Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 20. (15.5.1890)
- Date
- 1890-05-15
- Page
- Seite 76 (sequence 2)
- Language
- German
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V — 76 — Wolframs von Esohenbach“ du Verhältniaa dieser Dichtungen nr Beligion and ca den religiösen Strömangen seiner Zsit ca erforschen gesucht. Gegen wärtige Studie beschäftigt rieh nur mit den Beaiehangen des Pcrcivcl and des Titarel com alten Testament and cor rabbinisehen Litteratar. Wolfram selbst erwähnt im Paraival die Jaden nnr einmal (12, 8, Saä nooh ein jade pfkndee gert). Ob die biblischen and rabbiniedhen Sätce ▼on Wolfram selbst in sein Gedicht hineingewebt worden, oder ob er sie ▼on seinen Quellen oder Gewährsmännern fiberkommen hat, soll hier nicht antersaoht werden. — Unserer Studie haben wir den Text der vierten Ausgabe, die ▼on MfillehnfF besorgt wurde, ca Grande gelegt. (Forts, folgt.); i - Die!Varianten in den biblischen Parallelen,! ’ verglichen von Dt. Ad. Frankl-Grün. ־mT _ 1. Die Schöpfung. Der Akt der Weltschöpfring wird auf die einseinen Tage vertheilt in Genesis 1, 1—81 geschildert nnd mit einem amfassenden Gesammtäberblicke in Genesis 2, 4—24 darge?teilt. Der Umstand, dass im 1. Oapit?l der .Gottesname bloss mit Elohim nnd im zweiten mit J n w h — Elohim beseichnet wird, gab caerst and hauptsächlich die Anregung su jener Hypothese ▼on einer elohistischen and jhwistisohen (te8#er j h w h — elohistischen) Urschrift.*) Ausserdem fanden die Bibelkritiker Widerspräche zwisohen dem ersten and zweiten Sohöpfangsberiohte, welch letzterer nach ihrem Dafürhalten keine Bäcksicht auf das ,Vorhergehende nimmt, der ▼on der Befruchtung der Erde nnd der Erschaffung der lebenden Wesen 80 erzählt, als sei davon früher noch nicht die Bede gewesen, daher ▼on einem anderen Verfasser herrOhren müsse, and nur wegen dee gleichen Inhaltes yon einem späteren Sammler dem ersten susammen• hanglos and ohne jede Verbindung angereiht wurde, gegen deren schriftstellerische Einheit aber angeblich auch die ihnen zugrunde liegende Verschiedenheit der Vorstellungen nnd Begriffe, des Sprachgebrauches and der Ausdrucks weise sprechen. Bei näherer Untersuchung des Verhältnisses lier beiden Capital ca einander ergibt es sich jedoch, dass die scheinbaren Varianten im zweiten Capital nichts anderes als eine Ausführung des früher knrzgefaasten notizenähnlichen Berichtes sind. Da״ erste Capitel schildert skizzenhaft in Umrissen and Grundlinien das Moment der Erschaffung der Geschöpfe nach systematischer and chronologischer Aufeinanderfolge, die blosse Begebenheit als solche, die Schöpfung selbst, das Hervorbringen aller Dinge als blosse Thatsache im Allgemeinen, während Cap. 2 dis Geschichte der bereits bestehenden .Sohöpfang, die Art nnd Weise des Erschaffene im Elinzeinen, die Gestaltang nnd Entfaltung aller Wesen in ihrer Wirksamkeit uns ▼orfuhrt. (VgL Cap. 1, 1 2 mit Cap. 2, A 5; 1, 12 mit 2, 9; 1, 27 mit 1, 7.) Und dieser stufe»weise Fortschritt in der Entwtokelang aller *) Dieser Wechsel in der Benennung Gottes beschäftigt eohoo die ältesten jüdischen Theologen! drasch mbba zu Gen. Cap. 12 iieet schon V. 4 in Gap 2 zum Vorhergehenden, wodurch die Hypothese von einer ן h w. und eloh. Vorschrift nPUEWtoeien wird. VgL Jbn. Eera Commentar su Gen. 1, 12. fi. Ktts. 2. 2. 4, 3. (Die Ethik dee Juda Halevl. S. 30.) Mahn. Mexe IL 61. Mendelssohn^ Comm, Exod 3,16: h' 3. dessen Brief- Wechsel אגרת ר0״ד s. 3. Die Identität, una Einheit beider (InHisrsimiii jedoch wird •asgesprochen in Gen..Cap. 26. 