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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-09-18 · N° 38. (18.9.1890) · p. Seite 149

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 38. (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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Litteraturbericht. Recensionen. Golf ein, Dr. U. Der Optimismus und Pessimis- •mus in der jüdischen Beligionsphiloeopbie. Eine Studie Uber die Behandlung der Theodioee in derselben bis auf Maimonides. Berlin, Mayer & Müller, 1890. 111 Seiten. (Schluss.) Die Ausführungen des Verf.’s über die Sadducaeer, über das Buoh Kohnlet wie über das *pokryphische Bach Tobi können wir nicht für zutreffend eraohten. Der H. Yerf. sagt uns S. 14: ״Naoh den übereinstimmenden Berichten des Josephus and der talmumodischen Quellen, waren es durchgängig(?) epioaräische Grundsätze, welche die theoretische Seite des Sadduzäerthums ausmachten.“ Wo sind diese talmudischen Quellen, fragen wir, durch welohe diese Behauptung erhärtet werden könnte? Ist es denkbar, dass bei den bekannten Gesetzeserschwerungen gegenüber den Pharasäern, was beispielsweise das verbot des Abmähens von Getreidegarben am Sabbath zur Darbringung des Omer anbelangt oder das Verbot vom Abschlagen der Weidenzweige am Sabbath (Menachot 56a; Suooa 43b) eine epicurilische Denkweise vorausgesetzt werden kann? Nach Josephus allerdings, der das Jadenthum, seine Geschichte und seine Institutionen vom Standpunkte der stoischen Philosophie den Bömern gegenüber darstellen wollte, wäre eine solche Ansicht allenfalls zutreffend, wie sioh denn auch Döllicger, durch Josephus Berioht verleitet, zu einer Annahme epionräischer Lebensgrundsätze bei den Sadduzäern verstehen will; aber aus dem Talmud geht nur hervor, dass die Sadduzäer die von den Pharisäern angenommenen Dogmen der leibliohen Auferstehung und der jenseitigen Belohnung einzig aus dem Grunde aoceptirten, weil der Naohweis und die Begründung dieser Dogmen nioht aus der heiligen Schrift für sie zu erbringen war. Nooh mehr. Ans einer Stelle des Talmund geht unzweideutig hervor, dass auoh die Sadduzäer an ein Fortleben nach dem Tode glaubten*) und' nur das Dogmi einer jenseitigen Belohnung nioht anerkennen mochten. Es war dies eine Conseqaenz der Behauptung, dass Glück und Unglüok sfoh schon hienieden, entsprechend den menschlichen Handlungen, in den Schicksalen kundgebe. Das *Buoh Kohelet hat, unserer Auffassung nach, die Tendenz, die UeberWindung des Pessimismus na lehren, selbst in einer Zeit des politischen Druokes und der za Tage tretenden Ungerechtigkeit. In psyohologischer Beziehung bedeutsam, stellt es uns den inneren Gährungsprosesa des Selbstdenkers, seine schwankenden, einander gleiohsam ablösenden Ansichten und Erfahrungen dar, t>is zur endgültigen Erstarkung eines in sich gefestigten Hoffnungsmathes; es will auoh in sohweren Zeiten die Liebe, zum Leben und die ArbeitafreudJgkeit erwecken und kräftigen. (Gap. 9. V. 4. Cap. 11. V. 6 17.) Was aas Buch Tobi an belangt, so. hat der Yerf. die Tendenz der absichtlichen Prüfung Gottes duroh Leiden und Unfälle nioht bestimmt hervor- *) In Babli Sabbat fol 1&2 finden wir folgende bezeichnende steile: אמר ליה ההוא צדוקי לד אבהו אמריתו נשמתן של צדיקים גנוזות ]תחת כסא הכבוד אובא ממיא היהי אפקיד*- לשסואל בננידא. אמר ליה החם כחוד שנים עשר חדש טפו ונשמח! עילה רורז־ת ונר. Ans dem ruhigen Tonader Frzge, die der Sadduzäer »ufwir/t, wie aus der «ntspieijheud *schlichen Antwort B. Abehn’■ erkennen wir deutlich, dasb der Sadduzäer auoh an ein Forttoben Samuels nach dem Todsj glaubte. gehoben. Diese Tendenz geht deutliöh aas Gap. 8 V. 22 namentlich aber aus Gap. 12 Y. 13 hervor! .Das weüs ich aber fürwahr: Wer Gott dient, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübsal erlöse* und nach der Züchtigung findet er Gnade* — ״Und weil, du Gott Heb warst, so musste ee so sein; ohne Anfechtung maastast da nicht bleiben, anf dass du bewährt würdest.