Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 28. (10.7.1890)
- Date
- 1890-07-10
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
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Gemeinden geredet and die Geister und die Herzen geweckt. Wer ein gates Bach sohreibi, •ohafft sich einen Wirkungskreis, der weit weniger durch Zeit und Raum eingeaobränkt ist, als der des Predigers. £a ist des nobile officium unserer Gien benage נם einsohaft, die Wissenschaft des Jadenthums sa etflteen, und der Prediger, der in seinem Berufe anfgeht, soll nicht vergessen, dass der Gelehrte, der Forscher so recht eigentlich der ״More Morenu“, der Lehrer unserer Lehrer und Prediger, ist. Es war uns ferner auch ein wenig störend, dass Maybaam einen die Predigt betreffenden Aasdruok, der im Volke gang and gebe ist und bei dem sich wenigstens das Volk von heute gewiss nicht viel denkt, so ohne Weiteres in sein Buoh hineingenommen hat. Maybaum nennt die Predigt schlankweg ,Gotte swort*. So heisst es S. 144: ״Die Predigt, die als; Wort Gottes von der Kan sei tönt", oder S. 122: ״die Predigt will von Haus nichts Anderes sein als Gottes• wort, und swar Gotteswort, wie es in der heiligen Urkunde unseres Stammes su ewig gültigem Ausdruck gelangt ist." Also jede Predigt wird mit diesem feierlichen Titel bezeichnet, und doch weis* ein jeder, wie arm• selig, weitschweifig und gedankenleer ein solches Produkt sein kann; selbst die Besssem versnobten - nicht auf rhetorischen Flitter, schlagen das Gold eines Gedankens recht breit, um eine Stunde su füllen, und da 800 einer sich erdreisten, seine schwache mensch• liehe Leistung als ״Gotteswort* aussugeben! Solche schiefe Ausdrücke sind gefährlich, denn mit dem falschen Worte verbreitet sich leicht eine falsche Vorstellung, der Prediger hält sich für ein Wesen höherer Art, und da ihm ohnedies der Heilig• keit dee Ortes gemäss Niemand widerspricht, und er (nota bene wenn ihm die Frau nicht die Wahrheit ’ sagt) nur die lobenden Urtheile über seine Beden hört, während der Tadel in seiner Abwesenheit sich vernehmlich macht, 80 entwickelt sich zumal in den ältere Predigern eine hohe Doeis von Eitelkeit. Es ist selbstverständlich unmöglich, hier ־Namen su nennen, aber es ist wohl auoh unnöthig, weil diese Speciee nicht selten ist. Wir giessen in den Wein der Thora so viel Wasser, dass wir kein Beeilt haben, diesen oft matten Trank als einen göttliehen sa kredensen. Gerade bei Dr. Maybaam hat uns dieser Ausdruck überrascht, da er in der Tora selbst bekanntlich nicht übereil Gotteswort entdeckt. Maybaum wird anoh mit der Meinung, dass die Predigt den Mittelpunkt, den Höhepunkt dee Gottes• dienst« bildet, nicht allgemeinen Beifall finden. Es kommt doch dabei vor Allem nicht wenig auf den Prediger an? für Viele sodann ist der Gesang von Kantor und Chor ebenso wichtig oder gar noch wichtiger. Der berühmte Kantor, der einen, seinen Kollegen als Regenerator des Gottesdienst« feiernden, Prediger mit den Worten unterbrach: wo bleib* ich? hat swar eine depladrte, aber doch nicht nnriohtige Bemerkung gemacht. Immer wird derjenige der Kultasfanktionäre im Mittelpunkt der Theilnanme stehen; dej; in seinem Fache tüchtig ist; sollen wir an den bekannten Wits erinnere, da« die Kirohenlehrer oft die Kirohenleerer sind? Anoh in grossen deutschen Gemeinden soll ee Vorkommen, da« die Mitglieder die Anzeige, « sei Predigt, als eine Mahnung betrachten^ sa Haus su bleiben, oder das Gotteshaus sogleioh nach dem Einheben der Torerolle za verlassen. Es ist such mit einer Frömmigkeit nicht wohlbestellt, die