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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-05-05 · N° 23. (5.5.1890) · p. Seite 89

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 23. (5.5.1890)
Date
1890-05-05
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
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89 — 1». 110,9. Wand er wae falsche« laere. Vergl. Psalm 24,4. ״Wer nie seine Seele rum F*hohen ruwendet.“ 20. 9,17—19. Owfe muoter, wtz ist got? snn, ich sage dirz ane spot or ist noch liehter denne der tac. Diese Frage des unwissenden Parciral und die Antwort seiner Mutter erinnern an folgende rabbinische Erzählung des Midrasch Machir citirt im Jalkut Schimoni C. 385: ״Es frug der Kaiser Hadrianus den Rabbi Josua: Hat die Weit einen Gebieter? Da erwiderte er: ist denn das Weltall herrenlos? Und wer schuf denn Himmel und Erde? frug der Kaiser. Der Heilige gelobt sei er, erwiderte R. Josua. Denn es steht geschrieben: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und warum erscheint er nicht zwei Mal im Jahre, damit die Menschen ihn sehen und fürchten sollen? frug Hadrian. Weil die Welt sein Licht nioht vertragen könnte, antwortete Rabbi Josua. Denn es steht geschrieben: Kein Mensch wird leben, der mich sieht. Darauf erwiderte der Kaiser: Wenn du mir ihn nicht zeigst, so glaube ich dir nicht. Da führte er ihn am Mittag hinaus und stellte ihn vor die Sonn» und sprach zu ihm: Siehe die Sonne an, 80 wirst du ihn sehen. Da sprach jener: Wer vermag denn die Sonne anzusehen. Darauf erwiderte dieser: Hören denn deine Ohren nicht was dein Mund spricht. Wenn kein Geechöpf die Sonne, die doch erst eine der vielen Myriaden Diener Gottes ist, anzusehen vermag, wie 6011 man denn Gott selber sehen können, dessen strahlendes Licht das ganze Universum erfüllt.“ Die Bezeichnung ״er ist noch liöhter als der 4Tag“ stimmt zu dem Ausdruck: שדלו מלא העולם (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht. Kecensionen. Spiegle!־, l*r. Julias. Geschichte der Philosophie -des Judenthums. Nach den neuesten Forschungen dargestellt. Leipzig. Verlag von Wilhelm Friedrich. Eine ganz eigenartige Veranlassung ist es, weloher wir die Entstehung dieses Buches mit seinem hoohtönenden, vielversprechenden Titel zu verdanken haben, eine Veranlassung die uns eigentlich gleich von Anbeginn mit tiefer ehrfurchtsvoller Empfindung für das geistige Schaffen des Herrn Verfassers erfüllen müsste, wenn nioht das von ihm 80 sehr ausser Acht ge- [ lasse ne Wort der Schrift: ״Es mögen dich Andere ן .rühmen und nicht dein eigener Mund“ so störend in ן diese Empfindung eingriffe. Der Herr Verfasser schildert; uns selbst dieses Motiv seiner Arbeit in folgenden empfindsamen, aber in ihrer beabsichtigten Wirkung bedeutungsvollen Worten: ״In meinen langjährigen, Forschungen kämpfte ich ununterbrochen, oft verzweiflungsvoll gegen die tückischen Launen des Ge- , schickes, ohne auch nur irgendwo Sohutz vor dem , rasenden Sturm am Horizonte meiner dornigen Lauf- ׳ -bahn zu finden. Mir glättete der Stirne Falten weder der Händedruck eines Freundes (!), noch das Lächeln einer Frau, auoh das nioht meiner Lebensgefährtin. (Weshalb denn nioht?). O wie oft beneidete ich Sokrates, der den Giftbeoher vollgefüUt au schlürfen bekam, während er mir nur tropfenweise durch ein Leben voller Pein gereioht ward. Aber gerade die äusseren Bedrängnisse trieben; meinen, Geist zum Denken an und ioh arbeitete unverdrossen, ohne Ver-, zagen. Eine göttliche Inspiration, neunen wir es philosophische Inolination, drängte mir idie Feder in die Hand“ (Seite 16). Wir wlttrden gjent mit der Theilnahme an dem geschilderten persöfiHohen Missgesohick auch den Glauben an die höhere Berufung des Herrn Verfassers verbinden, wenn nicht der ganz nnd gar angeschio htliche Geist'des Baches, die zahl-. losen Widersprttohe, die sich in demselben