Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 27. (3.7.1890)
- Date
- 1890-07-03
- Page
- Seite 104 (sequence 2)
- Language
- German
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!»ח!»; *aber er entdeckt« den Sit• de• Uebela, den , Mangel an Logik, den Mangel an Zaeammenhang, duBeztroben, geistreich sa •ein aai Koeten dar Wahrheit; einer hatte •inen Midraeoh oder einen Bibelvers verwendet, eo sa sagen geütreiah gedeutet; Frankel wie• ihm nach, dass die•• Künstelei nnterblieben wäre, wenn der Bedner einen ihr den Gedanken, den er beleuchten wollte, wirklich passenden Bibelvers oder Midrasoh gehabt hätte; diesen brachte Frankel aas dem stets bereiten Sohatae seines Wissens rasch herb», und nun dämmerte die Erkenntnis«, dass die Deutelei, auf die man sioh etwas su Gute that, ein Eraengni88 der Unwissenheit war. |fe Es ist im Grunde niohts interessanter, als die Logik und die Wahrheit. Geistreiche Einzelheiten ermüden rasch, wenn der innere Zusammenhang, die logische Aufeinanderfolge, wenn das geistige Band fehlt; und sowie der Hörer merkt, dass ihm ein X für ein U gemacht wird, dass ein unwahres Empfinden, sich auf der Hansel spreizt, dann ist der Erfolg dahin. * Also keine logischen Spränge, keine Witze, kein Herbeiziehen von Dingen, die dem Grundgedanken der Predigt fremd sind, kein Brillantfeuerwerk, sondern Ehrlichkeit im weitesten Sinne, darauf hielt Frankel, und wenn die Hörer den Saal ▼erliessen, dann einigten sie sich meist in dem Urtheil: er hat wieder einmal ins Schwäne getroffen und wir haben daneben geschossen. Dass ein Mann wie Frankel auf das Himmeln und Augenverdrehen nichts gab, dass ihm alle diese Mätzchen in tiefster Seele zuwider waren, ist eine naheliegende Schlussfolgerung aus dem, was wir eben entwickelt haben. Frankel war viel su gesoheidt, um zu verkennen, dass diese Kunststücke ihre Zugkraft haben; aber er und mit ihm das ganze Lehrerkollegium bildeten eine Phalanx gegen das Eindringen eines solchen unheiligen Gebahrens. Dem Schreiber dieser Zeilen ist noch ganz gut der Eindruck in Erinnerung, den Joels erste Bede in der Breslauer Synagoge auf das Publikum gemacht hat. Joel war als Prediger, so gut wie wir Andern, der Schäler Frankel’s, allerdings bei weitem der beste. Die Breslauer waren damals keineswegs so entzäokt von Joel, als sie es heute sind, wo sioh der gute Bedner gute Zuhörer erzogen hat. Die Leute waren an ganz andere Kost und an eine ganz andere Art, die Kost darzureichen, durch Geiger gewöhnt. Dieser Joel schwebte nicht hinauf auf die Kanzel, sondern er ging hinauf, er sah auch da oben gar nicht verklärt aus, sondern nicht viel anders als sonst, und vollends gar als er sprach, schon seit Jahren hat man damals in Breslan nicht so was Einfaches und - Nüchternes gehört, nicht die geringste Neigung, was mit einem Worte sich sagen lässt, mit vielen auszusprechen, keine der wohlfeilen Bedeblumen, die man in jedem Garten findet, keine Angriffe und Sticheleien, kein Anstürmen auf das Gefühl, und dennoch war die lange Bede, bei der man freilich aufpassen musste, bei der man nicht eine Minute seinen Verstand beurlauben konnte, von Anfang bis Ende spannend, und wenn man fortging, so wusste man, was der Bedner gesagt hatte, und konnte den Gedankengang ganz gut wiedergeben. Das war doch früher nicht. Das war nicht das Bauschen jener Perioden, welches das Träumen, den Halbschlaf wenn nicht gar den ganzen, so sehr begünstigte, sondern das waren scharfe, klare, weckende Worte, die selbst den müden Geist belebten. Erst allmählich haben sioh die Breslauer mit dieser neuen Art befreundet; anfangs waren sie ganz erstaunt, dass einer auf der Kanzel es wagte, schlechtweg verständig zu sein und nichts weiter. So hat Frankel Homiletik gelehrt, offenbfar