Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 38. (18.9.1890)
- Date
- 1890-09-18
- Page
- Seite 148 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vussetzangslose Zeugen a. Zeugnisse vorhanden. Sonach haben wir nn8 mit demjenigen za begnügen, wes wir aas den schriftlichen Aufzeichnungen wissen, mit dem berechtigten Vorbehalt, dass das, was wir haben, swar nicht irrig, entstellt oder gefalsoht ist, aber an Lüoken. laboriert, deren Ergänzung der Konjektur, der mehr oder minder glücklichen Konstruktion nothwendiger Oedankenreihen und GeschiohtaentWickelungen, offen steht In Acosta‘8 geistiger Entwicklung sind mehrere, etwa drei oder vier, Stadien wahrnehmbar, die die eigentümliche Mannigfaltigkeit seines vielgestaltigen Lebens markieren. Danach sehen wir den Knaben und Jüngling bis su seinem 22. Lebensjahre als katholischen Christen, frei von Skrupeln und in seiner Gläubigkeit glücklich. Der spanische Katholizismus jener Tage athmete swar, wie bekannt, den Geist der ־Inquisition, der Unduldsamkeit gegen ketzerisohe Meinungen und des finsteren, blutigen Fanatismus. Aber Acosta ist Portugiese, und wenn auch jenes Land noch vor der Geburt desselben spanisch wurde, so war doch Oporto, seine -Heimath, eine durch Handel bedeutende, dem Weltverkehr geöffnete Stadt. Das Christenthum scheint dort gemässigter, von hierarchischen Fesseln freier gewesen zu sein, als in dem Binnenlande der iberischen Halbinsel. Jedenfalls herrschte in dem Hause des Vaters Gabriels ein offenes, fast edelmännisches Wesen. ,Mein Vater“, erzählt Acosta am Anfänge seiner Geschichte, ״war ein ehrliebender Mann und schätzte die Ehrenhaftigkeit am höchsten. In seinem Hause wurde ich in vornehmer Sitte erzogen. Es fehlte nicht an Dienerschaft. Auch stand ein edles spanisches Boss im Stalle zur Uebung im Beiten, einer Kunst, in der mein Vater sehr erfahren war. Dort lernte ich reiten und anderes und trat ganz in die Fusstapfen meines Vaters. Nachdem ich in denjenigen Künsten, die ehrenhafte Kinder gewöhnlich lernen, unterwiesen war, widmete ich mich der Reohtewisaenschaft.“ Auch de Barrios, der sich über diese Jugendzeit sehr genau orientirt zeigt, sprioht eich in ähnlicher Weise aus: ״Ihr, die ihr in euer Jugend durch das Königreich Portugal gereist seid, werdet wahrscheinlich in dem höchstgelegeneh Theile der Stadt Oporte ein schön gebautes Haus gesehen haben, das Gabriel de Costa besass nnd das er von seinem Vater geerbt hatte. Derselbe war nicht von altchriatlioher, sondern von rein jüdischer Herkunft, sogar aus dem Stamme Levi. Doch war sein Vater, als König Dom Manuel*) die .Juden zur Taufe swang, aus Furcht abtrünnig geworden und hatte .die Gottlosigkeit anoh auf seine Kinder ausgedehnt. Uriel da Costa wurde nach Weise der Heiden erzogen und übte sich öffentlich in Spielen, Beiten, Wettrennen u. 8. w.“ Dieser glücklichen Jugend folgt eine Periode des Skeptizismus. ״Als ich schön ein Jüngling war“, sagt er, ״und die ewige Verdammnis fürchtete, wünsohte ich Allee genau su beobachten. Das Lesen des Evangeliums und anderer geistiger Bücher war meine Beeohäftigung. Je mehr ich aber dieser oblag, um so grössere Schwierigkeiten boten eich mir dar. Endlieh verfiel ich in Trauer und Schmers. Unmöglich schien es mir, nach römischer Sitte die Sünden zu beichten, derart, dass ich reine würdige Absolution hätte erlangen und alles erfüllen können, was verlangt wurde. Es brachte mich zur Verzweiflung, dass durch . derartige Vorschriften das Heil der Seele erworben werden musste. So stieg denn in mir das Bedenken ""—* *ן Gemeint ist Emsnnel der Grosse, der>1495—1621 regierte, de Bsrrios versteht den Groesvster Gabriels. Der beinahe huaderijjihrige Zeitunterschied macht einen Irrthum wahrseheinlicfa. auf, ob das, was über das jenseitige Leben gesagt wurde, wahr sei, und ob der Glaube daran sich mit der Vernunft vereinbaren lasse. Nach solchen Zweifeln ruhte ioh, lag dem Bechtsstudium ob und bekleidete im 25. Lebensjahre das Kirchenamt eines Sohatsmeistere.