aut Bbhnty und Tritt offenbaren, die häufigen Abschweifungen und persönlichen Ergüsse*) des Herrn Verfassers jedes kritischen Massstabes spotten würden! Es würde — um es kurz zu sagen — ein ebenso zweckloses wie ermüdendes Unternehmen sein, den Augiasstall all dieser sich hier vorfindendeu historischen Irrthümer und der, wie uns bedünken will, oft bewussten Ent- Stellungen za säubern; es werden einzelne Hinweise genügen, nm es mit ziemlicher Sicherheit darsathun, dass der Verfasser auch nicht im Entfernteeten der Mann war, eine Geschichte der Philosophie des Judenthums nach den neuesten (!) Forschungen zu schreiben, wenn er auch wirklich all die über hundert von ihm namentlich angeführten, znm Theil sehr veralteten CompendieD benutzt haben sollte. Von Originalwerken der Philosophie hat er sicherlich nur die allerwenigsten gelesen. Was soll man, fragen wir, von dem Forschersinne eines Mannes denken, der ohne auoh nur eine Ahnang von dem Zeitalter der gnostisohen Ideen im Jadenthume zn besitzen, ohne jedwede nähere Begründang die Meinung äassert (Beite 88) . . . ״Also eine Geheimlehre des Monotheismus wurde dem Mose auf dem Berge Sinai geoffenbart, die nach dem Worte ״kibbel“ (כשה קבל ונורה מסיני) d.h. ״Übernahm“,Kabbala heisst, und die er nar den Aaserlesensten der Nation unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit mittheilte!“ Wie ist die Diseussion 'mit einem Manne möglich, der aaf Seite 39 in folgenden selbstgefälligen und schwülstigen Worten eioh vernehmen lässt . . . ״Där Mysticismus ist demnach die Seele der Offenbarungslehre nnd bildet die esoterische Philosophie der Hebräer^ die zu erforschen, die Aufgabe nachfolgender Blätter ist.“ — ״Wir scheuten keine Mühe, diese Aufgabe befriedigend za lösen. Wir tauohtür bis auf den Meeresgrund, nm die Geisteepeilen der eigentlichen originellen hebräisohen Philosophie für du Sohatakammer der Wissenschaft zu gewinnen. Es freut ans oonstatiren zu können, dass es ans gelangen ist, ein klares Bild derselben darm08teilen, die im Goldrahmen ' der heiligen Schrift gefasst nnd mit religiöaenJFarbaa aufgetragen, in ihren Grandxügen nichts destoweniger den Stempel des Pantheismus trägt, der ihr Leben and Werth verleiht and sie mit dem Lorbeerfcraaa der Unsterblichkeit schmückt.* ״Ja, dar Pantheismus hat es dem Herrn Verfasser angwthan, oder wann wir e8 genauer sagen, die Dreieinigkeitalehre, die nach ihm ihren zweifellosen Ursprung in der Lehre Mosss and der Propheten hat, wie er denn auoh recht absichtlich des Oefteren wiederholt, dass das Christen• tham and die mit demselben correspondirendan An• - sohaaun gen der Kabbala als berechtigte historische Entwicklan gen aus dem Jadenthume erscheinen. — *) Auch die Rabbiner der Gegenwart bereiten dem Herrn Verfasser manchen Henensverdmee. So sagt er auf Seite 10, dass wir aus dem Grande noch kein« systematisch *nagearbeitete Geschichte der jüdisch. Philosophie hselsesn ״weil die Rabbiner gebundene Marschroute heben* — er meint damit, dass sie Bedenken tragen müssen, den verfeinerten Pantheismus oder Mysticismus der Bibel und der früheren Baligionsphilosophie m ■einen verschiedenen Formen nnd Ausgestaltungen geschichtlich darzustellen — ״und die Hicbtrabbiaeo bwfsssm sich wenig mit jüd. Philosophie1־. Aut Seite 967 spricht er von Rasobi, aas Urtbeil von Gräte über denselben an eiaxelnen Stellen ״ach Willkür ändernd, und leistet sich dann tolgenäaa Stoeeeufear: ,,Tämpbra matentur at-noa mntamar in fine. In unserer materiellen Zeit beziehen die Rabbiner Gehalt und erheben Anspruch auf besonderes Nebeneinkommea, wodurch sie allenfalls — er meint ״jedenfalls ‘ — ihr• Onehhängizkait ml Aktionafreihait verlieren*. Dieser Passus dient natürlich nochfl wendigerweise in einer Geschichte der Philosophie des Judenthums zum tietern Verständnis■ desselben! -t'

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