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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-07-17 · N° 29. (17.7.1890) · p. Seite 112

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 29. (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
Seite 112 (sequence 2)
Language
German
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1 — 112 - eher auf einen Schriftsteller, immerhin auf eine höhere, angesehene Baagesperaon. Ah solcher in der Eigenschaft als!Berichterstatter des Königs namentlich werde der *TD® der politischen Gesandtschaft beigestellt (H. Kön. 18,18V. Der Führer de• Gedenkbuches unter der Begiemng Hiskia’s, Joach (nach der Sept Joasch) hat demnach die Ereignisse während der Invasion Sanheribs als Angenzenge genau und wahrh ei tagetreu in die hiezu bestimmten ״Jahrbficher der Könige" aufgezeichnet und dessen Bericht liegt den oben genannten Abschnitten des Buches der Könige und Jesaias zugrunde. Es fragt sich nur, welche von beiden Bearbeitungen die Annalen des Mast-fr mit mehr Treue wiedergeben, und welche ▼on beiden Erzählungen dem Inhalte und der Abfassung•- zeit nach dem Originale näher steht Bei der Lösung dieser Frage kommt uns das Buch ״Die Chronik“ zu statten, welche ebenfalls aus den erwähnten Tagebüchern Auszüge gemaoht hat, dieselben auch als Quellen anführt (32,20) und welche nach Bertheau (Einl. zu den Bachern der Chronik S. 37,432) und Grätz (Gesch. d. J. IL Note 15 S. 420) in gewissen Partien und Zu- Sätzen historische Glaubwürdigkeit verdient*) Einen solchen geschichtlichen Character trägt auch ihre von jeder Uebertreibung freie Schilderung der Vorgänge unter Hiskia. Als echt und authentisch erscheinon uns ihre Angaben׳ über den Ausfall der Belagerung (das. V. 20). Die Wahrheit des nur von ihr wiedergegebenen Inhaltes des Briefes des assyrischen Königs (das.V. 17) ist aus IL Kön. 19,14, 17, Jes. 37,14, 18 erwiesen. Dass Jesaias dem Wunsche Hiskia’s gemäss für ihn wirklich gebetet hat, ersehen wir nur aus der Chronik II 20, 32. Fassen wir nun die Schilderung der Invasion Sanheribs bei Kön. und Jes. in ihrem Verhältnisse zur Chronik näher in’s Auge, dann finden wir, dass Kön. und Chron. in dem Inhalt und in der Ausdrucksweise fast überall übereinstimmen■ Bei beiden bestand im Gegegenaatze zu Jesaias die Gesandtschaft an Babschake aus mehreren Personen; in Kön. II 18,17 werden sie mit Namen aufgezählt und in Chr. II 32,9, 16 mit dem Plural m bezeichnet**) Nach beiden werden sie an’8 Volk geschickt während in Jes. 36,37 die Ansprache blos an den König gerichtet ist; beide verweisen auf die Tagebücher der Könige, (Q Kön. 20,20, Chr. II 32,30) und erzählen vom Ban einer Wasserleitung (Kön. und Chr. das.). Gewisse Wortformen und Conatructionen, werden nur in Köh. und Chronik gebraucht An der Hand dieses Kriteriums kommen wir zu dem Schlüsse, dass wie der Verfasser des Buches der Könige in den angeführten Stellen an die Annalen des ביר® sich genau gehalten hat, was aus der ihm eigentümlichen, chronikartigen Diction und aas seiner Uebereinstimmung mit der Chronik ersichtlich ist so ist er *ach in der ganzen Darstellung dem Inhalte sowohl als der Form nach, im Sachlichen wie auch im Sprachlichen, vom Original *) Bleek u. a. 6 § 11$. Die Chron. gibt uns schätzbare, wichtige Ergänzungen zu den Bachern Sam. u. Kön., eine Menge wichtiger Nachträge, welche dazu dienen, die letzteren sowohl im Al lg. als auch im Einzahum zu vervollständigen. Bo vermittelt sie den bei Kön. fehlenden Zusammenhang in der Erzählung von der Erscheinung in Gibeon dadurch, dass sie dort SaL opfern lässt; sie begründet, warum David keinen Tempel bauen soll rCM? STD כי דמים I 22,8, II 8, 6,39, 40. Erklärende Zusätze: I 17,19, 18X 8,18, 17.j I 10,12, 11,6, 7. 14—18 die Schreibung de■ Namens Hisekia *•) Dass V. 14—io ate Schreibung .. _ _ verschieden ist (vgl, V. 1 und 10 daa) spricht nicht gegen ihre Angehörigkeit zum Urtexte. Er kommt in viererlei Formen vor: חמדה.