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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-06-19 · N° 25. (19.6.1890) · p. Seite 96

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 25. (19.6.1890)
Date
1890-06-19
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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giösen Gebräuche, Gebete, Lieder etc. sind jedoch dieselben wie bei den weissen Juden; nur beobachten sie nicht mit derselben Strenge die levi tischen Reinheits- Gebräuche und da sie in keiner rechtmässigen Beziehung zu den Juden anderer Länder stehen, 80 betrachtet man sie als eine besondere Secte, worauf sie übrigens nicht wenig stolz sind. Das Pessach-, Wochen- und Laubhttttenfest feiern die schwarzen Juden mit der peinlichsten Beobachtung des Rituals. Am Laubhüttenfeste bauen sie Hütten auf den Strassen und illuminiren ihre Wohnhäuser mit kleinen Oellampen, welche sie an beiden Seiten der Thüren nnd Fenster anbringen. Hübsche Glascandelaber hängen von der Decke ihrer Synagoge herab, deren Wände ausserdem noch mit Metallleuchtem geschmückt sind. Die Sitze in derselben sind mit scharlachrothen Decken bele'gt; sie nehmen die Thorarellen aus der für sie bestimmten heiligen Lade und entfalten sie in ihren kostbaren und glänzenden Sijberfutteralen Äüf einer kleinen Bühne, welche unmittelbar vor dem Vorbeterpult sich befindet. Die Gemeinde tritt alsdann herein, die Frauen besteigen eine mit Vorhängen versehene Gallerie über dem Eingänge, während die Männer ihre Sitze in dem untern Raume des Gebäudes einnebmen. Die Kleidung der Letzteren an den Festtagen ist sehr geschmackvoll. Sie tragen Röcke aus Seide, Sammet oder Atlas von scharlachrother, blauer, grüner oder gelber Farbe mit kostbaren um den Kopf und die Taille gebundenen Shawls und entfalten eine verschwenderische Pracht in goldenen Ketten und Knöpfen, welch letztere sie aus englischen Goldmünzen (Sovereigns) anfertigen. Bei tjiesem Anblicke erinnert man sich unwillkürlich an Ruben’s herrliches Gemälde, welches ״die Pharisäer“ darstellt Hier sieht man dieselbe männliche Gestalt und elegante Haltung, den üppigen Bartwuchs, die kostbare glänzende Kleidung und fast genau denselben Schnitt, welchen uns das Gemälde zeigt. Dieses Costüm der schwarzen Juden gleicht in keinerlei Weise dem der Eingeborenen Indiens. Ihr Begräbnissplatz befindet sich in geringer Entfernnng von der Stadt inmitten einer dichten Kokusnasspflanzung. Die Anzahl der Gräber ist sehr betrachtlich; alle sind nach einem sorgfältig entworfenen Plane regelmässig aneinandergereiht und zwar in der Richtung nach der heiligen Stadt Jerusalem. C. lieber den Parzival Wolframs von Eschenbach. Von Dt. S. Gelbhsns, Rabbiner nnd Prediger in Prag. (Fortsetzung.) Sä. 175,11. Sich mac an jungen wol sin leben. Dieses ist eine biblische Ansdrucksweise: ״Verjunge unsere Tage wie früher.“ S6. 184,7— 11. Der Zadel fnogte in hungere nöt sine beten kaeee, vleiach noch pröt, 8i liezen stenstürei. sin, und ■malzten auch deheinen win mit ir munde, so si tranken. In diesen Strophen, in deren Verfolg Wolfram über seine eigene Armnth klagt, (vergl. meine Schrift ״Heber Stoffe altdeutscher Poesie“ S. 75) schildert er die Hangersnoth, die in Pelrapeir herrschte. Diese Schilderung erinnert an Klagelieder C. 4 V. 3—4. ״Auch die Schlangen reichen die Brüste ihren Jungen and saugen sie, aber die Tochter meines Volkes muss unbarmherzig sein, wie ein Stratus in der Wüste. Dem Säugling klebt seine Zunge an seinem Gaumen vor Dur»t, die kleinen Kinder ▼erlangen Brod und Keiner reicht es ihnen.