Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 27. (3.7.1890)
- Date
- 1890-07-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Lehrer, welche dir6et oder dureb Bobert Friese Inserate einsendea, erbalten 85 ן( <*«>»» »t Inhalt: ־W issenscbaitliche Anis&tze: Randbemerkungen za May* banms ,.Homiletik“. — Die Varianten in den biblischen Parallelen, verglichen von Dr. Ad. Frankl-Grün. — Znr Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh. Litteratarbericht and Recensionen: Hüller, Dr. Joöl. Handschriftliche Jebadai Gaon z□gewiesene Lehrsätze. — Cassel, Prof. Dr. Panlns. Aletheia. No. 1: Christas and die s ciale Frage. No. 8: Christas and das Jadentham. Littet arische Anzeigen. Usbsiaalir NatMnek tut diesem Blatte ist »litt!4* 1*0et- Randbemerkungen zu Maybaums ״Homiletik.“ 1. Jeder, der vor Jahren agn Breslauer Seminar seine Ausbildung empfangen hat, erinnert sich wohl noch der sonderbaren Art, iQ welcher der selige FTankel homiletischen Unterricht ertheilt hat. Die Methode mass jedenfalls ihre Vorzüge gehabt haben; denn sehr Viele, die der Treffliche nnterWissen, haben im Laufe weniger Jahre die hervorragendsten Äemter erlangt, die innerhalb des deutschen und österreiohisehen Rabbinats vorhanden sind. ־Worin bestand nun das aroanum, vermittels dessen ein so glänzender Erfolg erzielt worden ist, ein Erfolg, der, gerade weil er Vielen in den Sohoss fiel, nicht auf die individuelle Begabung der Kandidaten zurüokzaführen ist. Die Theorie Frankel’8 war ea nicht, die solche Wunderdinge wirkte: denn er hat nie eine Theorie der Homiletik ▼orgetragen, das Vorbild aber, das er seinen Schülern gab, 80 öfter selbst als religiöser Redner sieih zeigte, war auch von keiner besonderen Leuchtkraft; ja dass wir es nnr gestehen, wäre der Mann nicht an ßioh 80 ehrwürdig gewesen, die Sache wäre manchmal lächerlich geworden. Der ausgezeichnete Gelehrte glaubte nämlich bei sehr feierlichem Anlass die Wirksamkeit zu erhöhen, wenn er sich in der Seminarsynagoge nicht zum Pablikum, sondern znr heiligen Lade wandte. Es ist jedoch stets ein Geheimnis• - geblieben, was er dazumal geredet bat; denn Niemand auoh vqn denen, die ihm am nächsten iliren Platz hatten, hat ea genau verstanden. Also sein Vorbild war’s auoh nioht, das die Jünger auf dem Gebiete der Predigt belehrte. Damals war Geiger Rabbiner in Breslau; indess von dem war nichts za lernen; denn dieser verlieh• sich fast immer darauf, dass der heilige Geist auf[ der Kanzel schon über ihn kommen werde; er spraoh völlig onvorbereitet; zuerst bestach er daroh!die änseern Künste der Rede, dnrob das laute klangvolle, weqn auoh breite Organ, daroh den schwärmerischen Aus* druck seiner Züge; auoh der RpfJ dessen sioh der gelehrte and flejasige Forscher mit Recht erfreute, erhöhte den Respeot vor dem Prediger; aber dies Alles hielt aaf die Dauer bei dem irgendwie kundigen־ and aufmerksamen Zuhörer nicht vor; bald entdaokte man, dass G. vom Hundertsten in’s Tausendste kam, dkf* er oft den Faden verlqr, and dass im Grande ■ein ws*«*־ liebster Vorsag darin bestand, nioht stedtan zu bleiben. Non isf es allerdings peinlich für den Boro», wenn der Redner stecken bleibt; oft ist e* jedoch auch rar den Zuhörer nioht minder eine Pein, wenn der Redner n ioht steoken bjeibt. Geiger'• Reden konnten, für den 8e> minaristen geradeso verderblich werden, denn sie waren eine demonstratio ad oculos, dass man, ohne etwas Vernünftiges und BehalWiobee za sagen, ohne es mit seiner Amtspflicht ernst za nehmen, dennoch, einen gewissen Beifall gewinnen, ein gutes Amt erlangen and ein berühmter Mann sein könne. Joel wurde allerdings später als Prediger ein anübertreffliohes Vorbild für die jangen Leute, die in. Brealaa jüdisohe Theologie stadiren and wird es mit Gotteshilfe noch lange bleiben; er verdankt •einen * Erfolg vor Allem seiner Gedankenfülle, seiner Originalität, seiner Pflichttreue, der Ekrfaroht vor dem Berufe und der Sohea׳ vor der Gemeinde, der gediegenen Durchbildung seines Geistes and •eine• Charakters. Die Natur hat ihm wenig auf den Weg mitgegeben, ein Redner zu werden; er ist es dennopa geworden. *■־ Aber zuerst fehlte den Seminaristen diese■ Vorbild; trotzdem sind eie unter Frankel’s Anleitung tüah» tige Prediger geworden. Wie hat dies Frank■! za Stande gebracht? aaf dem einfachsten Wege, keiner war so' geschickt ata er in der Diagnose, ein« Predigtkrankheit. Ein junger Mann hielt •ine Uebung*- predigt; da erhob sich die Mente der jugendlichen Kritiker; meist worden Kleinigkeiten getadelt, »praohliohe Inkorreotheiten oder Uebersohwängliohkeiten, die anangenehm sind, die aber den Werth einer wirkliah guten Leistung für einen, der kein Kleinkrämer ist, nioht wesentlich herabdrüaken. Die Uebangspredigt hatte kalt gelassen und ea war den Zuhörern nioht gelangen, die Ursache hierfür heranssufinden. •' Am Sohlass. erhob sioh Frankel, oder vielmehr er blieb sitzen, er •praoh ohne Pathos, ohne Floekeln, wie einer, der nioht gewöhnt ist, sioh aaf den Wogen seiner eigenen Worte za wiegen; aber er traf dea Nagel auf den Kopf; •ein Tadel verletate nicht» weil er überzeugte; mimma non curat praetor; nm'jQliaife keiten, am stylistisohe Sohwäohen kümmerte er mm