Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 20. (15.5.1890)
- Date
- 1890-05-15
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
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— 77 — schied enen Verfassern angehören, weil nämlich das eine aaf das andere keine Rücksicht nimmt and sich als unabhängig von diesem zeigt Wir haben bereits aersnoht, im Lzufe dieser Auseinandersetzungen die vielfachen zwischen beiden stattfindenden Besiehnngen darsnlegen. Vergleichen wir noch die sinnverwandten Verse, wie z. B. Cap. 1, V. 1, weloher den Berioht von der Sohöpfung des Himmels nnd der Erde einleitet, mit Cap. 2, V. 4, welcher die Gesohiohte des bereits als erschaffen gemeldeten Himmels and der Erde einleitet; ferner Cap. 1 V. 2 mit Cap. 2 V. 5. die einer ohne den andern ungenau und unvollendet sind, endlich'Cap. 1, V. 27 mit Cap. 2 V. 8, welche fast aufeinander verweisen und in symmetrischer Weise beide . Schöpfungsabschnitte mit dem Mensohen als dem Endziele der Schöpfung abschliessen, dann ergiebt es sich zur Genüge, dass der eine Abschnitt nur im Hinblicke auf den andern geschrieben wurde und zwischen beiden nicht blos hinreichende Berührnng8punkte vorhanden sind, sondern auoh, dass sie zusammen ein vollständiges Ganzes bilden, dass Cap. 2 als Fortsetzung und speoielle Ausführung des im Cap. 1 allgemein Gesagten gilt, und das zwisohen beiden Abschnitten vom Anfang her sowohl ein innerer als auch ein äusserer Zusammenhang bestand.*) Die Judenbriefträger in Frankfurt a. M. Von A. Kracaner, Frankfurt. (Fortsetzung statt Schluss.) Ueber die Einnahmen, die mit der Jadenbrief• trägerstelle verknüpft waren, entnehmen wir unseren Aufzeichnungen Folgendes: Feste Bezahlung von dem Thnrn and Taxis’schen Postamte wurde überhaupt 11icht geleistet. Hingegen halten die Briefempfänger für jeden einfachen Brief 2 kr., für jeden eingesohriebenen 6 kr. Bestellgeld zn zahlec.**) Da der Briefverkehr um die Mitte des vorigen Jahrhunderts noch ein sehr geringer war, hatte der Jadenbriefträger anfangs nur eitr sehr unbedeutendes Einkommen and musste auf Nebenerwerb bedacht sein. So nahm er öfters, wenn er die eingelaufenen Briefe vom Postamte abholte, auoh Briefe und Paokete zur Weiterbeförderung dahin mit and erhielt dafür eine kleine Entschädigung.***) ln den Tagesstunden, die ihm sein Amt freiliess, ging er ausserdem noch anderem Verdienste naoh. Je mehr aber za Ende des Jahr• handerts der Verkehr waohs, nnd jemehr auch die Jaden am Welthandel theiinahmen, desto grösser wurde das Einkommen des Briefträgers. Der letzte Briefträger, Jsaao Hayam Sohuster, hatte iu vielen Jahren eine Einnahme von fi. 5000 and galt unter seinen Glaubensgenossen für einen reichen Mann. Er war einer der ersten, der von der Erlanbniss Gebrauch macht•, sieh ausserhalb der Judengasse anzusiedeln, nnd baute sich an der Allerheiligengasse ein Hans. Dass sein grosse• Einkommen bei seinen christlichen Kollegen,'ja selbst bei seinen Vorgesetzten Neid erregte, ist erklärlich. Anoh die jüdischen Gemeindemitglieder sträubte-i sich dagegen noch fernerhin 2 kr. Bestellgeld für jeden Brief zu zahlen, und *) Die Weitläufigkeit und Wiederholung, in welche sich die Schöpfungsgeschichte ergeht, ist auoh vom ethischen Gesichtapankte aus 2a erklären, nämlich als eine Betonung der Wichtigkeit der Schöpfung, der Erhaltung der Welt und des Verdienstlichen der Förderung ihres sittlichen Bestandes, welchen Zweck schon die jüdischen Weisen in dem bei jedem Schöpfangiacte wiederholten götthoben Bote: ״Es werde“ erblickten; VergL ▲bot 6. 