“ «7. 184J4—15. Gsrampher als ein Ungar■ zager was in din hftt sao den nben. Vergl. das. 8. ״ Eingesohrampft ist ihre Haut auf ihren Gebeinen, sie ist ▼ertrooknet, ist geworden wie Holz.“ 88.!101,24—29. Daz si durch arbeitKchen muot ir ■uht aus pürierest und sich, dergegen zlerent! vor gesten ■int si ah kiuschen siten: ii herzen wille hit versniten swaz mac an den gebaerden sin. Diesen Strophen liegt der Sats zu Grande: ״Sie isst und wischt sich den Mand ab und sprioht: ioh habe kein Unrecht gethan. “ [Sprüche S^lomonis) 8«. 228,21. Got lön in. Eine biblische Redensart. Vergl. Ruth. 1,8. ״Gott möge Euch Gnade vergelten.“ 40. 228,26. Diu gotes kraft git aölhen solt. VergL Psalm 117. ״ Gottes Eeohte verschafft Sieg. “ j 41. 238,28— 29. Di het der kiusche Jnnd der vriz 1 alle gelicbe genuoc.; Dieses erinnert an Exodus 16,18, wo es vom ן Manna heisst: ״Und es hatte nioht mehr der, welcher mehr gesammelt und nicht weniger der, weloher weniger gesammelt.“ ' 42. 239,1—7. Müraz, win, aiuopel nöt, I swi Dich dem napf ieslicher böt, swaz er trinkens künde nennen, ' daz mohter drinne erkennen 1 allez von des gräles krait! din werde gesellschatt hete Wirtschaft vome gräl. Die Eigenschaft des Grals, allerlei Speisen su gewähren, erinnert an die Eigenschaft des Manna, jeden gewünschten Geschmack aDzuhehmen. 0( דד משתנה להם לישראל רכל דבר שרוצים אלא שלא היו רואים מיניה׳ אלא מן. Das Manna verwandelte sich für die Israeliten in alles was sie wollten, während sie mit ihren Augen nur Manna sahen. (Jalkut Schimoni C. 733.) 48. 245,26. Nieman dl redete, nach enrief. * Eine biblische Redensart. ״Keine Stimme, keine Antwort und kein Laut.“ (1. Könige 18,29.) 44. 25^,5—8. Wan swas die lüfte hart beklagen, dar ob muoata hoehe tragen: dir dienent zun unde wilt, ze richeit ist dir wnnsch gezilt. Diese geschilderte Macht im Gralsreiohe erinnert an die in Targum Soheni geschilderte Herrschaft Salomons, die auch in anderen rabbinischen Quellen sioh findet. ואמליך יתיה קודשא כריך הוא על חיות ברא ועל עופי שמיא וער ריחשא דארעא ועל שדק ועל רוחק ועל לילק. ״Und Gott setzte ihn (S&lomon) zum König über die Thiere des Feldes über die Vögel des Himmels über das Kriechende auf der Erde, über Dämonen, Geister‘und Lilin. “ Dass die Herrsohaft des Grals sich auch über Geister erstreckte, beriohtet Tr&vrezent dem Parzival 471,17—21. Den, Ausdrüoken: ״Soweit die Lüfte reichen 8011 deine Herrschaft sioh erstreoken“, worunter die Weltherrschaft verstanden wird, entspricht die Anrede des Waldhahns an Salomon. .״ שמע מרי מלכא דארעאHöre mein Herr, König der Erde“ (Targum Soheni). 45. 264,6—10. Er winde, ir wipticher stn waer gein im verkitret, unt daz si guniret » het ir kiusche unde ir pris mit einem andern ätnis. Vergl. Numeri 4,14. ״Und es besohleioht ihn der Eifergeist, dass er um sein Weib eifert.“ 46. 264,19. Ob (der) man des wibes hlt gewalt. Vergl. Genesis 3,16. ״Und er (der Mann) 8011 über dich herrschen.“ 47. 2(2,15—17. Swer von der liebe ii msere treit nf den seigaere, oberz immer *wolle Wegen. Aehnlich Hiob 6,1. ״Wenn-mein Kummer and mein Jammer auf einer Waage gewogen werden sollte. “

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