Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 28. (10.7.1890)
- Date
- 1890-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Le . _ allen PoateneUlten •4 Pf. für die Bndihkndler Inhal t: ־Wiseeneäbaitliche Anfeätae: .'SandbcaBorkangen mültybeoms *Homiletik“. — Die V: irianten in den biblischen Parallelen, verglichen von Di:. Ad Frankl-Grün. — Grimm’« Mirchen and der Midi nach. Litt eratuVbericht und!Reoensionen: Philipp 8 am, Dr. Ludwig. Die Bhetorik und jiidi •ehe Heaniletik. Nach dem Tode des Verfassers, heraasgegel iea von Dr. M. Keyserling. Litterarisoh e Notizen; Laudon. Now-York. Chicago. Litterarische Anzeigen. Unbefugter Haabdnisk aus diesem BliiMs ist liskt!esUttsL Randbemeridingen zu Maybaums ״Homiletik.“ n. Es ist.-ein leicht «rklärlioher Fehler, aber ein Fehler bleibt es immerhin, dass ein Autor den Gegenstand seines Werkes überschätzt; Majrbaam, ein guter Prediger, der-ein umfangreiches Bach über die Predigt schreibt, stellbdiese viel za hoch. Er sagt S. 182: ״ Eine ein- . zige Predigt, die ihren Zweck erfüllt^ ist mehr werth, :•als eine gelehrte Abhandlung, die nur von wenigen rFaohgenossen .gelesen wird; «ad eine Jlensohenseeie ,getröstet und. erbaut za haben ist von grösserm Segen, ,403 die •Abfassung manchen (1) Baches von vielen hundert Seiten.-“ Das hört sich sehr schön mit an and klingt sehr votführeriseh, ist aber nur sehr geeignet, trotz aller Einschränkungen, die Maybanm diesem Satze folgen .lässt, in den jungen Leuten die Dressnr auf die Praxis, auf Ben Erfolg, auf den Beifall zu begünstigen and Geringschätzung gegen die stille Arbeit des Gelehrten zu erwecken, der ja ohnedies, wenn die Güter der Erda vertheilt werden, meisst leer aasgeht nnd karges Brod mühsam erringt, während der Redegewandte emporsteigt. Predigt and wissenschaftliche Arbeit lassen sieh gar nicht miteinander vergleichen; wäre es nioht plumpe Sophistik, wenn einer sagte:! einem Hangern— den Brod spenden, ist besser, als ein; tiefsinniges philosophisohes Baoh sohreiben. Es sind Dinge, die gar nicht in Parallele an bringen sind. Man hat es wahrlioh nicht nöthig, die Predigt aaf Kosten der wissenkchaftlicben Arbeit noch besonders za erheben and den Jüngern der Theologie an’s Hern za legen, denn an diesem Banme wachsen ja die |goldenen AepfeL Maybanm sohreibt: ״Die erhöhte Bedeutung der Predigt in unserer Zeit offenbart sich auch thauäohlioh darin, dass dieselbe stets ausschlaggebend ist bei der Wahl dee Rabbiners.“ Aber ist!denn immer das, was ist, aaoh vernünftig? Eine kleiiieGemeinde muss sich strecken nach Decken: über eins grosse Gemeinschab, die mehrere Rabbiner and Prediger besoldet, sollte nicht immer die •Wirkung der Predigt als ״anssohlaggebend* ansehen; wir denken von aer Berliner Gemeinde nioht schlechter, weil sie einmal den seligen Z. Frankel,.der als Prediger nur sehr mässig gewesen ist, zn ihrem Rabbiner gewählt hat; es giebt aaoh in . der Gegenwart einige jüdische Männer, die aaf der Kanzel eine sehr schlechte Figur machen würden, and die trotzdem jedem, der sie kennt, mindestens soviel Respeot einflössen, als irgend ein nooh so ״gefeierter* :Kanzelredner. Die Gemeinden wissen es aaoh meist ■ehr gat sa würdigen, wenn ihr religiöser Führer ein gelehrter Mann ist and halten ihm um dieses Vorzuges willen Manches za Gat«; wir Jaden haben für unsere Wissensohaft keine Akademieen, deren Mitglieder sieh nagestört der Forschung widmen können; wohl ans, dass noch hin nnd wieder eine grössere Gemeinde einen Mann beruft, der, ohne eia klangvolles Organ sa haben, •einen klangvollen Namen hat darob seine gelehrte Arbeit, dass einige Fortoher, unbekümmert am den klingenden Erfolg, sioh der Wissenschaft opfern, deren Meister sie sind. ״Eine gelehrte Abhandlung, die nar von wenigen Fachgenossen gelesen-wird.“ Den Aasdraok hat aer sonst so vorsiohtige Autor nioht wohl erwogen. Der Aasdraok ist banausisch nnd Maybanm ist dooh salbet ein — Gelehrter. Gerade darin zeigt sioh die Hoheit eines wissenschaftlichen Charakter■: ״Tora za lenen am ihretwillen“; es sa wissen, das■ eine Arbeit,die den Fleiss von Jahren erfordert, nur geringe■ Aafsehen erregen wird, aber es ist ein Baustein am Dome der Wissenschaft, ein xxfjpa ■2( AsT, es ist das Eohta, das der Naohwelt anverloren bleibt, aaoh wenn der Verfasser dabei aaoh nioht sa Glans and Ehren kömmt. v Des Alles weise natürlich Hr. Dr. Maybanm so gat als wir,*aber er hat es für den Augenblick bei Seite geschoben, am aaoh darob weniger goto Gründe die Begeisterung für den!Predigerberuf bei seinen Jüngern and Lehrern za erwecken. Die Prediger sollten sioh überhaupt nioht eia• reden, dass gerade sie die grösste Wirkang erziel••, dass sie die stärksten Stützen der Religion sind. Dem gesprochenen Worte ist das gedruckte, dem Redner ist der Schriftsteller ein gewaltiger RivaL Da־ ist *. B. d«r Dr, Graets, Jüngst hörte ich aas dem Monde dee bekannten flanitäUraths Dr. Wollner, wie GnMta •imnal sa Kolnidre in Gleiwita die Ksniel and, von Befangenheit bewältigt, nioht ein hervorgebraoht haosi. Und Great■ hat trotu alledem wirksamer als dis meisten Predig« tu den jÜMjpgnj