Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 33. (14.8.1890)
- Date
- 1890-08-14
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
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12S — Die Matter Erde hat ihn gnädig anfgenommen, ohne ■ich m kümmern y ob ne gerade von einer Man er iinnehlneeen. die für jüdische* oder ohrieUiohee Geld gebaut worden ist, ona wir sinken nieder vor dem nftehtigen Geiste, der ihn einst beseelte, indem wir nns die Worte ins Gedieh tniss *urüokraien, mit welohen er seinen theologisch-politischen Traktat'sohlüest: ״ich webe, dass ich ein Mensch bin, and irren konnte, ״ich habe mich aber ernstlich bemüht nicht sa irren, ״besondere da8a alles was ich schreibe, den Geseteen ״des Vaterlandes, der Frömmigkeit and den guten 8״itten darobaas entsprechen.“ R«se und Lilie. Blae lexlkelefflsefce Uatersaehaaf. Tod Dr. K. Wertheim, Reallehrer in Nürnberg. ln einem ansiehenden Aufsatz ״Der Talmud and die Farben*, den Dr. Philipp Fröner schon vor längerer Zeit in der Beilage zur ״ Allgemeinen Zeitnng * (1881, Mo. 256) veröffentlicht hat, überträgt er die Bfiokert’aohen Zeilen: Die 80nn’ ist eine goldene Bo•’ im Blauen, Dia Boa’ ist eine zote Sonn’ im Grünen* in unser geliebtes Hebräisch wie folgt: Hsufhomeech ■choechanat sahab bat'chelet, Hssehnachan schemesch ödem ha badesche.u Kroner ist also der Ansicht, and wie wir sehen werden, steht er damit nicht allein, dass des an verschiedenen Stellen der heiligen Schrift vorkommende {ששנה, שלש Bose bedeutet. Ist diese Meinung gerechtfertigt, oder bedeutet dieses Wort nicht vielmehr Lilie? Der genw&rtige Artikel sei der Untersuchung dieser gewidmet. Die älteste Version, die Septuaginta, giebt, abgesehen von den dunklen Psalmüberschriften 45,1; 60,1; 69,1; 80,1, an welchen sie. die dort vorkommenden שושן, שושנים als Partizipien betrachtet und demgemiss דל שלשנים überträgt uxip •töv «DJouod'Vjaopfvwv (pro iia qui commutabantur), an allen Stellen, wo das fragliche Wort unstreitig eia Pflanzennamen ist, שושן mit xpivov Lilie z I. Könige 7, 19. 22, Bosea 14,6!יפרח כששנה ’and^av. 0>s xpfvov und an särnmtliehen Stellen ■dee Hohen Liedes, welches!שוש acht mal gebraucht, (2,1, 2, 16; 4,5; 5,13; 6,2, 3; 7,3.) Aach Joscphus theilt diese Auffassung, denn von den beiden Salomonischen Säulen Boas und Jachin sprechend, sagt er im Anschluss an die Qaelle L Könige 7,19, 22 ff. xe״vtVT^v ’*?’ 4xa־c6pa xsqpadj xpfvov ’ttpeisrptxz (Antt. 8,5,3). Die Misohna kennt neben TTI Bose (s. B. Schebflth C. 6,6, 7) .ein ששנת הפלך (Kilajim <J. 5,8), welches ich ohne Bedenken mit dem von Dioskorides, dem geschätzten griechischen Natur• forscher, welcher am die Mitte des ersten christlichen Jahrhunderts lebte, erwähnten xplvov ßaaäcxdv oder Kaiserlilie zusammenstelle. Diese, welohe in Palästine wild wächst, hat einen ungefähr 1 Fass dieken und 3—4 Fass hohen Schaft mit roten and gelben Blamen. Dieser Schaft theilt sich in verschiedene lange Banken. Ueberlegt man nun, dass die angezogene Mischna ששנת המלך mit ״ קיסוסEphea“ also aack einem rankentreibenden Gewächs und anderen.wild wachsenden Pflanzen eoordiniert, so lässt sich die Identität mit xpfvov ßaoüaxdv nicht ab weisen. Des Dioskorides Notiz hat aber ausserdem noch den für unsern Zweck höchst sohätebären Werth, dass eie, wie auch Athen. 12,513 (cf. Whier, Biblisches Bealwörterbaoh s. r.; Lilie) zeigf, dass die Griechen für Lilie neben xplvov, { Iriplov auch das Wort ooOoov (L e.!