21. L 16,30. Psalmen 118, 27; Zach. 14, 9. Wesen, den das 2. Gap. bekunden soll, kommt aaoh in der ▼oigeechrittenen Vorstellung ▼on der Gottheit and in deren Benennung epm 4-a*draok. Elohim bezeichnet die ursprüngliche, beschränkte Auffassung ▼on der Gottheit als dem Collectivbegriff der Ge- 8ammtheit aller Kräfte, als der in der sohöpterisohen Thätigkeit 8ioh aussernden Allmaoht; Jhwh (lies Adnoi), der vierbaohstabige, unaussprechliche Name Gottes bedeutet sohon das aas des Mensohen eigener Lebensausohaaang und Erfahrung erkannte, inneriioh empfundene, ewig seiende Wesen, welohes daroh die Ertheilang seines Gebotes mit Adam selbst in Verbindung getreten ist, and ihm seine Güte, sein Wohlwollen, seine Fürsorge daroh die Einsetzung, Segnung und Heiligung des Sabbaths kund gethan hat. Somit wäre die zwisohen den beiden Absonnitten bestehende Haaptdifferenz ausgeglichen. Aber auch der Widersprach betreffs der Aufeinanderfolge der einzelnen Sohöpfungsakte, dass nach Cap. 1, 27. 28, die Schöpfung des Mensohen nach den Pflanzen and Thieren una gleichzeitig mit dem Weibe erfolgte, and nach Cap. 2, 5. 7 hingegen, Gott vor dem Dasein des Menschen nichts wachsen liess und erst naoh dessen Ersohaffang die Thiere (V. 19) and zuletzt erst das Weib bildete (V. 22), ist durch diese, unsere Untersoheidung zwischen dem Sachlichen und Geschiehtliehen gelöst.*) Cap. 2 will eben gar nicht über das als bekannt vorausgesetzte Factum referieren, dass die Thiere and Pflanzen gesohaffen, sondern vielmehr darüber, wie sie gesohaffen wurden, wie sie sich entwickelt, woduroh ihr Waohsthum gefördert wurde (6. 10) und dass Adam den Thieren, deren Sahöpfang naoh Cap. 1 der des Mensohen vorangegangen ist, Namen gab (die Verba יצמח ריצר, וייבן im Vers 7, 9,19 stehen im Plasquamperfectum). Naoh dieser unserer Anschauung vom Verhältnisse der beiden Absohnitte zu einander ist auch eine andere, sohon mehr das philosophische Gebiet streifende Frage beantwortet, warum nämlich im Cap. 1. die Pflanzen unmittelbar durch den blossen göttlichen Ausspruch hervorgebraoht worden, im Cap. 2, 5 aber deren Waohsthum vom Begen und von dor Bearbeitung des Bodens abhängig gemaoht wird. Weil eben im 2. Capitel die Pflanzen sohon als Gartensohmuok, in ihrer gedeihliohen Entwicklung dargestellt werden, welche auch ▼on der Zuthat des Mensohen und der Natur bedingt ist. Belanglos ist die Frage, dass naoh Cap. 1 V. 26 (5, 1.) der Mensoh gleioh mit der Ebenbildliohkeit Gottes zur Welt kommt, nnd naoh Cap. 2 V. 3 (eigentlich Cap. 3, 5) er sie erst später durch die Erkenntnis des Gaten and Bösen erlangt. Denn die Stelle: er hauchte in seine Nase * einen lebendigen Odem, (Cap. 2, 7) ist eine blosse Umsohreibang für die ihm verliehene Gottesähnliohkeit. Die Kritiker, welche diese zusammengehörenden Abschnitte durchaus trennen wollen hätten mit demselben Beohte in der abweichenden Schilderung der Erschaffung des Weibes zwisohen 1, 37 nnd 2, 21, 22 einen ־Widersprach erblicken können, oder darin, dass im 1. Cap. 1. V. der Himmel vor die Erde, im 2. Cap. 4 V. aber die Erde vor den Himmel gesetzt wird, ja sogar in demselben Verse zwischen dem ersten nnd zweiten Satztheile. Wir wären nun bei dem dritten, schwächsten Paukte angelangt, aaf den die Fragmentaristen ihre Behaaptang stützen, dass die beiden Capitel von der Weltsohöpfaug zwei ver- *) Der mit den Erklärungsreeeln der hl. Schrift Vertrante weise ee, dass diese in ihren ErzähJcngen oft vor- und sartlekgreift and die Ordnung der Begebenheiten nicht beachtet, ebenso dsas sie aal das Generelle das Specielle folgen lasst. Vgl. Baechi za Genesis Gap. 9, 8 aas Traotat Beraabot KQD התלמוד Seite 97! 18.כלל ופרט- ־ ,<*#־