Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 19. (8.5.1890)
- Date
- 1890-05-08
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
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irdische Unterweisung verehrt wird. Die Herrsohaft des Gneis erstreckt sich über die ganze Erde. (Par• aival 231, 23. 285, 29. 30. 239, 1—10.) Obwohl im "Verlaufe dieser Studie an mehreren Stellen die mit den Graal verwandten Züge, die auoh anderwärts sioh finden, beseiohnet wurden , wollen י wir doch unsere Conjeotur Aber den Graal und dessen Bedeutung hier zusammenfassend vortragen. Das was von dem Graal berichtet wird, ist eine Ersählang und keine Sage. Denn der ganzen Schilderung fehlen alle Bedingungen des Sagenhaften. Ein Kriterium der Sage ist, dass das Beriohtete unbewusst, ohne jede Absichtliohkeit geschildert wird. Es muss aus der Denkform und aas dem Gemfithsleben eines Zeitalters her- Vorgehen. Denn der Mythos überhaupt ist eine der verschiedenen Formen des Denkens und Fühlens, die ach ihren jedesmaligen Inhalt suoht. So wie es eine poetische, eine logisohe Form des Denkens giebt, 80 giebt es anoh eine mytisohe. Dieser Form am * nächsten steht diejenige, die ihren Gedankeninhalt in der Gestalt der Sage zum Ausdruoke bringt.*) _ (Foreetzung folgt) Oie Judeebriefträger in Frankfurt a. M. Von A. Krtctner, Frankfurt Der zehnte Band des ,Archiv für Frankfurter Geschiohte und Kunst“ enthält einen werthvollen Aufsatz von Postsekretär Faulhaber über die Ge- Schichte der Post za Frankfurt a. M. Der Verfasser druckt darin auch ein Bathsedikt aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts ab, dass, zurüokgehend auf die beschränkenden *Bestimmungen der Stättigkeit von 1616, alle Vorschriften aufzählt, welche die Juden'.bei ihrem Verkehr auf der Post zu ״beobachten hatten. So durften z. B. nicht die christlichen Briefträger den Juden die Briefe ins Haus tragen, sondern es war ein Frankfurter Sohutzjude, der in seinem Amte vom Fürsten von Thum und Taxis bestätigt werden musste, eigens dazu bestellt, die an jüdische Adressaten gelichteten Briefe von der Poet zu holen und sie in der Gasse auszutragen. Derselbe führte offiziell den Titel ,der Judenbriefträger*. Das ist Alles, was Faulhaber über diesen Beamten erwähnt. Es ist deshalb vielleicht für manche Kreise von Interesse, wenn wir den Inhalt einer Seihe von Dokumenten und Aufzeichnungen veröffentlichen, die uns.von befreundeter Beite zur Verfügung gestellt sind. . Dieselben sind nach mündlichen Berichten von einem Betheiligten niedergeeohrie ben und geben ein «neues Bild der Wirksamkeit, der Pflichten und der JbjlebnissA dreier Frankfurter Jadenbriefträger. Die Aufzeichnungen beginnen erst mit dem Jahre 174& Wer vor diesem Zeitpunkte das Amt des;Judenbriefirägers inne gehabt hat, wissen wir nicht In diesem Jahre trat der seitherige Briefträger zum Christenth am über und verlor dadurch seine Stellung. Um den fragewordenen Posten bewarb sioh Moses Max Schuster. Derselbe geness weit über die Grenzen de• Ghetto hinaus den Ruf eines vorzüglichen Schachspielen, und so kam es, dass er nicht nur als Lehrer dieses Spiels bei den hohen und höchsten Herrschaften ^ngang fand, "sondern auoh zuweilen eingeladen ,wurde, eine Partie mit ihnen zu spielen. Auf diese Weise meine Schritt: Babbi Jshnda Wannen und die 1 äiiachna, eine kritisch-historische und Termythologische Stad» 8. 