Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-08-14 · N° 33. (14.8.1890) · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 33. (14.8.1890)
Date
1890-08-14
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/6492408-6575064-8757858--2045-4857075
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 122 ‘Gott“, «agt Hölderlin. Ein echter und altgläubiger Jude bat unverkennber etwa■ Vornehme• an eich; er gehört jener uralten rittliehen und geistigen Aristo• kratie an, von der so viele moderne Juden abgewichen sind. In dieser Hinsicht fühlte Lord Beakonsfield halbwegs riohtig, als er sie für den ältesten Adel der Welt erklirte. Praoht und Eilend, Licht und Schatten liegen in den Juden dicht biei einander.* Jetat kommt die Kehrseite in der Auffassung des Verfasser«; während er vorhin den Altgläubigen seine Beverensen gemacht, spricht er von Spinoaa, den man doch nicht au dieser Spesies zählen kann, folgendermassen auf 8eite 48: .ln philosophischer Hinsicht berührt sioh R, eigenthümlioh genug, mit seinem grossen Zeit-, Landes- und sogar Stadtgenossen Spinöse; in diesem verdi'ohtete sioh das von Bembrandt künslerisch so vielfaoh bevorsugte uraristokratische Judenthnm zur einzelnen reinen Persönlichkeit. JjJ.in Adliger neigt sioh hier vor dem anderen.“ ־Die scharf ausgeprägte Persönlichkeit Spinosa’s sagt dem Verf zu, darum ist es ihm gleichgültig, dass Spinoza den alten Satzungen des Judenthums den Böcken gekehrt hat, obgleioh doch vorhin ausdrücklich betont wurde, dass der ״altgläubige Jude etwas Vornehmes an sioh hat“ Mit vollem Herzen aber unterschreiben wir den treffliehen Satz des Vei fassen 8. 56: ״Religion, Philosophie, Politik, Poesie, bildende Kunst führen sohliesslian auf eine gemeinsame Quelle zurflok: Echtheit der Gesinnung, Treue gegen sioh selbst, Wahrheitsliebe.“ Wer von diesen Tugenden beseelt ist, wird ausharren in dem Glauben seiuer Väter und dem Uebertritt von einem Glauben zum andern nicht das Wort *reden. Der Verfasser äussert seine Gedanken hierüber folgendermassen auf Seite 176: ״Wie äusserlioh und oberflächlioh Mommsen sich religiösen Dingen gegenüber verhält, erhellt aus dem seiner Zeit von mm gemachten Vorschläge eines Massenübertritts der heutigen deutsahen Juden zum Christenthnm. Er fügt zwar hinzu: ״soweit sie es können, ohne gegen ihr Gewissen za handeln“. Aber da ein solcher J|fas8enübertritt unmöglich aus innerer Ueberseugung geschehen kann; und da ein Beligionsweohsel nicht nur wenn er gegen, sondern aaoh wenn er ohne innere Ueberzeugang erfolgt, mindestens eine Lüge ist — ״die einzige Lüge meines Lebens“ nannte Fanny Lewald ihnen rein äusserlioh motivirten und nie wieder aufgehobenen Uebertritt{ zum Christenthum — so ergeben sich die Folgerungen von selbst. Man weiss, in weloh niederträchtiger Weise sich Heine über seine Taufe geäussert hat;■ er konnte sie mit seinem ״Gewissen“ vereinigen, aber eine derartige Seelenverkäuferei sollte doch niemand empfehlen.“ Diese bemerkenswerthe Auffassung gründet sioh ebenfalls auf das Prinzip des Individualismus, das immerhin mehr Achtung verdient, al« die heutigen Tages sioh breitmaohende Nivellirun «sucht. ״Wahr ist, was währt“, sprechen wir mit a*m Bembrandt- Verehrer, dooh: ״Was ist Wahrheit?“׳ und wie lange währt die ausgesprochene Wahrheit des Verfassers? Während er einmal emphatisoh ausruft: ״Persönliohkeit ist Blut — — — Alle guten Geister loben den Herrn, alle grossen Künster loben din Individualismos — duroh ihre Werke“, meint er an einer andern Stelle : ״Kreuzung der Charäetere Ist oft ebenso nützlieh wie Kreuzung der Raoen.