Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 39-40. (25.9.1890)
- Date
- 1890-09-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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It Pf. tOr die geepaltene Petitseile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet nnd aind an die Expedition dieaea Blattes an •enden Buchhändler n. Lehrer, welche direct oder dnrch Bobert Friese Inserate einsendea, erhalten OS X Habatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Beitrag znr Geschichte des Acosta'schen Glaabensstreites. Von Adolf Waldauer. (Forte.) Die Gebirgrjnden. — Zar Chronologie. Von L. Cohen, Rees a. Bh. Litt.raturbericht und Recensionen: ]Bloch, Moses, Prof. Das mosaisch - talmudische Erbrecht. — Cohn Raphael, Deutsche Schreiblese-Fibel. — St rass b arge r , B., Fibel fürisr. Volksschalen etc — Spanier, floriiz, Qaellenbnch für den Unterricht in jüdischer Geschieht« and Uitteratar. Klotz, Dr., Moritz. Der talmudische Traktat Ebel rabhathi. Litterari sehe Kotizen. — Littet arische Anzeigen. Uabefagtsr Nathdraek aus dietaia Blatte ist sieht gestaltet. Beitrag zur Geschichte des Acosta’schen Glaubensstreites. Von Adolf Waldau er. (Fortsetzung.) In dem nun folgenden dritten Abschnitte seines äusseren Lebens, einer, wie der Verfasser selbst sagt, fünfzehnjährigen Epoche vollzieht tdch eine eigen• artige Entwickelung in dem geistigen Leben des Mannes. Der erste Theil dieser vielleicht von 1623—1638 reichenden Zeit umfasst nur wenige Jahre und wird durch Konflikte ausgefiillt, in die Acosta weniger mit dem Judentham, als mit den ״Chaohamim “ geräth. Dieser Prozess ging allerdings, vom psychologischen Standpunkt betraohtet, sehr naturgqmäss vor sich. Acosta hatte sich schon vor seinem: Uebertritt zum Judenthum für die Lehre Moses, den alttestament• liehen Standpunkt, erklärt. Innerhalb des Christenthums musste er sioh als Anhänger einer an die Moseslebre als Grundstock anknüpfemden ßeligionsneuerung fühlen. Aber auch als Jude empfand er, dass er inmitten eines daa Alte fortsetzenden Ansbaues stand. Beide Beligionssystemei hielt er aber für einseitige, unberechtigte Fortbildungen und ging auf den Ursprung, auf Moses, zgraolf, ohne jedooh dabei stehen zu bleiben. Denn in deal zweiten Tbeile dieser Periode, derjenigen, die auf das Erscheinen seines ersten Werkes folgt, weioht er poch weiter zurück und kommt zunäohst bei den, noaohitischen Lehren an. Damit war er bei einer Zeit angelangt, in der das Leben des Mensohen noch ]inniger mit der Natur zussmmenhing. So trat er endlich in-die letzte Phase seiner Lanfbahn, diejenige, in Teloher bei ihm die Natnr an die Stelle der Religion tjritt, diese jener Unterstellt und ihres hohen Glanzes völlig entkleidet wird. Verfolgen wir diese Entwiokelnng im Einzelnen. Nur wenige Tage nach seinem Ueber, ritt findet er einen Widerspruoh heraus zwischen djnu Gesetz und seinen lebenden Vertretern. Gegenüber den priesterliehen Vorreohten will ■er das Gesetz veriheidigen, wiU, wie Graetz*) sagt, den reinen Mos&ismas hersteilen. Die Letter der Kyuagöge versäumten ihrerseits nicht, ihn duroh kleinliche Zurücksetzungen zu verletzen, ja ihn völlig zu isolieren. Aber Acosta Karrte aas, nnd da ihm der Weg der mündlichen ^»spräche versperrt war, entschloss er sieb, zu dem einzigen Mittet zu greifen, das ihm übrig blieb. ,Da sich dieses •o verhielt*, berichtet er, ,beschloss ich, ein Buch aa sohreiben, worin ich die Gerechtigkeit meiner Sache’ zeigen und aas dem Gesetze selbst die Leerheit deaeea, was die Pharisäer überliefern und beobachten, und den. Widerspruoh, in welchem ihre Ueberiieferungen and Einrichtangen mit dem Gesetse .Mose» sieben,, offen darlegen wollte. Nach Beginn des Werke# gesohah es auch, dase ich mich mit Entschlossenheit und auf Grand beständiger Ueberlegang für die Metnang derer entschied,' Teiche die Belohnung nnd Strafe des alten Gesetzes zeitlich begrenzt sein lassen nnd keineswegs an ein jenseitiges Leben and die Unsterblichkeit der Seele denken. Hierbei st&late ich mich vor allem aaf jenen Grand, dass das Gesetz Moses überhaupt von diesen Dingen schweigt and den Beobachtern wie den Uebertretend desselben nichts Hnderes ankündigt, als zeitliche Belohnung oder zeit• liohe Strafe. Meine Feinde freuten sioh sehr darüber, dass ioh zu einem solchen Glauben gelangt sei. Denn dadurch, meinten sie, müssten sie eine hinlängliche Rechtfertigung bei den Christen finden, welch• infolg« ihres besonderen, 'im Gesetz des Evangelium• begründeten Glaubens das ewige Heil and die ewige Strafe, somit die Unsterblichkeit der Seele, gläubig anerkennen.“ ■ ־ ' Auf diesen Streitpunkt hat sioh da Baxriös nur kürz eingelassen. ,Gabriel da Costa*, schreibt er ande Gomes, ,vermochte zu behaupten, dass in der ganzen mosaischen Lehre von einem jenseitigen Leben keine Rede ist, and dass Belohnung and Strafe nar hier auf Erden atattfinden gönnen. Er wagte es, unsere Schriftgelehrten, unter diesen anoh Rabbi Samuel de Silva, Pharisäer aa nennen, welche in ihren. Sitten and Gebräuchen mit' der mosaischen Geestegebang niohts gemein heben and hundert Mal grausanier׳ and ketaerisoher wären, als die Christen.״ Noch vor def Drucklegung des ״Bramen traditionam״ erfahr Aooeta, dass seine Gegner ihm •ach aaf dem litterarischen .Gebiete früher, ׳als er ahnen mochte, begegneten. De Silva kam ihm zuvor and diskreditierte daroh •eine Schrift ״Ueber die Unsterblichkeit. 4«r' Seele“ das nooh nioht erschienene Werk Aooetaft, den: *) Geeohiohte der Jadaa, Baad X, Seite 192—141': Anhang!־ s. m-v. . V—