“ Des Weiteren erscheint es uns im Hinbliok auf Philo in hohem Grade zweifelhaft, ob derselbe im Sinne des Yerf’s eine allgemeine Sündhaftigkeit annimmt. Philo redet unseres Wissens nur von einer unreinen Neigung zur Sünde, die dem Menschen innewohne, von einem duroh die Uebergnffe der Lust, die Geizt * und Sinnlichkeit verbindet, bewirkten Hang zum Bösen, das erst durch die freip Wendung unseres ba> wussten Willens völlführt würde. Dieser Standpunkt Philo’s ergiebt sioh deutliöh aus der Abhandlung: ״Ueber die Nachstellungen, die das Schlechtere dem Besseren za bereiten pflegt.“ Dort lehrt Philo (ed. Mangsy pag. 214): ״Denn nicht, wie einige Gottlose, hält Moses Gott für den Urheber des Bösen, sondern unsere fl&nde, (damit bildlich unsere Unternehmungen bezeichnend), nDd die freiwillige Wendung unseres Denkens zum Bösen.* Was nun Bach ja Jbn Pskuda betrifft, den der Herr Yerf. übergeht, weil sioh bei demselben .kein wesentlicher Fortschritt in der Behandlung des Usbel- Problems zeigt* so müssen wir hervorheben, dass Bachja in formaler Beziehaag wohl eia wesentlich neues Moment aufgestellt hat, indem er darauf hiUweisjt, dass eine Bearbeitung des Problems in allgemeiner Weise wegen der Verborgenheit der göttjiohen Wege nioht von erspriessliehem Nutzen sein könne; sondern das Problem müsse individuell, stets im Hinbliok auf die einzelne Persönlichkeit und ihre Yerhältnisse zu lösen unternommen werden.*) Wenden wir ans zum Sohlasse der eigenen Auf- Stellungen des Verf.’s über das Uebelproblem zu, so lehrt uns der Inhalt derselben auf aas Deutlichste, wie noth wendig eine umfass ende wissenschaftliche - Darstellung dis Lehrinhaltes des Jadenthams, der Aufbau des Beiohes absoluter Wahrheiten, die das Jadenthum enthält, erscheint, ein festes Beieh, in dessen Besitz wir nimmer der mehr oder weniger gelungenen Yermittelangsversaohe mit irgend einer, zeitgenösei• sahen Philosophie bedürfen, um, ans in eklektischer oder seoretistisoher Weise eine erträgliche Welt* and Lebensanschaanngzneammenznnimmera. Wenn wir die^ Grandlehre des Jadenthums vom לכד זד in ihrer Beinheit und in ihren logischen Oonsegnen een erfassen, so wird die Frage sioh unschwer beantworten lassen ״wie sioh — mit den eigenen Worten des Herrn VerfL’s an reden —- bei einem vernflnftteen Weltprinzip die Schöpfung der Menschheit begrsSsn läset, wenn in ihrem Geeammtieben ־die Summe der Unlust die der Lust überwiegen, wenn das Manschenleben im besten Falle keine endgültig? Befriedigung gewähren solL“ Bei der ▼ollen Würdigung dueer klaren bibl. Graudansohaaung werden uns die den4 Pessimismus hervorrufenden Eraobetnungea das Leben• nioht nur in ihrer berechtigten Nothwendigkei* ־ erkennbar werden; sondern auch.— weit entfernt ohne nähere Begründung sagen za müssen: ״Hier' ist nnn der Ort, wo der Glaube au ein tranaoendsntes Leben emgreifen darf — werden wir diesseitige wie jenseitige Yergeltung alt ein Postulat unserer denkenden Yer-' nunxt bezaiohnen können. Wir konnten diesen unseren Standpunkt hier nur andeutungsweise Vorführern *) man הלבבות שער הבטחון פרק גי.... אד הניח הנביא התשובה בסיד עלת זה ומפני שעלת כל אחד מן \זז*זיקרס הנבחנים ו כל אחד מן הרשעיג! שהם בטובם בעולם STT זולת עלת אחר לק העיד ע־־ז באפרו הנםחר־ות לה־ *לזדנות•

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