דזהידזו,יחזקיהו ,חזקוהי. Gewi*• bestand die Gesandtsebaft 8snh.’s aus 3 Fers, nach deren Anzahl auch Hiskia 3 Delegat« sandte. Den 1. und 8. Namen für Titel nnd Würden anzanehmea (Hieronymus: princepe deosealamtu, pr. eunachas) geht nicht an. Jes., der beide Namen tprtgelassen, hat 37,6 den Plural; 19,28 wird wohl im Sing, gesprochen, kann aber auf Sanh. eich bsaishen, oder wie Gen. 18JJ nur die Hauptperson aagesproehen werden. nicht abgewichen, während Jesaias den Vorgefundenen Stoff des Annalisten nebst anderen Quellen, vermuthlieh auch das Buch ישעיהו pfll, dem er auch das Danklied Hiskia’s entnommen haben mag, in freier Weise benutzte, manches ihm nebensächlich oder wichtig Erschienene nach subjeotivem Dafürhalten hinsagefügt oder fortgelassen hat Die lebendige und frisohe Sprache, die nähre Bezeichnung der Oertliohkeit des Geschehenen und der daran betheüigten Personen, durch welche sich Könige (18,22, 32, 20,4) von Jesaias auszeichnet, lässt das Original deutlich hervorblicken, ״dessen Verfaseer dass Mitgetheilte selbst erlebt'hat. Auch können wir einem Geschichtsbuche, welches eine chronologisch fortlaufende Erzählung darstellt, mehr Zuverlässigkeit beimessen, als einem Buche poetischen Inhalts, welches nur gelegentlich ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden ein rein geschichtliches Ereigniss aufaimmt, 1 vielleicht nur deshalb, weil es Uber das Dauklied Hiskia’sanfdessenGenesung.umwelchesihmhauptsäohlich zu thun war, und welches das Buoh d. Könige eben wegen des Privat-Charactera weggelassen hat, mehr Verständniss verbreitet*) Bei Jesaias wird endlioh die Ordnung in der Aufeinanderfolge der Handlungen nioht eingehalten, und mancher zur Erzählung gehörende Hanptzag vermisst, während Kön. sich nichts entgehen lässt, alles am richtigen Orte anbringt und ein zusammenhängendes Ganze darstellt Nachdem der Erzähler auf den Ursprung der Feindseligkeiten der Assyrier zurückführt, welche der unpolitische feige König Achas zur Abwendung der von Seite der verbündeten Nachbar- Staaten ihn bedrohenden Gefahr herbeigerufen, und dessen Hilfe er mit der Selbstständigkeit des Beiches bezahlt hat, schildert er im Gegensätze zu ihm den frommen, rechtschaffenen Hiskia (18,3—9)**) welcher durch sein Gottvertrauen die Philister besiegte und sich von der Fremdherrschaft losmachte, in deren Hände die Samaritaner durch ihre Gottvergessenheit fielen, nnd geht mit Vers 13 chronikartig (וכארבע) fortsetzend zam Kriegszuge Sanheribs über. Doch wollen wir auch bei den einzelnen Varianten die grössere Authenticität der Belationen in Könige pachweisen. Die Hauptvarianten bilden die Verse II. Köa. 18,14—16, die w Jes. Cap. 36 fehlen. Für die Geschichtlichkeit ihres Inhaltes spricht jedoch Josephus, welcher in ״De bello Jud.“ 5. Bach 9,4 um den Glauben der Juden an die Versioherang der Börner zu erwecken, diese für Vertrauenswürdiger schildert als den wortbrüchigen assyrischenKönig, der nach dem Empfange des Tributs für seinen Abzug aus Jerusalem dieses dennoch belagerte. Auch der Talmud (Tractat Pes. S. 56) bezieht sich auf diese Verse, indem er Hiskia wegen des Preisgebens der Tempelschätze tadelt Uebereinstimmend mit diesen Venen lautet auch die Cylinderinsohrift bei Schräder (die Keilschrift und das A. T. S. 168), nach welcher sioh Hiskia unter dem Geständnisse der Unterwürfigkeit zum Tribute von 30 Talenten Gold, und 800 Talenten Silber, Metallarbeit, rothschimmernden!Edelsteinen, Holzbeschlägen für Prachthütten verpflichtet Diese Verse sind bei Jesaias fortgefallen. Vermuthlich wurde der Abschreiber *) Die von ändern karzgefaesten Erzählungen in Kön. •bstechende Bandung nnd Formvollendung in der Darstellung der ans beschäftigenden Gesuchte darf ans nicht an ihre frühe Abfassung zweifeln machen, da die im Zeitalter HiiMu vorgeschrittene Bildung anch in der Poesie and den anderen Wissenschaften wahrzunehmen ist, welche wir in spätem Schritten vermissen; auch die historische Schriftstellerei hat nach dem Tode Hiski&s Rückschritte gemacht **) Mit diesen Versen läuft parallel dieCharacteristik Hiskia’s II. Chr. 29,1. 2. 31,20. 21; nar werden dort Hiakia's Verdienste um die Restäurirung des Tempels, die Erneuerung vergessener Satzungen und religiösen Institnt ionen, die er dem Volke wieder zum lebendigen Bewusstsein bri 1gt, seine begeisternd• Anrede sn die Krieger nnd die Rüstung in gegen die Assyrier aasführ lieh geschildert.; ]

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