mit gutem Erfolg and der beete Theu des Erfolgeä ist der, dass die Bedner sioh desselben' nioht zaj schämen brauchen. Aber es führen viele Wege zum Ziele. Maybaum, gleichfalls ein Schüler Frankel'•, hat •inen andern Weg eingeeohlagan, am ■eine Jünräri, die am Berliner Seminar stadirenden jungen Theologen, zum Predigtamt vorzubereiten. Er hat in wohjauagearbaiteäea Vorlesungen eine Theorie der jüdiäohen Homiletik geliefert and hat nun, am die Frucht seine• Nachdenkens für weitere Kreise nutzbar zu maoheu, den Extraot dieser Vorlesungen durch den Draok veröffentlicht. Das Baoh ist jedenfalls anregend; es ist stets interessant, wenn ein in seinem Faohe erfahrener Mann über die Grundbedingungen seines Schaffens öffentliah redet Falls ein Maler, der Jahrzehnte sich dieser Kunst widmet, über Malerei redet, so werden wir gern zuhören, wenn es sioh anoh nioht leugnen lässt, dass der Künstler der Gefahr aufgesetzt ist seine Knust zu sehr nach sioh zu beartheilen, seine Leistungen als Massstab hinzustellen, und was e r nioht kann, als anaöthig, als ausser dem Bereiobe seiner Kunst liegend hinzustellen. Aaoh wo wir ihm nioht folgen können, verlohnt es sioh, ihm zuzuhören. _ ^Fortsetzung folgt.) Oie Varianten in den biblischen Parallelen, verglichen von Dr. Ad. Frankl-Gran. Y. Das Siegeslied Davids. Die didaktische, pädagogische Erwägung, welche die Wiederholung eines nnd desselben Gesetzes veranlasste, tritt auch bei den Geschichtsparallelen deutlieh zum Vorschein. Um eine Glaubenslehre im Anschlösse an einen concreten Fall einzuprägen, hat die hh Schrift gewisse Vorfälle ohne pragmatisches Zasammenhang aneinandergereiht, welche Constructioa aber die öftere Anführung einer Begebenheit erforderte. Jedoch bietet sie, ihrem Prinzip getreu, in jeder nochmaligen Darstellung, immer wieder ein neues Moment der Unterweisung dar. Diesen belehrenden und erziehenden Inhalt müssen wir bei allen historischen Parallelen ergründen, damit deren •angebliche Zwecklosigkeit die einheitliche Abfassung des Pentateuches nicht in Frage stelle. Freier kann die Forschung bei der Erklärung der Parallelen in den prophetischen und poetischen Büohern sich bewegen, dabei deren einzelnen Theilen,-Psalmen, Sprüche, Jesaias, schon der Talmud ein Zusammenwirken mehrer Mitarbeiter annimmt*). (Tr. B. Bathra S. 14). Hier gilt es blos die jedem Propheten eigenthümliche Schreibweise zu erforschen um bei vorkommenden Parallelstücken den ursprünglichen Verfasser und den Copisten zu erkennen. Wir müssen uns in den Geist der Sprache des betreffenden Autors vertiefen, nm die characteristischenMerkzeichen zu finden, welche den Styl des einen Propheten von andern unter- *) Pa. 53 ist eine spätere Umarbeitung vom Pa. 14.; für die Anhänger der eloh. and jhev. Hypothese sei bemerkt, dass 53.3.5.7 אלהים hat, wo Cp. 14, 2. 4. '1. ך“,־ vorkommt. Ps. 70. besteht aas Ps. 40, 14—18. 35, 26—28 vgi. Cp. 42, u. 143.: Ps. 108 ist zusammengesetzt aus 57, 8 — 12. und 60, 7—14. V. 6. 7. 10. 12. 23 gleichen ganz Ps. 60, 7-)4. — Ohron. I. 16, 8-36., das auch in unser-tägliches Gebet übergegangen ist, vereinigt Ps. 105, 1—15. 96, und 106, 1. 47. 4)8.; Ps. 135, der aus 139, und 136, zusammengesetzt ist, enthält keinen originellen Vers. V. 1—14 umfasst C 134,136, V.15—20 ist entnommen aus C. 115,4—11. Jes. Cap. 16, 16. 24, 17. Jer. 48, 6. 6 29—47. Jes. Cp. 47, 8-10 Jee. 2, 15. Jes 52, 7 — NaU- 2, 1. Jes. 61, 8 Mal. 1, 13. Jes. 62, 6 Mich. 4 17. 7, x. Joel 4, 4—16. Arnos 1, 2. Jer. 23, 17—31 Ez. 13, 8—11. Jer 11, Ez. Cap. 28, Jeremiae 31, Ezechiel 18, Ez. 1, 10 Cp. 3 83. Cp. 11, 19—20. 86, 26—28. Die Zusammenstellung der gedanklichen Parallelen in den poetischen Bachem ‘h'O'Jt, aQd der sachlichen in der Chron bleibt lür eine spätere!Arbeit Vorbehalten.