שוש) kannten. Die Stelle lautet: xplvov ßaazhxdv toöujv xb dv60i aotqjavtopxTixiv , ’«onz xaX06pcvov &7t׳ ’*vfejv Xrlpwv, ’«p’ 05 xotl •cd xpftp« j xaroxoxevaßJeTat, gt uves Xtlpevov, 01 54 ooäatvov xaXoöa: 1 (3,116). Fügen wir dem Getagten nooh hinza, das* , auoh in dem siabisohen Sohwesteridiom aisüsan Lilie bedeutet und dass sich dieses Wort bis auf den heutigen Tag im Spanischen unter der Form asaosna lebendig erhalten hat (of. Dies, Etymolog. Wörterbuch der romanischen Sprachen s. v. azuoena), so dürfte der Beweis, dass ״ שישןLilie“ und nioht ״Bose* bedeutet, als vollständig erbracht anzusehen sein. Aut wessen Autorität hin hat mau aber שושן mit ״Bose* übersetzt? Das ist offenbar auf Grund der Gleichung des Midrasch JVTV TTI und der ihm folgenden Kommentatoren geschehen. Man vergleiche Midrasoh rabba zu Levit. Cap. 24; Hohe Lied Gap. 2,2, wie auch das Targum zu Hohes Lied Cap. 2,1: אנא מתילא לנרקים רטיב וכר הבודי דמץ כוורדא דבנדשור וכי. Es liegt aber auf der Hand, dass die um mehrere hundert Jahre jüngere agadisohe Exegese die Deutung der älteren Autoritäten, welche noch obendrein duron j die Sprachvergleichung unterstützt wird, nioht erj schättern kann, zumal, wenn man durch die im an-! geführten Midrasoh einige Male vorkommende Verj bindung שושנה של ורד zu der Annahme gedrängt wird, dass שושן damit seinen spezifischen Sinn verloren und nur noch die Bedeutung von Blume, Blüthe hatte. שושנה של ורד würde dann ״blühend• Bose“ bedeuten.*; Hatte aber das alte Wort seinen engsren Sinn eingebüsst, 80 konnte der vom Hohen Lied gebrauchte Vergleich von der שושנה zwischen den Dornen, die mehr auf populäre Belehrung als auf wissenschaftliche Genauigkeit bedachten Agadisten leicht dazu verführen, das fragliohe Wort mit Bose zu übertragen. Diese Annahme einer Bedentungser- Weiterung und einer damit später Hand in Hand gehenden Einbusse des ursprünglichen Sinnes wird nicht nur durch die Thatsache unterstützt, dass ganz analog das griechische Xeip'.ov and xplvov ebenfalls in der Bedeutung Blume, Blüte vorkommt, sondern dass auch schon dass ältere Targum zu Exodus 25,33 ff. die Worte כפתר יופרה mit חזור ושושן (Apfel und Lilie) überträgt. (Schloss folgt) Juden und Judenthum in ״Bembrandt als Erzieher«.**) Dieses Buch, das durch seine paradoxen, aber immerhin geistreichen Gedanken berechtigtes Aufsehen erregt hat, enthält Verschiedenes über Jaden und Jadenthnm, aus dem auch erhellt, dass der Verfasser mit besonderer Vorliebe sich in Widersprüchen bewegt. Vor allem sympathisirt er mit scharf ausgeprägten Individualitäten. Und da nun ein Jahrhundertelanges Martyrium — Märtyrertham conservirt wie der Bleikeller in Bremen, sagt Freiherr von Vinke — auf den Jaden lastete, so ist es natürlich, dass sich Eigenheiten in ihnen ausbildeten, die sich jedoch in unseren Tagen mehr und mehr zu verwischen scheinen. Diese charaoteristisoheu Eigentümlichkeiten waren es, durch die sich Bembrandt zu den Jaden hingezogen fühlte. Der Verfasser sagt hierüber S. 41: ״Eigentümlich genug zeigt sich die Vornehmheit Bembrandt8 in — seiner Vorliebe für die Juden; hier begegnen sich seine lokale und seine vornehme Gesinnung, sein Blick in die Nähe und sein Blick in die Höhe. Er hatte diese Menschengattung täglich vor Augen, denn er wohnte in der Judenbreitstrasse zu Amsterdam; die Keime solcher künstlerischen und geistigen Besonderheiten liegen oft näher zur Hand, als man meint. ״Nah ist und schwer zu fassen der *) Wünsche, der sonst vielfach pedantisch genau übertrüzt giebt• mit ,,schöne Rose” (!) wieder. ' ' •*) RemOraiidt als Erzieher. Von einem De utschen. 12. Auf•• läge. C. 11. Hirschielü, Leipzig, 1020.