“ So iit bei dem Ver- 0 ferner alles ein Gedankenblitzen und Irrlichterliren, wohl geistig anregend, aber gefahrvoll für diejenigen, die dem geschriebenen Wort zu sehr1 vertrauen.! M. hl Zur Chronologia. Fon L. Cohea fa Besä a. Bhsia. In dem Jahrbuchs כרס חמד ist Folgendes zu herichtigen: Jahrg. I, S. 78: Ein Brief Reggio’s hat das Datum: ביזש ר כשלשה ועשר״ם •לוד אלול זדתקם*מ."— Der 23. Elul war am Montag. S. 81, Note if W. Heidenheim starb א׳ OTQ כיה לח׳ אדר ראשון תהצ״ב — Nach der Grabsdhrift, mitgetheilt in Oarmoly’s 39 .8 אסרי שפר starb Haiden• heim »ד ליום ר עש׳ מ כ־ג תרבו־ נדום א■ כ־ה אדר א' תקציב — Hiernach war das Sterbedatum Donneretag Abend den 23. und der Begräbniaztag Sonntag den 26. Februar 1832. Zone, der Wahrscheinlich כרס ח&ד als Quelle benutzte, hat in ״Monatetage* den 26. Februar als Sterbedatam und wäre hiernach zu berichtigen. 8. 135: Ein Brief von Sohalom Haoohen hat das Datum: K“DPH TM 3*0. — Ausserdem, dass dieses Datum auf שכת fiel, ist aaoh die Jahreszahl falsch; es muss ohne Zweifel heissen תמציא» Jahrg. II, 8. 24: Datum eines Briefes: ביזם 3׳ כ־׳ט כדון תהם־נ — Der 29. Siwan 5583 (K. z. מרה) war am Sonntag. 8. 66, Z. 26: Ein Brief Jesajah Basen’• hat das Datum:יום חמישי 1 לחדש מכת ה־חצ׳ר. — Der 7. Tebeth 5494 (K. Z. הורא) war am Sonntag. 8. 101, Z. 10: Datum einer Urkunde: '3 *א OT מנחם אב תהם־ה — Der 3. Ab 6565 (K. z. הח״א) war am Montag. 8.104, Z. 15: Datum eines Briefes von A. Chorin: יי— .יום ה׳ דד אלול חקם״ה Der 8. Eiai 5565 (K. z.הח־א) war am Montag. 8. 153 unten: .בחמישי כשמונה לחודש תקציר. — Der 8. des 5. Monats (Sohewat) 5595 (K. Z. 3TO) war am שכת. 8. 162: Unterschrift eine• Briefe•: *3*3 לאלו{pri הששי כחדש העשידי כששה עשר לחדש — Der 16. des 10. Monats (Tamus) 5592 (K. Z. א TO) war am שכח. Jahrg. IH, 8. 121, Z. 18: M Oh. Luzzatto schrieb in Bautzen am 9. EUslew חציה an seine Studieogenossen in Padua; desgL 8.159, Anmerkung 97: Absohrift des Briefe« vom 9. Krslew .T3Ü\ — Der 9. Kislew war am שכת. In der Unterschrift S. 160 heisst.es dagegen richtig: ל0ש*ל• י* לחדש כסלו ודתצ*ד" V' . 8.17 9:8. D. L u z s a tt ס datirteinen Brief:כדכיעי כתשעה לחרש שנת ה תרצי ז — Der 9. des 4 Monats (מבת) 5597 (K. Z. בח׳ה) war am שכת. Jahrg. IV, 8, 178, Z. 20: Ein handsohriftlioher Pentateuch wurde beendet 3יו0 71 שרשת עלב כששה עשר לחדש אב ohne Angabe des Jahres. Luzzatto . folgert aus dfm Datum לע׳ד JWT03 ד J BV, welches sich hinter dem. Buche איוב in demselben Codrit be- - ׳ findet, dass aaoh das חי&ש früher oder dooh in demselben Jahre beendet sein müsse, hält letzteres aber für unmöglich, weil das Jahr קע*ד alz Kalenderseiehen בשיי hatte, wonaoh also der 16. Ab nicht aut Donnerstag fallen kann; duroh weitere Berechnung kommt er zu dem Resultat, dass 7'אp mit dem K. Z. כולה das richtige Jahr sein müsse. — Hier begabt Luzzatto einen doppelten Irrthum. Das Jahr מדד hatte das K. Z. בדד׳ה und das Jahr ל7*א das K. Z. 1£ש*ה in . __ beiden Jahren fiel daher der 16. Ab auf Donnerstag. Es ist mithin durchaus nioht entschieden, welche• von diesen beiden oder von etwaigen früherer Jahren mit dem K. Z. 1ש*ה und •כילי oder auoh כש*ה und גכ״ה י gemeint sei, denn aaoh in den Jahren mit den 2 letzteren K. Z. fällt der 16. Ab auf Donners tag. ' Es kann ebensog 1t das JahrA V"p mit dem K. 2. .נכ״ו gewesen sein. (Sohlaas folgt) -v|

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.