nur durch die Predigt ins Gotteshaus gelockt wird; oft wirkt hier nur der Beiz der Neuheit. Wer. nur ein« Predigers wegen in die Synagoge kommt, wird wahrsoheinlioh desselben Predigers wegen später fortbleiben. Weq» der Sykagogenb«aoh etwas mehr ist, als irgend eine Art besserer Unterhaltung,^ oder gar die Erfüllung einer Anstandspflioht, weil er an dar Gemeindeverwalt nng betheiligt ist, der wird über Gott nioht nur was hören, sondern ihm auoh etwas sagen wollen. Das Gebet, der Aufruf des beladenen Hersens, die Erlösung der Seele ist offenbar das Wichtigste, Predigt and Gesang sind nur Hilfsmittel, um die« Stimmung sa weoken. Die Predigt hat ihren Werth, ihren hohen Werth, aber unsere Vorfahren, die in einem engen Baume sich zu einem Minjaa vereinigten, waren, das wird Maybaum nioht leugnen, oft andäoh• tiger als seine Z ahörer in der herrlichen Berliner Synagoge, trotz Orgelklang und Chorgesang und, wie wir gern annehmen wollen, sehr sohöner Predigt. Die Andacht ist der Nerv; des Gottesdienstes; so bezeichnet das fromme Gebet des Einzelnen, die schliohte Zwiesprache mit Gott, den Zweck der Erbaaung. Das Hans, die Gemeinschaft der Gläubigen, der Gesang, das Wort des Predigers sind die Mittel, und das letfte ist das unzuverlässigste,, weil die Leistung des Redners durch n^annigfaohe Zufälle bedingt ist; ioh höre, obgleich eia Prediger, gern eine schöne Predigt, eher das We sentlicbste zdr Erweckung der heiligen Stimmung iu mir trägt der heilige Ort bei und es kann sehr leicht sich ereignen, dass die Predigt mioh um alle Andacht bringt, wenn ioh bemerke, dass der Bedner mit verwerfliohen Mitteln auf die niedrigen Instinkte der Menge spekalirt. Es ergibt sioh aus alledem, dass Maybaam der Predigt eine übertriebene Bedeutung beilegt. Es ist immerhin gut, sioh selbst und Andern einmal die Kehrseite der Medaille zu zeigen, denn wessen Beruf es ist, zur Menge, za den Urtheilsfähigen und Urtheilsunfähigen za reden, geräth leicht in Gefahr, seine Leistung zu überschätzen. Die Varianten in den biblischen Parallelen, verglichen von Dr. Ad. Frankl-Grün. V. Das Siegeslied. (Schlau.) Von Sam. I 31 angefangen, finden sich Parallelen mit Chron. u. zw. Sam. Cp. 31, mit Chr. 10, II. Sam. 5 mit Chr. 12, S. 6, mit Chr. 13, u. zw. V. 2 mit V. 6, 3 mit 7, 5 mit 8, 6 mit 9, 7 mit 10, 8 mit 41, 9 mit 12, 10 mit 13, 11 mit 14, 12 mit 16 mit Ohr. 16, 25—29, Sam. II 7 mit Chr. 17, Sam. 8 mit Chr. 18, Sam. 10 mit Chr. 19, Sam. 11 mit Chr. 20, Sam. 23,8—39 mit Chr. 11,16 39,4—8, Sam. 24 mit Ohr. 27 — für unsere Arbeit am wichtigste^ ist Cp. 22, welches mit Pa Cp. 18 correspondirt Die Varianten, etwa 80 an der Zahl, werden ungenau und fehlerhaft im Tr. Soferim Cp. 8,1 angeführt Aus einem Vergleiche bei den Versionen ergiebt sich folgendes: Wörtlich stimmen überein 6 Verse (9, 10, 17, 22,31,39). In einem Worte, oder blossen Buchstaben, differiren 12 Verse (14, 11,18, 19, 20, 21, 26, 35, 37, 47, 60, 51). Die übrigen 33 Verse zeigen grössere aber anbedeutende Abweichungen von einander. Die Verszahl ist in beiden Belationen eine gleiche. Die Textverechiedenheit ist aus dem Umstande zu erklären, dass dieses Lied wegen seines religiösen, auf die Gesohicke jedes Einzelnen passenden Inhalt« frühzeitig Eingang in den א Gottesdienst gefunden, das Gemeingut aller in der Noth geworden ist, daher im Laufe der Zeit durch Lesen und Abschreiben viele; Veränderungen erfahren hat, welche aber seine Frische, Lebendigkeit und Kernhaftigkeit bezeugt. Der Samueltext, mit dessen Schluss- - versen das Tischgebet für jS&bbath- und Festtage