, Vers 4—6 und Kap. 18, Vers 9—11 finden wir, dass Salmanassar die Jaden nach Chalach (Colchis) und Chabor am Strome Gosan nnd nach den Städten Mediens führte. In Folge dessen dienten nan Viele der gefangenen Jaden Mesopotamiens in den .Heeren der persischen Könige, besonders unter Camtyses, welcher mit Tomiris, Königin der Massageten nnd Soythen, Krieg