66, u. H. Steinthal: Mythos “־־ f *4 lernten ihn unter Anderen der Herzog von Württemberg und der Fürst von Thum und Taxis kennen. Diese fanden bald, dass Sohuster nicht nur ein guter Sohaehspieler, sondern auoh ein Mensch von Vertrauenswürdigem Charakter und verschwiegenem Wesen war. Beide benützten ihn deshalb öfters als Privatkarier, wenn sie wiohtige Schriftstüoke, die sie der Post nioht an vertrauen wollten, za versenden hatten. Sohuster führte solohe Aufträge nioht nnr auf daa Pünktlichste, sondern auoh auf das Billigste aus, da er, an die denkbar bescheidenste Lebensweise gewöhnt, nur ia den bescheidensten Harbergen einkehrte.*) Es war selbstverständlich, dass der Fürst von Thum und Taxis einem ihta so wohl bekannten Manne das erledigte Briefträgeramt gern za wandte. Am 4. September 1718 wurde Sohuster sohriftlioh in seinem Amte bestätigt. Das Anstellungsdekret, das den Aufzeichnungen beigefügt ist, hat folgenden Wortlaut: ״Wir Alexander Ferdinand et«. . . . uhrkanden hiermit. Demnach wir den würklichen Judenbriefträgir zu Frankfurt!! Kähmens Schuster seines bishero bezeigten Fleiases und wohl- Verhaltens halber, auch besonders‘ in Consideration des bey Uns für Ihme eingelebten sicheren fürnehmen Vororts in dem Briefträgerdienst für die Jadenschaft za Fr&nkfarth confirmirt und bestätiget haben, auch Ihm hierdurch doch dergestalten confirmiren und bestätigen, dass Er, Schuster, bey seinem : ferneren Wohlverhalten und 8• lang Unser kays.!Reichs-Ober- | Postamt zu Frankfurth mit Bestand gegen Ihn nichts erheb-! liches einzuwenden, Er auoh der Gebühr und seitherigen Obaer- 1 vanz nach für die Täglich empfangende Briefe gute Zahlung! geleistet und praestanda praesiret haben wird, bey dem würk-! ich an!habenden Briefträgersdienst zeitlebens belassen werden sollen. Also ist 'Ihme gegenwärtiges von Unea Eigenhändig unterschriebenes und mit Unserem fürstl. Inaigel corroborirtea Decretum aasgefertigt worden. So geachehen auf Unserem Schloss Tragenhofien d. 4ten Septembris 1748. Alexander Fürst von Thum und Taxis.“ Von da ab verblieb das Amt in derselben Familie, bis es darob die veränderten Zeit Verhältnisse in Wegfall kam. Als im Jahre 1773 Fürst Alexander Ferdinand starb, bestätigte auch sein Sohn Carl Ansalm den Jadenbriefträger in seinem Amte. Ausserdem stellte er ein zweites gleichzeitiges Dekret ans, in dem er den Sohn von M0968 Max, Havum Moses, za dessen Gehilfen ernannte. Nach dem bald darauf eingetretenen Tode von Moses Max Sohuster erhielt Hayam Moses, laut Dekret vom Dezember 1773, die erledigte Stelle. Als dieser 8ibh im Jani 1806 in den Bnhestand versetzen liess, folgte ihm wiederum sein Sohn Jsaao Hayam im Amt, das er bis 1846 inne hatte. (Schluss folgt) Die Varianten in den biblischen Parallelen, verglichen von Dr. Ad. Frankl-Orün.* üT Sowie Rasohi haben auch die von der Unserreissbsrkeit des überlieferten Bibeltextes übersengten älteren Commentatoren den inneren Zusammenhang und die gegenseitig» Voraussetzung der Parallelen hervorgehoben. Viel leiohter machen es sieh die späteren, selbst die sonst oonservativen Kritiker, welche ohne Rücksioht auf die mehrteasendjährige Tradition von der Einheit der Thora, die Entstehung der bibltsohen *) Dieser Vorzug fiel bei eeiaen hohen Auftraggebern so ■ehr ins Gewicht, dass der Herzog von Württemberg einst au frählioher Tafelrunde sich ■eines Knriers rühmte, der ao wenig Boieoepeeen berechne,-dass es ana |Unglaubliche grenze. Einer der anwesenden Offiriere bet, ein• Wette *״״c*h*~ za dürfen, dass er noch billiger als fraglicher Kurier reise. Die Wette wurde angenommen und beide, Sohnstar and de? Offizier, gleichzeitig mit Depeschen abgesandt J Trotzdem 1 ■toterer •eh eo viel als möglich amaohrtnkte, verlor er die Wette, de -ihm eine solohe Bedürft! iarioeigkeit wie dis Schuster■ absolut fremd war-