1. P. di B. Elieeör Oap. 3. יי) Die christlichen t rieiträgm erhieltet 105 Tbaler teste» - Gehalt and 1 kr. Beetellgeldgür jeden einfachen Brief. •'*) Die■ geeahah hauptnKohJieh an So^n- und Feiertagen, - wo die Jaden ohne Ertaubninsechein die christlichen Stufttheile nioht betreten daxften. - j wollten dasselbe aaf 1 kr. vermindere, dpmBriafträger jedoch ela Ahflndungssame enseerdem‘ ein 1a vereinbarende• feste• Gehalt geben. Indesa •ersohlaven sich die Verhandlungen wieder, und Sohaeter bueb im Vollbesita seiner Einkünfte, bis er 1846 mit der hohen Pension von fl. 1600 in den Ruhestand trat., ‘ Uebrigens war nioht Alias, was der Briefträger vereinnahmte glatter Verdienst Sohon Haynin Moses Sohuster hatte Beitwaise, wenn die Correepandeas gerade eine besonders rege war, die Brief bestell nng nioht allein bewältigen können and •inen Theilder- J selben seiner Fraa übertragen, wie auoh die ohriet- Hohen Briefträger, deren es im Ganzen nur drei gab, ihre Frauen nnd Kinder mit zur Arbeit heranzogen. In den Dienstjahren Jsaao Hayama nahm der Brief• —_ verkehr 80 za, dass er trqtc der Unterstützung daroh seine Frau sioh nooh einige Gehilfen halten musste, die er aas eigener Tasche mit, jährlioh fl. 150 besoldete. Eine Abgabe höchst eigenthümUoher Art hatteder Jadenbriefträger von der Zeit aj> an entrichten, wo unter Primatisoher Herrsohaft diefremden Posten. (wie e. B. die Heesen-Kasselsohe Post im Hainerhof) in Thnrn and Taxis’sehe Verwaltung kamen. Da von diesem Zeitpunkte ab nooh mehr Briefe als bisher daroh die Hände der Thnrn und Taxie’sohen Briefträger gingen, and so die Arbeit, freiiioh aaoh der Verdienst, bedeutend vermehrt wurde, hatte die Generaldireotion die Absicht, einen •weiten Jadeabresj ׳ träger ansustellen. Für Sohuster bedeutete di•• zwar 1' eine grosse Erleichterung seiner Arbeitelast, •ugleioh aber eine gewaltige Sohmälerang seines Einkornnwns. Von letserer Erwägung ausgehend, maohte ihm die Generaldireotion folgenden Vorsohlag, über den .er 8ioh binnen sechs Wochen äassera sollte. In Anb•• tracht, dass die Familie Sohuster von jeher das Amt zur allgemeinen Zufriedenheit aasgeübt habe, wolle man die Idee, nooh einen Jadenbriefträger anzasteilen, fallen lassen, wenn Sohuster jährlioh fi. 600 von seinem Einkommen an die Postkasse abgebe. Nach langer Unterhandlung einigte man sioh auf fi. 400*, dieer von da ab regelmässig entrichtete, und selbst, als er am 1. Ootober 1846 von seinem Amte sarüoktAfc musste er nooh fL 100 für das folgende Vierteljahr zahlen. Aaf seine Beschwerde wurde ihm mitgetheilt, dass er die 100 Gulden nur einstweilen zahlen solle, ' weil man nooh im Etatejuhr sei, naoh Ablegung der Jehresreohnang würde er eie zaräokerhalten. Dieses Versprechen wurde jedooh nioht erfüllt. Unsere Aafzeiohnangen bemerken dazu in bitterem Tone, es •ei dies wohl der einzige Fall, dass ein Beamter seinem Dienstherrn, der ein Vermögen von vielen Millionen beeass, eine jährlioh• Abgabe eahlte, die genügt hätte, ihm bei einer Lebensversicherung eine bessere Beate za sichern, als sein späteres Rahegehalt betrug. (SohL £) Reoeasionen. Wolf, G. Josefina. Wien 1890. 128 & d. Der rühmlioh bekannte Historiker G.W01£ welcher } nioht nar für die jü die ohe Geschichte, sondern •nah für die allgemeine Geeohiohte Oesterreichs bedeutende Leistungen aafisa weisen hat, hat \ in dieser Sohrift, die dem-Andenken an die hundertjährige Wiederkehr de• Todestegee Kaiser Josefs II. gewidmet ist, schätzenewerthe Materialien zu Tage gefördert Kaiser Josef erscheint ans hier mit •einen seltenen Vorzügen eis Mmunh und ■einen mehsehliohna Sch väoben »l» Regent in völlig nnparteisehem Tenhite Jeder *-■ Leser kenn sioh selber aus den mitgethaütao Do•*- menten und Aotenstüoken ein Uitheu über die•• •iär * ־ ־ י*. %