“ Nach de Barrios hatte er diese Würde an der Domkirche zu Oporto inne. ״Da ioh aber“, fährt Acosta fort, ״in der christlichen Religion keine Befriedigung fand, darchlief ioh die Bücher Moses und der Propheten und entdeckte, dass das, was dort stand, dem neuen Bunde nicht wenig widersprach. Endlich entschied ioh mioh, dem Gesetze Moses zu gehorchen, da jener Alles von Gott empfangen zu haben beifügt und sich für einen eiafaohait Vermittler ausgiebt, der von Gott selbst zu diesem Amte berufen oder besser gezwungen sei.“ Da es nun aber in Portagal unmöglich ist, diese Beligion anzuaehmen, sehen wir Acosta, dessen Vater schon gestorben ist, Vaterland, Heimath, Amt und Haus verlassen. Nach einer stürmischen Meerfahrt gelangt er mit sein er Matter and seinen Brüdern nach Amsterdam und wird daroh die Besehneidang, der er sich unterzieht, in die jüdische Gemeinschaft aufgenommen. (Fortsetzung folgt! Eine uralte Sy!1agoge in Südrussland. In Nr. 9 Ihres Litteratarblattes von dies. Jahre brachten Sie eine Mittheilang über die älteste Synagoge in Rassisoh-Polen, die nachfolgende Schilderang einer Synagoge in Süd-Bassland dürfte nicht minder interessante Daten aafweisen. Am Fasse des Berges Mithridates bei Feodosia (ursprünglich Theodosial an der Sädostküste der Halbinsel Krimm befindet sich eine Synagoge die 13 Jahrhunderte zählt. In den letzten Jahren der Qhanenherrschaft warde sie verwüstet and mit Stein nnd Erdhaufen überworfen. Die Kaiserin Katharina II. hat bei Aunectirung der Krimm die Synagoge res tanriren lassen and im Aagast 1788 wurden in den aralten Maaern wieder die heiligen Lieder Israels gesangen. Das Gewölbe der Synagoge wird von einer Säulenreihe gestützt, von denen 2 Säulen aas Marmor nnd zwei aas Granit sind. Ursprünglich waren es laater Marmorsäulen, aber in den 40 Jahren unseres Jahrhunderts brachte der Karaitengelehrte Abram Firkowicz 2 Skalen naoh Petersbarg mit einer arslten Thora and einigen Pergamentrollen, welche er der kaiserl. rass. Bibliothek verkaufte, indem er Copien abnehmen liess. In der Seitenwand der Synagoge ist eine steinerne Qaadrattafel eigemacert mit einer Inschrift, welohe die Entstehangszeit der Synagoge aas weist. Diese Inschrift lautet übersetzt: ״Darch «Be Weisheit des Mensohen ist dies Haa9 erbaut. Messias! komm’ und sammle Dein Volk Israel! anno 678“ (4678 Synagogen-Jahr 907 der neuen Aera)-Ueber dem Altar befindet sioh eine Aufschrift, die aafweist, dass die Thören zam ״Allerheiligsten“ vor 602 Jahren hinzagebant worden. Im Hofraume der Synagoge befindet sich eine Mikwa, an deren einer Wand von aassen eine ־Tafel mit der Inäahrift sioh befindet: ״Der erleaohtetste and geachletste ulnd weiseste Rabbi Meier Asohkenas, die Zierde nnd der Stolz Israels, raht in Gott im 389. Jahre. (5389 Synagogen-Jahr 1628 unserer Zeitrechnung). Die Thränen der Nachkommen von Abraham, Jsaak and Jaoob rinnen über seinen Staub.“ — Die Synagoge hat einen düstern geheimnissvollen Aasdraok. Für die Betenden sind kaum 50 Plätze. Die Ortegemeinde, welohe 70 Familien zählt, beabsichtigt die Synagoge daroh Zubauten von der Eingangsseite za vergrösaera. B.