Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 25. (19.6.1890)
- Date
- 1890-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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^?51 Jüdisches Mrg׳x-- Litteratnr-Blatt. Zar BtJeaektuf *Il6r JadMthan aad Jadaa kitriAad« lUtcnrlMkM Kr* •ahalaaarM uf 4«« 6akUU der Phil♦• •ophle, fiaeUchU, Btk1*fT1pklc, Theo- •fl«« OrlMtilli, Vx«gaa«, HoaiMetU. Litarfik e. PidaroU. Heraasgegeben TOO Rabbiner Dr. Moritz Kahnier. dKayde-fntiy, 19. eJu-ni 1%o. klehK der «!■Mkliflf•! Litte* »ter,weich «er R6dect.ee »egceeedt wer t«, tadee ia die•«■ RUttacierehead« Reeprcehe■«. Id Cetcedeaf tn ■eil Receeri•—» Rxcatpleree arfalfft aUm•!!*• her•• iriticliMrtiM. Du -JMItcfc• Llttorttir-Blitt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei *Lien Buohhaadluagea (in Leipeig bei Kobert Friese) pro Jahrgang 8 Hark• Abonnenten der *Israelitischen Wochenschrift“, die rierceljahrUoh bei allen Postenstalton and 8מ^תמ11«ז4«(<1יוק % Hark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiatur־BLatt■* gratis. — Inserate werden mit Sl Pf. tür die gespaltene PetitzeUe/Bellagen mit 20 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes sa senden Baohhindler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate eülsendea, erhalteQ 25 yC Babatt. Inhalt: W issensohai tliche Auf aätze :Die weissenund die schwarzen Jaden in Gochin. — Ueber den Parzival Wolframs von Eschenbach. Von Dr. S. Gelbhaus, Babb. und Prediger in Prag. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Hees a. Rh. Litteratarbericht und Becensionen: Loeb Jsidore. Le Juif de l’histoise et le Juif de la Legende. Litterarisohe Notiz. Litterarische Anzeigen. | Die weissen und die schwarzen Juden in Cochin. Ein CorrespondeDt der ״Madras Mail“ lenkt die Aufmerksamkeit auf die Jaden in Coohin, Präsidentschaft Madras, welohe unter den Namen ״die weissen und die schwarzen Juden“ bekannt sind. Derselbe sagt: ״Es gibt Juden in Gujer&t, welche sich einheimische Namen beigelegt haben sollen und auch in jeder Beziehung für Eingeborene gelten. Einige dienen als Sepoys (eingeborne Infanteristen bei der ostindisohen Compagnie) in der Bombay-Armee, während andere staatsamtliche Posten bekleiden. Die Jaden in Coohin scheinen sich jedooh abgesondert za halten.11 Eine'vor 30 Jahren veröffentlichte Brosohüre von C. A. Lawson bringt mehrere Einzelheiten über diese Colonie. Herr Lawson sagt, da98 aas den Annalen der Eingeborenen von Malabar and ihren eigenen Traditionen hervorgeht, dass ungefähr um das Jahr 70 d. g. Z., kurz nach der Zerstörung des 2. Tempels und der Verwüstung der Stadt Jerusalem, 10,000 Jaden an der Küste von Malabar landeten. Es wird ferner angenommen, dass 7000 von diesen siah gleichzeitig an einem Orte niederliessen,, welcher damals Mahodranpatna genannt wurde, hente aber Cranganore heisst, sich dort duroh den ihnen angeborenen Scharfsinn, ihre Sparsamkeit and 'ihren Handelsgeist nützlieh zu maohen snohten und sohon brüh sioh der Aohtnng tmd des Schatzes der eingebornen Fürsten za erffeuenhatten. Lange Zeit naohher erhielten sie von dem herrsohenden Souverain ein höohstbedeatangsvolles Privilegiam, welohes sie in malerischer Schrift auf eine Kapierplatte eingravirten. Diese Platte existirt noch in einem kleinen unansehnlichen Exemplar mit grobeingeritzten Bnohstaben von so primitivem Charaoter, dass sie eine Aehnliohkeit mit. der heutigen Sohrift kaum erkennen lassen. Sie ist ohne ן Zweifel. 1000 Jahre alt und änsserst interessant, nicht nur, weil sie den Naohweüj liefert, in weloh hoher Aohtnng damals die Jaden standen, sondern auch, weil sie j ■;1 zeigt, welche Ehren and Privilegien man damals besonders za schätzen wusste. Herr M 0 e ns, im Jahre 1773 Gouverneur von Cochin, erwähnt, dass ein vor der Ankunft der Portugiesen stattgehabter Aufruhr im Lande die Macht der Jnden Cranganore’s bedeutend gelähmt habe, was wahrscheinlieh den Europäern ihre Machtentfaltung am Hafen wesentlich erleichtert hatte. Darob ihre Intoleranz and Scheinheiligkeit jedoch verloren diese bald die Achtung ihrer Untergebenen and ungefähr am das Jahr 1565 flohen die Jnden nach Cochin und sachten dort um den Schatz des R a j a h (Hindufürst) nach. Dieser schenkte ihnen mit einer kaum za erklärenden Bereit- Willigkeit ein kleines Grundstück in der Nälie seines Palastes, auf welchem die Jnden alsdann eine kleine Stadt bauten. Unterdessen setzten die Portugiesen ihre Verfolgungen fort, raubten, plünderten und trieben Alles vor sich weg, was ihnen in den Weg Itäm, ohne dass die Behörden ihnen irgendwelchen Widerstand entgegensetzten. Es war daher natürlich, dass die Juden die Ankunft der Holländer, welchen sie alle mögliche Hilfe leisteten, mit Freuden begrüssten. Nach deren erstem misslungenen Angriffe sachten aber die Portugiesen sich an den Juden auf die grausamste Weise zu rächen. Bald darauf erschienen, aber die Holländer aufs Nene, nahmen die Stadt in Besitz und gewährten den Jaden in Anerkennung der ihnen früher geleisteten Dienste manche Privilegien und knüpften auch Handelsverbindungen mit denselben an. Die Jaden von Coohin sind in 2 streng geschiedene Klassen getheilt, deren eine unter dem Namen j er usalemitische oder weis8e und die andere unter dem Namen schwarze Jnden bekannt ist. Entere sind die Nachkommen der ältesten Ansiedler, welche nur unter einander heirathen. Ihr Typus gleicht nicht dem der Europäer; sie haben vielmehr eine blassgelbe Gesichtsfarbe and die zarte Fleischfarbe ihrer Fingerspitzen zeigt, dass kein indisches Blot in ihren Adern fbe88t Diese Beibehaltung der Farbe and Gesichtszüge durch so viele Jahrhunderte ist wahrhaft staanenerregend, besonders wenn man erwägt, dass die Nachkommen der Portagiesen allgemein eine dunklere Farbe haben, als selbst die Ureinwohner des Landes. . Die schwarzen Jaden sind entweder Naoh-' kommen älterer eingeborener Proselyten, oder solche- Individuen, welche nooh auf einer niedrigen Onltarstafe Standern Wenige von ihnen haben ein hebräisches Aussehen und fast die meisten sind von den eingeborenen Nichfjuden kaum zu unterscheiden. Von den weissen Jaden werden sie als eine niedriger»tehende, nicht reine; Rasse betrachtet; deshalb finden Mischehen mit weissen Jaden unter denselben auch niemals statt. •Ihre reli-